Fünf Bücher, die uns das Warten auf den neuen ES Kinofilm verkürzen

© Warner Bros.

BUCH

Fünf Bücher, die uns das Warten auf den neuen ES Kinofilm verkürzen


Stephen Kings ES kehrt im Herbst auf die große Kinoleinwand zurück. Mit diesen fünf Horror-Büchern für schlaflose Nächte voller wohligster Schrecken könnt ihr die Wartezeit bis zum Filmstart von ES überbrücken.

Der Trailer zu ES ist schon mal viel versprechend. Endlich ein neuer Clown im Gulli! Doch wie viel Stoff von True-Detective-Regisseur Cary Fukunaga steckt nach seinem Absprung noch in dem Werk? Wie wird sich Bill Skarsgård als Pennywise machen? Was kann Andrés Muschietti aus dem Stoff von Stephen King herausholen? Und: Wie die Zeit bis zum 28. September 2017 totschlagen? Zumindest auf die letzte Frage gibt es einige einfache Antworten.

Ein paar Nächte würde die Lektüre von Kings ES selbst rumbringen. Aber selbst mit den über tausend Seiten des Romans von 1986 lässt sich so eben nur ein Bruchteil der Zeit bis zum Kinostart überbrücken. Allerdings bietet die Horrorliteratur zum Glück einige Bücher von ähnlichem Grauen. Fünf Vorschläge für schlaflose Nächte und Albträume voller wohligster Schrecken. Alles hier unten fliegt, versprochen. 

Ray Bradbury – Das Böse kommt auf leisen Sohlen  bei Amazon bestellen
John Ajvide Lindqvist – So finster die Nacht  bei Amazon bestellen
Graham Joyce – Gefährtin der Nacht bei Amazon bestellen

Ray Bradbury – Das Böse kommt auf leisen Sohlen

Mondfarbene Bürgersteige und der süße Duft des Herbstlaubs: Bevor Stephen King seine Leser in die typische amerikanische Kleinstadt entführte, gab es Ray Bradbury. Kaum ein Autor wie der 2012 verstorbene Bradbury verstand es so, seine Phantastik mit Melancholie und Vergänglichkeit anzureichern. Eines Nachts schlägt in Das Böse kommt auf leisen Sohlen ein Jahrmarkt in einer Stadt in Illinois auf. Es soll in jener Woche sein, in der die beiden Jungen William Halloway und James Nightshade „über Nacht erwachsen wurden, in der das Jungsein ihnen entglitt.“

Nicht nur das unheimliche Treiben der Akrobaten und der Zoodirektoren sorgt dafür, dass sich das Böse langsam in die kleine Stadt schleicht. Denn mitten auf dem Jahrmarkt steht ein Karussell und mit jeder Umdrehung ändert sich das Alter des Fahrgastes – je nach Richtung wird er älter oder jünger. Doch wer die Fahrt wagt, muss dafür einen hohen Preis bezahlen. Bradbury schreibt in Das Böse kommt auf leisen Sohlen von der eigenen Sterblichkeit des Menschen und der Flüchtigkeit der Zeit. Und das in einer einfach wunderschönen und klaren Sprache. In jeder Nacht in diesem Buch kann alles passieren und die Unendlichkeit scheint greifbar. Wer in den letzten Tagen des Altweibersommers diese komisch glückselige Traurigkeit verspürt, in diesem Buch ist sie auf über 270 Seiten eingefangen.

Mats Strandberg – Die Überfahrt

Unheimliche Häuser kennt die Horrorliteratur zur Genüge. Autor Mats Strandberg legt in seinem Roman Die Überfahrt mit der Ostseefähre Baltic Charisma ab. Das Schiff hat die besten Jahre zwar hinter sich, die Charaktere freuen sich jedoch trotzdem auf ihren Aufenthalt. Sie suchen Entspannung und ein bisschen Dekadenz – und finden ihren Albtraum. Denn unter die Passagiere haben sich eine Mutter und ihr Kind gemischt, die einen unmenschlichen Hunger stillen müssen. Und der beste Sattmacher der Horrorliteratur bleibt nun einmal, richtig, menschliches Blut.

Wie King in ES ein Panoptikum aus verschiedenen Figuren entwirft, springt auch Strandberg munter in den Perspektiven. Mal gibt es die Geschehnisse aus dem Blick des alternden Schlagerstars Dan Appelgren, mal aus der Perspektive des Jugendlichen Albin und seiner gleichalten Cousine Lo. So zersplittern die Eindrücke der Baltic Charisma, deren bröckelnder Luxus sie schon fast zum Geisterschiff macht. Manchmal zieht Standberg die Perspektive jedoch direkt auf das Schiff, in kurzen Kapiteln gleitet der Leser so durch die verschiedenen Etagen des Giganten, und alleine diese Gleichzeitigkeit der Dinge sorgt für ein Unbehagen. Der schwedische Autor lässt das Grauen auf den ersten hundert Seiten ganz gemächlich aufkommen, die Charaktere treiben die Geschichte voran und wollen alle ihre Einleitung bekommen. Spätestens auf den letzten Seiten schwankt nicht nur die Baltic Charisma, sondern auch der Boden unter den Füßen des Lesers.

Lauren Beukes – Broken Monsters

Neben Pennywise und dem Klub der Verlierer prägte vor allem der Zeitgeist der Achtzigerjahre ES. In die heutige Lektüre mischt sich stets ein Hauch von Nostalgie für die Zeit, als Poltergeist in die Kinos kam und Ronald Reagan US-Präsident war. Doch wer fängt dieses Gefühl für das 21. Jahrhundert in der Horrorliteratur ein? Die südafrikanische Autorin Lauren Beukes mit Broken Monsters. Auf der Rasierklinge zwischen Horror und Thriller angelegt, spielt der Roman in Detroit, jener Stadt der Vereinigten Staaten, wo ungebremster Kapitalismus und Neoliberalismus die deutlichsten Spuren hinterlassen haben. Verfallene Gebäude und der Kampf ums Überleben geben hier den Rahmen für die Geschichte.

Detective Gabriella Versado ist schlimme Anblicke von Berufs wegen gewöhnt, doch diese Leiche hinterlässt selbst bei ihr Eindruck: Jemand hat die Hälfte eines Jugendlichens mit der Hälfte eines Rehs zusammengenäht. Während sie an dem Fall arbeitet, taucht ihre Tochter Layla mehr und mehr in ein gefährliches Spiel aus Internet und Subkultur ab. Am Ende fügen sich die verschiedenen Handlungsstränge zusammen und das Märchenhafte dieser Geschichte schimmert unheilvoll über den letzten Sätzen dieses herausragenden Buchs. Mehr Wahnsinn kann selbst Pennywise kaum kreieren.

John Ajvide Lindqvist – So finster die Nacht

Die vielleicht schönste Liebesgeschichte schrieb der schwedische Autor John Ajvide Lindqvist mit So finster die Nacht. Darin verliebt sich der zwölfjährige Oskar in die auf den ersten Blick gleichaltrige Eli, die mit einem Mann nebenan in dem Mehrparteienhaus eingezogen ist. Das Problem: Eli ist kein Mädchen, lebt schon zwei Jahrhunderte auf der Erde und braucht regelmäßig Menschenblut. Statt einer Romanze hat Lindqvist seinen Roman von 2004 jedoch als Coming-Of-Age-Drama in einer Horrorgeschichte angelegt. Als Themen finden sich Mobbing, Anderssein, Depressionen, Alkoholismus und Selbstmord in diesem Buch wieder. Lindqvist findet dafür starke und eindrückliche Bilder in klaren Sätzen.

Mit nur wenigen Eindrücken eröffnet sich ein Panorama des Lebens in einer schwedischen Kleinstadt, in der die Tristesse nachts durch die Straßen kriecht. Bekommt Dich nicht das Monster unter Brücke, kriegen Dich diese Eindrücke schon klein. Und auch wenn Oskar und Eli nicht die klassischen Helden sind und ihre Abgründe haben, schließt der Leser sie sofort ins Herz. Das mag sich abgedroschen lesen, aber kaum ein Autor versteht es so wie Lindqvist seine Charaktere lebendig und menschlich darzustellen – das schafft neben ihm nur King. Der Klub der Verlierer aus ES hätte sich sicher gut mit Oskar und Eli verstanden.

Graham Joyce – Gefährtin der Nacht

Der Hochsommer drückt auf die Landschaft. Clive, Terry und Sam liegen am grünen Teich, vertreiben sich die Zeit, wie sie sich nur Jugendliche vertreiben können. Dann beißt ein Hecht zwei Zehen von Terrys Fuß ab. Es ist der Eindruck, der sich auf die restlichen Monate legen wird, auf dem Weg zum Erwachsenwerden geht ein essentieller Teil verloren. Der britische Autor Graham Joyce wurde zu Lebzeiten gerne als einer der anspruchsvollsten und leisesten Horrorautoren bezeichnet. Wer wissen will, weshalb, muss zu Gefährtin der Nacht greifen. Denn, kein Witz, die Rolle des Monsters übernimmt hier die Zahnfee. Allerdings ist sie weder besonders freundlich noch besonders niedlich. Stattdessen zeigt sie sich Sam oft in den unpassendsten Momenten mit seelenlosen Augen und ekelerregend langen Fingern. Und sie steht hier klar für mehr als nur ein Monster.

Joyce vermischte für diese Geschichte die populäre Legende von der Zahnfee mit den alten irischen Mythen und Märchen von Elfen. Doch neben der Zahnfee hat Sam noch ganz andere Probleme, denn seine Freundschaften zu Clive und Terry sind nicht nur einmal kurz vorm Zerbrechen. Das Leben und die Verpflichtungen zerren an ihnen, die trüben Umstände des Daseins. Wie schon in ES verdichten sich die Dinge in den Beziehungen der Figuren. Die Atmosphäre ließ Joyce stets unheilschwanger und immer liegt über allem dieses Wissen um Vergänglichkeit, um diesen letzten Sommer, in denen die Freunde noch beisammen sind. Der Horror kommt auf leisen Sohlen. Wer danach den großen Knall sucht, muss zu ES greifen. Das Nachtlicht muss nach dem Lesen von Die Gefährtin der Nacht aber trotzdem beim Schlafen brennen. 

Share:   Facebook