Von der Skizze zum Action-Mash-up: Ein Werkstattbesuch bei Jens Maria Weber

© Jens Maria Weber

INTERVIEW

Von der Skizze zum Action-Mash-up: Ein Werkstattbesuch bei Jens Maria Weber


Wer die ersten Seiten von Kai Meyers neuer Space-Fantasy-Saga »Die Krone der Sterne« aufschlägt, bleibt erst einmal an den vielen beeindruckenden Vorspannillustrationen hängen. Sie gehen auf eine Idee Kai Meyers zurück, der damit die Tradition der alten Edelmann-Ausstattungen der Tolkienbände von Klett Cotta wiederbeleben wollte. Der Illustrator Jens Maria Weber gibt euch einen Einblick in die Entstehung seiner aufwendigen Bilder und erzählt, was ihn bei der Arbeit beschäftigt hat.

Von der Skizze zum Action-Mash-up: Ein Werkstattbesuch bei Jens Maria Weber

© Jens Maria Weber

Um die visuellen Mise-en-scènes im Vorspann von »Die Krone der Sterne « und »Hexenmacht« anfertigen zu können, muss ich zunächst das Exposé und danach mehr oder weniger gezielt das Manuskript lesen. Mitunter erinnert die Arbeitsweise an den Romanen ein wenig an die typische Konzeption für Filmlooks, in der Designs für Raumschiffe, Kostüme und Waffen entworfen werden müssen. Die Meyerschen Sternenreiche werden von uralten magischen Orden beherrscht, von noch älterer und vor allem maroder Technik zusammengehalten und sind überbaut mit barock-byzantinischem Zierat, für den zunächst ein paar gültige Chiffren gefunden werden müssen. Gerade zu Beginn ist viel Grundlagenarbeit erforderlich. Looks, Technik, Kulissen – mehr oder weniger nur in Entwurfsform entstanden, aber ohne diese Basis läßt sich schlecht über konkrete Ideen und Umsetzungen diskutieren.

Die Arbeit stützt sich daher stark auf Absprachen mit dem Autor: »… War das so auf Seite 267 beschrieben, oder habe ich das vorher übersehen?« Das Ergebnis soll eine generelle Definition von Setting und Stimmung sein. Technische und szenische Besonderheiten werden aufgegriffen, jedoch soll der Vorspann nicht narrativ im Sinne einer Handlungsbegleitung sein. Wir haben daher auch kaum klare Darstellungen von Hauptfiguren – das soll die Leserschaft mit sich ausmachen.

Die möglichen illustrierbaren Stücke werden als Erstes zeichnerisch in kleinen Skizzen festgehalten, gedreht, umgeskribbelt, in kleine Thumbnails als Doppelseiten zusammengestellt. So entsteht ein erster Eindruck einer Strecke. Diese kleinen Visualisierungen liefern dann das Gerüst und die Grundlage für die Umsetzung. 

  • Die Krone der Sterne - Hexenmacht: Illustrationen von Jens Maria Weber

    © Jens Maria Weber

  • Die Krone der Sterne - Hexenmacht: Illustrationen von Jens Maria Weber

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  • Die Krone der Sterne - Hexenmacht: Illustrationen von Jens Maria Weber

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  • Die Krone der Sterne - Hexenmacht: Illustrationen von Jens Maria Weber

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  • Die Krone der Sterne - Hexenmacht: Illustrationen von Jens Maria Weber

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  • Die Krone der Sterne - Hexenmacht: Illustrationen von Jens Maria Weber

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Von Fangarmen und Hutmachern

Die Krone der Sterne - Hexenmacht: Illustrationen von Jens Maria Weber

© Jens Maria Weber

Das ist mein Lieblingsraumschiff, der »Greifer«. Eine der ersten Aufgaben (noch in Band 1) war der Entwurf einen Einsitzer-Jägers. Ich wollte auf gar keinen Fall etwas aus der Schublade der generischen, schnittigen Raumjägerlangeweile ziehen, daher hatte der Jäger die Rolle als Typschiff der kompletten Technikphilosphie der Romanwelt zugewiesen bekommen. Das messingfarbene Schiff ist wie ein Insekt gebaut – es hat Kopf und eine Antriebssektion. Es kann sich in Gelenken drehen, es hat anklappbare Schwingen, die atmosphärischen Flug erlauben, und natürlich hat es lange Greifarme, mit denen es seine Opfer packen kann. Mit einem Wort: Das Schiff ist eine Plage, vor allem, wenn es in Schwärmen operiert.
Durch die Fangarme bekam es auch seinen Namen, den Kai in den Roman übernommen hat.

Die Krone der Sterne - Hexenmacht: Illustrationen von Jens Maria Weber

© Jens Maria Weber

Die Hexen. Ich hatte lange mit Kai überlegt, wie der beschriebene Kopfschmuck der Kamastraka-Hexen aussehen könnte. Letztlich hatte ich eine lange Strecke von Katalogdarstellungen, die ich ihm wie ein geduldiger Hutmacher geschickt habe, und diese passte unvorhergesehenerweise ganz gut in die Reihe. 

Die Krone der Sterne - Hexenmacht: Illustrationen von Jens Maria Weber

© Jens Maria Weber

Eine der wenigen Handlungsillustrationen, die wir uns gestattet haben. Durch die vorbereitende Arbeit gibt es so viel Konzeptionszeichnungen von Posen, Geräten und Personen, dass man daraus kombinieren kann. Die Darstellung der spurtenden Iniza war ursprünglich nicht zur Verwendung vorgesehen. Kai mochte sie, und jetzt ist sie drin.

Die Krone der Sterne - Hexenmacht: Illustrationen von Jens Maria Weber

© Jens Maria Weber

Die Muse ist eine typische Meyer-Erfindung. Man merkt immer, wenn er an einer Figur besonderen Spaß hat, und meistens sind das hintergründige Charaktere, die Geheimnisse haben und versteckt das Potential eines Tipping Points in sich tragen. Hier haben sich im Thema Androiden und Menschmaschinen meine eigenen Arbeiten mit der am Roman überschnitten. Ich hatte zur Muse sofort Zugang und konnte sie interpretieren. Die Darstellung hat sicher eher poetischen Reiz; sie transportiert das Fremdartige der Figur. Sie darf in der Vorstellung des Publikums natürlich ganz anders sein.

Die Krone der Sterne - Hexenmacht: Illustrationen von Jens Maria Weber

© Jens Maria Weber

Ein Action-Mash-up aus dem Herzen einer Kathedrale. Manchmal schaut man auf die Konzeptionszeichnungen und sieht ein Layout vor sich, das sowohl als Doppelseite als auch als Filmposter funktionieren könnte. Man müsste es für Letzteres etwas umarrangieren, aber hier sind eben ein paar Heldenposen aufeinandergetürmt. Guten Appetit.

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