Interview mit Autor Joel Shepherd

INTERVIEW

Stereotype, so beängstigend und tödlich wie möglich: Joel Shepherd über "Die Androidin"


Science-Fiction-Autor Joel Shepherd ist für seine starken Figuren und actionreichen Handlungen bekannt. Mit "Die Androidin auf der Flucht" erscheint erstmals Band 1 seiner Cassandra-Kresnov-Reihe auf Deutsch. Wir haben ihm ein paar Fragen zu seinem neuen Roman gestellt.

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TOR ONLINE: Wenn du »Die Androidin – Auf der Flucht« in einem Satz zusammenfassen solltest – wie würde er lauten?

Joel Shepherd: Die gefährlichste Soldatin der gesamten Galaxie versucht ihrem Schicksal zu entfliehen.

Was hat dich dazu inspiriert, das High-tech Universum, in dem wir uns in den Cassandra-Kresnov-Romanen befinden, zu entwickeln?

Die Idee kam mir, als  ich »Ghost in a Shell« gelesen habe. Ich liebe diesen Manga einfach. Besonders interessant fand ich, dass die Figuren sehr viele Vorurteile gegenüber komplett künstlichen Androiden haben, während die Protagonisten selbst Cyborgs sind, also ein menschliches Gehirn haben, aber in einem synthetischen Körper stecken. Irgendwie hat mich die Idee gepackt, mich in eine komplett künstliche Person hineinzudenken, die genau mit diesem Vorurteil konfrontiert wird, und sie so beängstigend und tödlich zu machen wie es nur geht, so dass sie das Stereotyp sogar noch übertrifft.

Cassandra ist eine starke Androidin, fast vergleichbar mit Rachael, die in »Blade Runner« eine entscheidende Rolle spielt. Ist das reiner Zufall oder gibt es da einen Zusammenhang?

Nein eigentlich nicht. Zwar ist »Blade Runner« mein absoluter Lieblingsfilm, aber Rachael ist doch eine sehr passive Figur. Cassandra hingegen ist ganz anders und nimmt das Ruder in die Hand.

Was ist dir beim Schreiben von »Auf der Flucht« am schwersten gefallen? Was hat dich besonders herausgefordert?

Naja, es war nun mal der erste Roman, den ich veröffentlicht habe, von daher war alles schwierig und neu. Jetzt, viele Jahre später, ist es auch immer noch hart und braucht viel Kraft, aber ich habe in der Zwischenzeit eine Menge gelernt.

Und welche Szene oder welche Figur hat dir am meisten Spaß gemacht?

Ich glaube, das war die letzte Action-Szene. Aber ich will den großen Spoiler vermeiden. Da müsst ihr schon selbst reinlesen.

Wie gefallen dir die Cover der deutschen Ausgaben?

Ich finde sie großartig. Sie sind viel fotografischer als das, was ich bisher gewohnt bin, aber mir gefällt das sehr gut.

Du bist nicht nur in der Science Fiction unterwegs, sondern hast auch schon einige Fantasy-Romane geschrieben, zum Beispiel die Serie "The Trial of Blood and Steel". In welchem Genre fühlst du dich wohler, was schreibst du lieber: Science Fiction oder Fantasy?

So etwas wie „einfacher“ gibt es für mich in diesem Zusammenhang nicht. Allerdings sind meine Fantasy-Texte lyrischer, ich spiele mehr mit der Sprache. In meinen SF-Texten benutze ich oft kürzere Sätze, mehr Auslassungen und versuche auch sprachlich Tempo aufzubauen. Gerade im Technologiezeitalter und durch die sozialen Medien ändert sich die Sprache, hat Makel und wird roher als wir es von der Schriftsprache gewohnt sind. Ich versuche diese Entwicklung in meinen Romanen einzufangen.

Was hat dich dazu gebracht, Schriftsteller zu werden?

Ich habe schon immer gern geschrieben. Das ist etwas, in dem ich eben gut bin.

Was machst du, wenn du nicht gerade an einem Roman schreibst?

Dann denke ich darüber nach, was ich als Nächstes schreibe oder wie ich bestimmte Szenen etc. umsetzen kann.

Kannst du uns deine fünf Lieblingsbücher nennen?

Keine Chance, es gibt viel zu viele, als dass ich mich auf fünf beschränken könnte. 

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