Länder Jedi Abenteuer: King Stephen I. – Der König der modernen Horroliteratur

KOLUMNE

King Stephen I. – Der König der modernen Horroliteratur


Sie mögen es dunkel und teuflisch spannend: Die Fans von Stephen King, des ungekrönten Königs der modernen Horrorliteratur, dessen Gesamtwerk wohl schon diverse Bücherregale zum Einsturz brächte, haben bereits seit vielen Jahrzehnten kein Problem mit als trivial verschrienen Geschichten, wohl aber mit der Arroganz des Feuilletons. Und mit dem Mann in Schwarz, versteht sich. Nieder mit dem Mann in Schwarz!

Der Fanotyp

King-Fans sind geduldig. Das muss man vermutlich auch sein, um sich auf Romane von bis zu 1200 Seiten Länge einzulassen. Immerhin liest auch der Hardcore-Fan solche Megawälzer, die oft mehr handelndes Personal als so manche Kleinstadt mitbringen und mit Nebenhandlungssträngen großzügiger um sich schmeißen als der Clown Pennywise mit blutroten Luftballons, nicht mal eben an einem Wochenende weg. (Ausnahmen mag es allerdings geben.)

King-Fans sind phantasievoll. Sie mögen es, andauernd in einem Zustand latenter Anspannung zu sein, in dem hinter jeder neuen Seite schon der nächste wohlige Grusel lauert. Sie sehen den Alltag als Brutstätte immenser Schrecken, fürchten sich vor gemütlichen Bernhardinern ebenso wie vor idyllischen Berghotels, vor Oldtimern wie vor Mobiltelefonen. Sie würden niemals ein Zimmer mit der Nummer 237 beziehen. Jedenfalls nicht zum Baden.

Und wenn sie cosplayen, dann richtig! Alles ist erlaubt: vom postapokalyptischen Dress eines Mülleimermanns („Bummdibumm!“) über das Westerner-Outfit des Gunslingers Roland Deschain bis hin zum Priesterkragen des ehr- und wehrwürdigen Father Callahan.

Dinner for Fan

Der King ist bekannt für seine – vor Jahrzehnten getroffene und seitdem vielleicht bereute – Aussage, sein literarisches Schaffen sei keine Haute Cuisine, sondern weit eher vergleichbar mit einem Burger und Pommes. Das sollte der Ansatz sein, wenn Sie ein King-Dinner veranstalten wollen! Sparen Sie sich Fleisch aus der Preisklasse, wie sie beispielsweise ein Präsident Greg Stillson bevorzugt. Sparen Sie sich mühsam zuzubereitendes Gemüse, raffinierte Saucen, aufwendige Desserts. Diese Königsmahlzeit besteht allein aus Fast Food von der Pommesbude.

Dazu reicht der Kenner selbstredend amerikanisches Bier (alternativ tut’s auch gelb gefärbtes Wasser, da die geschmacklichen Unterschiede nun wirklich minimal sind) aus eigenhändig liebevoll zerbeulten Dosen. Von einem Nachtisch aus Kokain und ähnlichen Dingen raten wir aber entschieden ab; schließlich hat sich auch King Stephen längst von solcher „Nahrung“ distanziert.

Sag, was du willst, aber …

Der Meister des Grauens nimmt in seinen Werken (und auf seinem Twitter-Account) kein Blatt vor den Mund. Entsprechend frei von der Leber weg erzählen auch seine Anhänger. Und die Fülle der Zitate ist hoch – was bei einem literarischen Output, der inzwischen weit über 50 Romane hinausgeht, nicht überrascht.

Kings Gefolge erkennt sich an diesen Zitaten. Es hat „das Gesicht meines Vaters nicht vergessen“ und weiß, dass man nur mit dem Herzen wirklich gut zielt (und nicht mit dem Auge). Es hat keine Angst vor Fäkalsprache und Kraftausdrücken, wohl aber vor Männern in gelben Mänteln. Es huldigt seinem König, wann immer es einen Zirkusclown sieht, einen Rummel besucht, ein Haustier beerdigt.

Kings Fans setzen beim Roulette und beim Lotto stets auf die Nummer 19, und selbst wenn sie verlieren, denken sie daran, dass alle Dinge, also auch die Niederlagen, dem Rad dienen. Sie sind Ka-Tet.

Bloß nicht nachmachen!

Halten Sie es wirklich für klug, Menschen zu reizen, die sich in ihrer Freizeit mit dem teuflischen Crimson King, dem Wahnsinn einer Annie Wilkes und mit den Schießkünsten Lee Harvey Oswalds befassen? Okay, es ist Ihr bald endendes Leben …

Folgende Bemerkungen dürften einen echten King-Fan wütender machen als so manche misslungene Verfilmung:

  1. Nennen Sie Stephen King einen überbezahlten Groschenroman-Autor, der weder seine Verkaufszahlen, noch seine literarischen Meriten verdient habe.

  2. Zweifeln Sie daran, dass er seine Werke allein verfasst hat. Immerhin könne ja niemand so viel schreiben.

  3. Halten Sie die TV-Serie „Under the Dome“ für weit besser als die ihr nur lose zugrunde liegende Romanvorlage. Insbesondere die zweite Staffel. (Alternativ können Sie auch das unsägliche Schwarzenegger-Vehikel „Running Man“ aus den 1980ern für gelungener als den Roman „Menschenjagd“ erachten.)

  4. Finden Sie ihn geschwätzig.

     

     

 

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Das Phantastische wird immer populärer, doch längst nicht jeder Normalsterbliche weiß, wie wir Fans unendlicher Weiten und Co. so ticken. Länder, Jedi, Abenteuer will da Abhilfe schaffen und bietet einen ebenso liebe- wie humorvollen Einblick in schillernde Subkulturen und die Charaktere hinter dem Cosplay.

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