Länder, Jedi, Abenteuer - Folge 23: Conan – barbarisch gut!

KOLUMNE

Länder, Jedi, Abenteuer (22): Conan – barbarisch gut!


Sie lieben es barbrüstig und muskulös? Sie halten Worte für überbewertet, wo auch Klingen sprechen können? Und in Ihren Träumen sehen Sie sich auf einem aus Knochen gezimmerten Königsthron sitzen, während rothaarige Schönheiten Ihnen Trauben in den Mund legen?

Meinen Glückwunsch! Sie könnten ein verkappter Fan von Conan sein, dem cimmerischen Barbaren aus Robert E. Howards schriftstellerischer Feder. Vielleicht haben Sie aber auch einfach nur zu fett zu Abend gegessen …

 

Der Fanotyp

Cimmerier mögen ultrastrark auftreten und sich bevorzugt in Grunz- und Kampflauten unterhalten, doch hinter ihrer barbarischen Fassade (an der nicht zuletzt Arnold Schwarzeneggers Kinodarstellung des Helden Schuld trägt) wartet ein höchst weicher Kern. Denn wenn es eines gibt, das den Cimmerier von Conans Schlag noch stärker prägt als die scharfe Klinge, dann ist es seine charakterimmanente Melancholie. Wollen Sie Ihre(n) bevorzugte(n) Con also als Conan- oder Red-Sonja-Double besuchen, halten Sie sich bitte weitaus weniger lang mit Ihrer Garderobe als mit Ihrem Innenleben auf. Kleidung ist einfach: ein Lendenschurz, ein Tierfell, lederne Sandalen oder nietenbewehrtes Gürtelzeug. Gerne eine Krone. Deutlich schwieriger darzustellen wird aber die innere Zerrissenheit, die Schattenseite Ihrer Figur.

Robert E. Howards Helden sind nämlich bei weitem nicht (nur) die eindimensionalen Kraftpakete, als die der Mainstream sie abgespeichert haben mag. Ihre Welt, ihre Kultur geht rings um sie den Bach hinunter, und wann immer sie sich im Kampf gegen Feinde bewähren müssen, kämpfen sie vor allem auch um die eigene Vergangenheit.

Knurren und grunzen Sie also ruhig, wenn Sie ein Conan sind. Aber vergessen Sie nicht, zwischen all dem Gegrunze wehmütig in die Ferne zu blicken.

Dinner for Fan

So unterschiedlich die Lebensphasen des titelgebenden Helden, so verschieden sind auch die Menüoptionen eines echten Conan-Dinners. Sie können königlich tafeln, edelste Speisen auf edelstem Geschirr verzehren und den anschließenden Absacker auf den Burgzinnen zu sich nehmen, während in der Ferne der blutrote Mond hinter den Bergen aufgeht. Sie können es aber auch barbarisch angehen, sich Ihren Braten eigenhändig jagen gehen und dann eben essen, was immer Ihnen über den Weg läuft und was Sie tatsächlich erlegen können.

Falls Sie sich dabei aber so gut anstellen wie der Autor dieser Zeilen, sollten Sie lieber gleich beim Königsmahl bleiben. Da wird man wenigstens satt.

Sag, was du willst, aber …

Geredet wird nicht sonderlich viel in den cineastischen Adaptionen von Howards Helden. Das mag auch an der Wahl seiner Darsteller liegen, gelten Schwarzenegger und Ralf Möller ja nicht zwingend als Obergrößen des dramatischen Spiels und des langen Monologs. (Im Gegenzug hatte Orson Welles garantiert einen kleineren Bizeps.)

Doch wenn gesprochen wird, dann richtig. Wer sich im Conan-Sprech versuchen möchte, darf daher keine Angst vor Pathos und blumigen Metaphern haben. Auch lange Pausen, fremdweltlerisch klingende Kraftausdrücke und ein ehrfürchtiges „Crom, steh mir bei!“ schaden Ihrer Rolle nicht.

Sollte Ihnen der richtige Text aber mal nicht einfallen, machen Sie sich nicht ins Kettenhemd: Grunzen geht immer.

Bloß nicht nachmachen!

Cimmerier sind raue Gesellen, und auch so mancher Conan-Fan ist nicht gerade für seine Kuschelrock-LP-Sammlung bekannt, wenn Sie verstehen. Falls (und das sollte ein sehr, sehr großes Falls für Sie sein) Sie ihn dennoch auf die Palme treiben wollen, könnten folgende Provokationen Ihnen helfen.

 

  1. Bezeichnen Sie das literarische Genre der Fantasy als dümmlich. Sagen Sie, echte Literaten würden sich nie und nimmer mit solch eskapistischem Nonsens abgeben. Auf die Frage, wen Sie als echte Literaten betrachten, antworten Sie dann einfach mit Namen wie Michael Ende, J. R. R. Tolkien, Jens Schumacher …

  2. Titeln Sie Robert E. Howard als überbewerteten Groschenroman-Autor ab. Behaupten Sie, jeder – wirklich, wirklich jeder – könne bessere Helden entwickeln als der Altmeister der Sword and Sorcery. Auch Sie. Ach was, vor allem Sie.

    Bestehen Sie dann darauf, dass Ihr Gegenüber einen Blick auf Ihr Manuskript namens „Karl-Heinz, die Inventur-Aushilfe“ wirft.
  1. Grunzen Sie zu leise.

 

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Das Phantastische wird immer populärer, doch längst nicht jeder Normalsterbliche weiß, wie wir Fans unendlicher Weiten und Co. so ticken. Länder, Jedi, Abenteuer will da Abhilfe schaffen und bietet einen ebenso liebe- wie humorvollen Einblick in die schillernde Subkultur der Geeks.

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