John Scalzi – Fünf Bücher, an die ich gedacht habe, während ich Das Imperium der Ströme schrieb

© Athena Scalzi / OpenClipart-Vectors - pixabay

BUCH

John Scalzi – Fünf Bücher, an die ich gedacht habe, während ich "Kollaps" schrieb


Mit »Kollaps – Das Imperium der Ströme« legt der US-amerikanische Bestsellerautor John Scalzi den Auftakt einer neuen epischen Space-Opera-Serie vor. Hier erzählt der Autor, welche Romane ihn zu diesem Buch inspiriert haben.

Nun habe ich also eine neue Space-Opera-Serie auf den Weg gebracht, Das Imperium der Ströme, die mit dem Buch Kollaps beginnt und in der es – wie der Titel geschickt andeutet – um ein Imperium aus Planeten und Habitaten geht, das kurz vor dem möglichen Kollaps steht.

Wenn ich sage, dass die Serie »neu« ist, meine ich damit, dass es eine Geschichte ist, die noch nie zuvor erzählt wurde und deren Figuren Sie bislang noch nicht begegnet sind. Aber wie so viele andere kreative Werke hat auch Das Imperium der Ströme ein paar ganz klare Vorgänger in der Literatur – Bücher, die mich inspiriert haben, während ich mein Werk schrieb, und Autoren, von denen ich mir fröhlich und munter Dinge geborgt habe, um mein eigenes neues Universum zu bauen.

Welche Bücher und Autoren? Hier sind fünf davon.

Dune (Der Wüstenplanet) von Frank Herbert

Ja, klar, schreiben Sie doch mal einen Science-Fiction-Roman über eine Kultur mit wirtschaftlich bedeutenden Adelsfamilien und einer Dynastie von Imperatoren an der Spitze, ohne an Dune zu denken. Mal sehen, wie weit Sie damit kommen! Statt zu versuchen, dem auszuweichen, beschloss ich, Dune als kreative Inspiration für Das Imperium der Ströme zu nutzen. Als ich mit dem Buch anfing, hatte ich sogar versucht, es in einer Art herberteskem Tonfall zu schreiben. Das … erwies sich dann als nicht so großartige Idee, obwohl ich dabei auf jeden Fall einige Dinge über mich als Schriftsteller gelernt habe. Die endgültige Version des Buches klingt nach mir, was eine gute Sache ist. Aber es war nützlich, mir anzuschauen, wie Frank Herbert viele der Themen bewältigt hat, die auch ich ausprobieren wollte, um zu erkennen, was ich ähnlich und was ich ganz anders machen würde.

Grass (Gras) von Sheri S. Tepper

Ich betrachte Teppers Grass als eine Meisterleistung in der Kunst, eine Welt (und ein Universum) zu bauen, die Dune gleichkommt, und als einen der größten unterschätzten Science-Fiction-Romane aller Zeiten. Außerdem tritt darin die großartige Heldin Marjorie Westriding Yraier auf, die gegen eine fest etablierte hierarchische Gesellschaft kämpft (sogar mehr als nur eine!), um gleichzeitig einer rätselhaften Seuche auf den Grund zu gehen und ihre eigene Familie zu retten. Es lässt sich mit Fug und Recht behaupten, dass Marjorie die Patin im Geiste einer Protagonistin von Das Imperium der Ströme ist, als eine Person, die weitermacht und nicht locker lässt, und zwar nicht ungeachtet, sondern trotz der Kosten.

The Goblin Emperor (Der Winterkaiser) von Katherine Addison

Eine der Hauptfiguren von Das Imperium der Ströme ist eine Imperatox (das ist eine geschlechtsneutrale Bezeichnung für das aristokratische Oberhaupt eines Imperiums), die eher durch Zufall in diese Position gerät – ganz ähnlich wie der Kaiser in Katherine Addisons wunderbarem, charmantem und täuschend sanftmütigem Roman (nur dass er eigentlich überhaupt nicht sanftmütig ist). Addison bringt es zustande, ihren Kaiser allmählich dazulernen zu lassen, obwohl es viele Leute gibt, die ihn sich gefügig machen oder ihn im Hintergrund halten wollen (oder ihn nach Möglichkeit »aus dem Weg« schaffen wollen). Im Grunde habe ich eine ganze Menge bei Addison geklaut, und ohne jede Scham würde ich sagen, wenn sich ihr Maia und meine Cardenia jemals treffen würden, hätten sie sich sehr viel zu erzählen.

 

 

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The Hydrogen Sonata (Die Wasserstoffsonate) von Iain M. Banks

Ich führe dieses Buch an, weil es das letzte von Banks ist, das ich gelesen habe, aber ehrlich gesagt könnte ich hier jeden Band seiner Kultur-Serie nennen. Sein Universum ist so gewaltig, umfassend und intelligent, dass ich nicht einmal neidisch auf seine Kunstfertigkeit sein kann, sondern mich einfach nur zurücklehne und es genieße. Die Interdependenz des Imperiums der Ströme könnte etwas sein, das sich in einer abgelegenen Nische der Kultur befindet (die sie zweifellos als niedlich und kurios betrachten würde). Nichtsdestotrotz habe ich sehr viele meiner Entwürfe für Planetensysteme und Habitate aus seinen Büchern übernommen und mit den Namen meiner Raumschiffe eine kleine Hommage an Banks hineingeschmuggelt.

Old Man’s War (Krieg der Klone) von John Scalzi

Was, dieser alte Schinken? Ja, schon gut, aber lassen Sie mich ausreden: Wenn Sie ein Schriftsteller sind, der bereits eine etablierte Space-Opera-Serie herausgebracht hat, besteht bei einer neuen Serie dieser Art die Möglichkeit, wenn nicht sogar die reale Gefahr oder zumindest die Sorge, dass man sich in irgendeiner offensichtlichen Weise wiederholt, die den Lesern den Spaß an diesem neuen Universum verdirbt. Also habe ich, bevor ich Das Imperium der Ströme schrieb, unter anderem noch einmal die Krieg der Klone-Serie gelesen, um sie gut genug im Kopf zu haben, damit ich einen Aufguss wichtiger Themen oder Technologien vermeiden kann (zumindest bis zu einem gewissen Grad … ich meine, auch in der neuen Serie gibt es Raumschiffe). Infolgedessen glaube ich, dass Imperium gut das Gleichgewicht hält zwischen dem, was die Leser an mir als SF-Autor mögen, und coolen neuen Sachen, die ihnen einen Anreiz geben, dieses neue Universum zu erkunden, das ich für sie geschaffen habe. Habe ich damit recht? Wir werden sehen!


Deutsch von Bernhard Kempen


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»Five Books I Was Thinking Of When I Wrote The Collapsing Empire«

Erstmals erschienen am 28. März 2017 auf tor.com

© 2017 by John Scalzi

Mit freundlicher Genehmigung des Autors und seines Agenten Ethan Ellenberg

Vermittelt durch die literarische Agentur Thomas Gmbh, Garbsen

 

Für die deutschsprachige Ausgabe: © 2017 by S. Fischer Verlag GmbH, Hedderichstr. 114, D-60596 Frankfurt am Main

 

Alle Rechte vorbehalten

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