Eine kurze Geschichte der Fantasy

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ESSAY

Eine kurze Geschichte der Fantasy, Teil 11


Farah Mendlesohn & Edward James
19.03.2018

Im elften und letzten Kapitel sind wir nun fast in der Gegenwart angekommen – im Jahr 2012. Nach bahnbrechenden Meisterwerken von China Miéville und Mary Gentle sprengen Autoren wie Neil Gaiman und Hal Duncan die Grenzen des Genres, und neue Talente wie Cecilia Dart-Thornton und Joe Abercrombie zeigen, dass man nicht immer das Rad neu erfinden muss, um tolle Bücher zu schreiben.

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Elftes Kapitel | Nach der Jahrtausendwende

Im Jahr 2001 waren für den Arthur C. Clarke Award, einen Preis, der eigentlich für Science Fiction gedacht ist, zwei Romane nominiert, die viele Leser als Fantasy betrachteten: Mary Gentles Ash (2000) und China Miévilles Perdido Street Station (2000). Perdido Street Station gewann den Preis. Der erste Clarke Award wurde 1987 verliehen; das Jahr 2001 war nicht nur deswegen bemerkenswert, sondern weil zu diesem Zeitpunkt Romane von britischen Autoren die Preisvergabe dominierten (2001 und 2002 waren fünf der sechs Nominierten Briten).

Wir müssen uns kurz von der Fantasy wegbegeben. Mitte der 1990er Jahre erlebte die britische Science Fiction einen Boom, sowohl hinsichtlich ihrer Quantität als auch ihres Einflusses. Das Aufkommen der »New Space Opera« – vertreten durch Autoren wie Iain M. Banks, Stephen Baxter, Gwyneth Jones, Ken MacLeod und Alastair Reynolds – führte zu einer Neudefinition der Vorstellung, was sich mit gewissen klassischen Science-Fiction-Stereotypen anfangen ließ. Diese Autoren gaben einem vormals peinlichen Subgenre einen dediziert postimperialistischen Dreh, und das zudem mit literarischer Verve. Im Jahr 2000 mussten US-Kritiker wie etwa David Hartwell sich bereits energisch für die Relevanz US-amerikanischer Science Fiction ins Zeug legen, da sich die britische Vorstellung der Zukunft zunehmend festsetzte. Die vorher erwähnten Autoren blieben (zusammen mit einigen anderen) in den letzten eineinhalb Jahrzehnten vorherrschend. Einer der großen Namen der New Space Opera, M. John Harrison (Licht, 2002) war jedoch eigentlich eher als Fantasy-Autor bekannt. Obwohl er in den 2000ern keinen neuen Fantasy-Roman schrieb, nahmen in dieser Zeit Leser wie Autoren seinen Einfluss auf die britische Fantasy wahr. Der Einfluss der New Wave der 1960er, zu der Harrison eine Menge beitrug, ließ sich plastisch in der New Space Opera und dem neuesten Trend der Fantasy beobachten, der New Weird.

Die New Weird ist äußerst schwer zu definieren. Ihre Wurzeln liegen in Miévilles Versuchen, seine eigenen Texte zu beschreiben – eine marxistische Subversion klassischer Fantasy-Stereotypen, die größtenteils gut innerhalb der geläufigen Fantasy-Strukturen funktionierte. Als man weitere Schriftsteller unter dieser Kategorie einsortierte, wurde daraus in erster Linie ein Marketing-Label, das sich nicht nur durch den Inhalt, sondern auch durch die Abbildung auf dem Cover auszeichnete (die Cover des britischen Künstlers Les Edwards trugen dazu bei, dem New Weird eine visuelle Identität zu verleihen). Dies führte dann wiederum zu einer gewissen Rivalität zwischen jenen, die ihr Werk bereits als Teil einer alternativen Bewegung betrachteten (wie die meisten US-amerikanischen Autoren, die unter der Obhut von Jeff VanderMeers Ministry of Whimsy-Anthologien standen), und anderen, die sich direkter für stilistische Veränderungen innerhalb des Genres stark machten, wie etwa die Interstitialisten, angeführt von Delia Sherman und Ellen Kushner. Vieles davon wurde auf M. John Harrisons Message Board unter www.ttapress.com im Mai, Juni und Juli 2003 ausgefochten.

Perdido Street Station löste bei seinem Erscheinen große Aufregung aus. China Miéville griff mit seinem Stil bewusst auf das Werk von M. John Harrison, Mervin Peake und Michael Moorcock zurück und verband ein starkes stilistisches Anliegen mit visuellem Einfallsreichtum und politischem Scharfsinn. Miéville hatte bereits König Ratte veröffentlicht, eine subversive und schmutzige Version des Rattenfängers von Hameln. Perdido Street Station war ein ganz anderes Buch, das in einer anderen Welt spielte, in der Stadt New Crobuzon. In dieser Stadt, in der es Magie gibt, sucht der Alchimist Isaac Dan der Grimnebulin nach der Weltformel und erschafft schließlich die Physik. Seine Freundin, die Khepri Lin, will aus dem Speichel, den sie mit ihrem Käferkopf produziert, eine Skulptur vom Anführer einer Straßenbande schaffen. Zugleich wird die Stadt von Gierfaltern heimgesucht, Kreaturen, die als Teil der städtischen Machtpolitik aus einer anderen Welt geholt worden waren und die sich von Träumen ernähren sowie Intelligenz zerstören. Ein Großteil des Interesses richtet sich auf die Stadt selbst, einem polysemischen, emsigen Ameisenhaufen, in dem niemand das große Ganze erfasst und Grenzen verwischt und überschritten werden. In New Crobuzon wurde diese Tatsache durch die »Remade« ausgedrückt, Menschen, die für Verbrechen bestraft worden sind, indem man sie magisch mit Maschinenteilen oder biologischen »Verbesserungen« verschweißt hat. Die Remade sind in Perdido Street Station diejenigen, die nicht beachtet werden. In den Folgebänden, Die Narbe (2002) und Der eiserne Rat (2004), wird aus den Remade das revolutionäre Proletariat. Die Narbe ist strukturell das revolutionärste Buch, eine sprühende Kritik an der Questen-Fantasy. Der eiserne Rat, das scheinbar optimistischste, befasst sich am stärksten mit den Denkfehlern der Revolutionäre.

Mary Gentles Ash: A Secret History (2000, ein Band in Großbritannien, vier Bände in den USA) kann rückblickend als New Weird betrachtet werden, auch wenn es sich dabei eindeutig um eine Fortsetzung jener »Weird« Fantasy handelt, die Gentle bereits seit Herr der Ratten in den 1990ern schrieb. Ihre Romane aus dieser Zeit beschäftigen sich mit einem alternativen 17. Jahrhundert, in dem die Magie die Wissenschaft ersetzt hat. Ash blickt ebenfalls in eine europäische Vergangenheit zurück und entwirft in akribischen Details eine alternative Geschichte des 15. Jahrhunderts, die sich in der kleinen Provinz Burgund abspielt. In dieser Welt gibt es Magie, allerdings wird deren Präsenz und alles, was damit zu tun hat, geleugnet und verdrängt. Die Hauptfigur, eine junge Frau namens Ash, ist ein Kind der Soldatenlager, ist missbraucht worden und wird dann zu der Person, mit der rätselhafte Wesen in der Wüste von Nordafrika sprechen können, während sie gegen Karthago kämpft. Das Buch ist ausgesprochen komplex und weist etliche Kennzeichen der Genre-Fantasy auf (z. B. erstaunliche Detailkenntnis in Dingen wie Rüstungen), ist jedoch außerdem ein »gefundener Text« und eine geheime Geschichte. Die Geschichte wird uns als vorgebliche Übersetzung eines Historikers aus dem 20. Jahrhundert präsentiert, der womöglich in unserer Welt existiert (auch wenn die Autoren dieses Buches, die beide Geschichte studiert haben, ihre Zweifel daran haben). Wenn das Buch zum New Weird gehört, dann liegt das am Ton und an der Polysemie seiner Struktur, die den Leser, statt ihn zur Wahrheitssuche aufzufordern, akzeptieren lässt, dass es viele Wahrheiten gibt, die allesamt auch Lügen sein könnten.

Zwei weitere Autoren, die stark mit der New Weird der Anfangszeit assoziiert werden, sind Ian R. MacLeod und Steph Swainston. Man kann die New Weird auch als Subgenre verstehen, in dem sich ein bestimmter Aspekt des Werkes ganz deutlich auf ein anderes Werk bezieht. Demnach wäre MacLeods Aether (2003) eine Nacherzählung von Charles Dickens' Große Erwartungen in einer magischen Welt, die durch den Abbau eines magischen Energieträgers industrialisiert wird, während Swainstons Komet (2004) sich wie der typische zweite Band einer Fantasy-Trilogie liest, in der die Figuren die Armeen der Finsternis bekämpfen, während sich die Handlung millimeterweise weiterbewegt. Diese Beschreibungen bleiben jedoch an der Oberfläche. Aether demontiert anhand des Aufstieg eines jungen Mannes die »Romantik«, die dem viktorianischen England von Dickens übergestülpt wurde, und befasst sich intensiv mit der Ökonomie billigen Treibstoffs und den Folgen industrieller Verschmutzung. Komet nutzt das »Mittlerer-Band-Syndrom«, um die Reaktion des Lesers zu unterwandern und destabilisieren. Wir werden in eine Welt geworfen, in der seit tausend Jahren Krieg herrscht, in der die gesamte Wirtschaft eigens zu diesem Zweck verzerrt wurde und in der die Gesellschaftsstruktur sowohl durch die Superhelden entstellt wird, die den Kampf anführen, als auch durch die Spaltung zwischen der Militärherrschaft unter dem Imperator (dem die Superhelden dienen) und der Kommunalregierung (unter absolutistischen Königen). Obwohl es einige wunderbare Schlachtszenen gibt, ist die Politik in diesem Buch (und seinen Folgebänden in einer noch nicht abgeschlossenen Serie) weitaus komplexer als in der durchschnittlichen Questen-Fantasy, zum Teil, weil kein Ende in Sicht ist. Die Droge, nach der der Protagonist süchtig ist, öffnet ein Portal in andere Welten, die er am Anfang des Buches für eine Illusion hält und in der er bis zum zweiten Band, Die geschenkte Zeit (2005), nach und nach den Ursprung der insektoiden Eindringlinge in seiner Welt zu erkennen glaubt. Die teuflische, pantagruelische Natur der Portal-Welt verbindet Swainstons Werk mit Schriftstellern wie etwa Lewis Carroll und Edward Lear. Ihre Anwesenheit in dieser Kategorie verdeutlicht das enorme Potenzial in dieser losen Gruppierung.

Die New Weird ist sowohl ein inhaltliches als auch ein stilistisches Genre. Der schottische Autor Hal Duncan wurde als einer seiner großen Stilisten gepriesen. Vellum (2005) und Signum (2007) – streng genommen ein Roman, Das Ewige Stundebuch – sind gewaltige, ausufernde Geschichten über verschiedene Manifestationen derselben Figuren an verschiedenen Orten und in verschiedenen Zeiten und Welten, die im Stil von Isis und Osiris immer wieder die selbe Ur-Geschichte zur Aufführung bringen. Die vielleicht interessantesten Manipulationen von Fantasy-Inhalten stammen von K. J. Parker und Steve Cockayne. Von K. J. Parker war bereits im Neunten Kapitel die Rede. 2001 begann er seine Trilogie Der Kreis der Krähen, die die Geschichte eines Mannes erzählt, der möglicherweise ein Gott ist, es aber durch die konkreten Umstände seiner Göttlichkeit nicht wissen kann und infolgedessen Chaos und Verwüstung verbreitet. Die Engineers-Trilogie begann mit Devices and Desires (2004), einer epischen Fantasy-Geschichte, die ihren Anfang nimmt, als der Vorarbeiter einer Fabrik grundlos eingesperrt wird. In Parkers Werk werden all die schicksalsbestimmten Erwartungen der Questen-Fantasy gegen Protagonisten wie Leser gewandt. Steve Cockayne begann seine Trilogie Die Glückssucher mit Die magische Münze (2003); die Folgebände sind Die eiserne Kette (2003) und Das himmlische Kind (2004). Cockaynes Texte sind außerordentlich komplex, und man könnte sie vielleicht am besten als Fantasy des Computerzeitalters oder Cyber-Fantasy beschreiben. Jemand hat irgendwo ein Abbild der Welt erschaffen; jemand anders ein Telefonnetzwerk. Durch die Fugen zwischen den beiden gelangt ein Kobold in das Netz. In der äußeren Welt macht sich Rusty auf, ein Kartenzeichner zu werden, und wird in die königliche Politik verwickelt. An anderer Stelle scheitert das missbrauchte und vernachlässigte illegitime Kind eines Hofmagiers daran, ein eigenes Schicksal für sich zu beanspruchen. Magie sickert aus dem Land, und die Heiligen Inseln sind in Gefahr. Die drei Bände sind eine lyrische Erkundung von Erinnerung und Realität und fordern uns ständig zu der Frage auf, wessen Geschichte eigentlich erzählt wird. Das polysemische Narrativ wird bis an die Zerreißgrenze gedehnt. In The Good People (2006) erzählt Steve Cockayne die Geschichte von vier Kindern, die auf der anderen Seite der Hecke ein Fantasy-Land entdecken. Die Geschichte lässt sich als nicht-phantastische Nachahmung von Arthur Ransomes Werk lesen, als vollwertige Portal-Fantasy, in der ein paar der Kinder beim Heranwachsen schlicht den Zugang zum Fantasy-Land verlieren, als Geschichte eines Jungen, der der Schizophrenie zum Opfer fällt, oder als etwas viel Grenzwertigeres, zutiefst Verstörendes. Cockayne hat weniger unmittelbare Verbindungen zum New Weird als Swainston (er kam durch seine Arbeit als Fernsehkameramann zur Science Fiction), aber sein Werk wurde sowohl von Harrison als auch von Miéville gefeiert. Zu den neueren britischen Autoren des New Weird zählen Joe Abercrombie (Kriegsklingen, [2006]) und Stephen Hunt (Das Königreich der Lüfte [2007]).

Nicht alles, was wir der besten britischen Fantasy dieser Zeit zurechnen, lässt sich unter New Weird kategorisieren. Neil Gaiman, der bereits ungeheuer populär war (und zu dieser Zeit schon in den USA lebte), kam mit American Gods (2003) auch als Romanautor richtig in Fahrt, einer Geschichte über nordische, im modernen Amerika gestrandete Götter, und 2002 schrieb er ein äußerst erfolgreiches Kinderbuch, Coraline, eine deutlich »grimmigere« Fantasyerzählung für Kinder. 2005 veröffentlichte Gaiman Anansi Boys, eine Fortsetzung von American Gods, aber in vielerlei Hinsicht das deutlich interessantere Buch. Es beginnt im London der Gegenwart und erzählt die Geschichte von Charles Nancy, einem bodenständigen Mann, der herausfindet, dass er der Sohn von Anansi, dem Spinnengott ist und einen nervtötenden Bruder hat. Beinahe alle Figuren sind Schwarze (was man eigentlich nicht so stark hervorheben müssen sollte), und Gaiman gab sich große Mühe, damit die Akzente zur Herkunft der Figuren passen, von denen etliche von verschiedenen karibischen Inseln stammen. Am besten lässt sich das in der Hörbuch-Version würdigen, die von dem schwarzen britischen Schauspieler, Komiker und Mimen Lenny Henry gelesen wird.

Ein weiterer Schriftsteller, der nicht zur New Weird gehört, dessen Karriere aber von der zunehmenden Beachtung anspruchsvollerer Formen der Fantasy profitierte, ist Graham Joyce. In der an den Grenzen des Genres angesiedelten Fantasy ist das Phantastische häufig flüchtig und wird nur aus dem Augenwinkel wahrgenommen (siehe Mendlesohn, 2008). The Facts of Life (2002) erzählt von einer Hebamme, die in den 1950ern gezwungen ist, sich an die neuen Anforderungen des National Health Service anzupassen. The Limits of Enchantment (2005) lässt eine Fantasy-Geschichte inmitten der Ruinen des ausgebombten Coventry und den komplizierten familiären Beziehungen mehrerer Schwestern entstehen.

Anansi Boys ist eine Fantasy über Geschichten und darüber, wem Geschichten gehören. 2001 begann Jasper Fforde die mittlerweile zu einer längeren Serie angewachsene Geschichte über eine Ermittlerin, die verhindern soll, dass Bücher in der Vergangenheit umgeschrieben werden, um somit die Originaltexte für eine literaturbesessene Fantasy-Welt zu erhalten, in der noch immer der Krimkrieg ausgetragen wird. Im ersten Band, Der Fall Jane Eyre, muss die Ermittlerin Thursday Next das Ende von Jane Eyre schützen (in dem Jane St John Rivers heiratet), verändert es aber schließlich zu dem Ende, das wir als das »wirkliche« Ende kennen. Auch die walisische Autorin Jo Walton beschäftigt sich spielerisch mit literarischen Texten. Walton hatte schon früher eine Artus-Trilogie veröffentlicht, die aus The King's Peace (2000), The King's Name (2001) und The Prize in the Game (2002) besteht. 2003 veröffentlichte sie Der Clan der Klauen, ein Roman im Stille von Trollope und Austen, in dem die von jenen Autoren als gegeben angenommenen Regeln der Sozialbiologie und der gesellschaftlichen Beziehungen buchstäblich wahr sind. In diesem Roman sind beinahe alle Figuren Drachen. Drachen können nur wachsen, wenn sie Drachenfleisch essen, und so essen in einem verdinglichten Kapitalismus reiche Drachen die Kinder von armen Drachen, während sich jungfräuliche Drachendamen in der Anwesenheit von Drachen-Gentlemen rosa verfärben und für alle Zeit ruiniert sind, wenn eine solche Annäherung eine bleibende Farbänderung zur Folge hat. Diese Beschreibung wird dem Erfindungsreichtum und Humor des Romans nicht einmal ansatzweise gerecht.

Der große britische Hit des Jahrzehnts war Susanna Clarkes Jonathan Strange und Mr Norrell (2004). Bloomsbury war auf der Suche nach einem weiteren großen Erfolg, der J. K. Rowling beerben sollte, und in dieser zarten und skurrilen Variante eines Großbritannien im frühen 19. Jahrhundert hatte man ihn gefunden. Das hatte zur Folge, dass dem Roman ein riesiges Werbebudget zugestanden wurde und er auf der Chicago Book Fair jenes Jahres herauskam. Susanna Clarke fand sich in Interviews mit verwirrten Fernseh- und Radio-Moderatoren in ganz Amerika und Großbritannien wieder. Das Buch erzählt die Geschichte eines alternativen Großbritannien, in dem das Phantastische aus dem Land verschwunden ist und Magier im Grunde genommen Antiquare sind. Zwei echte Magier treten auf, die sehr unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wer in der Lage sein sollte, Magie zu wirken. Mr Norrell will die Magie für eine Elite horten; Jonathan Strange will die magische Welt wiederbeleben. Das Ganze spielt sich vor dem Hintergrund von Wellingtons Portugal-Feldzug ab, und es werden etliche Geschichten erzählt: vom Krieg, vom Leben eines ehemaligen Sklaven namens Stephen und von einem Großbritannien, das kurz vor dem gesellschaftlichen Umbruch der industriellen Revolution steht. Ein bemerkenswertes Element des Buches ist das nordbritische Setting, das Clarke mit mehreren Autoren des New Weird gemeinsam hat, von denen offenbar nur wenige aus dem Süden stammen.

Zur selben Zeit erschien eines der herausragenden US-amerikanischen Fantasy-Werke jener Epoche, Mortal Love (2004) von Elizabeth Hand. In dem Spektakel rund um Jonathan Strange ging Mortal Love ein wenig unter, doch es ist ein faszinierendes Pendant zu Clarkes Roman. In Mortal Love sucht eine Feenkönigin in London nach ihrem verlorenen Verehrer und hinterlässt menschliche Wracks. Mortal Love ist von ganz anderer Art als Jonathan Strange: Es ist aus Samt genäht und mit Seide bestickt. Eines der stärksten Charakteristika dieses Buches ist das unglaublich lebendige Bild, das es von Camden entwirft, einem Stadtteil Londons. Wie bereits im neunten Kapitel erörtert, trug Hand zur Schaffung einer neuen Form der autochthonen Fantasy bei, in der Landschaften ins Phantastische übersetzt wurden. In diesem Jahrzehnt nun verknüpften weitere US-amerikanische Schriftsteller aus dem New Weird stammende Konzepte damit. Einer der interessantesten neuen Autoren war Alexander C. Irvine. Wo die klassische US-amerikanische Urban Fantasy ihre Götter und Feen aus dem alten Europa importierte und danach fragte, wie sie mit dem neuen Kontinent zurechtkommen würden, interessierte Irvine sich eher dafür, wie die Götter des alten Amerika mit den eindringenden Europäern zurechtkamen. In Irvines A Scattering of Jades (2002) löst ein Menschenopfer ein Feuer in Manhattan aus, und ein Sklave in Kentucky findet eine aztekische Mumie. Aztekische Götter werden in den USA in politisches Bandenunwesen verwickelt. In The Narrows (2005) stellt eine Detroiter Fabrik im Zweiten Weltkrieg Golems her, woraufhin eine ortsansässige mythische Figur sich mit einem gestaltwandelnden Schamanen indianischer Abstammung einlässt. Der führende Autor von Regional-Fantasy dieses Jahrzehnts war Andy Duncan, ein US-amerikanischer Schriftsteller aus dem Süden, der in den 1990ern zu schreiben begann und eine Reihe erlesener und häufig erlesen witziger Kurzgeschichten verfasst hat. Beluthahatchie and Other Stories gewann 2001 den World Fantasy Award. Ebenfalls mit dem Weird verbunden ist das Werk von Jeffrey Ford. The Portrait of Mrs Charbuque (2002) erzählt von einem Meisterwerk, das im Jahr 1893 gemalt wird, bei dem der Künstler das Modell aber niemals zu Gesicht bekommt. Dieser traurige Text lebt ebenso sehr von seiner Titelfigur wie von der niemals sichtbaren Stadt New York, die sie umgibt. Jeff VanderMeer war bereits ein etablierter Herausgeber, aber in diesem Jahrzehnt wurde er als Autor bekannter. Die Stadt der Heiligen und Verrückten (1997) ist eine postmoderne, im Stil von Borges verfasste Erkundung einer sagenhaften Stadt und eines Landes in Form einer Folge von Kurzgeschichten. 2006 publizierte VanderMeer Shriek, ein pantagruelisches Update von Poes Der Untergang des Hauses Usher. Zwar nicht direkt mit dem Weird verbunden, aber mit dem, was wir als indigene Fantasy bezeichnet haben, ist Jennifer Stevensons Trash Sex Magic. Es wurde 2004 von Small Beer Press (an sich schon ein Phänomen) veröffentlicht und ist eine Geschichte über tantrischen Sex und Wohnwagen-Underdogs, lebhaft und wild. Scott Lynchs Die Lügen des Locke Lamora (2006) spielt in einer anderen Welt und ist eine typische moderne Urban Fantasy mit einem Hauch Subversivität des New Weird; erzählt werden darin die Abenteuer eines Diebeslehrlings in einer korrupten Stadt. Der Roman enthält Elemente des Sword & Sorcery-Genres, das in den 1990ern schon beinahe verschwunden war. In den 2000ern kehrte es wieder, stark verformt vom New Weird. Sarah Monettes Melusine (2005) und die Folgebände The Virtu (2006) und The Mirador (2007) sind die besten Beispiele dafür: Der Zauberer in diesen Büchern ist schwul, und das in einer Kultur, in der man Schwule verabscheut. Bei seinem Kumpel, einem Dieb, handelt es sich um seinen Halbbruder. Viele seiner Abenteuer werden durch die Makropolitik des Hofes und die Mikropolitik der Sexualität und Rivalität zwischen den Geschwistern geprägt.

Während die New Weird in Großbritannien (und Australien) hauptsächlich in Romanen in Erscheinung tritt, wird sie in den Vereinigten Staaten eher in Kurzgeschichten sichtbar sowie in den Erzeugnissen kleiner Verlage und Internet-Magazine. Eine sehr gute Anthologie, in der die in den USA mit der New Weird verbundenen Autoren präsentiert wurden, ist Ausgabe 39 von Conjunctions mit dem Titel The New Wave Fabulists; der Gastherausgeber war Peter Straub (2002), dessen eigenes Werk immer ungewöhnlicher wurde. Die Sammlung enthält unter anderem Erzählungen von John Crowley, Patrick O'Leary, James Morrow und Jonathan Carroll und demonstriert, in welchem Maß die New Weird in den Vereinigten Staaten Autoren, auf die vorher die Kriterien der Fantasy nicht zu »passen« schienen, mit neuen Autoren zusammenbrachte, die sich des Subgenres der New Weird bewusst waren.

Die bekanntesten Kurzgeschichten-Autoren der US-amerikanischen Weird-Bewegung sind Ted Chiang und Kelly Link. Ted Chiang veröffentlichte einen kurzen Roman bzw. eine Novelle, Der Kaufmann am Portal des Alchemisten (2007), ist aber vor allem für seine Kurzgeschichten bekannt, von denen die meisten in Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes (2011) und Das wahre Wesen der Dinge (2014) gesammelt vorliegen. Darin enthalten sind das mehrfach preisgekrönte »Der Turmbau zu Babel« (1990), in dem Menschen den Turm von Babel bauen, in den Himmel durchbrechen und sich auf der Erde wiederfinden, und »Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes« (2001; ausgezeichnet mit dem Hugo, Nebula und Locus Award), das die Herausforderungen auslotet, denen sich der Glaube gegenübersieht, wenn es Gott wirklich gibt und Wunder tatsächlich jeden Tag passieren. Auch Kelly Link hat mehrere Preise gewonnen; ihre Spezialität sind äußerst merkwürdige Kurzgeschichten, Meisterwerke der Sprache und des Überraschenden, die sich nur schwer beschreiben lassen. Eine der schlichtesten ist »Die Elbenhandtasche« (2004), in der eine altmodische Handtasche in Wahrheit eine andere Welt enthält. Links Laufbahn ist insofern ungewöhnlich, als ihre erste Storysammlung, Stranger Things Happen (2001), in ihrem eigenen Verlag Small Beer Press veröffentlicht wurde, doch obwohl das normalerweise als zweifelhafte Veröffentlichungspraxis betrachtet wird, wurde es zum »Salon Book of the Year« und ein Favorit der Village Voice, woran sich zeigt, dass sich die Wahrnehmung des Marktes hinsichtlich verschiedener Publikationsformen allmählich verändert.

Small Beer Press ist inzwischen einer der bekanntesten Kleinverlage des Genres und hat unter anderem John Crowley, Carol Emshwiller und Sean Stewart veröffentlicht; dort erscheint auch ein Storymagazin namens Lady Churchill's Rosebud Wristlet, in dem so prominente Autoren wie Karen Joy Fowler und Ursula K. Le Guin gemeinsam mit Nachwuchsautoren wie etwa Ellen Klages, Alex Irvine und L. Timmel Duchamp veröffentlichen. Andere Kleinverlage, die in diesem Jahrzehnt bekannt wurden, sind unter anderem Nightshade, das viele bekannte britische Autoren neu auflegte, die sich mit der Veröffentlichung bestimmter Spielarten der Fantasy in den Vereinigten Staaten ansonsten schwertaten (häufig Kurzgeschichten-Sammlungen); in Großbritannien hat sich PS Publishing auf Erstveröffentlichungen von Novellen spezialisiert, eine Form, die ansonsten kaum eine Heimat hat. Neben diesen kleinen Verlagen gewann das Publizieren im Internet immer mehr an Bedeutung. Drei der bekanntesten Seiten sind SciFi.com (inzwischen leider nicht mehr offen für belletristische Texte, aber das Archiv ist immer noch online zugänglich), Clarkesworld, das sich mehr der Science Fiction widmet, und Strange Horizons, das sich an der Fantasy des New-Weird-Typus orientiert. Diese Magazine haben, zusammen mit der Internet Review of Science Fiction, The SF Site und The Science Fiction Review außerdem aktive Rezensionskolumnen publiziert, die mit ihrem sofortigen Feedback eine Form der Konversation wieder aufgenommen haben, die durch den Rückgang der gedruckten Storymagazine in den 1970ern und 1980ern beinahe verschwunden war. Ein direkter Vergleich ist nicht möglich, denn für die Internetmagazine gibt es keine Zahlen, aber es sieht immer mehr so aus, als würden dort erstklassige Kurzgeschichten veröffentlicht. Viele neue Autoren der 2000er müssen, was Romane angeht, erst noch Wirkung zeigen, aber angesichts ihrer kurzen Texte sollte man ihre Namen im Auge behalten: Namen wie etwa Paolo Bacigalupi, Theodora Goss, Michael Burstein, Ricky Ducornet und Vandana Singh. Unter den Romanautoren, die mit Kurzgeschichten in kleinen Verlagen und Internetmagazinen hervortraten, sind L. Timmel Duchamp, Kelly Eskridge, Nisi Shawl und Jay Lake. Es betrifft unsere Darlegungen zwar nur am Rande, doch man sollte außerdem den Aufstieg des Schriftsteller-Blogs erwähnen. Viele der bekanntesten Autoren des Jahrzehnts sind gleichermaßen für ihre Blogartikel wie für ihre eigentlichen belletristischen Texte bekannt. Autoren wie etwa Sarah Monette, Elizabeth Bear, Hal Duncan und Sherwood Smith verfassen elegante Online-Prosa über das Thema des Schreibens und generieren sofortiges Feedback und Diskussionen, wodurch die heutige Fantasy- (und SF-) Welt manchmal wie eine Reihe von Online-Seminaren anmutet. 2008 gewann der (SF-)Romanautor John Scalzi als Erster mit einem Blog den Hugo als bester Fan-Autor, woran deutlich wird, wie weit die elektronische Plattform Teil der Community geworden war.

Der Erfolg der Kleinverlage und des Internets machte es Autoren aus Kontinentaleuropa sehr viel einfacher, auf dem angloamerikanischen Markt zu veröffentlichen. Zoran Živkovićs Erzählung »The Library« (2003) gewann den World Fantasy Award als beste Novelle. 2007 brachten die Science Fiction Writers of America die Anthologie The SFWA European Hall of Fame heraus, herausgegeben von James Morrow und Kathryn Morrow, in der sich unter anderem Kurzgeschichten der finnischen Autorin Johanna Sinisalo (die bereits den Tiptree Award 2004 gewonnen hatte), des polnischen Autors Marek S. Huberath und des deutschen Autors Andreas Eschbach fanden.

Der Begriff »New Weird« war nur eine der Bewegungen dieses Zeitraums. Dieselben Autoren sind häufig auch von der Gruppe der Interstitialisten für sich beansprucht worden oder haben sich selbst als solche bezeichnet. Wo man die Weird-Strömung als etwas begriff, das vertraute Formen subversiv behandelte, verstehen sich die Insterstitialisten (siehe die Webseite der Insterstitial Arts Foundation) selbst als Genre-Tänzer, die Horror mit Science Fiction vermischen oder Fantasy mit dem historischen Roman. Die Autoren dieses Buches tun sich schwer damit, darin etwas Neues zu erblicken, aber mittlerweile ist dies ein sehr beliebtes Label, zu dem die neuere Publikation Interfictions (Small Beer Press, 2007) einen Zugang ermöglicht, der insofern ungewöhnlich ist, als er nicht nur angloamerikanische Traditionen vereint, sondern auch Geschichten von französischen, ungarischen und spanischen Autoren. Neue Autoren, die man mit dieser Bewegung verbindet, sind Christopher Barzak, dessen One For Sorrow (2007), eine Geistergeschichte, den Locus und Crawford Award gewann, und Jay Lake, bei dessen Mainspring Die Räder der Welt (2007) es sich um einen Science-Fiction-Roman handelt, der in einer Uhrwerk-Fantasy-Welt angesiedelt ist und in der der Erzengel Gabriel seine Hand im Spiel hat. Zu den etablierteren Autoren, die ebenfalls davon angezogen wurden, gehörten Greer Gilman, die in diesem Zeitraum eine Reihe von Kurzgeschichten veröffentlichte, gesammelt in Cloud and Ashes (2009). Jonathan Carrolls Das hölzerne Meer (2001), White Apples (2002) und Glass Soup (2005) wurden von Fantasy-Kritikern begeistert aufgenommen, obwohl sie oft als magischer Realismus oder Slipstream beschrieben werden; sie enthalten vielfach Elemente der posthumen Fantasy (also Abenteuer nach dem Tod). Die beiden bekanntesten Vertreterinnen dieser Bewegung sind Delia Sherman und Ellen Kushner. 2002 schrieben sie Die Legende vom letzten König, in dem sich ein junger Historiker aufmacht, um die Wahrheit über Magie herauszufinden. 2006 veröffentlichte Ellen Kushner Die Dienerin des Schwertes, einen historischen Schelmenroman, bei dem es sich um einen Folgeband von Swordspoint (1987) handelt.

Lose mit den Insterstitialisten und dem New Weird verbunden ist die lang etablierte Version der historischen pikaresken Fantasy. Dieser Fantasy-Typus wurde in den 2000ern mit Einführung der Wissenschaft als Fantasy-Sujet durch das New Weird verknüpft (siehe auch China Miévilles The Scar und K. J. Parkers Engineers-Sequenz). 2003/2004 veröffentlichte Neal Stephenson seine Trilogie, die als Barock-Zyklus bekannt ist: Quicksilver, Confusion und Principia. Sie beginnt in den Jahren der englischen Restauration (1660), wandert weiter über Europa, das Mittelmeer und Asien und schließt im London des zweiten Jahrzehnts des 18. Jahrhunderts. Die Hauptfiguren bewegen sich durch eine Welt, die sich nur geringfügig von unserer unterscheidet und in der die Alchemie der Wissenschaft weicht. Es handelt sich teils um eine Familiensaga, teils um eine Erzählung über den unsterblichen Wanderer. Eine deutlich stärker vom Handlungsverlauf bestimmter Schelmenroman ist James Morrows The Last Witchfinder (2006), in dem Jennet Stearne auf Reisen geht, um die Nicht-Existenz der Hexenkunst zu beweisen und ihre gebildete Tante zu entlasten, die von Jennets Vater auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Jennets Abenteuer führen sie nach Amerika und in eine Affäre mit Benjamin Franklin, aber das Buch ist mit der Stimme von Newtons Principia Mathematica erzählt, die eine alternative Historie schildert, in der die Geschichte eine Abfolge großer Ereignisse im Kampf zwischen Büchern und Ideen ist. (Franklin war auch der Held in Greg Keyes' Newtons Kanone [1998], dem Auftakt einer vierbändigen Serie namens The Age of Unreason.) Noch ein dritter hervorragender Schelmenroman soll hier erwähnt werden, verfasst von der britischen Autorin Frances Harding. Herrin der Worte (2005) war ihr Debütroman und erzählt von Mosca Mye, der Tochter eines Schreibers in einer Welt, in der das Schreiben zum Tabu geworden ist. In Moscas Land hat ein Bürgerkrieg stattgefunden, aber Versuche, die Monarchie wiederherzustellen, sind gescheitert, und die Gilden haben das Machtvakuum ausgefüllt. Mosca durchstreift mit einer Gans unter den Armen diese Welt und wird immer wieder in die Ränke anderer Leute hineingezogen.

US-amerikanische Autoren, die sich weiterhin in einer älteren Epochen bewegten, waren unter anderem Marie Brennan, deren Roman Midnight Never Come (2008) im elisabethanischen England spielt, genauso wie Sarah A. Hoyts Ill Met by Moonlight (2001) aus ihrer Shakespeare-Fantasyserie. Megan Whalen Turner führte ihren byzantinischen Fantasy-Roman Der Dieb (1996) fort. Die erfolgreichste Autorin historischer Fantasy-Romane dieses Jahrzehnts war Naomi Novik, deren Temeraire-Serie mit Drachenbrut (2006) begann. Diese Bücher lassen sich wohl am besten als Patrick O'Brian mit Drachen beschreiben: Napoleonische Seeschlachten sind etwas völlig anderes, wenn fliegende Flammenwerfer beteiligt sind. Gegenwärtig gibt es acht Bände innerhalb der Serie, und ein Film ist im Gespräch.

Es gibt eine Reihe weiterer bemerkenswerter US-amerikanische Fantasy-Autoren, die in dieser Zeit veröffentlichen. Kate Elliott (die vorher unter ihrem richtigen Namen Alis A. Rasmussen schrieb) führte ihre siebenbändige Serie Sternenkrone (Band 1: Erben der Nacht [1998]) zum Erfolg. Gregory Frost hat die Tradition der Neubearbeitung von Märchen fortgesetzt (Fitcher's Brides, 2002), aber außerdem auch eine Fantasy-Welt entworfen, in der eine der Hauptfiguren eine Geschichtenerzählerin ist (Shadowbridge, 2008). Jacqueline Carey, deren Serie Kushiel's Legacy mit Das Zeichen (2001) begann, beschreibt eine mittelalterliche alternative Erde, die stark von der jüdischen Folklore beeinflusst ist, und die Geschichten spielen in Terre d'Ange, wo unterschiedliche sexuelle Praktiken und Beziehungsstrukturen auf die Politik Einfluss nehmen. Cecelia Holland begann ihre fünfbändige Wikinger-Serie mit Der Dieb der Seelen (2002), einem getreuen Porträt jener Epoche, das jedoch mit Zauberei vermischt wird; Guy Gavriel Kay machte mit Die Fürsten des Nordens (2004) etwas ganz Ähnliches. Kij Johnsons Die Fuchsfrau (1999) und Fudoki (2001) betreten ein bislang von US-amerikanischen Fantasy-Autoren beinahe gänzlich unberührtes Terrain, die Volkssagen des alten Japan; ebenfalls mit japanischer Überlieferung arbeitet The Grass-Cutting Sword (2006) von Catherynne M. Valente. Ekaterina Sedia, aus Moskau in die USA emigriert, ist eine herausragende neue Autorin, deren Bücher, Die Geheime Geschichte Moskaus (2007) und The Alchemy of Stone (2008), Urban Fantasy mit magischem Realismus verbinden.

Liebesromane mit phantastischem Setting, die bereits in den 1990ern populär geworden waren, entwickelten sich in den 2000ern zu einer eigenen Marketingkategorie. Den von Locus zusammengetragenen Zahlen zufolge, kamen zu den 460 Fantasy-Titeln, die 2007 veröffentlicht wurden, 243 solche Bücher. Aus offensichtlichen Gründen können diese hier nicht alle erwähnt werden, aber man sollte der Serie Beachtung schenken, die Charlaine Harris mit Vorübergehend tot (2001) begann; außerdem Mary Janice Davidsons Weiblich, ledig, untot (2002), dem ersten Band der Serie um die Vampirkönigin Betsy; Ilona Andrews mit Die Nacht der Magie (2007); sowie der unglaublich populären Stephenie Meyer, deren Serie Twilight mit Bis(s) zum Morgengrauen (2005) begann. Der erste Band debütierte auf Platz fünf der Jugendbuch-Bestsellerliste der New York Times, ihre Bücher finden jedoch nach wie vor eine sehr große Leserschaft unter Erwachsenen.

Bemerkenswerte neue US-amerikanische Fantasy-Autoren, die sich gerade erst profilieren, sind M. Rickert, Christopher Barzak und Joe Hill, die alle drei den Crawford Award für das beste erste Fantasy-Buch gewonnen haben. Alle drei haben sich mit Kurzgeschichten hervorgetan, was wiederum auf eine Neubelebung der kürzeren Form hindeutet. Heute geschieht es immer häufiger, dass eine Kurzgeschichten-Anthologie den Durchbruch auf dem Markt anzeigt, so wie noch in den dreißig Jahren davor der Erfolg als Romanautor.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt haben wir, zum Guten oder zum Schlechten und ganz bestimmt nicht ohne unterschwelligen Kolonialismus, kanadische und australische Autoren als Teil des angloamerikanischen Geflechts betrachtet. In der Praxis geschieht das, weil diese Autoren ohne eine Veröffentlichung in den USA oder Großbritannien keinen Erfolg gehabt hätten. (Bemerkenswerterweise hat der Markt für Erwachsenen-Fantasy und -SF in beiden Ländern stärkere Verbindungen mit den USA, auch wenn der Kinderbuchmarkt durch den Commonwealth geformt wurde.) Zu Beginn des zweiten Jahrtausends – zum Teil, weil es zunehmend einfacher wurde, etwas im Ausland einzureichen (mühelos ausgedruckte Manuskripte mussten nicht mehr mit Rückumschlag versendet werden) – war jedoch offensichtlich, dass sich in der Science Fiction und Fantasy in Kanada und Australien und in geringerem Ausmaß in Neuseeland bedeutsame Schriftstellergemeinschaften entwickelt hatten. Hervorstechend war dabei weniger die schiere Anzahl als vielmehr die charakteristische Stimme, nachdem frühere Schriftsteller dieser Ländern sich verpflichtet gefühlt hatten, den Anforderungen des US-Marktes gerecht zu werden.

Wir haben bereits eine Reihe von kanadischen Autoren erwähnt, deren Karriere in den 1990ern oder früher begann, wie etwa Steven Erikson, Guy Gavriel Kay, Tanya Huff und Charles de Lint. Sie sollen hier nicht im Einzelnen erörtert werden, aber als ihre kanadischen Landsleute immer mehr hervortraten, wurden diese Autoren im Rahmen ihrer kanadischen Herkunft neu bewertet und zunehmend als Herolde des kanadischen Booms betrachtet. Unter den bekanntesten Namen der kanadischen Fantasy befinden sich R. Scott Bakker (ein Autor epischer Fantasy), Joël Charpentier (der für die wachsende Anzahl französischsprachiger Autoren steht, die ins Englische übersetzt werden) und S. M. Stirling, der sich auf Zeitreisen in eine alternative Vergangenheit spezialisiert hat, die zumindest als SF beginnen, aber dann allmählich zu Fantasy werden, da die Welten von den ursprünglichen Zeitverläufen abweichen.

Der Einfluss der Kanadier in den 2000er Jahren mag darin begründet sein, dass aus ihren Reihen etliche äußerst subversive Autoren hervorgingen. Als erste Autorin soll Candas Jane Dorsey erwähnt werden, die ihren ersten Roman 1976 veröffentlichte. Der Durchbruch gelang ihr jedoch mit dem Roman Black Wine (1997), der den Tiptree Award und den Aurora Award gewann und außerdem in der Locus-Abstimmung auf dem dritten Platz landete. Das Buch, teils Science Fiction, teils Questen-Fantasy mit offen homosexuellen und nicht monogamen Figuren, zeigt, dass die Fantasy die gesellschaftlichen Strukturen genauso auf den Kopf stellen kann wie die Science Fiction. Black Wine war eines der allerersten Bücher, die die konservative Heteronormativität infrage stellten, indem das Andere als gegeben hingenommen wird, anstatt für seine Akzeptanz zu streiten. Dorsey ist eine herausragende lyrische Schriftstellerin, aber sie ist nicht sehr produktiv. In vielerlei Hinsicht hat sie als Herausgeberin am meisten Einfluss auf die kanadische Fantasy und Science Fiction. Sie gab einige Tesseracts-Sammlungen und andere Anthologien heraus, und einige Jahre führte sie einen kleinen Verlag als Teil des Book Collective, das 1992 gegründet worden war und aus dem 1994 schließlich Tesseracts Books hervorging.

Ein Phänomen des kanadischen Booms sind die Auswanderer in beide Richtungen. Zwei Autoren, die in anderen Ländern leben, aber weiterhin als Kanadier identifiziert werden, sind Geoff Ryman und Sean Stewart. Geoff Ryman lebt inzwischen in London, von seinem Roman »Was...« von 1992 war im neunten Kapitel die Rede. In den 2000er Jahren schrieb er zwei Romane, von denen man beide entweder als Science Fiction oder als Fantasy auffassen kann. In Lust (2001) entdeckt ein junger Mann, dass er jede echte oder erfundene Figur aus der Vergangenheit zum Leben erwecken kann. Seine erste Wahl fällt auf Tarzan (wie er von Johnny Weismuller gespielt wurde). Schließlich macht er mit Picasso weiter, wodurch dieser Gelegenheit bekommt, die erstaunlichsten digitalen Kunstwerke zu schaffen. Wie »Was...« ist auch dies ein Roman über das Überleben in der Aids-Krise und über die neue und unerwartete Vielschichtigkeit offen ausgelebter homosexueller Beziehungen. Air (2005) wiederum wurde für den Nebula Award nominiert und gewann den Clarke und Tiptree Award. Einerseits ist es ein Science-Fiction-Roman über eine kleine, isolierte Gemeinschaft, die als Experiment für Informationsaustausch innerhalb des Gehirns benutzt wird. Der Protagonist des Romans kommt jedoch in den Besitz der Seele eines Toten und erlebt eine sehr merkwürdige Schwangerschaft; die Rhetorik des Romans ist zum Ende hin weit näher an der des magischen Realismus. Sean Stewart wurde in Texas geboren, zog aber im Alter von drei Jahren 1968 nach Kanada; inzwischen lebt er in Kalifornien. Die von ihm geschaffenen Welten gehören nicht direkt zum magischen Realismus, denn den Protagonisten ist ihre Verkehrtheit bewusst. Diese Geschichten erzählen vielmehr davon, wie man mit Invasionen und Eindringlingen zurechtkommt. Stewarts Laufbahn begann in den frühen 1990ern, aber einer seiner bedeutendsten Romane ist Galveston (2000), in dem eine Insel die Fluten der Magie zurückhalten will, während ihre jüngeren Bewohner sich immer mehr die Frage nach dem Grund dafür stellen. Perfect Circle (2004) ist ein vordergründig recht simpler Roman über einen Mann, der Geister sieht, und erntete viel Lob bei der Kritik. Sean Stewart hat auch Jugendbücher geschrieben, unter anderem Cathy's Book (2006) und einen äußerst eindrucksvollen Star Wars-Roman mit dem Titel Yoda – Pfad der Dunkelheit (2002).

Zwei Immigranten, deren Namen man mittlerweile mit der kanadischen Fantasy verbindet und die sehr viel zu der kanadischen Einfärbung der modernen Fantasy beigetragen haben, sind Hiromi Goto und Nalo Hopkinson. Hiromi Goto und ihre Familie zogen von Japan nach Kanada, als sie drei war. Ihr dritter Roman, The Kappa Child (2001), gewann den Tiptree Award. Gotos vorausgehender Roman, The Water of Possibility (2001), war eine Portal-Fantasy für Kinder, in der ein japanisch-kanadisches Kind von der Stadt in die Prärie zieht und eine Tür in eine andere Welt entdeckt, doch diese Portal-Fantasy vermeidet die klassischen kolonialistischen Stereotypen des Genres und kombiniert Gestalten aus der japanischen und kanadischen Mythologie miteinander. In The Kappa Child stellt Goto das Konzept auf den Kopf und erzählt eine Geschichte, in der die Kappa, eine Trickster-Figur aus der japanischen Überlieferung, in die kanadische Prärie gerät und auf Grund von Verpflichtungen gegenüber Familie und Gemeinde sowie wegen ihrer Schwangerschaft dort festsitzt.

Die wichtigste der neuen kanadischen Autoren und Autorinnen ist wahrscheinlich Nalo Hopkinson, eine in Jamaika geborene Autorin, die als Teenager nach Kanada zog. Hopkinson gewann für ihren ersten Roman 1997 den Warner Aspect Award. Brown Girl in the Ring (1998) ist ein Werk des Magischen Realismus, der in einem postapokalyptischen Kanada spielt. Bei ihrem zweiten Roman, Midnight Robber (2000), handelt es sich um Science Fiction; 2003 jedoch veröffentlichte sie The Salt Roads, eine komplexe Geschichte, die zum Teil im Frankreich des 19. Jahrhunderts und zum Teil in der Karibik spielt und von Fruchtbarkeitsgöttern, Trickstern, vom Überleben und der Revolution gegen die weißen Sklavenhalter erzählt. Hopkinson ist auch eine erstaunliche Kurzgeschichtenautorin. Viele ihrer Geschichten sind Nacherzählungen klassischer Volkssagen und -märchen. Sie hat zwei Versionen von Rotkäppchen verfasst: »Riding the Red«, das im Dialekt von Somerset erzählt wird, und eine zweite Version davon, »Red Rider«, in jamaikanischem Dialekt geschrieben. Beides verwandelt die Geschichte in eine blutige und lustvolle Erzählung über die erste Menstruation. Wie Candas Jane Dorsey hat auch Nalo Hopkinson mehrere Anthologien herausgegeben und auf die karibischen Erzähler aufmerksam gemacht, die die »nordamerikanische Tradition« des Phantastischen bilden. Die jüngste dieser Anthologien ist So Long Been Dreaming: Postcolonial Science Fiction and Fantasy, gemeinschaftlich herausgegeben mit dem indisch-kanadischen Literaturwissenschaftler Uppinder Mehan.

Der Beitrag australischer Fantasy-Schriftsteller war gewichtiger als der von Kanada, jedenfalls bei einem Blick in die Bücherregale, denn die meisten der etwa zwei Dutzend aktiven Fantasy-Autoren in Australien verfasste Serien, die aus mehreren Trilogien bestehen. Tatsächlich kommen einige der beliebtesten Autorinnen von Questen-Fantasy aus Australien, wie etwa Sara Douglass und Trudi Canavan, deren Werk für das lukrative Jugendbuch-Segment des Marktes noch einmal neu ausgestattet wurde. Diese Werke sind von US-amerikanischer Fantasy nicht zu unterscheiden. Einige dieser Schriftsteller gehen jedoch einen ganz anderen Weg als die amerikanische Tradition der Questen-Fantasy: Cecilia Dart-Thornton macht sich zum Beispiel in der Bitterbynde-Trilogie, die mit Im Bann der Sturmreiter (2001) begann, sehr effektiv ihre beträchtliche Kenntnis der englischen Folklore zunutze, ganz wie wir es von US-amerikanischen Schriftstellern kennen, die über eine ähnliche Expertise in der Folklore verfügen, aber ihr Werk zeichnet sich durch Bitterkeit und Zynismus aus. Ian Irvine hat seit 1998 sechzehn Romane veröffentlicht, was ihn zu einem der produktivsten australischen Autoren macht. Diese Bücher gehören zur Three Worlds-Serie, die eigentlich Science Fiction ist, weil sie eine Alien-Invasion beinhaltet, jedoch vielfach als Fantasy gehandelt wird. Glenda Larkes erste Trilogie, The Isles of Glory, die mit Die Wissende (2003) begann, sticht durch die äußerst originelle Kultur hervor, die vielleicht von Larkes Wohnort Malaysia geprägt ist, aber auch dadurch, dass die Serie die notwendige Vernichtung der Magie thematisiert, denn die Elite, die Magie einsetzt, ist zwangsläufig ausbeuterisch. K. J. Bishops Werk lässt sich nicht einordnen, obwohl es dem New Weird verbunden ist: Stadt des Wahnsinns ist eine Urban Fantasy, in der Magie alles durchdringt und Magienutzer durch ihre Anwendung gefährdet sind. Der Roman erschien erst in einem Kleinverlag (Prime Books, Ohio), dann bei Tor UK, einem Imprint von Pan Macmillan, und dann bei Bantam Spectra in den USA. Bishop hat bisher nur diesen einen Roman verfasst, aber der Einfluss dieses Buches spricht für seine Qualität und zeugt darüber hinaus von den Verschiebungen auf dem Markt und den Wegen zur Veröffentlichung, die wir weiter oben bereits angesprochen haben.

Weitere australische Fantasy-Autoren sind Tom Arden (der inzwischen in Großbritannien lebt), Isobelle Carmody, Kate Constable, Marianne Curley, Stephen Dedman, Jennifer Fallon, Kate Forsyth, Fiona McIntosh, Caiseal Mór, Karen Miller und Shaun Tan. Wenn wir den ungemein erfolgreichen Garth Nix außer Acht lassen, den wir später besprechen werden, wenn wir zur Renaissance der Fantasy für Kinder kommen, sind die bekanntesten australischen Autoren wohl Sean McMullen und Margo Lanagan. Sean McMullen gehört zur genauso erfolgreichen Renaissance der SF in Australien. Nach seinem SF-Debüt begann McMullen mit einer Serie von Fantasy-Romanen, die als die Moonworlds Saga bekannt wurden und deren erster Band Die Fahrt der Shadowmoon / Der Fluch der Shadowmoon (2002) ist. McMullens Werk ragt unter anderem deshalb heraus, weil er nicht versucht, die US-amerikanische Landschaft oder die pseudo-europäischen Landschaften zu kopieren, die viele Fantasybücher wie eine Imitation wirken lässt; stattdessen nutzt McMullen (der einen Doktortitel in mittelalterlicher Geschichte hat) die Kenntnis seiner australischen Umwelt, um sich in etwas zu üben, dass man »Method Writing« nennen könnte. In seinem Artikel »The Profession of Science Fiction: Force Marches and Desert Quests« in Foundation 96 beschreibt McMullen seine Experimente mit einem Harnisch in der australischen Wüste. Und nach einem Langstreckenmarsch kommt er zu dem Schluss:

 

Raubgut: Wenn es mehr wiegt als ein paar kleine Goldmünzen, können die Verlierer es behalten.

 

Sex: Wenn die Frauen/Mädchen/Jungen/Schafe nicht willig sind – und schneller laufen können als eine arthritische Schildkröte –, dann schneiden sie für Leute, die einen Gewaltmarsch hinter sich haben, im Vergleich zu einer durchschlafenen Nacht ziemlich schlecht ab.

 

Vandalismus: Nur wenn sich etwas ganz leicht zerstören lässt. Wenn einem neun Stunden lang Rucksackriemen und Kettenrüstung auf die Schultern gedrückt haben, ist selbst ein Steinwurf eine Anstrengung.

 

Brandstiftung: Sehr angenehme Vorstellung. Man zündelt ein bisschen, lehnt sich zurück, legt die Füße hoch, entspannt sich und genießt die Show.

 

Dies ist der passende Moment, um Russell Kirkpatrick zu erwähnen, neben der Questen-Fantasy-Autorin Juliet Marillier einer der ganz wenigen Fantasy-Autoren aus Neuseeland. Wie McMullen vermittelt uns Kirkpatrick – ein professioneller Geograph – in der Serie Fire of Heaven, die mit Across the Face of the World (2005) beginnt, ein tiefes Verständnis seiner Fantasy-Landschaft.

Die interessanteste australische Schriftstellerin, die in jüngster Zeit die Aufmerksamkeit der angloamerikanischen Fantasy-Welt erregt hat, ist Margo Lanagan. Da sie in Australien schon seit 1990 Romane veröffentlicht, ist das ziemlich peinlich, liegt aber vermutlich gleichermaßen daran, dass sie für den (bis vor Kurzem) ziemlich verachteten Jugendbuchmarkt schrieb, wie an ihrem Wohnort Australien. Lanagans Durchbruch erfolgte mit der Veröffentlichung von Black Juice (2004), einer Reihe verstörender Kurzgeschichten. 2005 gewann die Sammlung den World Fantasy Award, wie auch separat ihre Eröffnungsgeschichte »Singing My Sister Down«. Dieser Band wird weithin als eine der abwechslungsreichsten und sachkundigsten Kurzgeschichten-Sammlungen des Genres angesehen. Viele US-amerikanische Rezensenten überraschte die Kühnheit, mit der Lanagan für ein jugendliches Publikum über Sex, sexuellen Missbrauch und Tod schreibt (siehe dazu die spätere Kurzgeschichte »The Goosle«, eine moderne Version von »Hänsel und Gretel«, und die darauffolgende Online-Kontroverse), worin ein kultureller Unterschied sichtbar wird, der viele Kinder- und Jugendbuchautoren betrifft. Lanagans Ruf im Genre wurde durch den Nachdruck der Kurzgeschichten-Sammlung White Time (2000) in den USA und das Erscheinen von Red Spikes (2006) gefestigt. Ihr Roman Tender Morsels (2008) geht auf die eher schwach strukturierte Vorlage des deutschen Märchens »Schneeweißchen und Rosenrot« zurück, aber ihn als Nacherzählung zu bezeichnen, würde ihn seiner Erhabenheit berauben.

Lanagans Erfolg ging mit einem allgemeinen Zuwachs von Vielfalt und Angebot von Fantasy für Kinder und Jugendliche einher. Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass sie im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts sowohl hinsichtlich Quantität als auch Qualität einen Aufschwung erlebte, nachdem die Verlage erkannt hatten, dass Kinder phantastische Literatur mögen und dass viele Erwachsene mit Büchern für ein jüngeres Publikum vollkommen zufrieden sind. Von den 460 Fantasy-Büchern, die das Magazin Locus 2007 erhalten hat, waren 185 Jugendbücher. Es steht außer Frage, dass Autoren von Fantasy für Kinder und Teenager in den 2000ern mehr Möglichkeiten offenstanden als in allen vorangegangenen Jahrzehnten und dass viele dieser Möglichkeiten aus dem riesigen Erfolg von J. K. Rowling resultierten. Ganz bewusst suchten die Verlage nach einem weiteren Hit. Das führte natürlich zu einer ganzen Menge Ausschuss, den wir hier übergehen werden, aber auch dazu, dass viele exzellente neuere Autoren in Erscheinung traten – so viele, dass wir bei allen Abbitte leisten müssen, für die in diesem Buch nicht genug Platz ist (aber man beachte unsere Liste mit bedeutenden Werken im Anhang), und es sei auch angemerkt, dass wir angesichts der Explosion von Kreativität nur ein Buch pro Autor erwähnen, selbst wenn es ein ausgesprochen produktiver Autor war. Zunächst ist jedoch erwähnenswert, dass eine Reihe älterer Autoren durch diesen Trend Aufwind bekam. Auch wenn es ziemlich unklar ist, welchen Einfluss Rowling auf kindliche Lesegewohnheiten nahm (es ist nicht erwiesen, dass Leser von Harry Potter mit dem Lesen von anderen Büchern weitermachen), hatten sie und Pullman eine ungeheure Wirkung auf die Einstellung zu Büchern für Kinder und Jugendliche. Im Einzelnen wandte sich die breite Masse Autoren wie Diana Wynne Jones, Jane Yolen, Eva Ibbotson, Joan Aiken und Peter Dickinson zu und stieß auf viele herausragende Texte, die ihr entgangen waren. All diese Schriftsteller konnten in den 2000ern neue Romane veröffentlichen, und viele ihrer früheren Werke erlebten eine Neuauflage.

Ein Trend, der unter den neuen Fantasy-Autoren sehr schnell um sich griff, waren Romanserien, eine in Verruf geratene Form, bei der ein Roman von etwa 1000 Seiten in Segmente von etwa 150 Seiten aufgebrochen wird. Zwei Fantasy-Autoren, die zeigten, dass auf diese Weise kraftvolle Texte verfasst werden konnten, waren Lemony Snicket und K. A. Applegate. »Lemony Snicket« ist eigentlich der Name des Erzählers in der Serie von Daniel Handler, die mit Der schreckliche Anfang (1999) beginnt und dreizehn Bücher später mit Das erstaunliche Ende (2006) endet. Eigentlich handelt es sich bei der Serie nicht um Fantasy, sondern vielmehr um Schauerromane, die immer mehr übersinnliche Elemente enthält und zunehmend skurril wird. Die Snicket-Bücher zeigen deutlich den Einfluss von Edith Nesbit, und diese Kenntnis des Genres kann als Kennzeichen der neueren Fantasy-Texte dieses Jahrzehnts für jüngere Leser angesehen werden. K. A. Applegate ist insofern ungewöhnlich, als sie Verfasserin mehrerer Serien in diversen Genres ist, Liebesromane eingeschlossen. 1999 begann sie mit Die Suche beginnt eine Serie namens Everworld, die mit Entertaining the End: Book Twelfe (2001) endete (die dt. Ausgabe wurde nie abgeschlossen. A. d. R.). Diese Bücher, die fünf Highschool-Teenager in ein Nischenuniversum führen, sind überaus düster und verstörend.

Sowohl Handler als auch Applegate bewiesen, dass es möglich war, äußerst furchteinflößende Texte für jüngere Kinder und Teenager zu publizieren, was möglicherweise Autoren wie N. M. Browne zugutekam (Fuchsfrau [2002], die Geschichte eines jungen Mädchens, das vor gemeinen Mobbern flieht und als Geisterfuchs in einer anderen Welt Zuflucht sucht), außerdem Neil Gaiman (Coraline [2003] und Das Graveyard-Buch [2008]), Martine Leavitt (Keturah, Gefährtin des Todes [2006], in dem eine junge Frau vom Tod umworben wird) und Kathleen Duey (Die Gabe der Magie [2009], über eine Zauberschule, in der der Zugang zu Nahrung völlig von den eigenen magischen Fähigkeiten abhängt und Zusammenarbeit verboten ist).

Die weitere Verbreitung düsterer Fantasy für Kinder war ein zusätzliches bemerkenswertes Detail. In vieler Hinsicht ähnelt diese Form der Fantasy ihren erwachsenen Vorläufern, aber es gibt jüngere Protagonisten, mehr Liebe und weniger Sex. Stephenie Meyers Twilight-Serie (Bis(s) zum Morgengrauen [2005]), in der ein unschuldiges junges Mädchen sich in einen Vampir verliebt und darum kämpft, sich ihre Reinheit zu bewahren, war bei jungen Leserinnen ein großer Erfolg, auch wenn das jüngste Buch der Serie viele enttäuschte. Robin McKinley, bereits vorher eine bekannte Autorin, schrieb ein Buch mit einem ähnlichen Thema, Atem der Nacht (2003).

Indes begann mit Darren Shans Der Mitternachtszirkus (1999) eine umfangreiche Serie um einen zum Vampir gewordenen Jungen. Düstere Urban Fantasy wurde ebenfalls beliebt. In Holly Blacks Elfentochter (2003) gerät die Protagonistin im Krieg zwischen zwei Feenmächten in Gefahr. Chris Woodings Alaizabel Cray (2001) erzählt von einem siebzehnjährigen Hexenjäger im viktorianischen London.

Charakteristischerweise lässt sich Literatur für Kinder und Teenager häufig als Erziehungs- oder Bildungsbücher beschreiben, in denen eine Figur entweder auf eine Queste ausgeschickt wird oder einen Mentor erhält und im Verlauf der Handlung erwachsen wird. Der Australier Garth Nix, der bereits für seine Portal-Fantasy viel Anerkennung geerntet hatte (Das siebte Tor [1995] und Folgebände) begann 2003 eine Serie mit dem Titel Die Schlüssel zum Königreich. Im ersten Buch, Schwarzer Montag (2003), soll Arthur Penhaligan die Schlüssel finden, die den Mechanismus der Welt in Gang halten. Terry Pratchett begann einen Jugendbuch-Ableger der Scheibenwelt-Serie mit Kleine freie Männer (2003), der Tiffany Achings Weg zur Hexenkunst behandelt. Jonathan Strouds Bartimaeus-Trilogie (Das Amulett von Samarkand [2004]) erzählt von Nathaniel, dem Lehrling eines Zauberers, und hinterfragt dabei den Großteil der bis dahin vorgegebenen Hierarchien von Zauberer-Welten. Justine Larbalestiers Magische Töchter (2005) und seine Fortsetzungen handeln dagegen von der Ablehnung der Magie, behalten jedoch die Struktur mit Mentor und Lehrling bei, genauso wie in N. M. Brownes The Spellgrinder's Apprentice (2007) und Jospeh Delaneys Der Schüler des Geisterjägers (2004).

Nicht jede Fantasy für Kinder muss derart todernst sein. Unbeschwertere Werke stammen von Autoren wie Eva Ibbotson, deren Das Geheimnis der verborgenen Insel (2000) eine skurrile Öko-Fantasy ist, und von Jane Yolen, in deren Boots and the Seven Leaguers (2000) ein Troll-Teenager als Roadie für eine Rockband arbeitet. Einer der lustigsten neuen Autoren des Jahrzehnts ist Eoin Colfer mit einer Serie, die mit Artemis Fowl (2001) begann; darin ersinnt ein junger Superschurke kühne Pläne, um das Feenland zu plündern. Derek Landy schrieb eine Serie, die mit Der Gentleman mit der Feuerhand (2007) ihren Anfang nahm und in der ein wandelndes, sprechendes Skelett zum Meisterdetektiv wird. Debi Glioris Voll fies verzaubert (2001) verbindet humorvolle Jugendbuch-Familienprobleme mit magischen Irrtümern von der Sorte, die Edith Nesbit in vielen ihrer Bücher verwendete. In Herbie Brennans Das Elfenportal (2003) glaubt Henry, einen Schmetterling vor der Katze der Nachbarin zu retten; tatsächlich rettet er jedoch einen Feenprinzen und wird alsbald in die Angelegenheiten des Feenlandes verwickelt. 2007 veröffentlichte Ysabeau Wilce Flora Segundas magische Missgeschicke, eine Screwball-Version der architektonischen Fantasy, nebst Fortsetzung.

Obwohl man in dieser Zeit Fantasy voller schlechter Witze für Kinder unter elf als besonders attraktiv ansah, gab es auch eine Menge wirklich anspruchsvollen Humor, der sich an die Älteren richtete. Diana Wynne Jones ließ auf Dark Lord of Derkholm Year of the Griffin (2000) folgen, eine bissige Analyse des britischen höheren Bildungssystems (die nebenbei eine der besten Beschreibungen kreativer Recherche enthält, die je verfasst wurden). Patrice Kindl veröffentlichte Alexandria oder Gänse bringen Glück (2001), in dem eine Gänsemagd feststellt, dass das Geschenk aus Perlen und Rubinen und wundervoller Schönheit, das ihr eine gute Fee gewährte, ziemlich nerven kann. Eine der erfolgreichsten Serien, die damals begann, ist Holly Blacks und Tony DiTerlizzis Spiderwick-Geheimnisse (Band 1: Eine unglaubliche Entdeckung [2003]). Sie kombinierte den Feenglauben mit einer wissenschaftlichen Analyse des Feenreichs und einer Bedrohung durch die Leute, die es ausbeuten möchten. Außer Feen waren auch andere Eindringlinge beliebt. Scott Westerfeld, einer der meistverkauften Science-Fiction- und Fantasy-Autoren in den USA, schrieb eine Serie von Büchern namens Midnighters (von 2004 an), in der Teenager in ihrem Vorort Streife gingen, um dunkle Schatten fernzuhalten. Geistergeschichten waren bei jüngeren Lesern schon immer sehr beliebt, und Perry Nodelman und Carol Matas begannen Ghosthunters (The Proof that Ghosts Exist [2007], in dem eine Familie herausfinden will, weshalb sie einen Familiengeist hat.

Nacherzählungen von Märchen blieben populär. Genauso wie die oben erwähnte Kindl schrieb auch Shannon Hale eine Version der Gänsemagd (namens Goose Girl [2003]). Frannie Billingsleys The Folk Keeper (2000) ist eine ausnehmend düstere Nacherzählung der Selkie-Geschichte. Sofern man Peter Pan als »Original«-Geschichte betrachtet, kann man an dieser Stelle Geraldine McCaughreans Peter Pan und der Rote Pirat (2006) hinzufügen. Janet McNaughton erzählt in Tam Lin im Bann der Elfen (2004) die Geschichte von Tam Lin neu. Solche Nacherzählungen speziell für jüngere Leser (manchmal für Kinder und manchmal für Jugendliche) veröffentlichen in Anthologieform Ellen Datlow und Terri Windling, die ihre Serie mit The Green Man: Tale of the Mythic Forest (2002) begannen. Einige Autoren verfassen auch »Original«-Volkssagen und Volksmärchen. Geraldine McCaughreans Die Brut der Drachensteine (2000) erschafft aus dem Rohmaterial einer verlassenen Landschaft während des ersten Weltkriegs eine Volkssage. 2006 veröffentlichte Delia Sherman Changeling, eine Urban Fantasy über ein kleines Menschenmädchen, das im »New York Dazwischen« aufgezogen wird, bis es das Gesetz der Feen bricht und sich der Herausforderung der »Dame vom Central Park« stellen muss. Mit Bezug auf die irische Überlieferung veröffentlichte Kate Thompson Zwischen den Zeiten (2007), in dem das Verhältnis einer Stadt zu den Sidhe in der Vergangenheit viel Unheil angerichtet hat.

Questen-Fantasy blieb weiterhin äußerst beliebt. Tamora Pierce wird von jüngeren weiblichen Teenagern immer noch viel gelesen. Sie begann eine neue Serie mit Terrier (2006), die 2000 Jahre vor Die schwarze Stadt spielt. Von Lehrern und Kindern mit am meisten empfohlen wird Erin Hunter, ein Pseudonym der Autorinnengemeinschaft Kate Carey, Cherith Baldry, Tui Sutherland und Victoria Holmes. Ihre Serie Warrior Cats folgt den Abenteuern einer Gruppe wilder Katzen, die versuchen, in ihrer Waldheimat zu überleben; das erste Buch trägt den Titel In die Wildnis (2003). Ungewöhnliche Interpretationen der Questen-Fantasy stammen von Lian Hearn (aka Gillian Rubinstein) mit Der Clan der Otori, das in einem fiktionalen feudalen Japan spielt und mit Das Schwert in der Stille (2002) beginnt; von Peter Dickinson mit Die längste Zeit (2004), in dem die Protagonistin sich aufmacht, einen Magier zu finden, der ihr Tal retten soll, nur um zu entdecken, dass sie selbst über Macht verfügt; von Stuart Hill mit Die Herrscherin der Eismark (2005]), der Geschichte eines kleinen Dorfes, das sich gegen ein großes Imperium behauptet; und von Michael Chabon mit Sommerland (2002), in dem es um Kinder geht, die die Welt durch Baseballspielen vor der Vernichtung retten. Michael Chabon wählte für einen Großteil seiner phantastischen Geschichte das Amerika der Gegenwart; Charlie Fletcher siedelte seine Fantasy-Trilogie, die mit Die Suche (2006) begann, in den Straßen von London an. Wie in Neil Gaimans Niemalsland (1996) sind die beiden Protagonisten (ein Junge und ein Mädchen) für die Londoner unsichtbar, während sie selbst für den animistischen Geist der Stadt empfänglich werden, und zwar ganz besonders für ihre Statuen. China Miéville siedelte mit Un Lon Dun (2007) auf den Jugendbuchmarkt um, ein Versuch, diese Gattung von Elementen der Schicksalsfixierung und des Kolonialismus zu befreien. Eine ähnliche Idee findet man in Tom Beckers Darkside – Die Schattenwelt (2007). Den erfolgreichsten Versuch in dieser Richtung unternahm jedoch Rhiannon Lassiters Rites of Passage-Serie, die mit Borderland (2003) begann. Dort finden mehrere Teenager heraus, was wirklich geschieht, wenn Menschen mit hohen Idealen versuchen, sich in die Angelegenheiten eines anderen Landes einzumischen.

Die bekannteste Questen-Fantasy dieses Jahrzehnts war Christopher Paolinis Eragon (2001). Der Roman wurde von einem Fünfzehnjährigen mit viel Hilfe seiner Familie (man beachte seine Danksagung) geschrieben, ursprünglich selbst verlegt und per Hand vertrieben. Als es von einem großen Verlag angenommen wurde, löste dieses Buch bei jüngeren Lesern Bewunderung, bei erfahrenen Fantasy-Lesern jedoch Abscheu aus (gehen Sie auf amazon.com und lesen Sie Leserrezensionen von fünf Sternen bis hinab zu einem Stern). Wie Diana Wynne Jones bemerkte, hält sich das Buch an alle für High Fantasy geltenden Kriterien; man könnte tatsächlich meinen, beim Schreiben hätte Jones' Tough Guide to Fantasyland neben dem Computer des Autors gelegen, allerdings als praktisches Handbuch statt als alles vernichtende Kritik.

Die anderen beiden hochkommerziellen Fantasy-Geschichten für Kinder waren G. P. Taylors Der Schattenbeschwörer (2002) und Sally Gardners Ich, Coriander (2005). Auch Der Schattenbeschwörer erschien im Selbstverlag, ehe es von einem großen Verlag ins Programm genommen wurde. Es schildert ein 18. Jahrhundert, das unserem sehr ähnelt und in das ein Reisender aus Übersee kommt, um die Frohe Botschaft zu verbreiten. Sämtliche Namen sind geändert, aber es handelt sich ganz offensichtlich um eine christliche Fantasy, in der die durch den Reisenden gewirkte Magie Wunder Gottes sind, die Magie aller anderen hingegen das Werk des Teufels. Den moralischen Hierarchien des Buches zufolge ist es unendlich viel schlimmer, den eigenen Vater zu hassen, der einen schlägt, oder am Sonntag Karten zu spielen, als Arbeiter auszubeuten und Slums zu errichten. Andererseits stimmen bei Taylor wenigstens die historischen Fakten. In Ich, Coriander, das während des englischen Commonwealth (1649-60) spielt, erschafft Sally Gardner eine potenziell reizende Fantasy, in der ein junges Mädchen im Feenland Zuflucht vor einer bösen Stiefmutter sucht und sich in einen Feenprinzen verliebt, der möglicherweise für den ungekrönten Charles II. steht. Gardners Kaufmannsvater ist jedoch insgeheim ein Royalist, und die Puritaner des Romans (die in Wirklichkeit der Meinung waren, dass jeder die Bibel lesen können sollte) sind der Ansicht, dass man Mädchen das Lesen nicht beibringen sollte. Im ganzen Buch wird die Englische Revolution als ein böses und rückschrittliches Ereignis dargestellt. Dies ist nicht einfach eine Frage proroyalistischer Ausrichtung, sondern vorsätzliche Ignoranz.

Trotz des Erfolges von Eragon, Ich, Coriander und Der Schattenbeschwörer wird unser Vertrauen in die jungen Leser (und auch in die Verlage) durch die außerordentlich guten, originellen Fantasy-Romane gestärkt, die in dieser Zeit veröffentlicht wurden und von denen das Folgende nur eine kleine Auswahl ist. Sherwood Smiths A Posse of Princesses (2008) schickt Prinzessinnen auf eine Queste, bei der sie eine entführte Prinzessin suchen sollen. Charles Butlers The Death of a Ghost (2006) und Nancy Farmers Drachenmeer (2005) spielen beide in sehr frühen Eprochen der britischen Geschichte. Butlers Buch wechselt zwischen einem Landhaus im modernen England und einem vorrömischen Tempel einer Göttin und behandelt den Mythos des Frühlingsopfers. Farmers Geschichte spielt im angelsächsischen England, wo der Protagonist Jack zum Barden ausgebildet wird und sich mit Trollen herumschlagen muss. Elizabeth Knox veröffentlichte Dreamhunter (2005) und Dreamsnake (2007), die in einem erfundenen 19. Jahrhundert spielen, das recht australisch anmutet und in dem die Begabten durch ein Portal in eine Welt reisen können, in der man Träume abbauen kann und in der der Ursprung dieser Träume mit den Belangen der Welt verbunden ist. Mary Hoffman, besser bekannt für ihre historischen Romane, begann mit Stadt der Masken (2002) ihre Stravaganza-Serie, in der ein krankes Kind in ein alternatives Italien gelangt und in die Angelegenheiten der Stadt verwickelt wird. Marcus Sedgwick, der das ganze Jahrzehnt hindurch publizierte, schuf eine Reihe von Büchern, die so unterschiedlich sind, dass man sie unmöglich zusammenfassen kann, aber Der Gesang der Klinge (2006) arbeitet die traditionelle Vampirgeschichte um und spitzt sie zu, indem sie das Grauen der Opfer betont. Frances Hardinges Herrin der Worte haben wir bereits erwähnt; ihr anderes Buch aus dieser Zeit ist Wunsch, Traum, Fluch (2007), das mit drei Kindern beginnt, die einen Bus verpassen und einen Wunschbrunnen plündern, um mehr Busgeld zu bekommen, nur um dann festzustellen, dass sie zu Dienern des Brunnengeistes geworden sind. Zarah the Windseeker (2005) von Nnedi Okorafor-Mbachu kann man als Science Fiction lesen, es geht jedoch um eine Protagonistin, die über ihr Haar als Magieanwenderin identifiziert werden kann und die die wilden phantastischen Wälder ihrer Umgebung erkundet. Womöglich ebenfalls Science Fiction ist Oisín McGanns Ancient Appetites (2007), das in einem alternativen Irland des 19. Jahrhunderts spielt, in dem eine der Figuren von den lebenden Maschinen fasziniert ist, die man in den nicht erforschten Teilen der Welt findet und die auf eine Evolutionstheorie hinweisen. Ältere Fantasy-Leser zwingt Steve Cockaynes The Good People, das wir bereits angesprochen haben, zu einer Infragestellung ihres Verständnisses des Phantastischen, genauso wie Rhiannon Lassiters Böses Blut (2007), ein Versuch über Spukhäuser und Familienrivalitäten. Roderick Townleys Die wunderbare Welt der Sylvie (2001) und die Folgebände schlagen einen etwas anderen Kurs ein. Da es aus der Sicht der Protagonistin in einem Buch erzählt wird, handelt Die wunderbare Welt der Sylvie sehr stark von der narrativen Kausalität der Fantasy, ebenso wie Chris Woodings Poison (2003). Cornelia Funke macht es in Tintenherz (2003) umgekehrt und lässt die Protagonisten eines Buches zum Leben erwachen. Die originellste Anthologien-Herausgeberin dieser Zeit war Sharyn November bei Viking Books (Penguin). 2003 veröffentlichte sie Firebirds und 2006 Firebird Rising, die beide exzellente Einblicke in das Werk von Fantasy-Autoren erlauben, die für gewöhnlich nicht für jugendliche Leser vermarktet werden.

Nach Buffy the Vampire Slayer war etlichen Firmen klar, dass gute Fantasy ein Publikum hatte. Die Aufspaltung der Sendermonopole in den meisten Ländern führte dazu, dass eine Sendung mit sechs Millionen Zuschauern, die man in den 1970ern als Misserfolg gewertet hätte, in den 2000ern ein höchst erfolgreiches Nischenprodukt war. Ein direkter Spin-off von Buffy war die Detektivserie Angel (1999-2004), in der der Vampir zusammen mit einigen anderen Figuren der ursprünglichen Serie Privatdetektiv in L.A. wird. Weitere erfolgreiche Fantasy-Serien dieses Jahrzehnts sind unter anderem die Mini-Serie Das zehnte Königreich, das anfangs nicht sehr erfolgreich im Fernsehen lief, aber ein ausgedehntes Nachleben in Form von DVDs hatte (ein Medium, das den Nischenmarkt für viele SF- und Fantasy-Serien vergrößert hat). In Das zehnte Königreich finden sich eine junge Frau und ihr Vater in einer Märchenwelt wieder, die hundert Jahre älter ist als die Zeit der »klassischen« Märchen, und zwar in einem Land, über das die Prinzessinnen dieser Geschichten herrschen. Die Serie ist witzig, amüsant und gescheit, und sie zielt eindeutig auf den »harten Kern« des Fantasypublikums. An eine breitere Zuschauerschaft richten sich Six Feet Under (2001-2005) und Lost (2004-2010). Bei keiner dieser Serien handelt es sich eindeutig um Fantasy. Sie sind erfolgreich, weil ihre Rezeption davon abhängt, wie man sie interpretiert. Six Feet Under ist eine posthume Fantasy, die in einem Leichenhaus spielt, in der es immer wieder zu Unterhaltungen mit den Toten kommt, häufig über den Tod und ohne eine Auflösung der Frage, ob die Toten da sind, um die Unterhaltung fortzusetzen. Weitere posthume Fantasy-Serien waren unter anderem So gut wie tot (eine kanadische Serie über zwei junge Frauen, die – gemeinsam – der Sensenmann sind) und Wonderfalls, in dem ein Verkäufer sich mit Tierfiguren unterhält. Beide wurden 2004 ausgestrahlt, beide erhielten kreativen Input von Bryan Fuller, der später Pushing Daisies (2007) produzierte, in dem Mordfälle mittels Reanimation der Toten aufgelöst werden.

Lost (2004-2010) spielt auf einer Insel nach einem Flugzeugabsturz und ist stark von dem Spiel Myst beeinflusst, einem der erfolgreichsten Computerspiele aller Zeiten (ein Gebiet, das einfach zu weitläufig ist, um es hier abdecken zu können). Verschiedene mysteriöse Dinge geschehen, und am Ende der Staffel von 2008 vermuteten manche, dass die Protagonisten in einem Nischenuniversum gefangen seien. Lost ist jedoch gewissermaßen Fantasy, weil es Fantasy-Fans spannend finden, eine Art der nachträglichen Einpassung, die offenbar immer gängiger wird (siehe auch Nip and Tuck, 2003-2007, eine Serie über plastische Chirurgie, die stark auf den Symbolismus der Gothic-Strömung setzt). Das äußerst erfolgreiche Heroes (2006-2010) behandelte das recht gewöhnliche Motiv von Menschen, die an sich selbst ungewöhnliche Fähigkeiten entdecken, stellte jedoch ihre Bemühungen, sich damit zu arrangieren, ins Zentrum der emotionalen Dynamik.

Auf der großen Leinwand zählten zu den Blockbuster-Filmen der 2000er die drei Herr der Ringe-Filme (2001-2003), acht Harry Potter-Filme (2001-2011), die immer düsterer wurden, und ein neuer Versuch, Die Chroniken von Narnia auf den Bildschirm zu übertragen, beginnend mit Der König von Narnia (2005) und Prinz Kaspian von Narnia (2008). All diese Filme wurden als einige der ersten wirklich erfolgreichen Leinwand-Adaptionen klassischer Fantasy betrachtet, hauptsächlich aufgrund der technologischen Entwicklungen in Sachen Computergrafik, aber auch, weil man wirklich den Eindruck hatte, dass die beteiligten Regisseure die verarbeiteten Texte tatsächlich mochten (anders als bei David Cunninghams Wintersonnenwende [2007], bei dem insgesamt das Gefühl aufkam, dass man ein hervorragendes Kinderbuch – von Susan Cooper – bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet hatte).

Weitere bemerkenswerte Filme waren unter anderem Adaptionen großer Kinderbücher, darunter Eragon (2006) und Der goldene Kompaß (2007) und einige sehr nette, aber weniger werktreue Verfilmungen wie etwa Ella – verflixt und zauberhaft (2004), das auf der großartigen »Cindarella«-Nacherzählung von Gail Carson Levine basiert (1997), sowie das exzellente Der Sternwanderer (2007) nach dem illustrierten Roman von Neil Gaiman und Charles Vess (1998). Es gibt auch einige erwähnenswerte Originalfilme: der Zeichentrickfilm Shrek, bei dem Andrew Adamson und Vicky Jenson Regie führten (2001), eine Adaption von William Steigs Bilderbuch Shrek! (1990). Der Reiz des Films lag in seinem direkten Angriff auf viele Disney-Konventionen (dieser Aspekt trat im dritten Film in den Hintergrund) und für Kinder insbesondere in seinem vulgären Humor (der an Raymond Briggs' Graphic Novel Fungus the Bogeyman [1977] erinnerte). Hayao Miyazakis Chihiros Reise ins Zauberland (2002) war nur einer der vielen wichtigen Fantasy-Filme des Regisseurs in den 2000er Jahren (darunter eine Adaption von Diana Wynne Jones' Sophie und das Schloss des Zauberers), aber der interessanteste – eine traumgleiche Portal-Fantasy mit einer an Alice erinnernden Heldin, die auf die Erwartungshaltung japanischer Fantasy-Traditionen anstelle der westlichen zurückgriff und beim westlichen Publikum nicht ohne Wirkung blieb. Donnie Darko (Regie: Richard Kelly [2001]) war ein halluzinatorischer Traum über einen potenziellen, aber falschen Tod und die Apokalypse, verpackt in potenzielle Alternativwelten und gestaltet von einem unheimlichen Mann in einem Hasenkostüm. Genauso komplex und auf derselben Linie war Vergiss mein nicht! (Regie: Michelle Gondry [2004]), eine straffe Geschichte über Erinnerung und Romantik, die man als Science Fiction, als Fantasy oder als Horror betrachten kann und die wie Donnie Darko dem Publikum sehr viel abverlangt. Pans Labyrinth (Regie: Guillermo del Toro [2006]) war ein Märchen, das in den Jahren nach dem spanischen Bürgerkrieg spielt und sich stark an den Märchen der Brüder Grimm orientierte. Wie bei Donnie Darko und Vergiss mein nicht! ist die Erzählstimme gewissermaßen durchlässig, weshalb die »Wirklichkeit« der Fantasy ständig infrage gestellt wird, ohne deshalb gebrochen zu werden. Auf der frivolen Seite des Spektrums fanden sich Fluch der Karibik (Regie: Gore Verbinsky) und seine Fortsetzungen, die auf einem Fahrgeschäft in einem Vergnügungspark basieren, und 2003 das absolut bezaubernde Disney-Konfekt Verwünscht (Regie: Kevin Lima [2007]), in dem eine Braut aus dem Märchen von ihrer potenziellen Stiefmutter nach New York abgeschoben wird.

Die Comic-Industrie war in den 2000ern so stark zu einem eigenen Genre mit seinen Fans und Conventions geworden (die Comic-Con, die größte Comic-Convention, zog 120.000 Teilnehmer an) und produzierte so viele Titel, dass es nicht möglich ist, alle Fantasy-Titel hier aufzuführen. Einige der herausragenden Graphic Novels und Comicschaffenden des Jahrzehnts sind unter anderen P. Craig Russells Adaption von Wagners Ring-Zyklus, The Ring (2001); Die Geschichte von einer bösen Ratte (1995), Bryan Talbots komplexe Geschichte über die Bewältigung elterlicher Vergewaltigung, die sich des Werkes von Beatrix Potters bedient, um der Geschichte größere Kraft zu verleihen; und Linda Medleys Schloss der Erwartung (2006), in dem erzählt wird, was mit den Bewohnern eines Schlosses passiert, nachdem der Prinz und die Prinzessin ihr glückliches Ende bekommen haben. Im Bereich der Serien schuf Mike Mignola das außerordentliche Die rechte Hand des Schicksals (2002) innerhalb seiner Hellboy-Serie, und Jeff Smith setzte sein epische Bone-Serie mit Rose (mit Charles Vess [2001]) und Bone (2004) fort. Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen, geschrieben von Alan Moore und gezeichnet von Kevin O'Neill, wurde in diesem Jahrzehnt weitergeführt und überlebte die Filmversion (2003) bis zum Erscheinen von Das schwarze Dossier (2008). Die letzte Graphic Novel, auf die wir hier aufmerksam machen wollen, ist Bryan Talbots außerordentliches Alice in Sunderland (2007), eine komplexe Collage aus Metatexten, in der die Verbindungen zwischen Lewis Carroll, der nördlichen Stadt Sunderland und der Karriere des bekannten britischen Schauspielers Sid James thematisiert werden.

In den 2000er Jahren waren Computerspiele die Form, in der die meisten Kinder und Teenager der Fantasy zum ersten Mal begegneten. Viele, viele Spiele waren schlicht Adaptionen bereits populärer Bücher, Fernsehserien und Filme oder Comics, aber einige Original-Spiele und Spielumgebungen wurden in diesem Jahrzehnt äußerst beliebt, als die virtuellen, von den Programmierern geschaffenen Realitäten sich langsam den Spielererwartungen anpassten und die jüngeren Spieler sich den virtuellen Welten stärker verbunden fühlten. Größtenteils haben diese Spiele eine Beziehung zur Questen-Fantasy oder zur epischen Fantasy: Myst, 1993 veröffentlicht, war bis ins Jahr 2002 ein Hit (überholt damals nur von von The Sims, einer Seifenopern-Realität, die im selben Jahr herauskam). Final Fantasy, eine multimediale Franchise, die auf einer ganzen Reihe von Plattformen erscheint (Spiele, Comics usw.), brachte in den 2000ern etliche ungeheuer populäre Spiel-Episoden heraus. Die größte Veränderung war vielleicht jedoch das Onlinespiel in einer gemeinsamen Welt, in der Millionen Menschen in riesigen virtuellen Umgebungen interagieren: die beiden bekanntesten sind Second Life (2003), ein »Reality«-Game ganz ähnlich wie The Sims, in dem man jedoch selbst eine Figur ist, anstatt Figuren zu bewegen, eher wie ein virtuelles Jahrbuch als ein richtiges Spiel, und World of Warcraft (gestartet 2004, allerdings als Fortsetzung früherer Spiele), ein gewaltiges, episches Fantasy-Spiel mit Sword & Sorcery, Questen und Schlachten.

Diese kurze Geschichte endet im Jahr 2008. Liebhaber des Genres dürfen hinsichtlich der künftigen Gesundheit und Vielfalt der Fantasy wohl zuversichtlich sein. Wie in den vergangenen drei Jahrzehnten wird das Genre weiter wachsen und sich ausdifferenzieren. Veränderungen in der Vermarktung, die immer besseren Möglichkeiten für Leser, die Bücher zu kaufen, die sie haben wollen, anstatt nur jene, die die Buchhandlung vorrätig hat, die Möglichkeiten für Internetbuchhändler, weit mehr Bücher auf Lager zu halten und so mitunter Kleinverlage zu unterstützen, gekoppelt mit der Beliebtheit von Internet-Magazinen, erschweren jedoch eine Prognose.

Möglicherweise wird die Fantasy im Bereich der Kinderbücher, Comics, Computerspiele und Blockbuster-Filme weiterhin dominant sein, ohne dass die erwachsene Leserschaft von Fantasy-Literatur tatsächlich weiter zunimmt. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts bewegte sich die Fantasy vom Rand hin zum kulturellen Mainstream. Die Popkultur wird immer mehr von aus der Fantasy (und der Science Fiction) entnommenen Bildern und Vorstellungen durchdrungen. Autoren bewusst »literarischer Büchern« wie etwa Yann Martel, Michael Chabon und David Mitchell, von Bücher, die wichtige Literaturpreise gewinnen, führen Elemente aus der Fantasy-Literatur ein, und zwar häufig auf eine Weise, die ihre Bindung an das Genre verdeutlicht.

Autoren und Kritiker der postmodernen Welt sympathisieren mit dem Spielerischen und dem Willen zu experimentieren, der einen Großteil der besten Fantasy auszeichnet. Einige erkennen mittlerweile, dass Fantasy nicht zwingend mit Eskapismus einhergeht, sondern alternative Möglichkeiten zur Verfügung stellt, um die Wirklichkeit zu erklären und zu bewältigen. Fantasy hat insofern das Potenzial, unser Verständnis von Literatur im 21. Jahrhundert umfassend zu verändern, doch die Vorstellung, wir könnten die Zukunft der Literatur auf lange Sicht voraussagen, ist natürlich reine Fantasy.

Über die Serie "Eine kurze Geschichte der Fantasy"

Fantasy ist, obwohl Literaturkritiker wie Akademiker dies gerne ausblenden, das einfluss- und erfolgreichste Genre des 21. Jahrhunderts. Einige der frühsten Bücher unserer Kultur, darunter das Gilgamesch-Epos und die Odyssee, handeln von Ungeheuern, Wundern, phantastischen Reisen und Magie. Gegenwärtig reicht das Spektrum der Fantasy von weltweit rezipierten mehrbändigen Serien bis zu anspruchsvollsten Nischenpublikationen.

Die vorliegende Einführung stellt das Genre in den Zusammenhang der euröpäischen Literatur, erzählt seine Geschichte von den Anfängen bis zu den Highlights der modernen Fantasy im 21. Jahrhundert und widmet sich in ihren Hauptkapiteln der Zeit seit Tolkiens Herr der Ringe, vom Fantasy-Boom der 70er und 80er Jahre über den Erfolg der Harry Potter-Serie bis hin zu aktuellen Entwicklungen.


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Deutsch von Simone Heller

 

© 2012 by Libri Publishing

Erstveröffentlichung 2009 in der Middlesex University Press

Die erweiterte Ausgabe erschien 2012 bei Libri Publishing

Für die deutschsprachige Ausgabe: © 2017 by Golkonda Verlag GmbH

Mit freundlicher Genehmigung von AutorInnen und Verlag

 

Alle Rechte vorbehalten



Farah Mendlesohn
hat − unter anderem − mit Rhetorics of Fantasy eines der klügsten Bücher über ein Genre verfasst, das von Akademikern nur selten mit dem nötigen Ernst und den nötigen Kenntnissen behandelt wird. Zu ihrer Internetseite geht es hier.

 

Edward James ist − unter anderem − der Herausgeber des maßgeblichen Cambridge Companion to Fantasy Literature, eines Handbuchs, in dem sich Schriftsteller, Kritiker und Akademiker auf allerhöchstem Niveau mit den unterschiedlichsten Aspekten des Genres befassen. Im Internet ist er hier vertreten. 

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