Andreas Eschbach: Meine persönlichen Buchhighlights 2017

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INTERVIEW

Andreas Eschbach: Meine persönlichen Buchhighlights 2017


Andreas Eschbach gilt als einer der wichtigsten Science-Fiction-Autoren Europas. Wir haben ihn darum gebeten, uns seine persönlichen Buch-Highlights in diesem Jahr zu verraten.

Über Andreas Eschbach

Mitte der 1990er-Jahre etablierte sich Eschbach in der deutschen SF-Szene und räumte mehrmals den Deutschen Science-Fiction-Preis ab. Als Das Jesus-Video 1998 auch die Mainstream-Bestsellerlisten stürmte, stieß er in die Riege der erfolgreichsten Autoren aus deutschen Landen vor und findet mit seinen Werken längst auch international große Beachtung. In den vergangenen Jahren hat er sich überdies im phantastischen Jugendbuch etabliert, zuletzt mit den ersten beiden Bänden der Aquamarin-Trilogie.

Dass er sich mit den Gegebenheiten des Weltraums besonders auskennt, ist kein Zufall: Er studierte Luft- und Raumfahrttechnik. Wenngleich er das Studium nie abschloss und stattdessen zunächst in der Softwarebranche arbeitete, schuf er damit nicht die schlechtesten Voraussetzungen für das Schreiben großer Space Operas und wissenschaftlich fundierter Zukunftsvisionen. Für uns hat Andreas Eschbach seine persönlichen Lieblingsbücher zusammengestellt, die er in diesem Jahr gelesen hat.

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Marlen Haushofer - Die Wand

Unangefochtener Spitzenplatz. Ich kannte schon den Film, aber der Roman war noch beeindruckender in seiner radikalen Konsequenz, die schon in der Grundidee steckt: Eines Tages ist die ganze Welt erstarrt, tot – nur in einer Art großer Blase irgendwo in den Bergen, abgeschirmt durch eine unsichtbare "Wand", überlebt eine Frau mit ein paar Tieren und ein paar Notvorräten. Was passiert ist und warum, das erfährt man nie; die namenlose Erzählerin macht sich zwar so ihre Gedanken, aber hauptsächlich ist sie damit beschäftigt, am Leben zu bleiben, und fragt sich dabei, wozu eigentlich.

Karl Olsberg - Boy in a White Room

Es beginnt damit, dass jemand in einem konturlosen weißen Raum erwacht, ohne zu wissen, wo er ist oder wer er ist. Aus dieser Ausgangssituation, die man so ähnlich mitunter schon gelesen hat, hätten eine Menge belangloser Geschichten entstehen können, doch nicht hier: In diesem Roman hat der Autor zusammengebracht, was schon immer zusammengehört hat, nämlich Descartes und die virtuelle Realität: Tolle Idee! Und toll ausgearbeitet. Philosophisch und trotzdem keinen Moment langweilig – das muss man erst mal hinkriegen.

Ludger Weß – Vironymous

Das Buch lag auf dem Couchtisch, und am Abend wollte ich eigentlich nur mal kurz reinschauen … und dann konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Nur die Müdigkeit hat mich daran gehindert, es in einem Rutsch auszulesen, aber so kam ich immerhin zu zwei sehr spannenden Leseabenden. Und lehrreich war es außerdem. Es geht darum, wie man Viren personalisieren kann und was sich alles so an Unheil damit anrichten lässt (viel!). Ludger Weß ist Wissenschaftsjournalist und weiß, wovon er schreibt – und obwohl er im Grundsatz für Gentechnik ist, behält er auch ihre Gefahren im Blick.

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