Tiere in der Phantastik (3): Die Maus

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BUCH

Tiere in der Phantastik (3): Die Maus


In seinem großen Tierfantasy-Spezial vergleicht Joachim Sohn die Auftritte der beliebtesten Haustiere in Science Fiction und Fantasy. Hier kommt die Maus!

Ich habe leider schlechte Nachrichten für die Maus in diesem Wettbewerb. Im Vergleich zur Katze (hier geht's zum Katzenartikel), zum Hund (und hier zum Wuffi) oder anderen Tierfiguren spielte der kleine Nager weder in antiken Mythologien noch bei den Fabeltieren eine größere Rolle. Trotzdem lohnt sich ein genauerer Blick!

Ratten und Mäuse galten stets als Plagen, die sich über die Vorräte der Menschen hermachen oder Krankheiten in die Städte bringen. Und deswegen mussten sie vertrieben oder gar vernichtet werden. Während also der Hund den Menschen bewachte und treu an seiner Seite saß und die Katze gleich daneben auf dem Thron, bleibt der Maus nichts anderes übrig, als sich in Löcher oder gleich in die Kanalisation zu verkriechen und nur hervorzukommen, wenn alles schlief und niemand etwas von ihnen mitbekam. Dann aber zeigen sie Vorteile, die der Mensch damals noch nicht erkannt hatte. Sie sind schnell, pfiffig und passen durch jede Ritze. Bevor sie diese Eigenschaften jedoch als Mickey Maus oder Bernhard & Bianca nutzen durften, wurde schweres Geschütz gegen sie aufgefahren, und das sah dann mitunter so aus:

Ratten und Mäuse in der Mythologie

Die Griechen gaben ihrem Gott Apollon den Beinamen Smintheus, abgeleitet vom phrygischen Wort sminthos für „Maus“ oder „Ratte“, weil er auch als Mäusevertilger galt, der die Menschen vor der Pest beschützen sollte. Als Statue wird er mit Pfeil und Bogen in der linken und einer Maus in der rechten Hand oder zu seinen Füßen dargestellt.

Ein bisschen besser geht es den Nagern in Japan. So wird einer der sieben Glücksgötter, Daikoku, von einer Ratte als Tiergefährte begleitet und auch so in Abbildungen dargestellt. Von ihm wird die Geschichte erzählt, dass einst Ratten die bösen Oni-Geister so lange von dem schlafenden Gott fernhielten, bis sie ihn aufwecken konnten. Dann setzte er sich erfolgreich selbst gegen die Geister zur Wehr.

Gott Okuninushi hingegen verehrt die Maus, da sie ihm inmitten eines in Flammen stehenden Feldes ein rettendes Erdloch wies, in das er sich verkriechen konnte. Ein ihm geweihter Tempel wird von zwei übergroßen Mäusen aus Stein bewacht.

Aus dem Mittelalter wird uns die bekannte Sage vom Rattenfänger von Hameln erzählt. Der Rattenfänger bot sich an, die geplagte niedersächsische Stadt von Ratten zu befreien, wenn er denn entsprechend entlohnt würde. Natürlich versprachen ihm das die Bürger und auch ihr Bürgermeister. Doch kaum hatten sie die Tore hinter dem Fänger mit der magischen Flöte und seinen Ratten verschlossen, war ihr Versprechen keinen Pfifferling mehr wert. Darauf griff der Rattenfänger erneut zu seinem Instrument und lockte diesmal alle allerdings Kinder aus dem Ort, die an nie wieder gesehen wurden. Die Geschichte bedient sich der Ratten hier natürlich nur, um auf ein anderes Problem aufmerksam zu machen

Einzig in der alten Tierfabel von Aesop namens „Der Löwe und die Maus“ wurden die besonderen Eigenschaften des kleinen Kerlchens beschrieben. Denn darin befreit die Maus einen Löwen aus einem Fangnetz, indem sie die Maschen durchnagte – als Dank dafür, dass er sie bei ihrer ersten Begegnung nicht gefressen hat. Aufgezeigt wird in dieser uralten Geschichte übrigens nicht nur, dass auch kleine Wesen großes leisten können, sondern auch die grausamen Jagdmethoden, die die Menschen gegen die Tiere anwenden, wodurch sie zur ersten Tierschutzgeschichte der Menschheit wird.

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Der Sprung auf die Leinwand

Bis zur Anerkennung des kleinen Rackers war es aber noch ein langer Weg, der erst mit einer der berühmtesten Mäuse überhaupt seinen Platz in den Herzen der Menschen fand. Zumindest auf der Leinwand und im Buch. Ich spreche natürlich von Mickey Maus. Doch bevor Mickey eine Maus wurde, war sie ein Hase namens Oswald. Der wurde von den Disney Studios Ende der 1920er für eine Funny-Animal-Show von Universal entwickelt. Da Disney für Universal aber aufgrund seines Anspruches schnell zu teuer wurde, entzogen sie ihm weitere Aufträge für Oswald sowie die Rechte an der Figur. So musste ein neuer Charakter her. Walt und sein Partner Ub Iwerks kreierten darauf eine Maus, die aussah wie Oswald, nur mit Tellerohren statt Löffelohren, und nannten sie Mortimer. Disneys Frau war der Name zu steif, und sie schlug Mickey vor. Und schon war ein neuer Star geboren, der ab den 1930ern in zahlreichen Kurzfilmen weltweit die Leinwände eroberte. Kommerziell erfolgreich wurde sie vor allem durch die parallel zu Film und Comics laufenden Merchandising-Produkte. Dabei übernahm die Maus schnell genau die Eigenschaften, die dem Tierchen zumindest als beliebte Kinderfigur den großen Erfolg bescherten. Sie ist zwar klein, aber clever und mutig genug, um in höchster Not einen Ausweg zu finden, gerade so wie die Maus in Aesops Fabel. Der Hund zeigt seine Treue, die Katze ihren Charme, die Maus hingegen ihr helles Köpfchen.

Parallel zu Mickey Maus entwickelte Warner Bros. die Looney Tunes und damit Figuren wie Bugs Bunny, Daffy Duck – und natürlich Speedy Gonzales und seinen ewigen Kontrahenten, die Gringo-Miezekatze Sylvester.

Ein Jahrzehnt später erschienen Tom und Jerry von William Hanna und Joseph Barbera für Metro Goldwyn Mayer. 1940 hatten sie ihren ersten Auftritt unter dem Titel „Jerry treibt’s bunt“ („Puss Gets The Boot“), Danach folgten über 160 kurze Zeichentrickfilme, von denen sieben mit einem Oscar ausgezeichnet wurden. Trotz Toms verzweifelter Versuche, der kleinen Maus den Garaus zu machen, behält der gewiefte Jerry stets die Oberhand.

Galt die Katze bis weit ins letzte Jahrhundert hinein als derjenige Tiercharakter, der stets alle – selbst den Fuchs! – zu überlisten wusste, zeigt sich, dass sie bei einem gemeinsamen Auftritt mit der Maus augenblicklich von dem kleinen Nager ins Hintertreffen gerät. Es gibt wohl, der Natur zum Trotz, kein Beispiel in der Tierfantasy, in dem es andersherum gewesen wäre.

Wie sich die Maus durch die einzelnen Medien und Genres schlägt, zeigt die folgende Liste:

 

1. Mäuse in der Fantasy

2. Mäuse in Graphic Novels

3. Mäuse in der Science Fiction

4. Mäuse in Games

 

1. Mäuse in der Fantasy

Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH (1982)

Es waren nicht nur Mickey, Jerry, Speedy oder die Mighty Mouse, die das Image der Maus zu dem eines furchtlosen Kämpfers aufbesserten. 1982 schuf die Trickfilmadaption von Robert C. O’Brians „Frau Frisby und die Ratten von NIMH“ einen Meilenstein, der die Erscheinung der Maus in der Tierfantasy nachhaltig beeinflussen sollte.

Der Film mit dem leicht geänderten Titel „Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH“ erzählt die Geschichte der Feldmausmutter und Witwe Mrs. Brisby, die mit ihren drei Kindern auf dem Feld von Bauer Fitzgibbon lebt. Doch die Pflugmaschine bedroht ihr kleines Heim, und die Mäusefamilie sucht Hilfe bei den Ratten von NIMH, die unter dem nahegelegenen Rosenbusch eine menschenähnliche Gesellschaft aufgebaut haben – inklusive Hierarchien, bewaffneten Wacheinheiten, einem Parlament und Elektrizität, die sie sich vom Bauer klauen. Die Mäusemutter erfährt, dass es sich bei NIMH um ein wissenschaftliches Labor handelte (National Institute of Mental Health), in dem Versuche an Ratten und Mäusen mit einem intelligenzsteigernden Serum durchgeführt wurden.

O’Brian wurde zu dem Buch von tatsächlich stattfindenden Forschungsarbeiten mit Laborratten und –mäusen inspiriert, die von 1940 bis 1960 an diesem Institut stattfanden.

Kritiker werfen der Verfilmung von „Mrs. Brisby“ vor, sie sei aufgrund ihrer düsteren Atmosphäre und teils brutalen Szenen nicht für Kinder geeignet. Ich denke, dass genau das die Elemente waren, die eine Reihe junger Zuschauer, unter anderem mich, dazu inspiriert haben, selbst Tierfantasy-Inhalte zu entwickeln, die nicht nur für Kinder gedacht sind; in denen Geschichten mit oder ohne Menschen erzählt werden, die epischen Highfantasycharakter haben können oder auf das Missverhältnis zwischen Mensch und (Nutz-)Tier kritisch aufmerksam machen.

Bei „Mrs. Brisby“ finden wir beides, der Erzählstil ist episch, der Inhalt kritisch und modern.

Es gibt eine Reihe Beispiele, die der Tradition realistischer Tierfabeln und vor allem dem Setting aus Mrs. Frisby folgten:

Im Reich der Mäuse von Garry Kilworth (1997)

In „Im Reich der Mäuse“ des Briten Garry Kilworth kommt der junge Mäuserich Trödler zu einem Haus, in dem verschiedene Mäusestämme davon leben, den Menschen, hier genannt Nacktlinge, die Vorräte zu stehlen und davon zu leben. Bei einer großen Versammlung beschließen die Mäuse, nicht länger zu stehlen, sondern das Haus komplett zu übernehmen.

Die Mäuse von Deptford von Robin Jarvis (1989)

„Das düstere Portal“ ist der erste Teil der „Mäuse von Deptford“-Trilogie von Robin Jarvis. Darin betritt die junge und mutige Mäusedame Audrey zusammen mit ihrer Familie durch ein dunkles Portal ein unterirdisches Rattenreich in den Abwasserkanälen von London. Dort will sie herausfinden, was mit ihrem Vater geschehen ist, der das Portal ebenso betreten hat und seither verschollen ist. Um ihn wiedersehen zu können, muss sie den Kampf mit Jupiter, dem Gott der Ratten, aufnehmen.

Mouseheart von Lisa Fiedler (2014–2015)

In der „Mouseheart-Reihe“ von Lisa Fiedler ist es Hopper, der aus einer Tierhandlung entfliehen kann und darauf in Atlantia landet, einer utopischen Rattenzivilisation in den U-Bahnschächten tief unter den Straßen von Brooklyn, in der auch Katzen und Mäuse leben. Die Mäuse allerdings haben einen schlechten Stand, und so fühlt sich Hopper berufen, ihnen zu helfen.

Redwall von Brian Jacques (seit 1986)

Auch bei dieser beliebten Reihe leben die Mäuse in ihrem eigenen Reich. Hier ist es die Abtei Redwall, die die Mäuse immer wieder gegen äußere Feinde und Bedrohungen verteidigen müssen. In Brian Jacques Welt gibt es keine Menschen, stattdessen ausschließlich Tiere, die auf den britischen Inseln vorkommen, und das in mittelalterlicher Gewandung und Bewaffnung. Es handelt sich also um reine, fabelhafte und epische Tierfantasy, die aufgrund ihrer Anthropomorphologie natürlich das menschliche Verhalten kritisch beäugt. „Redwall“ erfreut sich einer großen Fanbase, und die Coverillustrationen und das Production-Design für die Trickfilmreihe hat eine Reihe Künstler zu beeindruckender Fan-Art inspiriert.

Mice of the Round Table - A Tail of Camelot von Julie Leung (2016)

Die Mäuse der Tafelrunde sind nicht auf dem deutschsprachigen Markt erschienen. Die junge Maus Calib Christopher träumt davon, Ritter der Tafelrunde zu werden. Seit Generationen hat seine Familie unbeachtet von den Menschen mit dazu beigetragen, das Camelot vor Angriffen sowohl großer als kleiner Feinde verteidigt wurde. Eines Tages taucht aber eine ganz neue Bedrohung am Horizont auf, die selbst den Zweibeinern gefährlich werden könnte. Nun heißt es natürlich, alle Kräfte zu sammeln, um die Burg, die die Mäuse ihr zu Hause nennen zu retten. 

Mac Smith Scurry Interview

2. Mäuse in Graphic Novels

Mouse Guard von David Petersen (seit 2008)

Der Comic „Mouse Guard“ des US-Amerikaners David Petersen geht in eine sehr ähnliche Richtung wie „Redwall“. Auch haben Mäuse in einem mittelalterlichen Setting ihr eigenes Reich. Die Mouseguards selbst haben die Aufgabe, dieses Reich zu bewachen und zu beschützen und auch hin und wieder schwierige Herausforderungen zu meistern, die sie aus ihrem Reich hinausführen. Ein bisschen wie Jedi-Ritter. Und auch sie begegnen anderen gefährlichen Tierarten, denen sie sich entgegen stellen müssen.

Scurry von Mac Smith

Der fortlaufende Webcomic „Scurry“ von Mac Smith erzählt die Geschichte einer Mäusekolonie, die in einem von Menschen verlassenen Haus lebt und um ihr Überleben kämpfen muss.

Mit seinen grandiosen Illustrationen hat Mac Smith eine atmosphärisch dichte und atemberaubende Welt geschaffen. Der Webcomic ist für eine Printversion in zwei Bänden erfolgreich über Kickstarter finanziert worden. Im ersten Teil gibt es einen direkten Bezug zu Mrs. Frisby: Als unter den Mäusen eine Besprechung stattfindet, sitzen die Kolonieältesten auf einem Buch als Podest, auf dessen Buchrücken der Titel „Mrs. Frisby and the Rats of NIMH“ deutlich zu lesen ist. Welch eine gelungene Hommage.

Maus von Art Spiegelman (1989)

Definitiv nichts mit Mrs. Frisby zu tun hat „Maus“ von Art Spiegelman. Der ausschließlich in Schwarz-Weiß und im Underground-Stil gehaltene Comic erzählt die Geschichte von Art Spiegelmans Vater, einem Auschwitzüberlebenden. In Etappen berichtet der Vater in einer Art Interviewsituation aus seinen schmerzhaften Erinnerungen, so dass sich Vergangenheit und Gegenwart abwechseln. Der Zeichner, der für seinen Comic ungewöhnlicherweise den Pulitzer Preis erhalten hat, bleibt dabei trotz der unbeschreiblichen Erlebnisse seines Vaters sehr ehrlich mit ihm und kritisiert ihn auch für dessen Griesgram und Missgunst in seinem jetzigen Leben..

In Polen gab es gegen den Comic Protest bis hin zu Bücherverbrennungen, da Polen darin als Schweine dargestellt werden. Die Deutschen hingegen sind Katzen, die Amerikaner Hunde, die Franzosen Frösche und die Briten Fische. Vielleicht eine subversive Kritik Spiegelmans am Verhalten mancher Polen den Juden gegenüber im Zuge des Holocaust. Kollaborateure gab es allerdings damals in jedem Land.

Die Abenteuer der Maus auf dem Mars - Folge 1: Das Mäuseorchester

3. Mäuse in der Science Fiction

Ins Weltall hat es wohl noch nicht viele Mäuse gezogen, weder als Astronauten noch als Plagegeister auf einem Raumschiff. Dennoch gibt es zwei Titel, die nicht unerwähnt bleiben sollten.

Per Anhalter durch die Galaxis von Douglas Adams (1981)

Den größten Auftritt haben Mäuse selbstredend im „Anhalter“ als Erbauer der Erde. Nach der langen Reise durch die Galaxis an der Seite von Arthur Dent erfährt man im letzten Teil, dass die Erde der Computer sein soll, der die große Frage nach der noch größeren Antwort von Deep Thought stellt. Erbaut wurde unser angeblich natürlich entstandener Heimatplanet von niemand Geringerem als von weißen Mäusen. Quod erat demonstrandum.

Die Abenteuer der Maus auf dem Mars (1975–1977)

Die zweitberühmteste Science-Fiction-Maus ist dann wohl die Maus auf dem Mars.

Die Geschichten zu dem Abenteuer entstammen einem Schreibwettbewerb, bei dem Kinder Ideen einreichen konnten. Von über zwanzigtausend Einsendungen suchten die Autoren die schönsten für die Umsetzung aus. Demnach lebte die Maus auf Cape Canaveral, bis sie mit einer Rakete auf den Mars geschossen wurde. Dort gelandet, gab es kein Zurück mehr. Und so musste sie sich mit einem Marsianer und einem Maulwurf anfreunden, mit denen sie fortan viele Abenteuer erlebte.

Die Maus auf dem Mars ist ein Stück Fernsehgeschichte.

4. Mäuse in Games

Maus & Mystik (2013)

Die Tabletop Dungeon-Crawler-Reihe „Maus & Mystik“ von Jerry Hawthorne erschien 2013 in Deutschland. Das Besondere dieses klassischen Helden-streifen-durchs-Verlies-und-töten-Monster-Spiels sind zum einen die Spielfiguren, allesamt wundervoll ausgearbeitete Mäuse-Miniaturen, ausgerüstet mit Mantel und Degen in erweitertem „Mouse Guard“- und „Redwall“-Look. Zum anderen muss der Spieler, der in solch eine Maus verwandelt wurde, sich nun durch eine Burg kämpfen, die zwanzig Mal größer ist als zuvor. Keine leichte Aufgabe.

Fazit: Welches Tier ist Tierfantasy-Star?

In Hinblick auf Mythologien und Fabeln hat die Maus definitiv verloren. Hier konnten ausschließlich Hunde und Katzen auf nahezu gleichem Niveau punkten. Dann aber erlebt die Maus einen ungewöhnlichen Siegeszug in die phantastischen Geschichten hinein. Und es war eindeutig Walt Disney, dem sie diese Aufwertung zu verdanken hat, denn außer in einer kleinen Fabel von Kafka, die bereits einen Perspektivwechsel vornimmt, kommt sie in unseren Breitengraden faktisch nicht vor. Sie ist in der Liste der Fabelwesen nicht aufgeführt, taucht in keinen Märchen auf, spielt in keiner der großen monotheistischen Religionen eine Rolle, sitzt weder auf dem Buckel einer Hexe noch läuft sie als Mausfee über die Weiten der schottischen Highlands. (Hmmmm, Mausfee klingt eigentlich gut … )

Aber als sie denn endlich Einlass bei den Geschichtenerzählern des letzten und diesen Jahrhunderts fand, machte sie so einen rasanten Sprung, dass es mittlerweile unzählige Tierfantasybücher mit Mäusen gibt und sie locker mit ihren Konkurrenten mithalten kann. Es ist sogar so, dass wenn sie gemeinsam mit ihren Mitstreitern auftaucht, die Katze zum Beispiel grundsätzlich gegen sie verliert und Hunde in Mäusegeschichten erst gar nicht auftauchen.

Damit hat die Maus ihre Gegner zumindest in der Moderne eindeutig übertrumpft. Und damit komme ich zu folgendem Gesamtergebnis:

Trotz Aesop kann ich der Maus in der Antike keinen Punkt geben, da hier Hund und Katze im Vergleich leider zu sehr dominieren. Noch schlimmer ist es bei den Fabeln. Da gibt es nur die Sage von Hameln, und da muss man nun doch fairerweise festhalten, dass es darin erstens nicht um Mäuse geht und zweitens, selbst wenn, wären sie jetzt nicht gerade die Helden der Geschichte. Dafür gibt es leider 0 Punkte.

Damit haben wir für die Fantasygeschichten aus der Vergangenheit bei gleichbleibender Reihenfolge Hund, Katze, Maus ein Zwischenergebnis von 1:2:0.

Aber wie schaut’s heute aus? Die Maus kann mit der Katze in quantitativer Hinsicht nicht ganz mithalten. Definitv aber löst sie die Katze in Bezug auf ihr Image eindeutig ab. Die meisten Leser würden sich wohl eher mit einem Feivel, einer Mrs. Brisby oder mit Martin aus „Redwall“ identifizieren als mit einer Katze. Der Mensch ist zwar in der Regel fasziniert von dem eleganten Schleicher, aber von seinem Wesen doch zu weit entfernt, wohingegen die Maus dem kleinen Helden in uns entspricht, der sich von ganz unten nach ganz oben durchkämpfen muss. Leider kommt die Maus zu selten, ja eigentlich nicht wirklich in Science-Fiction-Geschichten vor und hält dem Vergleich zu den Katzen Spot, Orion, Jonesy und Pixel und den Hunden Porthos, Krypto und Sam leider nicht Stand, so dass ich hier wieder einen Punkt abziehen muss. Tut mir leid, kleine Maus.

Das bedeutet, wir haben ein Gesamtergebnis von 2:4:3 und damit eine klare Siegerin: diiiiieee … KATZE!

Herzlichen Glückwunsch und Danke fürs geduldige Mitlesen!

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