Das sind die besten Fantasy-Bücher des Jahres 2017

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Das sind die besten Fantasy-Bücher des Jahres 2017


Auffallend viele Drachen, sympathische Antihelden, innovative Assassinen, mehrere Rollenspiel-Gruppen, eine Spionin, mehrere Ermittler und eine Verräterin – hier ist unsere Auswahl der besten Fantasy-Romane des Jahres 2017.

 

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Ein echter Coup: Das Lied der Krähen von Leigh Bardugo

Deutsch von Michelle Gyo • Knaur, Paperback, 558 Seiten • 16,99 Euro

Leigh Bardugos Roman nutzt eine Kulisse aus niederländischen Hafenstädten sowie Reichen, die an die skandinavische und slawische Vergangenheit erinnern. In der vorindustriellen Welt, die man aus den „Grischa“-Büchern der in Jerusalem geborenen, in L.A. lebenden Autorin kennen mag, wird mit Dolchen und Materie-manipulierender Hexerei gekämpft, aber auch mit Gewehren, Panzern und Bomben. In „Das Lied der Krähen“ müssen der berüchtigte Gangster Kaz „Dirtyhands“ Brekker und eine kleine Crew Spezialisten in eine bestens gesicherte Eis-Festung einbrechen. Das ist trotz aller Fantasy natürlich ein klassischer Heist-Krimi. Bardugo inszeniert ihn packend und mit Figuren, die den Leser mit der Zunge schnalzen lassen. Wer will sich über das Warten auf George R. R. Martin aufregen, wenn er genauso gut so ein Genre-Prunkstück lesen kann?

Politik und Intrigen: Die Verräterin von Seth Dickinson

Deutsch von Jakob Schmidt • Fischer TOR, Paperback, 560 Seiten • 16,99 Euro

Seth Dickinson veröffentliche zahlreiche Storys in einschlägigen US-Magazinen und gehört zu den Autoren des SF-Videogame-Blockbusters „Destiny“. Außerdem ist der Lehrer für kreatives Schreiben ein Writer’s Writer, also jemand, vor dessen Fähigkeiten andere Autoren ihren Hut ziehen. Kij Johnson zum Beispiel, und das könnte als Gütesiegel bereits genügen. In seinem komplexen Romandebüt erzählt Dickinson die Geschichte von Baru Kormoran, die das Imperium der Masken von innen heraus zerstören möchte, das ihre Heimat ins Unglück stürzte. Dafür muss sie als Technokratin aber erst mal für die Republik agieren und mit einer Rebellion hantieren. Raffiniert konstruiert, intelligent, anspruchsvoll, stilistisch perfekt und mit Intrigen wie in „Game of Thrones“, jedoch wesentlich subtiler. Leider nur bedingt massentauglich, aber unbedingt lesens- und lohnenswert!

Drachen-Steampunk: Das Erwachen des Feuers von Anthony Ryan

Deutsch von Birgit Maria Pfaffinger u. Sara Riffel • Klett-Cotta, Hardcover, 725 Seiten • 25,00 Euro

Der 1970 geborene Anthony Ryan stieg mit der „Rabenschatten“-Serie zum Fantasy-König auf. In seiner neuen Trilogie „Draconis Memoria“ liefert er einen gut durchdachten Steampunk bzw. Drachenpunk-Weltenentwurf mit Motoren und Schusswaffen, in dem Handelsgesellschaften, Spione, Kopfjäger und Drachen den Ton angeben. Allerdings sind die Zeiten, in denen man mit Drachenblut einen Reibach machen konnte, vorbei – es sei denn, der legendäre weiße Drachen wird von einer Expedition gefunden. Am Ende vielleicht ein bisschen lang, ist der Auftaktband „Das Erwachen des Feuers“ alleine wegen seines eigenständigen Settings sicher eines der interessantesten Drachenfantasy-Werke seit Langem. Kein Wunder, dass sich im Original längst über 100.000 Exemplare verkauft haben.

Magischer London-Krimi: Ben Aaronovitch: Der Galgen von Tyburn

Deutsch von Christine Blum • DTV, Taschenbuch, 416 Seiten • 10,95 Euro

Es bleibt verkaufsstark: Der Engländer Ben Aaronovitch, der früher u. a. für „Doctor Who“ schrieb, erlangte mit seiner Urban-Fantasy-Krimiserie „Die Flüsse von London“ über den Polizisten Peter Grant und eine moderne, aber magische britische Hauptstadt auch in Deutschland Bestsellerstatus: DTV druckte vom aktuellen sechsten Roman „Der Galgen von Tyburn“ stattliche 50.000 Exemplare, und das ist als Startauflage schon ordentlich. Umso besser, dass die Fälle qualitativ dem Kultstatus noch immer gerecht werden. 

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Im Bann der Biomanten: Pakt der Diebe von Jon Skovron

Deutsch von Michelle Gyo • Heyne, Paperback, 588 Seiten • 14,99 Euro

Das Imperium in den „Empire of Storms“-Romanen des Amerikaners Jon Skovron besteht aus vielen Inseln und beheimatet Piraten, Kampfmönche, Soldaten sowie ruchlos-magische Biomanten. Der Fokus des ersten Buches liegt auf einem Dieb und einer Kriegerin, die sich mit dem Imperium anlegen. Nicht allzu innovativ, liest sich der launige Stoff gut und packend weg. Auch, weil Skovron sein Worldbuilding sparsam dosiert. Seine Dialoge dagegen sind reich an Kraftausdrücken, was passt, manchmal aber ein bisschen bemüht wirkt - besonders, wenn sich eine Szene nur nach kalkulierter Grenzüberschreitung anfühlt. Trotzdem zeckt der Serienauftakt an, wenn man auf Fantasy mit jungen Antihelden steht, die einem sofort wichtig sind.

Geister-Krimi: Der Freund der Toten von Jess Kidd

Deutsch von Ulrike Wasel u. Klaus Timmermann • Dumont, Hardcover, 381 Seiten • 20 Euro

Mulderrig, ein verschworenes irisches Dorf in den 70ern. Der gut aussehende Mahony, der in einem Waisenhaus in Dublin aufwuchs, kehrt in den Ort seine Geburt zurück. Hier verdreht er allen Frauen den Kopf und will er den Mord an seiner jungen Mutter aufklären. Bei diesem Vorhaben helfen ihm die exzentrischsten – um nicht zu sagen: die schrulligsten – Damen des Kaffs, und die Geister der Toten, die Mahony sehen kann. Jess Kidds Debütroman erinnert an „Bogmail“ von Patrick McGinley ebenso wie an „He, Rebeck! von Peter S. Beagle und ist ein vergnüglicher, spannender und sympathischer Whodunnit-Krimi, der durch seine fantastischen Momente zusätzlich gewinnt.

Sand und Sex: Die zwölf Könige von Bradley Beaulieu

Deutsch von Antonia Zauner • Knaur, Paperback, 682 Seiten • 16,00 Euro

Bradley Beaulieu wurde in Schreibkursen von Tim Powers, Nancy Kress, Joe Haldeman und Holly Black geschult. Andere Genre-Größen wie Michael J. „Riyria“ Sullivan, Glen „Black Company“ Cook und Robin „Weitseher“ Hobb waren außerdem alle äußerst angetan von Beaulieus Roman „Die zwölf Könige“, dem Auftakt zur Trilogie „Die Legenden der Bernsteinstadt“. Ein paar Seiten weniger und ein bisschen mehr Tempo hätten dem Buch zwar nicht geschadet, einen Platz auf dieser Liste hat sich die Rachegeschichte der Arenakämpferin Çeda in der imposanten Wüstenmetropole Sharakhai inmitten des Sandmeers aber durchaus verdient.

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Feuriger Spaß: Dragon Lords – Das Gold der Narren von Jon Hollins

Deutsch von Oliver Plaschka • Heyne, Paperback, 669 Seiten • 15,99 Euro

Unter dem Pseudonym Jon Hollins schreibt Jonathan Wood die Serie „Dragon Lords“. Der erste Band „Das Gold der Narren“ pfeift auf die übliche Epik und Struktur von Rollenspiel-inspirierter Fantasy. Hollins versammelt einen Bauern, einen Dorftrottel, eine Gelehrte, eine Söldnerin und einen kriegshammerschwingenden Echsenmenschen, die den Drachenherrschern ans Gold wollen, welche mit Feuer, Soldaten und Steuern den Landstrich Kondorra knechten. Story und Sprache des Romans sind wunderbar frech und kommen im Deutschen noch immer rotzig genug rüber. In dieser Popcorn-Fantasy mit filmischem Drive wird geflucht und gesplattert, was das Zeug hält. Das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Dragon Lords“ ein bisschen zu umfangreich geraten ist – obszön viel Spaß macht die erste Runde mit den Antihelden dennoch.

Mörderisch ambitioniert: Nevernight – Die Prüfung von Jay Kristoff

Deutsch von Kirsten Borchardt • Fischer TOR, Hardcover, 704 Seiten • 22,99 Euro

Die junge Mia Corvere, die von einer angstfressenden Schattenkatze begleitet wird, will in einer nachtlosen Welt unter drei Sonnen zur Meistermeuchlerin ausgebildet werden, um Rache für ihre Familie zu nehmen. Der Australier Jay Kristoff kredenzt in „Nevernight: Die Prüfung“ einen ambitionierten Ansatz für die durchgenudelte Assassinen-Fantasy, der sprachlich geradezu süffisant und auf alle Fälle anders daherkommt. Lange kursive Flashbacks und kiloweise Fußnoten muss man sicherlich mögen, doch das gehört eben zu diesem polarisierenden Buch dazu, das so oder so hervorsticht mit seinem Hogwarts für Assassinen.

Göttliche Sprache: Die Stadt der tausend Treppen von Robert Jackson Bennett

Deutsch von Eva Bauche-Eppers • Bastei Lübbe, Taschenbuch, 624 Seiten • 11,00 Euro

Man kann Autoren folgen, man kann aber auch Übersetzern folgen. Eva Bauche-Eppers kommt z. B. immer dann zum Einsatz, wenn Sprache eine wichtige Komponente eines Romans ist. In der Vergangenheit übertrug sie daher China Miéville ebenso ins Deutsche wie Jesse Bullington. Dank ihr landet man aktuell bei Robert Jackson Bennett. Der schrieb mehrere Fantastik-Thriller wie „Mr. Shivers“, bevor er die Fantasy-Reihe „Die göttlichen Städte“ initiierte. Der Schreibstil des ersten Teils „Die Stadt der tausend Treppen“ ist so außergewöhnlich wie zu erwarten und passt zu den Ermittlungen der Spionin Shara in einem überbordenden, unverbrauchten Setting. Langsam, aber luxuriös und üppig.

Drachenforschung: Die Naturgeschichte der Drachen von Marie Brennan

Deutsch von Andrea Blendl • Cross Cult, Paperback, 360 Seiten • 14,00 Euro

Unter dem Pseudonym Marie Brennan schreibt Bryn Neuenschwander, die Anthropologie, Archäologie, Folklore und Mythologie studierte, Fantasy wie die Reihe „Lady Trents Memoiren“, von der im Original bereits fünf Bände vorliegen. Darin emuliert sie die gesammelten Werke der weltberühmten Drachenforscherin Lady Trent. Auf den Seiten von „Die Naturgeschichte der Drachen“ beginnt Lady Trents Lebensgeschichte damit, wie sie in jungen Jahren ihre Obsession für Draken entwickelt, den gesellschaftlichen Regeln trotzt und auf ihre erste Expedition geht. Vom Tempo und Stimmung her ein Vergnügen für alle, die z. B. Feuer und Flamme für „Jonathan Strange & Mr Norrell“ waren.

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