Jennifer Strange: Skurrile Fantasy von Jasper Fforde

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Jennifer Strange: Skurrile Fantasy von Jasper Fforde


Jasper Fforde („Thursday Next“) präsentiert mit Jennifer Strange eine weitere Heldin, die skurrile Fantasy-Abenteuer in einer magische Parallelwelt bestehen muss. Auf Deutsch ist gerade der dritte Roman der Trilogie erschienen, die keine bleiben wird.

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Vor einigen Jahren sorgte der britische Autor Jasper Fforde mit seinen in vielerlei Hinsicht meta-literarischen Parallelwelt-Romanen um die ‚Literaturagentin’ Thursday Next für Furore und Begeisterung, die sich keineswegs auf Fantasy-Stammleser beschränkte.

Leider wurde der siebte Band der Serie, der bereits 2012 auf Englisch herauskam, nie auf Deutsch veröffentlicht, was Fans bis heute mit Unverständnis und Groll erfüllen dürfte. Immerhin schaffte es Mr. Ffordes nachfolgende Buchreihe um seine neue Protagonistin Jennifer Strange bei One wieder auf den deutschen Markt.

Fantastische, schräge und anachronistischen Parallelwelten

Der Auftaktband „Die letzte Drachentöterin“, die Fortsetzung „Das Lied des Quarktiers“ und der frisch erschienene Roman „Das Auge des Zoltars“ sind in einer fantastischen Parallelwelt angesiedelt, genauer gesagt in den dortigen Ununited Kingdoms, einer schrägen, kleinteiligen und anachronistischen alternativen Version der britischen Inseln.

Dort muss die fünfzehnjährige Waise Jennifer ihre obligatorischen Sklavenjahre im Dienste der Kazam-Zauberagentur ableisten, die sie nach dem Verschwinden des Chefzauberers sogar weitgehend alleine leitet – und das in einer Welt, in der es kaum noch Magie gibt und die Zauberei von Unberechenbarkeit, Auflagen und Bürokratie geprägt ist.

Nachdem Jennifer im ersten Band dennoch die letzten Drachen rettete und dabei einen Sturm aus Medienrummel und Intrigen überstehen musste, reiste sie im zweiten Band ins Land der Trolle, die ständig Krieg gegen die Menschen führen; zudem trat sie mit Kazam in einem schicksalhaften, vom fiesen König Snodd manipulierten Wettstreit der Zauberagenturen an und erfuhr alles über das erstaunliche Quarktier an ihrer Seite, eine putzige Kreuzung aus einer Rasiermesserfabrik und einem Velociraptor.

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Im dritten Band muss Jennifer sich für das Wohl der Drachen nun auf die Suche nach einem mächtigen Artefakt begeben. Diese Suche – würde man sie als Quest bezeichnen, müsste man das entsprechende Ministerium informieren, und darauf können alle Beteiligten verzichten – führt Miss Strange und eine Schar alter und neuer Gefährten ins brandgefährliche Cambrische Reich.

Das ist selbst für Fforde’sche Verhältnisse bzw. nach den großzügigen Maßstäben der Ununited Kingdoms vollkommen plemplem, doch genau das macht es ja zu so einer gewaltigen Attraktion.

Viele der Risikotouristen, die dorthin reisen, gehen davon aus, in diesem von Warlords, Entführern, Dinosauriern und fleischfressenden Schnecken beherrschten Land den Löffel abzugeben, und sind das nicht aufregende Aussichten für einen mörderisch guten Urlaub? Unsere leidgeplagte Heldin hätte es lieber etwas ruhiger, zumal sie noch Verantwortung für eine verwöhnte Prinzessin inkognito übernehmen muss ...

Geflügelte Leviathane im leergefressenen Wolkenmeer

Die vielen Hürden, die Jennifer und Co. in den Büchern überwinden müssen, machen jede Menge Spaß, obgleich die Dinge am Ende gerne etwas zu glatt laufen und sich eigentlich immer zum Guten wenden. Dem 1961 geborenen Jasper Fforde, der vor seiner Autorenkarriere als Kamera-Assistent u. a. an „James Bond: GoldenEye“ mitgewirkt hat und mit seiner Familie in Wales lebt, gelingt es außerdem, jeden Band ausgesprochen neuleserfreundlich zu gestalten.

Theoretisch kann man auch mit Buch zwei oder drei problemlos einsteigen. Dann merkt man jedoch nicht, wie sich zwischen „Das Lied des Quarktiers“ und „Das Auge des Zoltars“ die Ausrichtung wandelt und die All-Age-Aspekte deutlich zurückgefahren werden, während es um geflügelte Leviathane im leergefressenen Wolkenmeer, magische Drohnen im Frack, verrückte Aktiengeschäfte, einen Drecksack mit Backpack und vieles mehr geht. Gleichzeitig wird es immer abgedrehter, was das Setting angeht.

Himmlisch schräge und skurrile Romane

Wo in Sachen Funny Fantasy sonst sofort Vergleiche zu Terry Pratchett oder Douglas Adams gezogen werden, sucht man entsprechende Marketing-Sprüche auf den drei deutschen Bänden kurioserweise vergebens – und das, obwohl es ausnahmsweise mal passen würde.

Denn Ffordes himmlisch schräge und skurrile Romane sind wirklich Fantasy, die wie gemacht scheint für alle Fans von Douglas Adams, wohingegen die lustigen Wohlfühl-Momente und Genre-Metaphern zwischendurch in Ffordes besten Momenten durchaus an Sir Terry erinnern (im dritten Band gibt’s allerdings keine Fußnoten mehr).

Selbst die strukturelle Entwicklung und unerwartete Ausdehnung der Serie geht in Richtung Douglas Adams, dessen „Per Anhalter durch die Galaxis“ eine ‚Trilogie in fünf Bänden’ darstellt: Obzwar Jennifers Abenteuer ursprünglich als Trilogie geplant waren, leitet Ffordes unterhaltsamer dritter Teil „Das Auge des Zoltars“ auf den letzten Seiten völlig unverfroren den vierten Band der Serie ein, der im englischsprachigen Original für Anfang 2018 angekündigt ist.

Hoffentlich bekommen wir ihn auch auf Deutsch zu Gesicht – und hoffentlich spielt das famose Quarktier, das im aktuellen Roman ein bisschen zu kurz kommt, dann wieder eine größere Rolle ...

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