Überleben im Atombunker: Durch die Galaxie mit Dmitry Glukhovsky

© Ksenia Tavrina

NERD TALK

Überleben im Atombunker: Durch die Galaxie mit Dmitry Glukhovsky


Mit seiner METRO-Trilogie etablierte sich Dmitry Glukhovsky als moderner russischer Science-Fiction-Autor in der Szene. Inzwischen lässt er die Zukunft lieber auf sich zukommen als sie sich auszudenken, denn für ihn bietet auch die Gegenwart extrem viele Aspekte, die wirken, als stammten sie aus einem Science-Fiction-Roman. So auch in seinem aktuellen Roman TEXT (Europa Verlag, 2018). Wir haben den Autor anlässlich unserer Nerd-Talk-Reihe "Durch die Galaxie" ein paar Fragen gestellt.

Darum geht es in TEXT: Nach sieben Jahren unschuldig im Straflager kommt Ilja nach Hause und bemerkt, dass sein altes Leben in Trümmern liegt: seine Mutter verstirbt noch während er auf dem Weg zu ihr ist, seine Freundin hat sich einen anderen gesucht und sein ehemals bester Freund will nicht mehr viel mit ihm zu tun haben. Enttäuscht ertränkt Ilja seine Trauer im Alkohol, bis er im Rausch der Verzweiflung jenen Fahnder aufsucht, der ihn vor sieben Jahren zu Unrecht hinter Gitter brachte. Im Affekt ersticht Ilja ihn und nimmt ihm sein Smartphone ab. Denn Iljas einzige Chance, unentdeckt zu fliehen, ist, die Kontakte  des Fahnders im Glauben zu lassen, dass er noch am Leben ist …

TOR ONLINE: Wenn du dir einen persönlichen Themensong aussuchen könntest, der jedes Mal gespielt wird, wenn du einen Raum betrittst – welcher wäre das?

Dmitry Glukhovsky: The Imperial March von Star Wars natürlich! Was für eine Frage?! 

Wie prokrastinierst du am liebsten?

Indem ich vor einem offenen Word-Dokument am Laptop sitze und, statt mein neues Buch zu schreiben, alle naselang die Likes auf meiner Facebook-Seite checke.

Welches ist dein absolutes Lieblingsmärchen?

Ich mag Cinderella sehr gern. Es gibt kein anderes Märchen, das einem tiefere Einblicke in die wirre Gedankenwelt eines Mädchens gibt. Und all die unglaublich erfolgreichen herzzerreißenden Mädchenstoffe – sie sind alle eine Neuauflage von Cinderella: Pretty Woman ist wie »Cinderella treibt's mit Richard Gere«, Twilight wie »Cinderellas erstes Mal« und Fifty Shades of Grey wie »Cinderella steht auf Haue«.

Endlich hat die Menschheit Kontakt zu fremden Wesen aus einer anderen Galaxie aufgenommen. Was ist die erste Information, die du diesen Wesen über uns Menschen und die Erde mitteilen möchtest?

»Nimm mich mit nach Hause, Dad, es ist so langweilig hier.«

Welche Art von Apokalypse (Zombies, Roboter, Eiszeit, Meteoritenschauer, etc.) ist zu deinen Fähigkeiten zum Überleben am meisten kompatibel?

Willst du mich veräppeln? Ich habe drei Bücher darüber geschrieben, wie man einen Atomkrieg überlebt! (Metro 2033, Metro 2034, Metro 2035) Ich weiß alles über Bunker und das Moskauer U-Bahn-System. Der Atomkrieg wäre also genau die Apokalypse, in der ich überleben kann. Also, kommt in Moskau vorbei, wenn der Dritte Weltkrieg ausbricht – ich führe euch dann rum.  

Hast du einen Lieblingsroman aus dem Genre Science Fiction?

Besonders angetan hat es mir 1984 von George Orwell, das ist mein absoluter Favorit. Und ich mag die Strugatzki-Brüder sehr.

Was ist dein Lieblingsmonster aus Literatur, Kino, TV?

Pan aus Guillermo del Toros Pan’s Labyrinth war schon ziemlich beeindruckend. Aber Joseph Stalin aus der Sowjet-Mythologie sorgt für noch weit mehr Gänsehaut.

Hast du ein Lieblingswort?

Klar doch: »post-apocalyptic«. Niemand kann das so schnell aussprechen wie ich. Und das ist keine Magie, nur Übung: Ich sag das jeden Tag ein paar Dutzend mal.

Welche Technologie aus futuristischen oder phantastischen Roman- oder Filmstoffen sollte am besten jetzt schon existieren?

Viele Dinge, die in meiner Kindheit als Science Fiction angesehen wurden, sind inzwischen real geworden. Smartphones machen uns gewissermaßen zu Übermenschen und wir merken das nicht einmal mehr: Wir sind allwissend, wir können mit Menschen auf der anderen Seite der Welt reden und sie sogar dabei sehen, und wir können unsere Erinnerungen in einer Cloud speichern. In meinem aktuellen Roman TEXT beschäftige ich mich genau mit diesen Themen – und es ist ein realistischer Roman, keine Science Fiction. Aber was ich tatsächlich kaum erwarten kann, ist, dass Menschen unsterblich werden – und somit auch ich, solange ich es verdient habe. 

Vielen Dank für das Interview!

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