Fantasy-Western

BUCH

„… und der Revolvermann folgte ihm“ – Das sind die fünf besten Fantasy-Western


Zwischen Fantasy und Western gibt es ein spannungsvolles Verhältnis, das wie gemacht dafür ist, interessante Mischformen zu produzieren. Fünf Bücher, die Fantasy und Western verbinden und dabei ganz unterschiedliche Schwerpunkte setzen. 

Fantasy und Western haben auf den ersten Blick nicht viel gemein. Das eine Genre spielt in einer fantastischen Anderswelt, das andere in einer historisch konkreten Epoche. Der Western kennt Feuerwaffen, die Fantasy normalerweise nicht usw. Die offensichtlichen Unterschiede ändern jedoch nichts daran, dass sie bei genauerem Hinsehen durchaus einige Gemeinsamkeiten zwischen Fantasy und Western finden lassen. Etwa die Lonely-Wolf-Figur mit fragwürdiger Moral, die in der heroischen Fantasy und im Italo-Western eine große Rolle spielt. Oder die Bedeutung der eher traditionellen Gesellschaften – Elben und Indianer –, die beide eng mit der Natur verbunden sind und von der dominanten weißen Zivilisation ausgebeutet oder bekämpft werden.

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Der Dunkle Turm von Stephen King

Das große Werk des Horror-Meisters ist sicherlich mehr als ein Fantasy-Western. Doch bereits der fast schon legendäre erste Satz zeigt den Western-Charakter: „Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.“ Für seinen Revolvermann ließ sich King nach eigenem Bekunden von Sergio Leones „Zwei glorreiche Halunken“ inspirieren, der unter anderem lange Wüstenszenen enthält. Doch auch Tolkien stand Pate für Der Dunkle Turm und es finden sich zu Hauf Verweise auf andere Fantasy-Werke wie die Scheibenwelt und Harry Potter.

Acht Romane sind bereits erschienen, die den Kampf von Revolvermann Roland und seinen Schicksalsgefährten gegen den Scharlachroten König schildern, der über die Zukunft des Multiversums entscheidet. Wem diese Auseinandersetzung zu episch ist, der kann immer noch darauf hoffen, dass die Verfilmung und Umsetzung als Serie gelingen.

Blutklingen von Joe Abercrombie

Joe Abercrombie greift in Blutklingen gleich eine ganze Reihe von Western-Mythen auf. Seien es die Siedler-Trecks Richtung Fernlande, wie der freie Westen im Buch heißt, über die Indianer, die bei Abercrombie Geister genannt werden, und Goldsuchern, die Städte gründen, die genauso rasch wieder zu Geisterstädten werden können. Huren, Glücksspieler und Viehtreiber sind unter den Figuren, und am Schluss steht ein Duell.

Für Western-Kenner sind zahlreiche Anspielungen erkennbar, angefangen von Django über Filme von und mit Clint Eastwood wie Der Texaner, Pale Rider und der Spätwestern Erbarmungslos. Auf die Eastwood-Referenzen weist Abercrombie selbst in der Widmung hin.

Die Schamanenbrücke von Robin Hobb

Der Wilde Westen liegt in der Soldier-Son-Trilogie im Osten. In den dortigen Grenzgebieten, dem amerikanischen Frontier-Mythos nachempfunden, gilt es aus Sicht des Königreichs Gernien, die unterworfenen Flachländer zu zivilisieren. Sie selbst nennen sich Fleck und sind eng mit der Natur verbunden, ganz so, wie es die amerikanischen Ureinwohner für sich beanspruchen. Auch ihre Traumwelten überträgt Robin Hobb auf die Fleck.

Leser tauchen im ersten Band, Die Schamanenbrücke, in diese Welten aus Sicht des Protagonisten und Ich-Erzählers Nevare ein. Seine Ausbildung zum Kavallerieoffizier ist der in Militärakademien der USA nachempfunden, ebenso die Rolle der Kavallerie bei der Eroberung der Prärie – viel Western also im Gewand einer Fantasy-Geschichte.

Amani – Rebellin des Sandes von Alwyn Hamilton

Western trifft auf Orient – vor ein paar Jahren hätte man da noch an Karl May gedacht, dessen Old Shatterhand als Kara Ben Nemsi im Morgenland unterwegs ist. Alwyn Hamilton siedelt ihre Geschichte von Amani in einer Wüstenwelt an, die vor allem orientalische Vorbilder hat. Dazu gehört der böse Sultan, der hinter Jin her ist, dem Mann, für den die Titelheldin bereit ist, ihr bisheriges Leben aufzugeben. Dazu gehören auch Dschinns und andere mystische Wesen. Dustwalk, der Heimatort der Protagonistin, ist hingegen mehr einer amerikanischen Wüstenstadt nachempfunden. Auch dass Amani eine Scharfschützin ist, passt mehr zu Western-Vorbildern. Der heimliche Star dieses Jugendbuchs ist aber die Wüste, die Hamilton in Rebellin des Sandes sehr lebendig beschreibt.

Revolver Tarot – The Shotgun Arcana von R.S. Belcher

Wer mehr Western und eine große Prise Horror mag, ist bei R.S. Belcher richtig. Seine Reihe spielt in der klassischen Westernzeit, also der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stehen Ereignisse in der Minenstadt Golgatha wenige Jahre nach Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs. Wer bei Golgatha an Ostern und Kreuzigung denkt, ist gleich bei einem wichtigen Thema des Buches angelangt. Denn am Rande der Wüste Nevadas ist ein Wesen gefangen, das nicht einmal Gott töten konnte.

Belcher verknüpft in Revolver Tarot historische Gegebenheiten wie Schlachten des Bürgerkriegs, das Schicksal von Siedlungen, die den Großteil ihrer Bevölkerung verlieren, wenn die nahen Silberminen erschöpft sind, den Eisenbahnbau, das Ausbeuten von Indianern sowie die Entstehung von Sekten wie den Mormonen mit phantastischen Elementen. Horrorkreaturen und himmlische Wesen, Gestaltwandler und magische Gegenstände gehören dazu. Bislang ist nur Band 1 in deutscher Übersetzung erschienen, im Original soll dieses Jahr bereits Band 3 von The Shotgun Arcana bei Tor herauskommen. 

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