Steckbrief: Seth Dickinson

INTERVIEW

Seth Dickinson: Über den Geschmack von rohem Rhabarbar


Auch wenn wir nicht mehr 12 Jahre alt sind, lieben wir immer noch Steckbriefe. Insbesondere, wenn wir euch damit unsere Lieblingsautoren vorstellen können. Heute überlassen wir Seth Dickinson, Autor von "Die Verräterin", das Wort.

 

Wenn ich mir einen Namen aussuchen könnte, wäre es:

Seth Dickinson! Außer an Halloween, da nenne ich mich Deth Sickinson.

Meine Lieblingsband:

Es gab einige Bands, die mich im Laufe meines Lebens stark geprägt haben: Apocalyptica, Achive, Leonard Cohen, peinlicher Weise eine Unmenge an Soundtracks, Janelle Monae, Chloe Howl … Da kann ich mich echt nicht entscheiden. 

Mein Lieblingsbuch

Was für eine fiese Frage! Im Moment würde ich behaupten wollen, dass mir Hilary Mantels Wölfe besonders viel im Kopf rumgehen. Aber es würde mich sehr traurig machen, wenn es für immer dabei bleiben sollte.

Mein Lieblingsfilm:

Ich würde sagen, es ist Children of Men.

Mein Lieblingsessen

Eine Zeitlang war ich total süchtig nach rohem Rhabarbar. Der Geschmack war so intensiv, dass ich schon nach kurzer Zeit nichts anderes mehr wirklich schmecken konnte. Ich brauchte immer mehr von dem Z eug, um meine Geschmacksknospen zu aktiveren. Das war eine düstere Phase meines Lebens.

Ich bin ein Experte für …

… die Untergrabung des menschlichen Geistes, denn ich weiß eine Menge über die geheimen Prozesse, die dein Verhalten beeinflussen. Außerdem kenne ich mich ganz gut mit dem obskursten Science-Fiction-Meisterwerk in der Spielebranche FreeSpace 2 von 1999 aus.

Wenn ich kein Schriftsteller wäre, wäre ich:

Ein schrecklich überarbeiteter Gamedesigner.

Wenn ich ein Tier wäre, wäre ich:

Ein  Kakadu. Und auch kein besonders cleverer.

Wenn ich eine Zahl wäre, wäre ich:

Total gerne eine faszinierende unendliche Zahl wie e, so dass einfach ständig jemand an mich denken würde. Aber wahrscheinlich wäre ich tatsächlich eher eine 2. Denn sosehr ich auch die Gesellschaft von Einzelpersonen mag, sosehr strengen mich Gruppenveranstaltungen an. 

Drei Dinge, die ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde:

Immer versuchen alle bei diesen Fragen zu betrügen: “O, ich würde ein Wasserflugzeug, ein Satellitentelefon und ein Jetpack mitnehmen.” Aber ich finde, dass man die implizite Logik in dieser Frage – dass man für den Rest seines Lebens auf der Insel gefangen sein wird – nicht so einfach übergehen darf. Daher würde ich Folgendes mitnehmen: Ein Werkzeug, um an Essen und frisches Wasser bspw. aus Kokosnüssen zu kommen, einen Survival Guide speziell für einsame Inseln und eine Selbstmordausrüstung.

Das Unnötigste, was ich je gekauft habe:

Hm, ich würde sagen: ein Schwangerschaftstest. Den wollten sie mir bei einem Krankenhausaufenthalt aufzwängen. Aber leider habe ich keinen Uterus. Dennoch: Ich habe für die Leistung im Krankenhaus bezahlt, also wohl auch für diesen absurden Schwangerschaftstest.

Das Merkwürdigste, was mir je passiert ist:

Als ich auf dem College war, hatte ich diese abwegige Wunschvorstellung davon, so ein sexy Kerl mit Waschbrettbauch und heißem Körper zu sein. Daher habe ich jede Menge Crunches am Gerät gemacht, hrrgh, der Schmerz tut so gut, so viel Gewicht, das die Bauchmuskeln verkürzt, hrrrgh, ja, der Schmerz tut so gut, hrrrgh,  aber ganz ehrlich – das ist echt richtig unangenehm.

Nach dem Workout tat mir alles unglaublich weh. Und je später es am Tag wurde, desto schlimmer wurde es und der Schmerz konzentrierte sich auf die Gegend … rund um meinen Blinddarm! Natürlich ist mir das erst um ein Uhr nachts bewusst geworden und plötzlich saß ich kerzengerade im Bett und schrie: “Ich habe so viele Crunches gemacht, dass mein Blinddarm geplatzt ist!”

Ein Freund hat mich in die Notaufnahme gefahren und sich freundlicherweise zwei Stunden lang die guten Neuigkeiten über Jesus von der Frau, die neben uns saß, geduldig angehört. Zu diesem Zeitpunkt war mein Blinddarm stark entzündet. Man hat mich aus meinen Klamotten geschält und mir das obligatorische Krankenhaushemdchen übergestülpt. Anschließend wurde ich in einem Rollstuhl zum PET-Scan geschoben – für den ich mir vier große rote Plastikbecher mit leicht radioaktivem Wasser einverleiben durfte.

Der PET-Scan bestätigte, dass ich operiert werden musste. Als ich so wartend da lag, sickert nach und nach die Flüssigkeit aus den vier großen roten Plastikbechern in meine Blase. Die natürlich anschwoll. Und ordentlich gegen meinen entzündeten Blinddarm drückte. Und ich wusste sofort, dass ich in großen Schwierigkeiten steckte. “Pfleger!”, rief ich. “Wo geht’s hier zum nächsten Klo?” Er zeigte auf eine Tür am anderen Ende des Raumes.

Also hievte ich mich hoch, suchte Halt an meinem Infusionsständer wie ein pathetischer Krankenhauszauberer und stapfte zum anderen Ende des Raumes während sich in mir Blase und Blinddarm einen dreckigen Wrestle-Kampf lieferten. Aber ich habe es bis zum WC geschafft und vier Becher radioaktiven Wassers warteten darauf, endlich wieder in die Freiheit zu gelangen.

Also habe ich versucht zu tun, was man halt so macht, um zu pinkeln – bis zu diesem Zeitpunkt habe ich noch nie so genau darüber nachgedacht. Doch das Vorhaben drohte in einer absoluten Katastrophe zu enden. Ich weiß nicht, ob mein Blinddarm meine Blase so in die Enge getrieben hatte, dass sie dadurch zugedrückt wurde, oder ob meine innere Stimme ihr Veto eingelegt hat, weil sie vermutete, dass das Urinieren zu gefährlich sei, aber alles was aus mir herauskam, war ein jämmerlicher Schrei und eine Woge des schlimmst vorstellbaren, Übelkeit erregenden Schmerzes, den man sich vorstellen kann. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass sowohl meine Blase als auch mein Blinddarm explodieren – und ein heilloses septisches Chaos hinterlassen – würden, sobald ich auch nur ansatzweise versuchen würde zu pinkeln.

Also tat ich das tapferste, was ich je getan habe:

Keuchend und stöhnend stapfte ich zurück in den Flur und hielt einen Pfleger an: “Was kann ich für sie tun?

“Sie müssen mich katheterisieren, schnell”, antwortete ich.

Er starrte mich an als hätte ich ihn darum gebeten, mich zu erschießen. “Sie wollen freiwillig, dass ich Ihnen einen Katheter lege? “

“Ja, verdammt!”, schrie ich. “Ich brauche eine Leitung durch meinen Penis, und ich brauche sie JETZT!”  Und so wurde mir ein Katheter gelegt. Ein sehr seltsames Gefühl. 

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