Science-Fiction-Buchtipps der Berliner Buchhandlung Otherland

BUCH

Neue Science-Fiction-Bücher im Oktober: Lesetipps aus der Buchhandlung Otherland


Es gibt wieder neue Bücher aus der Science Fiction. Hier sind die aktuellen Buchtipps aus der Berliner Fantasy-und Science-Fiction-Buchhandlung Otherland

Nnedi Okorafor - Binti

Nachdem ich etwas durch Lagoon gestolpert bin, hab ich mich in Okorafors Binti verliebt - vor allem der erste Band hat es mir im Englischen angetan, Binti, die junge Himba-Frau, die aus ihrem afrikanischen Dorf zur galaktischen Universität abhaut. Mitten zwischen die Fronten zwischen Menschen und Medusen gerät. 

Das ist Science Fiction. Frisch. Ohne Drehbuch. Manchmal auch sperrig, wenn Afrofuturismus-typisch Ansätze von Magie, uralten Geheimnissen und Ritualen vorkommen. Frisch auch, weil Bintis weibliche Rolle nicht in Stereotypen hängen bleibt - sie ist weder Opfer noch Täter und trotzdem verantwortlich für ihr Handeln.

Großartiges Gesamt-Coverdesign der Okorafor-Ausgaben vom Cross-Cult-Verlag, da ist Verständnis und Liebe zum Inhalt und zur Autorin drin - und Respekt vor den Lesern. 

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Wandernde Himmel von Hao Jingfang bei Amazon bestellen
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Hao Jingfang - Wandernde Himmel

Im Jahre 2096 gründet die Erde eine Marskolonie, die sich gesellschaftlich schon bald in eine völlig andere Richtung entwickelt. Hundert Jahre später wird eine Gruppe Jugendlicher zur gegenseitigen Verständigung vom Mars zur Erde gesandt …

Nachdem Cixin Liu in Deutschland eingeschlagen hat wie drei wandernde Sonnen, war es natürlich nur eine Frage relativ kurzer Zeit, bis die deutschen Verlage weitere chinesische SF-AutorInnen für sich entdecken. Von Hao Jingfang ist beim Kleinverlag Elsinor bereits die Novelle Peking falten in deutscher Übersetzung erschienen, ein kleines, nachdenkliches Social-Fiction-Werk über eine denkbar radikale Spaltung der chinesischen Gesellschaft. Mit Wandernde Himmel kommt nun ein mächtiges Werk, dessen Prämisse an Ursula K. LeGuins Klassiker The Dispossesed (dt. zuletzt als Freie Geister bei FISCHER Tor) erinnert. Schön, dass uns mit Hao Jingfang jetzt eine chinesische Autorin einer jüngeren Generation und mit ganz anderen inhaltlichen Schwerpunkten als Cixin Liu zugänglich wird! 

Arkadij und Boris Strugatzki - Das Experiment

In einer scheinbar grenzenlosen Stadt, deren Ort unbestimmt bleibt und deren Geschichte länger zurückreicht, als sich irgendwer erinnern kann, treffen eine Reihe Männer aufeinander, die aus unterschiedlichen Ländern, zu unterschiedlichen Zeiten für das Experiment angeworben wurden (die vereinzelten Frauencharaktere spielen keine Rolle für die Handlung und sind so überzeichnet und nichtssagend, dass man das Buch entweder frustriert an die Wand werfen, oder sie so schnell wie möglich überlesen muss).

Niemand von ihnen kennt den Zweck des Experiments, nicht einmal die mysteriösen Mentoren, aber “das Experiment ist das Experiment” - so die lakonisch-nihilistische Antwort auf alle Fragen, die Andrej und seine Bekannten aneinander, an die Mentoren und an die Welt richten. Sie erleben die Invasion ihrer Stadt durch Paviane, finden sich auf verschiedenen Seiten politischer Umstürze wieder, klettern die soziale Leiter auf und ab. Schließlich brechen sie zu einer Expedition in die verlassenen Außenbezirke der Stadt auf. Dabei waten sie durch Schlamm und Exkremente, hungern, bluten und diskutieren dabei über den Sinn des Ganzen.

Es war schwierig für mich, dieses “Opus Magnum der Brüder Strugatzki” (Klappentext) als Science-Fiction zu lesen, weil es so offensichtlich ein Buch über das 20. Jahrhundert ist (es entstand in den frühen 1970ern, erschien aber erst in den späten 1980er Jahren). Dann aber gibt es immer wieder diese Stellen, in denen die Beschreibungen der politischen Dynamiken in der Stadt so unheimlich an das Heute erinnert, dass ich mich frage: Wenn die Zukunft der Strugatzkis unsere Gegenwart war, was bedeutet das dann für unsere eigene Zukunft? Die Antwort ist klar: Das Experiment ist das Experiment. 

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Judith C. Vogt - Roma Nova

Was wäre wenn. Wenn Rom nie “untergegangen” wäre. Rom und das römische Imperium bis in die weite Zukunft herrschen würde. Raumschiffe und Rom. Na? Neugierig? Satte Mischung aus SF, Fantasy und Geschichte. 

Chan Koonchung - Die fetten Jahre

Im Zuge des Drei-Sonnen-induzierten Chinesische-SF-Booms hat der Fischer Verlag jetzt einen älteren Titel neu aufgelegt - erfreulich, denn Chan Koonchungs Die fetten Jahre ist eine erfrischend heimtückische SF-Satire. Im China der nahen Zukunft ist ein Jahr aus der Erinnerung der Menschen verschwunden. Der Schriftsteller Lao Chen wird unfreiwillig in die Intrigen um das vergessene Jahr verwickelt, als sich eine Bekannte von ihm auf die Spur der Ereignisse setzt … Chan Koonchung kontrastiert sein absurdes Szenario mit einem leise verzweifelten Tonfall - ein schöner, trauriger und komischer Roman. 

William Gibson - Peripherie

Endlich gibt's den “neuen” (inzwischen auch schon älteren) Gibson als Taschenbuch. Nix für Fast-Food-Leser, eher was für Neal Stephensons … russische Mafia, die über Netzwerke aus der Zukunft in die Vergangenheit greift. Ziemlich abgefahren, aber hey: alles ist relativ! Also Zunge wieder rein und loslesen - garantierte Tour de Force!

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Andreas Brandhorst - Ewiges Leben

Andreas Brandhorst ist für mich ein Phänomen: in beinah regelmäßigen Abständen kommen seine neuen Bücher bei uns in die Regale, und jedes lohnt sich zu lesen -seien Bandbreite geht dabei von fetter Space Opera bis zum Technologie-Thriller: wie zum beispiel sein neuestes Werk Ewiges Leben. Das Setting ist klassisch: Journalistin wird engagiert, um über den Konzern zu schreiben, sie recherchiert tiefer als sie sollte und entdeckt ein paar Leichen im Keller. Das ist jetzt metaphorisch gemeint, denn in Wirklichkeit entdeckt sie ewiges Leben und einen bösen Plan des bösen Konzerns. Brandhorst liefert, immer wieder. 

David Weber- Honor Harrington - Schmiede des Zorns

Band 36 (!) der Honor Harrington-Saga. Operation Janus läuft-doch wer steckt dahinter? Ein Krieg zwischen Manticore und der Solaren Liga würde die Grundfesten der Galaxis erschüttern.

Jason M. Hough - Key Ship - Die letzten der Erde

Hier nun der abschließende Band von Jason Houghs Dire Earth Cycle, der mit  Darwin City und Exodus Towers angefangen hat. Mit Key Ship geht's nun rasant auf das Finale zu: gelingt es dem Team Skyler Luiken die Seuche zu stoppen, bevor die Aliens auf der Erde ankommen?  

Tobias O. Meißner - Dungeon Planet

Die Prämisse hat was von Meißners großem Werk Paradies der Schwerter: Auch hier geht es um ein Spiel ums Überleben, inspiriert von Fantasy- und Computerrollenspielen. Der Dungeon Planet ist eine planetengroße Verlies-Arena, in der man gewaltige Reichtümer findet … oder den Tod. Als Protagonisten der alte Raumkapitän, der den Dungeon Planet schon einmal überlebt hat und die junge Abenteurerin, die den Widerwilligen dazu bringt, noch einmal in dessen Tiefen abzusteigen … Bei Meißner darf man sich darauf verlassen, dass das nicht nur großer, düsterer Abenteuerstoff ist, sondern auch alles verdammt hintertrieben. Am 19. Oktober veranstalten wir eine Autorenlesung zum Roman bei uns im Otherland! 


Geschrieben von den Otherlandern von Wolf, Jakob und Sarah.

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