"Dungeons & Workouts - Vom Lauch mit Bauch zum Held von Welt"

BUCH

Dungeons & Workouts (Teil 1): Prolog


TOR Team
09.04.2018

Herzlichen Glückwunsch, du hast gerade den ersten Schritt in Richtung Fitness getan. Du hast diesen Artikel angeklickt :) Heute ist genau der richtige Tag, um mit dir in unsere Frühjahrssportstrecke zu starten. Jede Woche zeigen wir dir hier ein paar Übungen aus dem Fitness-Buch "Dungeons & Workouts" (Meyer & Meyer Verlag), die auch den bewegungsfaulsten Nerd in Form bringen.

Wir starten mit Folge 1, dem Prolog! Und hier könnt ihr euch noch einmal die Spielregeln durchlesen.


Ein scheues Flackern der Fackeln erleuchtet den steinernen Weg vor dir. Ein leises Plätschern dringt an dein Ohr, irgendwo in der Ferne muss sich eine Quelle ergießen. Der Gang wird unübersichtlicher mit jeder Biegung, die du nimmst. Für einen Moment zweifelst du an deinem Vorhaben, doch letztlich ist diese Route alles, was dir bleibt. Nicht einmal drei Windungen des Weges weiter schimmert ein Licht aus dem Tunnel heraus, du nimmst all deine Kräfte zusammen und gehst weiter, hinein in das gleißende Licht. Deine Augen müssen sich erst wieder an die Helligkeit gewöhnen und es dauert eine Weile bis du erkennst, was vor dir passiert. In großen Lettern prangt auf einem Schild „Kammer der Kräfte“.

Darunter steht ein Mann, nicht größer als ein ausgewachsenes Stachelschwein, mit wallend langem, weißem Bart. Seine Kleidung kommt dir fremd vor, aber in deiner Situation ist jeder Mensch eine willkommene Abwechslung.

Mit jedem Schritt wird deutlicher: Dieses gleißende Licht erstrahlt von einer Quelle hinter dem Mann. Verschiedenste Farben scheinen hinter ihm in einer Art Bogen zusammenzulaufen. Von solchen Dingen sichtbar unbeeindruckt, näherst du dich fest entschlossen. Als er dich erblickt, durchdringt eine schrille Stimme dein Ohr: „Was willst du Narr an
diesem Ort? Für dich gibt es hier nichts zu holen.“

Nachdem du ihm freundlich, aber bestimmt die Dringlichkeit deines Anliegens erklärt hast und ihm glaubhaft versicherst, keinerlei Ambitionen als Goldgräber zu hegen, lässt er von 

seinem bislang grimmigen Gesichtsausdruck ab und berichtet dir quietschvergnügt: „Ach so, sag das doch gleich. Ich kann ja nicht ahnen, dass es auch noch weitere ehrenvolle Wesen in diesem Teil des Landes gibt, entschuldige bitte mein Auftreten. Willkommen bei der Kammer der Kräfte. Du hast sicherlich schon super viel von der Kammer gehört, aber lass mich dir nur zur Sicherheit kurz erläutern, was dich dort erwartet. Zuerst einmal ist der Name etwas irreführend, denn eigentlich erwarten dich sogar drei Kammern, aber offensichtlich war der Buchstabe ‚N’ zu teuer“, lässt er dich mit einem Glucksen wissen.

Wie dem auch sei, kommen wir zu den einzelnen Kammern, denn die haben es wirklich in sich. Die erste Kammer ist leicht zu überwinden, zumindest wenn man so groß ist wie ich, für dich dagegen könnte es etwas ungemütlich werden. Deine einzige Möglichkeit durch diesen flachen Raum zu kommen, ist wohl, dass du hindurchkriechst. Das wäre an sich auch nicht so das Problem, wenn nicht der tobende Wühlwurm genau dort sein Unwesen treiben würde. Es ist also unerlässlich für dich, dich schnellstmöglich hochzudrücken, wenn du merkst, dass der Wurm unter dir rumort. Ist also letztlich ganz einfach, krieche immer auf das Licht zu und du bist im Nu durch die Kammer durch. Bei der zweiten Kammer stellen sich mir immer die Nackenhaare auf, wenn ich nur daran denke. Hier wartet der Bußpriester Pip auf dich und darauf, dass du ihm durch das Anwenden seiner Gebetstechnik die Ehre erweist. Das Schlimme an Pip ist, dass er kein Wort spricht, wohl so eine Art Schweigegelübde, frag mich nicht. Lass dich von seinen klappernden Gelenken nicht täuschen, er betet wie ein junger Gott. Zur Begrüßung zeigt er dir, wie er sich das Beten vorstellt, ab dann ist Tempo gefragt, denn um ihm würdig zu erscheinen, musst du bis zur Grenze gehen.“

Dein Gesicht spiegelt offenbar etwas Schrecken und Verwirrung wider, denn der Weißbärtige ergänzt: „Ach, habe ich erwähnt, dass du für alle Kammern nur insgesamt sechs Minuten Zeit hast? Für jede Kammer eine Minute und da der Erbauer kein Unmensch war, beginnt die Aufgabe in den hinteren zwei Kammern jeweils erst nach 90 Sekunden gesunder Erholung, mir hilft ja Schreien und Schimpfen besonders gut, aber da ist jeder eigen.“ Der vorsichtige Hinweis auf die dritte Kammer veranlasst ihn seinen scheinbar gut geprobten Monolog fortzusetzen.

„Ach, die dritte Kammer, persönlich mag ich die am liebsten, hier weiß man, was man bekommt, kein Schweigen, kein plötzliches Auftauchen, hier ist alles von vornherein klar. Ich möchte Scrotus eigentlich gar nicht so viel vorwegnehmen, ihm ist es aber wichtig, dass man ihm auf Augenhöhe begegnet, scheint so ein Ding aus seiner Kindheit zu sein. Er ist ein absolut fairer Sportsmann und wird sich dir gegenüber sicherlich nicht unsittlich aufführen, aber mit ihm ist es ein ständiges Auf und Ab, also sei auf der Hut. Seinen Schlägen würde ich trotzdem ausweichen, mit geschwollenen Augen lässt sich so schlecht die letzte Tür finden. Klar soweit?“ Leichte Verwirrung, aber auch mutige Entschlossenheit machen sich in dir breit und dein Grinsen veranlasst den Weißbart zu einem freundlichen „Viel Glück, ich warte dann auf der anderen Seite, berichte mir, wie du dich geschlagen hast“, bevor er sich umdreht, offenbar den Lichtbogen hinaufsteigt, welcher daraufhin verblasst, und dich dort allein vor der Kammer zurücklässt. Du legst die Hand auf die Tür und stößt sie auf. Deine Augen können nicht viel mehr als das Licht am anderen Ende des Raumes ausmachen, dafür musst du dich allerdings schon auf die Knie begeben. Als du die ersten Meter machst, spürst du das Erzittern des Bodens, aber du bist vorbereitet.

Nerd-Sport: Dungeons & Workout - Prolog
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Mit leicht zittrigen Fingern öffnest du die Tür zur zweiten Kammer, dich erwartet eine Art Altarraum. Inmitten des Raumes siehst du eine Gestalt auf dem Boden sitzen, das muss der Priester sein. Haare hat er keine, dafür einen durchdringenden Blick, mit dem er dich fixiert. Die weite, gelbe Hose und das knappe mandarinenfarbene Oberteil geben ein eher lustig anmutendes Bild ab, doch die über allem liegende Stille macht dich sichtlich nervös. Während du auf ihn zugehst, fällt dir ein leichtes Schimmern an der Hüfte des Priesters auf. Deine Vermutung bestätigt sich, als er seine Gebetstechnik präsentiert. Aus der Rückenlage schnellt er vor und senkt sein Haupt vornüber zum Gebet, oben auf seinem Kopf erkennst du ein merkwürdiges Muster aus immer größer werdenden Kreisen. Ein deutlich zu vernehmendes Quietschen lässt dich aufhorchen und erkennen, dass das gesehene Schimmern von einem Scharnier herrührt, welches sich auf Hüfthöhe des offensichtlich aus Holz geschaffenen Priesters befindet. Mit einer Handbewegung deutet er dir an, seinem Beispiel zu folgen und dich zu setzen.

Nerd-Sport: Dungeons & Workout - Prolog
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Leicht außer Atem machst du die dritte Tür auf, hier wartet ein mit Seilen abgesperrtes Dreieck auf dich, in dessen Mitte ein Mann steht mit gewaltigem Oberkörper, dem ebenso unerwartet wie unproportional ein mickriger Unterkörper folgt. Mit fiepsiger Stimme lässt er dich wissen: „Tach, ich bin Scrotus, Rächer der Entmannten. Hier ist das ganz einfach, du bleibst stehen, ich hau dir ins Gesicht. Mach keine Faxen und bleib stehen, denn Tiefschläge sind hier nicht erlaubt.“ Er schaut in seinem rosa Einteiler betreten nach unten. „Wir ziehen das Ganze die Minute lang durch, danach bist du hier fertig und wir können beide unserer Wege gehen. Bist du bereit?“ Er hält dir die Seile hoch, damit du in das Dreieck steigen kannst.

Nerd-Sport: Dungeons & Workout - Prolog
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Sichtlich erschöpft trittst du durch die Tür, die Scrotus dir gezeigt hat und kommst in einen schummrigen Raum, an dessen Wand zu deiner linken ein kleiner Kessel voll mit Münzen steht. Als du dich ihm näherst, wirst du geblendet von dem plötzlich auftauchenden Licht, welches nun in den Kessel hineinzufließen scheint. Nachdem sich deine Augen an die neuen Lichtverhältnisse gewöhnt haben, steht auch schon der kleine Mann mit dem weißen Bart wieder vor dem Licht. „Gut gemacht, hab nicht viele gesehen, die so durch die Kammern gekommen sind. Doch nun erzähle mir, wie du dich geschlagen hast, denn davon hängt deine Zukunft ab.“ Er deutet auf die andere Seite des Raumes, wo nun drei Türen erscheinen. Von links nach rechts sind sie beleuchtet in grün, gelb und rot, wobei die Türen auch immer breiter zu werden scheinen, je weiter du nach rechts blickst. Im nächsten Augenblick erscheinen auf den Türen Bilder eines gebeugten Arms, welche auf etwas mehr als unterschiedliche Ernährung schließen lassen.

Nerd-Sport: Dungeons & Workout - Prolog

„Nun, der Moment der Entscheidung ist gekommen, deine gezeigten Leistungen weisen dir deinen vorbestimmten Weg. Wer davon abweicht, muss mit den Konsequenzen leben, die der gewählte Pfad bereithält.“ Entschlossen schreitest du auf die Tür zu, hebst die Hand und schlägst mit voller Kraft gegen das Holz. Statt sich zu öffnen, ergießt sich eine Lawine aus kleinen Kugeln auf deinen Kopf, kleine, kastanienbraune Kugeln.

Als du die Augen wieder aufschlägst, siehst du ein halbes Dutzend selbstgebastelte Kastanienmännchen auf deiner Brust liegen. Jubelnd und drohend mit kleinen Zweigen bohren sie sich in deinen Körper, doch zusammen mit der Schlafunterlage aus Stroh ergibt sich nur ein gewohntes Kribbeln auf deiner Haut. Deine Hand allerdings schmerzt doch deutlich, nachdem du dem Brett über deinem Bett ordentliche Dellen beschert hast. Deine dreifach geflickte Hose hat sich über Nacht mal wieder bis zum Knie hochgezogen, sodass auch deine mit blauen Flecken übersäten Schienbeine mal wieder Tageslicht abbekommen. Die morsche Vordertür klappert im Wind auf und zu, wodurch es auch bei dir ein wenig zugig wird. Die trockenen Brotreste auf dem Tisch haben Beine bekommen und verabschieden sich gerade in Richtung Spalt unter der Tür, die Ameisen lassen mal wieder ihre Muskeln spielen.

Der Schlafplatz auf der gegenüberliegenden Seite des kleinen Zimmers ist leer, eine gebundene Strohpuppe mit geflochtenen Zöpfen sitzt liebevoll angerichtet am Kopfende und scheint dich genau im Blick zu haben. Statt der bunten Farben von eben erblickst du vor allem grau und braun um dich herum, der triste Alltag hat dich wieder. Du stehst auf und stellst die mit viel Liebe gestalteten Kastanienmännchen wieder ordentlich auf das Brett neben deine selbstgeschnitzte Flöte. Durch das Fenster siehst du, dass die Sonne scheint, im Haus ist es jedoch bitterkalt, da der Ofen mal wieder ausgegangen ist. Wenigstens die Laterne deines Onkels scheint die Nacht über für etwas Licht gesorgt zu haben, denn sie glimmt noch immer. Noch leicht schlaftrunken machst du dich auf den Weg ins Nebenzimmer, um den Ofen neu zu bestücken, da hörst du von draußen jemanden mit quietschiger Stimme aufgeregt deinen Namen rufen.

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