Phantastische Bücher mit einer eigens erdachten Sprache

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Phantastische Bücher mit einer eigens erdachten Sprache


In fremde Welten eintauchen– das macht einen großen Reiz beim Lesen von Fantasybüchern aus. Dass sich diese Erfahrung möglichst „echt“ anfühlt, dazu tragen in einigen Büchern die Sprachen bei, die die Figuren sprechen. Hier findet ihr vier Beispiele für phantastische Bücher mit einer eigens erdachten Sprache.

„Der Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien

Tolkien hat mit seinem Werk nicht nur maßgeblich zur Entstehung des Fantasy-Genres beigetragen. In vielen Aspekten hat er zudem geprägt, wie nachfolgende Autoren ihre Bücher aufbauen und welche Elemente diese enthalten. Eines davon ist die Sprache. Als Philologe war sie ihm besonders wichtig.

Allein im Elbischen gibt es große Unterschiede zwischen Wissenschafts- und Hochsprache sowie regional verschiedenen Elbensprachen. Im „Herrn der Ringe“ ist vor allem das Sindarin bedeutend, da es in Mittelerde von den Elben als Gemeinsprache verwendet wird. Die Zwergensprache Khuzdul ist dagegen nicht annähernd so komplex, ebenso wenig das Orquin der Orks. Doch selbst die Ents haben eine eigene Sprache bekommen. Und in Mordor wird die Schwarze Sprache verwendet, aus der auch die berühmte Inschrift des Rings stammt: „Ash nazg durbatulûk, ash nazg gimbatul, ash nazg thrakatulûk, agh burzum-ishi krimpatul.“ – „Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.“

„Das Lied von Eis und Feuer“ von George R. R. Martin

Valar morghulis – alle Menschen müssen sterben. Das dürfte der berühmteste Satz aus George R. R. Martins Welterfolg sein. In „Das Lied von Eis und Feuer“ finden sich jedoch nicht nur Ausdrücke aus der valyrischen Sprache. Auch das nomadische Reitervolk der Dothraki hat seine eigene Kultur und Sprache. Früh in der Handlung begegnen Leser einem Khal, der als Reiterfürst Daenaerys zu seiner Khaleesi macht. Und in „Game of Thrones“ dürfen wir zusehen, wie diese Königin die Sprache lernt und zu einer einflussreichen Herrscherin wird.

Es ist kein Zufall, dass Martin in Westeros die Gemeine Zunge sprechen lässt und die fremden Sprachen vor allem in Essos eine Rolle spielen. Hier orientiert er sich an Tolkien, der sprachlich zwischen dem Auenland und dem Rest von Mittelerde trennt. Das Schöne am Internet ist, dass sich Fantasy-Linguisten aus aller Welt leicht zusammenschließen können, gemeinsam die Sprachen studieren und ihr Wissen anderen Interessierten zugänglich machen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Sprachkurs in der valyrischen Hochsprache? In diesem Sinne: Valar dohaeris.

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„Die Legenden der Albae“ von Markus Heitz

Viele Fantasy-Autoren bleiben Tolkiens Erbe treu und erschaffen mit ihren Welten auch neue Sprachen. Bei der großen Mehrheit der Werke werden diese jedoch nur im Ansatz verwendet. Unter den deutschen Autoren zählt zum Beispiel Markus Heitz zu denen, die gern mit Begriffen und Bezeichnungen in einer Fantasiesprache zum phantastischen Flair beitragen (und dankenswerterweise in einem Glossar alles aufschlüsseln).

Ein Beispiel dafür ist die Albae-Reihe. Nachdem die Albae selbst bereits in der Zwerge-Serie eingeführt worden waren, wandte sich Heitz dem Jenseitigen Land zu. Da „Die Legenden der Albae“ aber überwiegend aus Sicht der Albae geschildert werden, war es wichtig, ihre Bezeichnungen zu verwenden. „Ishím Voróo“ heißt das Jenseitige Land daher, „Tark Draan“ das Geborgene Land.

“Watership Down – Unten am Fluss” von Richard Adams

Jenseits der Fantasy gibt es in der Phantastik eine ganze Reihe von Werken, in denen die Figuren eine eigens erdachte Sprache sprechen – oder zumindest einige eigene Vokabeln benutzen. „Unten am Fluss“ ist so ein Fall. In diesem phantastischen Abenteuerroman geht es um Kaninchen, die vor einem drohenden Unglück aus ihrem Gehege fliehen und ein neues Zuhause suchen. Die Tiere können denken und sprechen. Anders als in der Tier-Fantasy ist das Verhalten der Kaninchen jedoch deutlich näher an den Verhaltensweisen echter Tiere – sie verzichten auf den Einsatz von Technologie und verfügen auch nicht über magische Fähigkeiten.

Die Kaninchen-Vokabeln reichen von Bezeichnungen für das Fressen wie „silflay“ über Namen für Fressfeinde, „elil“, bis hin zu „hrududil“ für Autos, die ja eigentlich nicht zur Welt der Kaninchen zählen. Die Sprache dient zur Verdeutlichung der Kaninchenkultur, zu der übrigens auch eigene Sagen und Mythen gehören. Interessanterweise entstand der Roman aus Geschichten, die Richard Adams seinen Kindern erzählte. Hier schließt sich der Kreis zu Tolkien, dessen „Hobbit“ ebenfalls zunächst eine reine Kindergeschichte war.

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