Fünf Bücher über geheimnisvolle Meereswesen

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Fünf Fantasy-Bücher über geheimnisvolle Meereswesen


Seedrachen, Riesenkraken und Wale, die ganze Schiffe verschlucken: Hier stellen wir euch fünf Fantasy-Romane mit geheimnisvollen Meereswesen vor.

Sprichwörtlich behaupten wir ja gern, dass wir über die Tiefsee weniger wissen als über das Weltall. Kein Wunder, dass sich Künstler von der Welt des Ozeans immer wieder inspiriert fühlen. Schon Homer und seine Zeitgenossen schrieben über Meereswesen: von mörderischen Sirenen ebenso wie von wohlmeinenden, meerjungfrauenartigen Nereiden. Die Phantastik weiß von zahlreichen geheimnisvollen Meereswesen zu erzählen. Meereswesen, wie sie auch im Mittelpunkt der folgenden fünf Bücher stehen:

Das Lied von Mond und Sonne von Vonda N. McIntyre

Der Sonnenkönig Ludwig XIV sehnt sich nach Meerjungfrauen. Ein alter Mythos besagt nämlich, dass das Verzehren des Organs einer Kreatur der See die Jugend zurückbringt. Als ihr Bruder mit zwei mystischen Lebewesen von einer Schiffsreise zurückkommt, schlägt die Stunde der gelangweilten Hofdame Marie-Josephe. Sie darf bei der Pflege der Meereswesen assistieren. Bald erkennt sie, dass in den Zauberkreaturen ein intelligenter Geist steckt.

Hierzulande wurde Vonda N. McIntyres historische Fantasy Das Lied von Mond und Sonne leider wenig beachtet. Dabei gewann das Buch 1997 in den Staaten den begehrten Nebula Award und verwies sogar George R. R. Martins Game of Thrones auf den zweiten Platz. Wem es beim Lesen vor allem auf einen rasanten Actionplot ankommt, sollte um den 600-Seiten-Wälzer allerdings einen Bogen machen. McIntyre konzentriert sich auf ihre Figuren sowie die Atmosphäre am französischen Hof des 17. Jahrhunderts. Marie bewegt sich in Versailles durch eine intrigante Schlangengrube, die ihre verlausten Matratzen unter edlen Brokatdecken zu verbergen sucht. Wer detailverliebte Sittengemälde liebt, bei der die Handlung fast zur Nebensache wird, liegt hier goldrichtig.

Meereszauber von Patricia A. McKillip

Auf die Bitte eines Prinzen hin wirft das Fischermädchen Ane einen Zauber auf das wilde Meer. Tags darauf erhebt sich aus den Tiefen des Ozeans ein gewaltiger Seedrache; um seinen Hals windet sich eine Kette aus purem Gold. Allerdings greift er die Landbewohner nicht an. Gemeinsam mit dem Hexer Lyo versucht Ane herauszufinden, was der Seedrache will. Sie stoßen dabei auf ein tragisches Geheimnis, in das das Königshaus selbst verwickelt ist.

Die älteren Fantasy-Leser unter uns kennen Patricia McKillip vermutlich vor allem dank ihrer populären High-Fantasy-Saga Erdzauber. Persönlich schätze ich sie für ihre poetischen Fantasy-Romane, die oft zum Nachdenken anregen. Meereszauber ist ein zauberhaftes kleines Juwel, das beim Lesen ähnliche Emotionen auslöst wie Peter S. Beagles Das letzte Einhorn.

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Aquamarin von Andreas Eschbach

Futuristische Meerjungfrau: Aus der Feder des vermutlich bekanntesten deutschen Science -Fiction-Autors stammt das Jugendbuch Aquamarin. Es spielt in Australien, allerdings ca. 150 Jahre in der Zukunft. Eine Viertelstunde lang lag die 16jährige Saha bewusstlos im Wasser. Eigentlich müsste sie tot sein. Aber sie lebt. Saha muss sich eingestehen, dass die schlitzartigen Wunden rechts und links an ihrem Oberkörper, die angeblich von einem schrecklichen Unfall kurz nach ihrer Geburt herrühren, keine Verletzungen sind. Es sind Kiemen. Sie ist ein Wesen halb Mensch, halb Fisch – eine Mutation, die in der konservativen australischen Zone des Jahres 2151 verboten ist. Einerseits muss sich Saha darum bemühen, ihr Geheimnis zu verbergen, da ihr sonst Verbannung droht. Andererseits beginnt sie zu testen, welche Möglichkeiten sich ihr durch ihre Kiemen bietet – und sie begibt sich auf die Suche nach ihrer wahren Herkunft. Mit Submarin erschien vor einigen Monaten eine Fortsetzung, in der Eschbach die Welt der Meereswesen, die in Aquamarin nur angerissen wird, stärker ausleuchtet.

Sturmherz von Britta Strauß

Man sagt, es gäbe Seehunde, die ihre Tiergestalt ablegen und zu Menschen werden. Man sagt, sie seien ebenso kaltherzig wie verführerisch.“

Auf den schottischen Orkney Inseln spielt Britta Strauß’ Sturmherz – ein Roman, der so romantisch und ursprünglich-wild ist, wie der Titel vermuten lässt. Gemeinsam mit ihrem Vater betreibt die junge Mari eine Gärtnerei. Ihre Liebe zur Natur und zum Meer ist groß. Was für magische Geheimnisse die Untiefen der See hüten, erkennt sie in einer Winternacht, als sie einem verletzten Seehund das Leben rettet. Denn das Tier stellt sich als Gestaltwandler heraus: Louan ist ein Selkie. Die bittersüße Liebesgeschichte, die sich zwischen den beiden entspinnt, bestimmt den Roman. Viel Raum nehmen aber auch die Sagen und die andersweltliche Seite der rauen See ein.

Die kleine Meerjungfrau von Hans Christian Andersen

Normalerweise empfehle ich euch keine Bilderbücher. Diese von Antom Lomaev so unglaublich fantastisch illustrierte Ausgabe muss ich euch aber ans Herz legen. Nur 44 Seiten dick ist das hochformatige Hardcover. Dennoch kann man sich stundenlang damit beschäftigen. Jede Seite ist aufwändig gestaltet. In leuchtenden Farben erweckt der russische Künstler das tragische Märchen um die kleine Seeprinzessin zum Leben, die aus Liebe zu einem Menschen ihr Reich unter dem Meer verlässt. Besonders schön ist, dass Lomaevs Zeichnungen nicht nur lose auf der Vorlage basieren, sondern mit viel Augenmerk auf Andersens genaue Wortwahl umgesetzt wurden. In den opulenten Zeichnungen verbergen sich zahllose Details, die zum Verweilen und Immer-wieder-Anschauen einladen.

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