Kolumne: "Die Weisheit der Nerds" von Stephen H. Segal

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Detective Thorn


„Es ist Menschenfleisch. Soylent Grün ist Menschenfleisch.“

Voller Verzweiflung schreit Thorn – gespielt von Charlton Heston – diese grausame Wahrheit am Schluss des Films heraus. Die Zusammenhänge sind nun klar: Die Welt leidet unter zunehmender Ressourcenknappheit für eine ständig wachsende Bevölkerung – und deshalb werden die Körper frisch Verstorbener zu grünen Täfelchen weiterverarbeitet, die den Bürgern als Nahrungsquelle dienen.

Die Soylent-Grün-Produktion ist ein notwendiges Übel in einer Welt, die einfach weiterkonsumiert, ohne über die Folgen nachzudenken. Sie ist der Inbegriff dystopischer Paranoia und macht wirklich Angst, weil sie nicht allzu weit von unserer heutigen Wirklichkeit entfernt ist. Was jetzt nicht heißen soll, dass man seine Kartoffelchips auf Ähnlichkeit mit Freunden prüfen muss. Man sollte sich aber Folgendes bewusst machen: Der komfortable Lebensstil, den wir für so selbstverständlich halten, basiert auf systematischer Entmenschlichung – ob das nun Kinderarbeiter in Sweatshops betrifft oder Migranten, die unter prekären Bedingungen arbeiten müssen. Auch unser Lebensstil ist – wie Soylent Grün – aus Menschen gemacht.

 

Die hochdramatische Enthüllung von Soylent Grün könnte man als Spoiler sehen. Sie brannte sich aber schon in den späten 1980ern ins öffentliche Bewusstsein ein – vor allem durch eine höchst amüsante Parodie von Phil Hartman in Saturday Night Live.

 

 


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
All rights reserved.
First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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