„Sowas wie Firefly ...“ – ein Interview mit Wes Andrews alias Bernd Perplies

INTERVIEW

„Sowas wie Firefly ...“ – ein Interview mit Wes Andrews alias Bernd Perplies


Mit den Romanen „Höllenflug nach Heaven’s Gate“ und „Blutfehde auf Alvarado“ hat Bernd Perplies seine Leser schon zwei Mal  ins  Frontiersmen-Universum mitgenommen. Sie erzählen die Geschichte von John Donovan und seiner Crew. John ist ein furchtloser Frachterkapitän im „Wilden Westen“ des besiedelten Weltraums, seine Aufträge oft gefährlich und nicht immer ganz legal. Ab Mitte März erscheint die Mini-Serie „Frontiersmen: Civil War“ in sechs Folgen.

 

Grob zusammengefasst: Worum geht es nun in „Frontiersmen: Civil War“?

Wes Andrews: „Frontiersmen: Civil War“ ist etwa ein halbes Jahr nach dem zweiten Roman „Blutfehde auf Alvarado“ angesiedelt. Schon lange kriselt es zwischen der Kernwelten-Union und den Randplaneten. Für die Kernwelten sind die Randplaneten nämlich im Wesentlichen Rohstoffquellen, die die Konzerne mit Billigung der Regierung ausschöpfen können. Die Siedler auf den Randplaneten nennen diese dagegen ihre Heimat und sind über das nicht selten rücksichtslose Vorgehen der „Fremden“ wütend. Zumal sie im politischen Alltag meist zugunsten der Kernwelten benachteiligt werden.

Zu Beginn der Mini-Serie kommt es, wie es kommen muss: Eine große Zahl Randplaneten sagt sich von der Union los und bildet die Konföderation der Randplaneten. Von jetzt an wollen sie die Alleingewalt über ihre Welten und deren Ressourcen haben. Das kann und will die Union nicht hinnehmen – so kommt es zum Krieg. Und mittendrin: John Donovan und die Crew der Mary-Jane Wellington, die damit eigentlich gar nichts zu tun haben will.

Werden sich die Figuren gegenüber den Romanen weiterentwickeln?

Ich denke schon, dass eine gewisse Entwicklung stattfindet. Vor dem Hintergrund des Krieges werden Charakterzüge geschärft, bei manchen Figuren findet ein Überdenken ihrer bisherigen Ansichten statt und mitunter erschüttert auch ein Schicksalsschlag das persönliche Fundament. Dabei werden John und die anderen sich allerdings nicht bis zur Unkenntlichkeit verändern. Ich bin kein großer Freund extremer psychologischer Charakterentwicklung über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum. Jemand wie John beispielsweise steht fest im Leben; der macht seinen Job schon seit zwanzig Jahren und hat eine Menge erlebt. Der Bürgerkrieg ist natürlich eine besondere Eskalationsstufe, aber er wirft ihn auch nicht vollkommen aus der Bahn. Eine andere Seite ist natürlich die Vertiefung des Hintergrunds der Figuren. Hier steht den Lesern die eine oder andere Überraschung bevor.

Was bietet die Serie sonst noch an Neuem für Leser, die die beiden Romane schon kennen? Und kann man die Serie auch lesen oder als Hörbuch hören, wenn man die Romane nicht kennt?

Was sie Neues bietet? Sechs Abenteuer! Und auch wenn sie von der Textmenge kürzer ausfallen mögen, sind die Episoden vollgepackt mit allem, was den Lesern bisher an „Frontiersmen“ gefiel. Ich betrachte sie gewissermaßen als hoch verdichtete Romane. Darüber hinaus wird das „Frontiersverse“ deutlich ausgebaut. Das geht so weit, dass am Ende des Schreibprozesses eine Karte des Settings entstanden war, die wirklich jedes Planetensystem und alle dazwischen verlaufenden Transitrouten aufzeigt.

Natürlich kann man die Serie auch genießen, wenn man die Romane nicht kennt. In Band 1 werden alle relevanten Informationen über unsere Helden und das Setting für Neueinsteiger noch einmal präsentiert. Allerdings steht die Serie natürlich in einer Reihe mit den Romanen und es wird auch immer mal wieder auf diese zurückverwiesen, sodass Kenner der Vorgängertexte vielleicht einen kleinen Genussvorteil haben.

Erfahre mehr über Frontiersmen: Civil War 2: Vierzig Frachter randwärts
Erfahre mehr über Frontiersmen: Civil War 3: Die Verdammten von Fort Hope
Erfahre mehr über Frontiersmen: Civil War 4: Die Tochter des Admirals

Sind die einzelnen Folgen für sich genommen lesbar?

Im Grunde ja. Zumindest bei den ersten vier Episoden handelt sich um Abenteuer mit einem klaren Anfang, einer konkreten Problemstellung und einem runden Schluss. Dazwischen vergeht auch immer ein wenig Zeit (mal mehr, mal weniger). Aber erneut: Die Texte sind grundsätzlich Teil einer größeren, fortlaufenden Erzählung und Entwicklungen in den Figuren sowie innerhalb des „Frontiersverse“ werden natürlich von Geschichte zu Geschichte vorangetrieben. Der Wunsch des Verlags waren Einzelabenteuer, eingebettet in einen Metaplot. Ich denke, das beschreibt auch das Endergebnis ganz gut.

Was sind die Vor- und Nachteile beim Schreiben einer sechsteiligen Mini-Serie statt eines langen Romans? Was hat dir beim Schreiben der Serie am meisten Spaß gemacht? Was weniger?

Ich weiß nicht, ob ich von Vor- oder Nachteilen sprechen würde. Es ist einfach ein anderes Format. Bei einer Mini-Serie geht es inhaltlich wesentlich schneller zur Sache und gleichzeitig passiert insgesamt viel mehr als bei einem Roman gleicher Länge. Man hat als Autor für die Einzelepisoden nur in etwa den Platz eines Drittel Romans, muss aber ein ganzes Abenteuer erzählen. Das erfordert ein gewisses Umdenken. Inhaltliches Wassertreten, was im Mittelteil eines dicken Romans schon mal vorkommen kann, ist hier unmöglich. Es muss Schlag auf Schlag gehen. Dafür fällt es schwerer, private Nebenplots für die Figuren einzubauen. Es ist eben alles eine Platzfrage.

Was mir gut gefallen hat, ist, dass man ein bisschen mit dem Erzählen experimentieren kann, weil man einer TV-Serie näher ist als einem Kinofilm. Ich habe jetzt nicht gerade eine Musical-Episode eingebaut, aber ich beginne beispielsweise mal mit einer Rückblende und ich habe auch mal einen kleinen Zeitsprung zurück (das bekannte „1 Stunde früher“) drin. Sollte es eine zweite Mini-Serie gebe, wage ich da vermutlich noch etwas mehr, immer orientiert an den dramaturgischen Kniffen moderner TV-Serien. Einfach, weil man es in einer Episode von 30.000 Wörtern mal machen kann.

Du schreibst ja in einer Vielzahl von Genres und Subgenres im SF- und Fantasy-Bereich. „Frontiersmen“ ist ein relativ spezielles Subgenre, nämlich Space Western. Was reizt dich daran?

Ich mag zunächst grundsätzlich Science-Fiction als Genre, einfach weil es einem als Autor eine buchstäblich grenzenlose Spielwiese bietet. Außerdem bin ich schlicht technikaffin. Raumschiffe haben mich schon immer besonders fasziniert. Am Western dagegen gefällt mir das Erdige, das noch von allen Zwängen des modernen Lebens freie Dasein in der weiten und weitgehend unberührten Natur. Der Mensch steht im Mittelpunkt und Familienbande werden groß geschrieben. Der Space Western verbindet für mich das Beste beider Welten: das Sternenmeer und die Prärie, Raumschiffe und kleine Grenzstädte, die fortschrittliche Technik und das einfache Leben guter Männer und Frauen, die gemeinsam durch dick und dünn gehen.

Was sind deine Einflüsse für „Frontiersmen“? Gibt es Bezüge zu bestimmten Western?

Die meisten Leute, die bislang von den „Frontiersmen“ gehört haben, dachten zuerst an die TV-Serie „Firefly“ von Joss Whedon. Ich will es auch gar nicht leugnen: Ich habe die Serie damals geliebt und war ausnehmend unglücklich über die fragwürdige Entscheidung des Senders, sie nach nur einer Handvoll Episoden abzusetzen. Meine eben beschriebene Mischung aus Western und Weltraum ist dort einfach toll umgesetzt, und entsprechend lautete mein erster Pitch an den Verlag auch seinerzeit: „Sowas wie „Firefly“, nur mit noch stärkeren Westernanleihen.“

Tatsächlich ist der konkrete Einfluss der Serie auf „Frontiersmen“ eher gering. Ich habe sie beispielsweise gar nicht noch einmal angeschaut. Viel wichtiger waren für mich klassische Westernfilme, die mir als Quelle für Motive, Figuren und Themen dienten. In den beiden Romanen ging das so weit, dass ich praktisch Hommagen an gewisse Filme („Stagecoach“ von John Ford sowie „Für eine Handvoll Dollar“ von Sergio Leone) verfasst habe, zwar mit durchaus eigenen Entwicklungen, aber doch für Fans mit Wiedererkennungswert. Davon habe ich mich in „Civil War“ gelöst. Die Serie ist eigenständiger, bedient sich allerdings trotzdem typischer Western-Motive, etwa dem Wagentreck durch die Wildnis oder dem Kampf zwischen der US-Armee und den Indianern.

Ist das also nur etwas für Western-Fans?

Nein, überhaupt nicht! Tatsächlich versuche ich verschiedene Vorlieben zu befriedigen. Freunde der Hard-SF mögen Gefallen an den relativ realistischen Reisebedingungen und -zeiten innerhalb der Planetensysteme finden – und vielleicht auch an meinem Konzept des überlichtschnellen Reisens. Doch um das Ganze nicht auf sperrige Weise zu technisch werden zu lassen, dienen die Western-Elemente als „warmer“ Gegenpol. Wenn man Science-Fiction vielleicht mit einem kühlen Blau und Western mit einem erdigen Braun verbindet, ist „Frontiersmen“ eine Mischung daraus, die farblich vielleicht ziemlich hässlich sein mag, aber literarisch ausnehmend gut funktioniert, wie ich finde. Technik und Natur oder auch Kopf und Herz finden hier auf spannende, actionreiche und humorvolle Weise zusammen.

Vielen Dank für das Interview!

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann direkt hier in die erste Folge reinlesen. Folge 1 ist zurzeit als eBook zum günstigen Einführungspreis von € 0,99 in allen Shops erhältlich. Und wer lieber was auf die Ohren bekommt: Das Hörbuch, gelesen von Peter Lontzek, gibt es als Audio Download und Streaming auf allen gängigen Plattformen. Mehr zur Serie gibt es hier und auf Wes Andrews‘ Blog.

Über Wes Andrews

Autor Wes Andrews

 

Wes Andrews – das ist Bernd Perplies. Der 1977 geborene Autor ist seinen Lesern aus gut 30 Romanen bekannt, Science-Fiction und Fantasy für Erwachsene ebenso wie für Kinder. Neben der Frontiersmen-Serie schrieb er gemeinsam mit Christian Humberg „Star Trek: Prometheus“, die ersten Star-Trek-Romane aus deutscher Feder. Mit den Frontiersmen lebt er seine Vorliebe für alte Western und die TV-Serie „Firefly“ aus.

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