Fünf Bücher mit klirrend kaltem Winter-Setting

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Fünf Bücher mit klirrend kaltem Winter-Setting


Der Winter ist da— nicht nur (endlich) in George R. R. Martins Zyklus Das Lied von Eis und Feuer, sondern auch bei uns. Erste Schneeflocken wurden bereits gesichtet. Von den atemberaubenden Schneemassen und Eispalästen so mancher Bücher sind wir zwar noch weit entfernt. Aber die erkundet man ohnehin lieber von der heimischen Couch aus, in dem man zwei Buchdeckel aufschlägt. Deshalb habe ich heute thematisch passende Buchtipps im Gepäck. Denn da gibt es viel mehr zu entdecken als Game of Thrones, Der goldene Kompass oder Der König von Narnia

Der Winterschmied von Terry Pratchett

Mit winterlichen Mythen und Traditionen spielte Terry Pratchett in seinem 35. Scheibenwelt-Roman Der Winterschmied. Darin zeigt die Junghexe Tiffany Weh einem Verehrer die kalte Schulter und verursacht dadurch einen eisigen Winter, der die Scheibenwelt zu zerstören droht. Leider konnte sich die 13jährige bei der traditionellen Feier zur Wintersonnenwende nicht zurückhalten und hat trotz ausdrücklichen Verbots das Tanzbein geschwungen. Prompt verliebt sich die Personifizierung der kalten Jahreszeit in sie. Da hilft es Tiffany auch nicht, dass mächtige Hexen wie Oma Wetterwachs und Nanny Ogg auf ihrer Seite sind und versuchen, den aufdringlichen Verehrer abzuwimmeln. Auf der Scheibenwelt wird es immer ungemütlicher, denn der Winterschmied begräbt in seinem Eifer, Tiffany für sich zu gewinnen, alles unter Massen von Schnee. Der Winterschmied ist das dritte Abenteuer der Nachwuchshexe Tiffany, kann aber auch für sich gelesen werden. Hier verschmelzen Pratchetts bizarre Ideen und sein augenzwinkernder Stil mit nachdenklich stimmenden Momenten.

Ebenfalls zur Winterzeit spielt der Scheibenwelt-Roman Schweinsgalopp. Darin muss ausgerechnet der TOD einspringen und den von Schweinen gezogenen Schlitten des Schneevaters übernehmen, welcher spurlos verschwunden ist.

Der Winter erwacht von C. L. Wilson

An die Romantiker unter euch richtet sich C. L. Wilsons Zweiteiler Der Winter erwacht und Wenn der Sommer stirbt. Darin erzählt die Tairen Soul-Autorin eine dramatische Liebesgeschichte. Der Nordkönig Wynter Atrialan droht mit seinen magischen Kräften, die Lande des Sommerkönigs mit Eis zu überziehen, falls dieser ihm nicht eine seiner Töchter zur Gemahlin gibt. Widerwillig fügt sich die Sturmprinzessin Chamsin in ihr Schicksal und begleitet Wynter in sein raues Königreich. In einem Land aus Schnee und Frost stellt sie langsam fest, dass ihr Gemahl nicht der grausame Kriegsherr ist, für den sie ihn gehalten hat. Und dass er selbst von einer dunklen Macht bedroht wird.

Ganz klar im Vordergrund steht die Liebesbeziehung von Chamsin und Wynter. Allerdings inszeniert die Autorin diese geschickt vor der herrlich eisigen Kulisse des Winterkönigreichs: ein Schloss, das direkt in Gletscherfelsen gehauen ist, verschneite Wälder und eine mystische Quelle. Ein Zweiteiler für Liebhaber verträumter Märchen im Stil von Prinzessin Fantaghiró!

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Weißer Schrecken von Thomas Finn

Wer es nicht ganz so idyllisch mag, dem sei dieser Weihnachtszeit-Thriller ans Herz gelegt.

In den Wäldern eines kleinen Bergdorfs lauert das Grauen. Jahrelang hat es geschlafen, und nur die Bruchstücke alter Sagen gemahnen noch an die finstere Macht, die alle sechzehn Jahre schreckliche Blutopfer fordert. Als Jugendliche haben sich Andreas und seine Freunde bereits einmal jener Gefahr gestellt. Inzwischen ist die alte Clique in alle Winde verstreut. Aber jetzt, in der Zeit der Raunächte, müssen sie sich wieder zusammenraufen, um den weißen Schrecken endgültig zu besiegen.

Krampusläufe, Nikolaus-Bräuche, die Raunächte und altertümliche Göttinnen – Thomas Finn baut seinen Mystery-Thriller geschickt auf alten Mythen auf. Geistererscheinungen und Seancen sorgen dafür, dass der Adrenalinspiegel beim Lesen oben bleibt. Wer sich um die Weihnachtszeit herum so richtig schön gruseln möchte, liegt hier goldrichtig.

Das Schwert der Schatten von J. V. Jones

Kann man guten Gewissens eine noch nicht abgeschlossene Fantasysaga empfehlen, die hierzulande nur noch antiquarisch erhältlich ist und bei der die Schaffenspausen der Autorin länger sind als die von George R. R. Martin? Ja, wenn sie so gut ist wie Das Schwert der Schatten.

Überhaupt ist J. V. Jones' High Fantasy-Epos, das mit dem Roman Das dunkle Herz der Nacht beginnt, genau der richtige Lesestoff für Game of Thrones-Fans. Wie dort werden die Romane abwechselnd aus der Sicht mehrerer Figuren erzählt. Eine davon gehört der jungen Ash, eine Waise, in der mächtige Magie erwacht und die deshalb vor ihrem zwielichtigen Ziehvater in die Wildnis fliehen muss. Der andere gehört dem jungen Clankrieger Raif, der die unheimliche Begabung hat, das jeder seiner Pfeile sein Ziel findet.

Die Welt, in der Das Schwert der Schatten spielt, ist frühmittelalterlich, wild und so eisigkalt, dass Bäume in der klirrenden Kälte zerbersten und Höhlenwände von Eis überzogen sind. Gerade die archaische Welt der Klanskrieger wird eindringlich geschildert und bietet auch High-Fantasy-Viellesern gelungene Abwechslung. Wer sich traut, auch Fantasysagas zu beginnen, deren Abschluss in unbekannter Zukunft liegt, sollte sich diesen Leckerbissen nicht entgehen lassen. Es lohnt sicht.

Ice – Hüter des Nordens von Sarah Beth Durst

Sarah Beth Durst macht derzeit mit ihrer High Fantasy-Saga Die Königinnen von Renthia auf sich aufmerksam. Vor einigen Jahren erschien aus ihrer Feder bereits eine zeitgenössische Adaption des bei uns eher unbekannten Märchens Östlich der Sonne und westlich des Mondes. Darin verlobt sich die junge Cassie mit einem sprechenden Eisbären, der sich als verfluchter Prinz entpuppt. Nur nachts trägt er seine menschliche Gestalt. Dennoch verliebt sich Cassie in ihn. Aber gerade, als sie sich an ihr neues Leben gewöhnt, gerät der Bär in die Gefangenschaft der Trolle. Um ihn zu retten, muss Cassie sich über das Packeis der stürmischen Arktis kämpfen.

Nicht in einer märchenhaften Mittelalterwelt, sondern in unserer Gegenwart ist Ice – Hüter des Nordens angesiedelt. Zu Beginn des Romans lebt Cassie mit ihrem Vater und dessen Teamkollegen in einer kleinen Forschungsstation mitten in der Arktis. Die Autorin hat sich offenbar ausführlich mit diesem Setting beschäftigt, denn sehr bildhaft beschreibt sie die schneidende Kälte der Arktis und die Gefahren, die von ihr ausgehen.

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