Länder, Jedi, Abenteuer: Heftromane -Im Reich der Groschenliteraten

© Pexels / pixabay

KOLUMNE

Heftromane - Im Reich der Groschenliteraten


Sie sind eine fast schon historisch zu nennende Stütze des deutschen Phantastikfandoms und doch im Aussterben begriffen: Die Fans der deutschen Heftromanszene halten ihren Helden – denen auf den Romanseiten ebenso wie denen an den Keyboards, die erstere zu Papier bringen – meist seit Jahrzehnten die Treue und kennen den Weg zum Kiosk besser als die eigenen Westentaschen. In einer immer multimedialer werdenden Fankultur gehören sie und ihre Lieblinge allerdings inzwischen zu den älteren Eisen … zumal der Lesernachwuchs ausbleibt und längst nicht jeder Romanheft-Erfolg von den Verlagen auch erfolgreich beworben wird.

Der Fanotyp

Romanheft-Fans sind meist älteren Semesters, in phantastischen Gefilden eher männlicher Natur und nicht selten bekennende Sammler. Sie haben ebenso wenig Angst vor Dämonen wie vor einem eher mittelguten Schreibstil, und das Wichtigste, das sie aus Schultagen mit in ihr Leben genommen haben, ist die Fähigkeit, unter dem Tisch im neuen „Geisterjäger John Sinclair“ zu blättern, ohne dass der Rest des Raums es merkt.

Ihre Wohnzimmerregale sind mit lückenlosen Serienbeständen angefüllt – wobei die einzelnen Romanhefte natürlich fachmännisch in durchsichtigen Plastiktaschen gelagert werden –, und sie verbringen ihre Wochenenden gern auf staubigen Tauschbörsen, auf Flohmärkten und in provinzaffinen Mehrzweckhallen und Gemeindesälen, wo sie Cons abhalten. Aber Vorsicht: Ihre Cons tragen den männlichen Artikel!

Dinner for Fan

Das Kultgericht für Heftromanleser existiert genauso wenig wie es den typischen Professor-Zamorra-Antagonisten oder das typische Perry-Rhodan-Raumschiff gibt. Vielfalt regiert, auch außerhalb der Romanseiten. Da die Freunde des phantastischen Groschenhefts aber versierte Leseratten sind, bietet sich hier allerdings Fingerfood der Sorte an, die man auch mühelos mit einer einzigen Hand genießen kann – während die andere weiterhin den Roman festhält, in dem man gerade liest. Dazu reicht der fürsorgliche Gastgeber, was immer man in alten schottischen Spukschlössern, in den nebelumwobenen Spelunken an der Themse oder in tiefsten Weltraumtiefen eben so trinkt.

Sag, was du willst, aber …

„Ad Astra“, „Vorsicht, Nici, der Vampir!“, „Reich mir mal mein Kreuz, Suko.“ – Die Liste der Sätze, die in den unheimlichen und unendlichen Heftromanweiten des Öfteren fallen, ist lang. Dennoch sucht man vergebens nach klassischen Catchphrases oder Floskeln, die auch ohne dazu gedrucktes Serienlogo auf einem Fanshirt o.ä. verstanden würden. Ein Perry Rhodan mag mehr Welten besucht haben als alle seine Raumfahrtkollegen zusammen, ein „Beam me up, Scotty“ hat er deswegen aber noch lange nicht nötig.

Bloß nicht nachmachen!

Leseratten sind in aller Regel genügsam. Jedenfalls, so lange man sie nicht in bei der Lektüre stört. Will man sich um sie kümmern, genügt es, in regelmäßigen Abständen Kekse und Kaffee nachzuschenken – lautlos, versteht sich. Will man sie allerdings reizen … Nun ja. Da gäbe es durchaus Möglichkeiten.

  1. Bezeichnen Sie ihre Lieblingslektüre als Schund. Sagen Sie, was keine zwei Euro koste, könne ja gar nicht wertvoll sein.

  2. Fragen Sie sie, ob Jason Dark nicht einer der Beatles gewesen sei.

  3. Helfen Sie ihnen beim Hausputz, und geben Sie die Kisten voller Heftromane ungefragt ins Altpapier. Geben Sie sich verwundert, wenn Ihr Gastgeber Sie dafür ausschimpft. („Was denn? Wegen dem alten Zeug?“)

     

     

 

--

Das Phantastische wird immer populärer, doch längst nicht jeder Normalsterbliche weiß, wie wir Fans unendlicher Weiten und Co. so ticken. Länder, Jedi, Abenteuer will da Abhilfe schaffen und bietet einen ebenso liebe- wie humorvollen Einblick in schillernde Subkulturen und die Charaktere hinter dem Cosplay.

Share:   Facebook