Science-Fiction für Einsteiger – vom Padawan zum Meister in 5 Büchern

BUCH

Science-Fiction-Bücher für Einsteiger: Vom Padawan zum Meister in 5 Büchern


Ins literarische Science-Fiction-Genre einzusteigen, muss nicht kompliziert sein. Neben Klassikern wie „Die Zeitmaschine“, „1984“ oder „Blade Runner“ gibt es auch neue Science-Fiction-Bücher, mit denen du die fantastische Reise vom Padawan zum Meister antreten kannst.

Natürlich kann man zum Einstieg in die Science-Fiction-Literatur ein paar der großen Klassiker lesen. Mit „Die Zeitmaschine“ von H. G. Wells, „1984“ von George Orwell, „Blumen für Algernon“ von Daniel Keyes, „Blade Runner“ von Philip K. Dick, „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams, „Vaterland“ von Robert Harris, „Der ewige Krieg“ von Joe Haldeman, „Neuromancer“ von William Gibson, „Freie Geister“ von Ursula K. Le Guin und den Erzählungen von Autoren wie J. G. Ballard oder Harlan Ellison macht man garantiert nichts falsch, kann man sich nach und nach das ganze Gebiet zwischen Dystopie, Cyberpunk, Alternativwelt und Military-SF sozusagen genrehistorisch erschließen. Doch man kann genauso gut auch abseits der Klassiker mit fünf aktuelleren Werken die Reise vom Kadetten zum Admiral bzw. vom Padawan zum Meister antreten ... 

Der Marsianer von Andy Weir bei Amazon bestellen
Little Brother von Cory Doctorow bei Amazon bestellen
Die Straße von Cormac McCarthy bei Amazon bestellen

Hard-SF - Andy Weir: Der Marsianer

Von Hard SF – harter Science-Fiction – ist immer dann die Rede, wenn viele wissenschaftliche und physikalische Fakten Teil des Konzepts sind und für die Handlung eine wichtige Rolle spielen. Wie unterhaltsam, witzig und obendrein mainstreamtauglich die Informationsflut sein kann, bewies in den letzten Jahren kaum jemand so eindrucksvoll wie Andy Weir mit seiner Weltraum-Robinsonade Der Marsianer. Darin strandet der Astronaut Mark Watney auf dem Roten Planeten und muss einen auf MacGyver machen, um überhaupt so lange durchzuhalten, dass eine Rettung in Frage kommt. Die Geschichte darüber, wie der Sympathieträger sich durch die Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit seiner extremen Situation denkt, bastelt und flucht und immer wieder von unvorhergesehenen Problemen im roten Staub zurückgeworfen wird, gehört zu den absoluten SF-Highlights jüngeren Datums.

Danach locken die gehaltvollen Romane von Hard-SF-Größen wie Kim Stanley Robinson, Alistair Reynolds, Neal Stephenson, Ben Bova, Robert Charles Wilson und Stephen Baxter.

Cyberpunk - Cory Doctorow: Little Brother

Cory Doctorow ist der große Versteher, Vordenker und Erklärer, wenn es um unser modernes Leben geht, in dem wiederum nichts ohne Smartphone, Computer, Internet und Social Media geht. Doctorows Roman Little Brother dürfte der wohl wichtigste Cyberpunk-Roman seiner Generation sein. Denn während Cyberpunk-Vater William Gibson und seine Mitstreiter in den 80ern den Grundstein für das Subgenre legten, das sich mit der Schnittstelle und der Verbindung von Mensch und Maschine befasst, betrachtet Doctorow die zeitgenössische Symbiose, die wir bereitwillig mit unseren technischen Geräten und allen Datenkraken eingehen. Sein Young-Adult-Roman Little Brother spricht die Generation Smartphone, Proxy, Facebook und Vorratsdatenspeicherung auf Augenhöhe an. Das unterhält bestens und bietet obendrein eine kritische Auseinandersetzung mit den Schattenseiten des Informationszeitalters, in dem Möglichkeit oft Missbrauch und Freiheit oft Kontrolle bedeutet. 

Neben der Fortsetzung Little Brother – Homeland und allen weiteren Romanen aus Mr. Doctorows Feder bieten sich als kunterbunte Cyberpunk-Folgelektüre Afterparty von Daryl Gregory, Moxyland von Lauren Beukes und Company Town von Madeline Ashby an.

Space Opera - James S. A. Corey: The Expanse

Zusammen nutzen die Autoren Daniel Abraham und Ty Franck – beide übrigens gute Freunde von George R. R. Martin – das Pseudonym James S. A. Corey, und ihre Weltraum-Seifenoper „The Expanse“ gehört derzeit zum Angesagtesten und Heißesten, was die Science-Fiction zu bieten hat. Schon die ersten beiden Romane der Serie – Leviathan erwacht und Calibans Krieg – folgen einer coolen Raumschiff-Crew, politischen Intrigen zwischen Erde und Mars, einer fremdartigen außerirdischen Macht, einer marsianischen Soldatin in fetter Kampfrüstung sowie einem Cop auf einer der vielen Asteroiden-Raumstationen im besiedelten All. Der Mix aus Space Opera, Polit-Thriller, Biopunk-Horror, Military-SF und Hardboiled-Krimi packt einen schnell und macht die dicken Bücher ungemein abwechslungsreich, zumal einem viele der Figuren schnell ans Herz wachsen und sich alles rasant entwickelt. „The Expanse“ bietet alles, was es an SF zu lieben gibt.

Ähnlich tickende, ebenso vielseitige wie unterhaltsame Weltraum-Seifenopern starten in Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten von Becky Chambers, in Ian McDonalds Luna und in John Scalzis Krieg der Klone.

Postapokalypse - Cormac McCarthy: Die Straße

Beim Stichwort Postapokalypse denkt man automatisch an Robert Kirkmans multimediales Phänomen The Walking Dead. Es müssen nach dem Ende der menschlichen Zivilisation aber nicht sofort Zombies und Mutanten sein. Für seinen rauen, melancholischen Ansatz in Die Straße hat Cormac McCarthy, der als waschechter Südstaaten-Schriftsteller sonst in den Bereichen Krimi und Western unterwegs ist, sogar den Pulitzer-Preis erhalten. Die Lektüre seines schlanken Meisterwerks, in dem Vater und Sohn eine graue, spröde, gefährliche neue Welt aus Asche und Hunger durchstreifen, geht garantiert nicht ohne Tränen von statten und hallt lange in einem nach. Nichts für depressive Tage! McCarthy kommt dabei, wie gesagt, ganz ohne Untote aus, obwohl die Überlebenden in seinem Ausnahmeroman längst in der Hölle gelandet sind und alle Mühe haben, sich ihren verblassenden Lebensfunken zu bewahren.

Weitere starke postapokalyptische Szenarien finden sich in Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte von Peter Heller, Silo von Hugh Howey, Das Ende aller Zeiten von Adrian J Walker oder Das Licht der letzten Tage von Emily St. John Mandel. Eine ganz andere Art von postapokalyptischer Literatur lockt in Oryx und Crake von Margaret Atwood oder in Schiffsdiebe von Paolo Bacigalupi.

New Weird - Jeff VanderMeer: Auslöschung

Wenn sich Science-Fiction, Fantasy und Horror treffen und die Genre-Grenzen mehr und mehr verwischen, kommen Begriffe wie „Weird Fiction“ oder „New Weird“ zum Einsatz. Einer der wichtigsten Vertreter der modernen Bewegung, die dennoch bis auf H. P. Lovecraft zurückgeführt werden kann, ist Jeff VanderMeer. Seine „Southern Reach“-Trilogie, die mit dem faszinierenden Roman Auslöschung beginnt, fungiert als Paradebeispiel dafür, was alles möglich wird, sobald die Schubladen sich in Rauch auflösen. Im grenzerweiternden Roman Auslöschung geht es um eine Expedition in das unheimliche, mysteriöse Habitat Area X, in dem die Natur am Rad dreht und das jeden, der es betritt oder berührt, unweigerlich verändert.

Wen Genre-Grenzen danach noch weniger als vorher kümmern, wird mit allen staunenswerten, sprachgewaltigen Geschichten von China Miéville, den krassen „Punktown“-Büchern von Jeffrey Thomas und mit Romanen wie Der Spalt von Peter Clines seine Freude haben.

Share:   Facebook