Natalja Schmidt: Meine persönlichen Buchhighlights 2017

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Natalja Schmidt: Meine persönlichen Buchhighlights 2017


Natalja Schmidt ist Leiterin der Belletristik bei Droemer Knaur und verantwortet dort seit 2015 auch das Phantastikprogramm. Für uns hat sie zusammengestellt, was sie im vergangenen Jahr privat als Leserin begeisterte.

 

Über Natalja Schmidt

Seit vielen Jahren begleitet Natalja Schmidt die phantastische Literatur in Deutschland. Zuerst arbeitete sie als freie Lektorin für verschiedene Verlage. Bekanntheit erlangte sie ab 2004 mit ihrer Literaturagentur Schmidt&Abrahams, die zu Beginn fast ausschließlich phantastische Stoffe vermittelte – nicht zuletzt angefacht durch den Erfolg ihres Gatten Christoph Hardebusch mit „Die Trolle“.

Im Jahr 2015 wechselte sie als Programmleiterin für den Bereich der phantastischen Literatur zu Droemer Knaur und entwickelte dort erfolgreich einen neuen Programmbereich. In diesem Jahr rückte sie noch eine Stufe nach oben: Bei Knaur hat sie nun die Gesamtleitung der Belletristik inne – bleibt der Phantastik aber in besonderem Maße treu. Unter anderem ist sie Gründungsmitglied der Phantastischen Akademie, die jährlich den Literaturpreis „Seraph“ auf der Leipziger Buchmesse vergibt. Uns hat Natalja Schmidt verraten, was sie abseits der unzähligen Manuskripte, die jedes Jahr über ihren Schreibtisch wandern, als Leserin privat besonders beeindruckt hat.

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Colson Whitehead: Underground Railroad

Colson Whiteheads Roman spielt 1812, zu einer Zeit, in der die historischen Wurzeln der in den USA noch heute merkbaren sozialen Spaltung liegen. Im Zentrum der Handlung steht das Sklavenmädchen Cora, die die Flucht von einer Baumwollplantage antritt und in der Folge zur „Underground Railroad“ gelangt - eigentlich einem Netzwerk, das geflohene Sklaven unterstützte, das hier jedoch als echte Untergrund-Zugverbindung dargestellt wird, was einen besonderen erzählerischen Reiz des Romans ausmacht.

„Underground Railroad“ ist ein Roman, der nicht immer leicht auszuhalten ist - Coras Schicksal und das ihrer Begleiter und Jäger wird oft mit schonungsloser Brutalität beschrieben -, dessen Lektüre aber auf jeder Seite lohnt. Whitehead hat für diesen Roman den Pulitzer-Preis erhalten; aus meiner Sicht völlig zurecht.

Margaret Atwood: Alias Grace (und andere)

Diese großartige Autorin habe ich durch die hervorragende Verfilmung von „The Handmaid’s Tale“ wiederentdeckt, einem Roman, der mittlerweile als moderner Klassiker gilt. Aber auch Atwoods andere Romane lohnen die Lektüre unbedingt, sei es „Alias Grace“, die Geschichte einer historischen Mörderin in Toronto oder „Oryx & Crake“, einem weiteren eher düsteren Ausblick in eine mögliche Zukunft. Atwood stellt stets die Charaktere in den Vordergrund; Stück für Stück enthüllt sich, warum sie sich verhalten, wie sie es tun, und wie sie in ihre jeweilige Lebenslage geraten sind. Dabei geht es selten darum, zu applaudieren oder zu verurteilen, sondern fast immer darum, zu verstehen. Das aktuelle Werk der Autorin, „Das Herz geht zuletzt“, liegt gerade noch auf meinem SUB und wartet auf die Weihnachtsferien.

George R.R. Martin: The Hedge Knight / Der Heckenritter

Diese Graphic Novel, deren Handlung ca. 100 Jahre vor dem „Lied von Eis und Feuer“ angesetzt ist , kann ich allen nur empfehlen, die die Wartezeit bis zum nächsten Roman von Martin oder der nächsten Staffel GoT überbrücken möchten. Die Geschichten um Ritter Dunk und seinen Knappen Egg können zwar für sich alleine stehen, bieten aber auch eine schöne Gelegenheit, Westeros noch besser kennenzulernen und die politischen Verstrickungen und Gegebenheiten zu verstehen, die später zum Krieg der fünf Könige führen.

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