Neue Science-Fiction-Bücher im September: Lesetipps aus der Buchhandlung Otherland

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Neue Science-Fiction-Bücher im September: Lesetipps aus der Buchhandlung Otherland


Es gibt wieder neue Bücher aus der Science Fiction. Hier sind die aktuellen Buchtipps aus der Berliner Fantasy-und Science-Fiction-Buchhandlung Otherland

Cixin Liu - Weltenzerstörer

“Alarm, Alarm, der Weltenzerstörer kommt!” lautet die Botschaft der Zivilisation Epsilon Eridani, die ihm zuletzt zum Opfer gefallen ist. Kurz darauf beginnen die Verhandlungen - schafft es die Erde? Diese - zugegebenerweise - viel zu knackige Novelle (die übrigens auch im Sammelband Wandering Earth zu finden ist) befasst sich mit aktuellen Themen wie Klimakatastrophe und Globalisierung. Wer Liu-Superfan ist, während seines Besuchs so viele Signaturen wie möglich einfangen möchte oder aber die Würze in der Kürze sieht, dem darf auf Weltenzerstörer auf keinen Fall fehlen. 

Sascha Pranschke - Am Ende der Welt liegt Duisburg am Meer

Das Ende der Welt, das Sascha Pranschke in seinem Roman beschreibt, ist nicht allzuweit von der Gegenwart entfernt: Das Ruhrgebiet ist fast vollständig überflutet, nur um Duisburg wurden in letzter Minute noch Deiche hochgezogen, um den größten europäischen Binnenhafen vor dem herannahenden Wasser zu schützen; retten konnte diese letzte Maßnahme die Stadt nicht. Als Pranschkes Geschichte anfängt, ist Duisburg der zerfallende Wilde Westen einer völlig veränderten Landmasse, auf der es keinerlei staatliche Autorität, gesellschaftliches Leben und sozialen Zusammenhalt mehr zu geben scheint.In dieser Welt leben die Geschwister Ben und Mara. Ihre Eltern haben sie schon lange verloren, ihre wenigen freundschaftlichen Beziehungen zerbrechen unter dem Druck des alltäglichen Überlebenskampfes. Also machen sie sich auf den Weg in Richtung Osten, ins Landesinnere, auf der Spur von Gerüchten um einen Kapitän namens Nemo, der Leute mit seinem Schiff in eine sichere Kolonie im Nordosten Europas bringen soll. 

Es ist keine schöne Zukunft, die Pranschke sich ausmalt, eher eine klassische Dystopie über soziale Verheerungen eines unkontrollierbaren Klimawandels. Die Reise der Geschwister ist spannend geschildert und viele kleine Details machen nachdenklich: es gibt keine Türen mehr, um sich ein Floß daraus zu bauen, weil Holz eine knappe und begehrte Ressource ist; ähnlich ist es mit Büchern. Feuer wird an einem zentralen Platz bewacht und gegen Lebensmittel oder Gebrauchsgegenstände eingetauscht. Man muss Pranschkes düstere Vision nicht teilen oder für plausibel halten, um seine oft schonungslose, aber konsequente Schilderung des Überlebenskampfes in einer nicht wiederzuerkennenden Welt zu schätzen. 

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Keine Zeit verlieren: Über Alter, Kunst, Kultur und Katzen von Ursula K. Le Guin bei Amazon bestellen
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Ursula K. Le Guin - Keine Zeit verlieren. Über Alter, Kunst, Kultur und Katzen

Dieser Band, der in diesem Jahr posthum mit dem Hugo als “Best Related Work” ausgezeichnet wurde, versammelt einige der Artikel, die Ursula K. Le Guin ab 2010 auf ihrem privaten Blog (immer noch abrufbar) veröffentlichte. Wie zu erwarten, enthält das Buch Reflexionen über das Schreiben und die Literatur, über Frauen, Männer und Politik, aber auch persönlichere Einträge über das Altern und über Le Guins persönliches (menschliches und tierisches) Umfeld. Das ist zum Teil erhellend, zum Teil trivial, immer aber eloquent formuliert und engagiert, durchdacht.

Ich finde allgemein, dass es nicht jeder Blogpost gut verträgt, gedruckt zu werden, weil er beim Wechsel von einem Medium ins andere schnell seine Leichtigkeit einbüßt. Mit manchen der Texte in diesem Buch ging mir das so, und ich würde sie auch nicht zum Einstieg in LeGuins Schriften und ihre Gedankenwelt empfehlen. Für die, die mit ihrem Werk vertraut sind, ist dieses Buch der schöne Nachhall einer literarischen Stimme, von der auf Deutsch bisher noch viel zu wenig verfügbar ist.

Timur Vermes - Die Hungrigen und die Satten

Okay, ich misstraue Timur Vermes. Ich habe Er ist wieder da nicht gelesen, weil ich einfach so gar keine Lust auf noch eine “bitterböse Satire” mit Hitlerthema hatte, die sich am Ende wahrscheinlich doch nur in seichter Provokation und invertiertem Starkult erschöpft … dachte ich mir. Und bekomme jedes Mal, wenn ich darüber rede, glaubhaft von jemandem, der Er ist wieder da gelesen hat, versichert, dass das Buch großartig sei und meinem gehegten Vorurteil.so gar nicht entspreche.Deshalb habe ich mir vorgenommen, Vermes’ neuem Roman eine Chance zu geben. Es geht um internationale Ausbeutung, Migration und rettende Engel … Mensch, könnte das nach hinten losgehen. Mensch Mensch Mensch. Aber ich lasse es drauf ankommen. 


Geschrieben von den Otherlandern Jakob, Inci und Sarah.

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