DSA-Sex: Wege der Vereinigung Das Schwarze Auge

BUCH

Von Penislängen und Körbchengrößen: Die DSA-Sex-Spielhilfe "Wege der Vereinigungen" braucht kein Mensch … oder?


Judith Vogt & Henning Mützlitz
16.07.2018

In der DSA-Community kracht es öfter mal, aber selten so heftig. Ulisses Spiele hat mit „Wege der Vereinigungen“ eine Sex-Spielhilfe nebst frivoler Erotikgeschichten für sein Rollenspielflaggschiff „Das Schwarze Auge“ auf den Markt gebracht, das die Gemüter erhitzt – allerdings weniger vor Erregung als vor Wut. Judith Vogt und Henning Mützlitz berichten hier darüber, was an „Wege der Vereinigungen“ so problematisch ist.

Umfangreiche Diskussionen in den Foren der Pen&Paper-Spieler*innen (u.a bei Orkenspalter), die öffentlichkeitswirksame Aufkündigung der Zusammenarbeit des langjährigen Roman- und Rollenspielautors Mike Krzywik-Groß in seinem Blogartikel sowie anschließende erbitterte Diskussionen in den sozialen Netzwerken (z.B. auf der Facebook-Seite der Teilzeithelden) folgten auf die momentan nur für die Backer des mehr als 200.000 € schweren Crowdfundings einsehbare Veröffentlichung. In der DSA-Community kracht es öfter mal, aber selten so heftig. Wir versuchen, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen und deutlich zu machen, was an „Wege der Vereinigungen“ so problematisch ist.

Erfolgreiches Crowdfunding

„Wege der Vereinigungen“ weist im Prinzip zwei Themenkomplexe auf, an denen man sich reiben (pun intended) kann: Primär natürlich am Sinn und Nutzen eines Quellenbandes, der sich mit der innerweltlichen Sexualität von Aventurien auseinandersetzt, und daneben vor allem an der Frage, wie diese Thematik präsentiert wird.

Über Ersteres kann man sich bereits vortrefflich streiten, aber mit einigen Hintergrundinformationen kann man zumindest besser verstehen, warum es „Wege der Vereinigungen“ und die daran angeschlossenen Produkte überhaupt gibt. Alles begann mit einem Witz: Im „Aventurischen Boten #152“ (das DSA-interne Magazin) präsentierte die DSA-Redaktion im Jahr 2012 einen Aprilscherz, der spaßeshalber „Wege der Vereinigungen“ als Quellenband ankündigte, eine aventurische Sex-Spielhilfe, wie sie sich vielleicht viele in ähnlicher Form in pubertären Jugendtagen ausgemalt hatten. Die Reaktion der Community war äußerst positiv, und nachdem viele Stimmen lauteten „Macht doch mal, aber ernsthaft!“, entschloss sich Ulisses, das Ganze irgendwann tatsächlich in die Tat umzusetzen.

Kurz zusammengefasst: Man entwickelte einen Produktplan, entschloss sich dazu, WdV als Crowdfunding anzugehen (eine beliebte Praktik (pun intended) bei Rollenspielverlagen, um die Finanzierung von Produkten sicherzustellen), und das Ganze schoss durch die Decke: Ulisses Spiele nahm mit dem Crowdfunding rund 224.000 € ein, mehr als 1800 Backer beteiligten sich daran – das unserer Kenntnis nach erfolgreichste Crowdfunding der Verlagsgeschichte.

Weil: Nackte Haut!

Es gibt also einen Markt für eine solche Publikation, die von Anfang an allerdings lediglich als humoristisches Zusatzprodukt zur normalen DSA-Produktlinie gedacht war. Ein Verlag richtet sich gerne nach dem Markt und sollte das natürlich auch. Zudem sind Bestseller im Pen&Paper-Bereich rar gesät, also hat Ulisses Spiele in wirtschaftlicher Hinsicht erst einmal alles richtig gemacht: Sex sells – das war früher so, ist heute so, kann man machen.

Im Crowdfunding hatte man bereits seitens des Verlags darauf hingewiesen, dass das ganze Projekt mit allen Beiprodukten, die im Laufe der Zeit freigeschaltet wurden, mit einem deutlichen Augenzwinkern umgesetzt werden würde und nicht bierernst zu nehmen sei. „Kein Mensch braucht dieses Buch“, heißt es in den FAQ auf der Crowdfundingseite, dennoch wolle man den Spaß ernsthaft angehen: „Wir haben also viel Arbeit und Liebe in das Projekt gesteckt und die Hintergrundrecherche ernst genommen und uns Mühe mit dem Test der Spielregeln gegeben.“

Das wird alleine schon an dem massiven Regelteil deutlich, den „Wege der Vereinigungen“ beinhaltet: Knapp zwei Drittel des Buches beschäftigen sich tatsächlich mit Rollenspielregeln und der Umsetzung jedweder sexueller Thematik am Spieltisch. Wenn man das Ganze nicht als Satire versteht – und man muss sich teilweise schon arg anstrengen, den rollenspielerischen Crunch zu „Samenspielen“, dem Nachteil „Verfrühter Höhepunkt“ oder der Sonderfertigkeit „Gruppensex-Veteran“ nicht als Ansammlung anzüglich-pubertärer P&P-Fantasien zu verstehen – verfügt also jetzt über die Möglichkeit, jedwedes Detail über sexuelle Vorlieben und Praktiken der aventurischen Völker zu erfahren und diese in sein Spiel zu implementieren. Wer's mag, wer's braucht, wer's nötig hat, solche Dinge auszuspielen – bitte.

Blättert man durch WdV, entdeckt man ziemlich viele Nackedeis, meist geschmackvoll in Szene gesetzt, keineswegs primitiv oder pornografisch, allerdings hinsichtlich der Auswahl und Darstellung mit einer eindeutigen Fokussierung auf den heterosexuellen Mann. Man knüpft damit gewissermaßen an die sexistischen Traditionen des typischen männlichen Rollenspielers als Zielgruppe an, wie man sie v.a. im vergangenen Jahrtausend kannte, und die bis heute das Abziehbild des „klassischen Nerds“ liefern (man denke z.B. an Scott aus „Zero Charisma“). Ob man solch ein Projekt hinsichtlich der gewandelten Struktur der DSA-Spielerschaft heute noch so umsetzen sollte, ist bereits fraglich. Schwieriger ist, dass man nicht dazu steht, und damit beginnt das Problem von „Wege der Vereinigungen“.

Repräsentation steht drauf, ist aber nicht drin

Bleiben wir zunächst bei den Illustrationen, die ja das sind, was bei einer solchen Publikation direkt ins Auge sticht. Wir haben die Bilder statistisch ausgewertet, und um einen ganz kleinen Exkurs zu wagen: Es existieren Rollenspiele, die sich darum bemühen, in ihren Illustrationen in etwa ausgeglichen Frauen und Männer darzustellen, und allgemein werden Frauen auch nicht mehr ständig im Kettenbikini abgebildet. Generell bleiben aber Illustrationen männlicher Helden in Rollenspielpublikationen noch immer vorherrschend. Natürlich existieren auch weibliche Heldinnen, aber statistisch sind diese in der Unterzahl, wenngleich auch „Das Schwarze Auge“ spätestens seit der 5. Edition starken Wert auf Ausgeglichenheit legt, wie man als Vorbemerkung unbedingt anfügen muss.

Nicht so jedoch in „Wege der Vereinigungen“: 17 Hetero-Paaren und neun „Orgien“ stehen drei schwule und sieben lesbische gegenüber. Während man die Frauen möglichst so darstellt, dass es für heterosexuelle Männer attraktiv wirkt, verzichtet man bei den Darstellungen der schwulen Paare nahezu gänzlich auf Erotik: Da werden Bücher gelesen, man torkelt aneinandergeschmiegt nach Hause, lediglich auf einem Bild haben zwei Männer Sex – und werden von einer Frau beim vermeintlich „verbotenen“ Liebesspiel beobachtet.

Die Zielgruppe des Buches deckt sich also grundlegend mit der des populären Erotik/Porno-Markts, das untermauert auch die dargestellte Nacktheit im Buch: 27 männlichen Nippeln stehen 45 entblößte weibliche gegenüber, zwölf dargestellten weiblichen Geschlechtsteilen ganze drei Penisse. Drei Penisse? Nein, denn davon ist einer ein penisförmiger Pilz, einer ein Dildo und ein weiterer befindet sich am Unterkörper einer ansonsten weiblichen Göttin. Keiner dieser drei Penisse gehört also einem Mann. Auch die weiteren angezogenen, manchmal halb entblößten oder sich in „sexy Posen“ befindlichen Körper sind doppelt so häufig Frauen wie Männer. Darstellungen von Bordellen zeigen angezogene Freier und halbnackte Prostituierte – obwohl DSA eigentlich immer schon eine gleichberechtigte Sexualität propagierte.

Ulisses-Art-Direktorin Schäkel sagt dazu in einem Werkstattbericht auf der Ulisses-Webseite: „[Es] stellt sich auch immer die Frage, welche Form der Darstellung sich für eine Illustration eignet. Namentlich also: welches Geschlecht soll es für diese Illustration sein? Dabei bin ich mit meinem eigenen Gefühl für Ästhetik an dieser Stelle etwas auf’s Glatteis geraten, denn männliche Körper sind für mich weitaus weniger interessant als weibliche Formen. So haben oft Frauen den Vortritt erhalten.“

Schlecht fällt die Statistik ebenfalls aus, was Hautfarben angeht. „Wege der Vereinigungen“ ist whitey white-white. Wir zählten über 100 weiße Astralkörper und etwa 30 People of Color – und natürlich auch einige, bei denen wir uns unsicher waren. Es stößt bitter auf, wenn in der Szene einer Thermenorgie alle weiß sind außer der Dienerin, die im Baströckchen Getränke serviert.

Auch, was die „Bandbreite“ menschlicher (elfischer, zwergischer) Proportionen und den Altersschnitt angeht, ist die Darstellung sehr einseitig.

Nadine Schäkel schrieb dazu: „Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Wege der Vereinigungen hat sich zu großen Teilen an den modernen Schönheitsidealen orientiert, um zumindest für die meisten von euch einen schönen Anblick gewährleisten zu können. Das ist keinesfalls als Diskriminierung gemeint gegenüber jenen, die keine Modelmaße aufweisen – die habe ich selbst nicht.“

Die „Stimmung“ des Buches ist also klar definiert: Es bildet keine „Ingame“-Vielfalt ab, sondern eine „Outgame“-Einseitigkeit. Es handelt sich schlichtweg um weichgezeichnete Erotik für leicht erregbare heterosexuelle Männer mittleren Alters, und das steht letztlich im Widerspruch dazu, dass der Band facettenreiche Sexualität in Aventurien zeigen soll. Wenn der große Teil der abgebildeten Nackten weiß, weiblich, dünn und supersexy ist, stellt das eben weder Vielfalt noch Repräsentation oder gar Inklusion dar, wie man eigentlich propagiert hatte. Dass dies bei den Ergänzungsprodukten zum Teil etwas angeglichen wurde in der Gewichtung, sei an dieser Stelle erwähnt, schmälert den Eindruck des Kernbands allerdings nicht.

DSA-Sex-Spielhilfe "Wege der Vereinigungen"

Aber was steht denn nun drin?

Tatsächlich befinden sich im Buch auch Texte zu den Themen Repräsentation und Akzeptanz – diese wurden allerdings so formuliert, als beschäftigten sich die Schreibenden zum ersten Mal damit.

Wir bezweifeln, dass ein transsexueller Mensch sich die Passage durchgelesen hat, in der es darum geht, dass jemand erst eine gewissenhafte Befragung über sich ergehen lassen muss, bevor ein Geweihter ihm oder ihr eine geschlechtsangleichende Liturgie gewährt. Diese Befragung ist nach wie vor in Deutschland üblich, in dieser Hinsicht progressiveren Ländern ist so ein quasi-unmöglicher Beweis des tatsächlichen Geschlechts nicht mehr nötig – warum also in Aventurien?

Das ist natürlich ein sehr spezieller Einwand: Trans-Personen, Nonbinäre, Lesben und Schwule erhalten in einer offiziellen Publikation selten das Spotlight, und vielleicht ändert „Wege der Vereinigungen“ etwas am Blickwinkel des Durchschnitts-het-cis-Rollenspielers. Dann wäre etwas gewonnen – ob queere Menschen dann mit den jeweiligen eher „wohlfühlig“ geschriebenen Texten etwas anfangen können, sei dahingestellt. Vielleicht ist das auch zu viel verlangt.

Die Redaktion behauptet allerdings, queere Autor*innen und Frauen seien an den Texten beteiligt gewesen, da das Impressum jedoch größtenteils aus sich „pornesk“ lesenden Pseudonymen (Rose Lipsdick, Dr. Stehkraft …) besteht, ist das leider nicht nachvollziehbar – offenbar ging die Ernsthaftigkeit dann doch nicht so weit, dass man mit dem Buch in Verbindung gebracht werden wollte.

Der größte Teil des Buchs widmet sich Sexualität in verschiedenen Kulturen sowie den oben bereits erwähnten „spielrelevanten“ Details, bei denen man auf Tabellen auswürfeln kann, wie lang der Penis, wie eng die Vagina und wie groß die Brüste des eigenen Charakters sind. Ja, kein Witz. Illustriert ist dieser spezielle Teil mit drei nackten Frauen in „full frontal nude“. Nein, Männer gibt es nicht zu sehen. Wir brauchen schließlich kein Bild, um uns unterschiedlich lange Penisse vorzustellen, oder? Allerdings haben wir uns alle schon immer gefragt, wie unterschiedlich große Brüste bei Zwerginnen, Elfen- und Menschenfrauen aussehen …

Die DSA-Sex-Spielhilfe "Wege der Vereinigungen"
Die DSA-Sex-Spielhilfe "Wege der Vereinigungen"
Die DSA-Sex-Spielhilfe "Wege der Vereinigungen"

Paarungsriten und Homophobie? WTF?

Doch damit ist es leider nicht getan. Denn bei aller „guten Intention“ beweisen leider vor allen Dingen die Illustrationen den inhärenten Sexismus, der in vielen Teilen des Rollenspiels vorherrscht. Einige Texte enthalten zudem „so dahingesagte“ Rassismen. Damit wollen wir nicht unterstellen, dass die Redaktion bewusst rassistisch oder sexistisch schreibt und denkt. Das große Problem, denken wir, ist, dass das Produkt als Witz „gemeint“ war, dann aber ernsthaft umgesetzt wurde, um einen Mehrwert am Spieltisch für diejenigen zu bieten, die es sich wünschen: Es sollte eine lustige, frivole Auseinandersetzung mit Sexualität im Rollenspiel sein, Würfeltabellen für Penislängen und „Informationen“ zu Samen- und Fesselspielchen enthalten und Regeln dafür, ob man mit einer besonders gut gelungenen Masturbation eine „Verzückende Belohnung“ erhält – denn die gewährt am folgenden Tag u.U. Boni auf gesellschaftliche Fertigkeiten ...

Nicht besonders lustig sind jedoch ein paar andere Dinge: Dass das Bild einer bemalt und nackt tanzenden schwarzen Frau neben der Überschrift „Paarungsriten der Waldmenschen“ steht, bereitet sicherlich nicht nur uns Bauchschmerzen. „Paarung“ ist für gewöhnlich kein Wort, das man menschlichem Geschlechtsverkehr zugedenkt – dadurch und durch weitere vermeintlich „ulkige“ Dinge, die man den dunkelhäutigen Waldmenschen zuspricht, findet eine Entmenschlichung statt, die einen spätestens seit kolonialen Zeiten einen tief in vielen Köpfen verwurzelten Rassismus als vermeintlich harmlosen Spaß fortführt.

Und trotz der wohlmeinenden Texte zu LGBTQA+-Charakteren im Rollenspiel führt „Wege der Vereinigungen“ den Nachteil „Homophobie“ ein: Ab jetzt kann man also einen homophoben Charakter spielen und erhält dafür dann, wie bei Nachteilen üblich, zusätzliche Abenteuerpunkte, um damit Vorteile einzukaufen. Man muss nicht selbst homosexuell sein, um sich unwohl zu fühlen, wenn ein Spieler, eine Spielerin diesen Nachteil nimmt und in Abenteuerpunkte umsetzt – wir finden das vollkommen fehl am Platz, wenngleich darauf hingewiesen wird, dass dieser Nachteil in Aventurien äußerst selten ist. Es gibt keinen Grund, ihn regeltechnisch einzuführen und damit Homophobie einmal mehr zu reproduzieren, zumal Persönlichkeitsschwächen wie Vorurteile oder Intoleranz gegenüber frei wählbaren Gruppen ohnehin nach dem Grundregelwerk von DSA5 als Nachteil eines Charakters gewählt werden können.

Verlag gesteht Fehler ein

Ulisses Spiele verwies auf unsere Anfrage hin auf eine Stellungnahme zur Kritik an WdV, die vergangenen Freitag veröffentlicht wurde, und in der man bei bestimmten Setzungen im Rahmen der Geschlechtsmerkmale der „Waldmenschenspezies“ den Fehler des unbedachten Rassismus zugibt – man habe „sich von einem billigen Klischee reiten lassen“ und entschuldige sich dafür. Eine entsprechende Tabelle des im Druck befindlichen Buchs wurde für die PDF-Version korrigiert, insgesamt fühlt man sich aber in der Kritik an dem als Scherz gemeinten Band eher missverstanden und geht auf die meisten der oben angeführten Punkte nicht ein. Die komplette Stellungnahme findet ihr hier

Diese Einsicht negiert also nicht die grundlegende Problematik des Bandes hinsichtlich des Konzepts und vor allem der Umsetzung. Vielmehr verdeutlicht das Statement, dass das Produkt unbewussten Sexismus und Rassismus zum vielleicht gerade schlechtesten Zeitpunkt reproduziert – es fällt vielen Leser*innen schwer, das nach den aktuellen gesamtgesellschaftlichen Debatten noch als harmlos-humorig abzutun.

Man könnte sich neben den genannten nämlich noch über einige weitere Themen wie beispielsweise die Verharmlosung von gewaltsamer sexueller Unterwerfung im Rahmen „lustiger“ Bordellbeschreibungen auslassen (ein kleiner Kasten im Kapitel zu Prostitution bekennt: „Ja, in vielen Fällen haben in Aventurien Prostituierte ein schweres Los. Und ja, es gibt aventurische Prostituierte, die gerne Rahja huldigen. Beide Seiten bieten Potenzial für phantastische Geschichten.“), aber wir haben mit unserem Artikel hier ohnehin schon weit überzogen …

Unser Fazit

Natürlich liegt es im Auge des Betrachters, ob man sich nun von dem schalen Geschmäckle den Spaß am Werk verderben lässt, weil man sich vielleicht gerne mit Regeln zu Sexpraktiken, Liebesspielzeugen und regeltechnischen Orgienumsetzungen befassen möchte. Wer so etwas lustig, spannend oder bereichernd für sein Rollenspiel findet, möge das gerne tun.

Unser persönliches Fazit fällt leider anders aus. Im Grunde ist „Wege der Vereinigungen“ ein auf fast 250 Seiten aufgepumptes Regelwerk zum Thema Penislängen und Körbchengrößen, das mit pseudophilosophischen Texten zum Thema „Alle werden so akzeptiert, wie sie sind“ verhehlen soll, dass es sich im Kern um die Phantasie von heterosexuellen Männern mittleren Alters handelt, die den Kettenbikini heimlich als kleidsamstes aller Rüstungsstücke für eine Kriegerin ansehen. Wenn man einen Band schon herausbringt, sollte man auch dazu stehen, ihn für die genannte Zielgruppe entwickelt zu haben.

„Kein Mensch braucht dieses Buch“, sagt Ulisses. Das stimmt.

 

 

Bilder: Ulisses Spiele

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