Länder, Jedi, Abenteuer - Folge 25: Phantastische Kleinverlage

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KOLUMNE

Länder, Jedi, Abenteuer - Folge 24: Phantastische Kleinverlage


Sie stehen auf Buchmessen meist – aus Kostengründen – in den hinterletzten Hallenecken und finden im stationären Handel eigentlich nur in glücklichen Ausnahmefällen statt: Die phantastischen Kleinverlage haben es gewiss schwer, sich gegen die Macht des auflagenstarken Mainstreams der großen Branchenriesen durchzusetzen. Doch mit ihrem Portfolio aus kreativen Herzblutprojekten, förderungswürdigen Nachwuchsliteraten und – pardon – schlicht geilem Scheiß sind sie nicht selten eine willkommene Bereicherung des Genres. Wo Schubladen regieren und nur Erfolg hat, was auch erfolgreich ist, füllen Kleinverlage nicht bloß eine Nische. Sie machen einen echten Unterschied.

 

Der Fanotyp

Kleinverlag bedeutet nicht selten auch kleine Auflage. Soll heißen: Reich wird so ein Kleinverleger sicher nicht – erst recht nicht im von vielen Mainstreamern als eskapistisch belächelten Phantastikbereich. Dementsprechend betreiben viele Kleinverleger diese Tätigkeit selbstredend „nur“ im Nebenberuf und mühen sich parallel noch auf anderen Baustellen ab. Doch im Umkehrschluss dürfen wir unterstellen, dass sie das Verlegerische auch nicht allein des Geldes wegen tun. Sie sind, anders ausgedrückt, passionierte Überzeugungstäter, die mindestens mal das Genre, wenn nicht sogar die Literatur im Allgemeinen lieben. Büchermenschen. Leseratten. Bibliophile.

Vielleicht wohnen sie inmitten von berstend vollen Bücherregalen? Vielleicht brüten sie allfeierabendlich über spannenden und originellen Manuskripten? Vielleicht haben sie stets die Szene im Auge und vor lauter PC-Arbeit schon richtig dicke Brillengläser?

Aber vielleicht spricht da auch nur das Klischee aus mir … und der Blick in den Spiegel.

Dinner for Fan

Wer kleinverlegt, muss genügsam sein. In Ermangelung einer halbwegs nennenswerten Marktdurchdringung und einer entsprechenden Handelsvertretung bauen viele phantastische Überzeugungsverleger auf den Direktvertrieb, um ihre Kleinode an den Leser zu bringen. Sie verlegen also nicht nur, sie verkaufen auch – und das nicht selten auch auf genreinternen Veranstaltungen. Kein Con, kein Stammtisch und keine mittelgroße Tauschbörse, auf dem nicht mindestens einer dieser Buchschaffenden seine frisch gedruckten Waren feilböte und seine Neuentdeckungen empfähle.

Doch Con-Stand bedeutet auch Con-Küche. Ein phantastischer Kleinverleger kennt sich daher bestimmt bestens mit (dünnem) Kaffee aus, mit lauwarmen Bockwürstchen und Kartoffelsalat aus Eimern … und mit allem anderen, was von Fan-Organisatoren angemietete Bürgerhäuser, Mehrzweckhallen und Co. an Samstagnachmittagen eben so anbieten.

Sag, was du willst, aber …

Ob klein oder groß: Wer Verleger sein will, muss jammern können. Schwindende Absatzzahlen, enttäuschend „performende“ Nachwuchstalente, uninspirierte Megaseller der verhassten Konkurrenz – die Zahl der Gründe, aus denen einem Verlagsleiter Magengeschwüre wachsen können, scheint unendlich groß. In der Phantastikszene, die im Vergleich zum Mainstream ja „bloß“ Nische sein kann, ist dies nicht anders. Sätze wie „Nach Frankfurt fahr isch nett mehr, datt lohnt sich für uns kein bisschen“ oder „Früher hatte der Typ ja noch Leser, aber heute …“ oder „Warum zum Geier versteht denn niemand außer mir, wie großartig dieser Autor ist?“ dürften jedem Kleinverleger mühelos über die Lippen gehen – vermutlich sogar noch im Schlaf.

Bloß nicht nachmachen!

Wer kleinverlegt, arbeitet aus, für und mit Herzblut. Entsprechend schnell, so sollte man zumindest annehmen, trifft man einen phantastischen Kleinverleger auch ins Mark. Wenn man es denn unbedingt möchte. Was wir nicht im Geringsten empfehlen. (Ernsthaft: Kleinverlage sind das Salz in der Suppe der Branche. Schützen und unterstützen Sie sie!)

Falls Sie es aber darauf anlegen, einen Kleinverleger zur Weißglut zu treiben, gehen Sie vor wie folgt:

 

  1. Besuchen Sie ihn an seinem Con-Stand und kaufen sich dort einmal quer durchs gesamte Sortiment. Geben Sie sich in Ihrem Kaufrausch erst zufrieden, wenn Sie nicht weniger als fünfzehn Bücher auf Ihrem alsbald zu bezahlenden Stapel haben. Sehen Sie dem vor freudiger Reichtumserwartung sicher schon strahlenden Verleger dann fest in die Augen und fragen Sie vollkommen ernst, ob Sie auch mit Karte zahlen könnten, Bargeld hätten Sie nämlich keins dabei. Sehen Sie dann zu, wie der Verleger den ganzen schönen Bücherstapel wieder zurücksortieren muss. Seufzend.

  2. Deuten Sie auf das edelste und interessanteste Buch in seinem Sortiment. Fragen Sie, ob er das „auch in Rot“ da habe. Rot passe nämlich besser „zu meiner Wohnzimmereinrichtung“.

 

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Das Phantastische wird immer populärer, doch längst nicht jeder Normalsterbliche weiß, wie wir Fans unendlicher Weiten und Co. so ticken. Länder, Jedi, Abenteuer will da Abhilfe schaffen und bietet einen ebenso liebe- wie humorvollen Einblick in die schillernde Subkultur der Geeks.

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