Die Verleihung des Hugo Awards 1982.

KOLUMNE

Die Hugo Awards 1982: Das waren die Gewinner


Die Hugo-Verleihung fand in diesem Jahr auf dem Chicon IV in Chicago statt.

Toastmaster: Marta Randall

Novel

C. J. Cherryh: Downbelow Station

(Buchausgabe bei DAW; dt. Pells Stern, H 4038)

Die Verleihung des Hugo Awards 1982.
Die Verleihung des Hugo Awards 1982.
Die Verleihung des Hugo Awards 1982.

In C. J. Cherryhs Allianz-Union-Universum hat die Menschheit mehr als ein Dutzend der nächstgelegenen Sterne in Besitz genommen. Pells Stern ist bereits der zehnte Stern, in dessen Nähe eine Raumstation errichtet wurde, und auf Pells Planet wurde sogar Leben entdeckt – eine nicht sonderlich weit entwickelte, aber intelligente Spezies. Die Hoheit über den Transport und den Handel zwischen den Kolonien, die hauptsächlich aus großen Raumstationen und Habitaten bestehen, hat die Company. Doch die am weitesten von der Erde entfernten Kolonien haben gegen die Company aufbegehrt und sich zur Union zusammengeschlossen. Pells Stern liegt in einem neutralen Gebiet, genau zwischen den Einflusssphären von Company und Union. Die Flotte der Company besetzt die Station bei Pells Stern, um eine Basis zu haben, wenn sie der heranrückenden Flotte der Union entgegentreten muss. Doch die Union hat bereits Agenten auf der Station eingeschleust, die versuchen sollen, die Macht zu übernehmen. Signy Mallory, eine der Hauptfiguren des Romans, befehligt ein Schiff der Erdflotte. Ihr gelingt es, die Zerstörung der Station zu verhindern und schließlich mit der erstarkenden Händlervereinigung eine dritte Macht zu etablieren.

Ein typisches Merkmal von Cherryhs Stil ist die direkte Perspektive der von Kapitel zu Kapitel wechselnden Personen. Somit erfährt der Leser ausschließlich das, was der Person widerfährt. Das hat einen besonderen Reiz, erschwert dem Leser aber auch das Erkennen der größeren Zusammenhänge.

Zahlreiche spätere Romane der Autorin sind im selben Universum angesiedelt. Während der Company-Kriege spielt nicht nur Downbelow Station, sondern auch Heavy Time (1993, dt. Schwerkraftzeit), Hellburner (1993, dt. Höllenfeuer), Merchanter’s Luck (1982; dt. Kauffahrers Glück), Rimrunners (1989), Tripoint (1994; dt. Tripoint) und Finity’s End (1997; dt. Pells Ruf). Während der Zeit der Annäherung spielt der umfangreiche Roman Cyteen (1990; dt. Geklont), der ebenfalls mit einem Hugo ausgezeichnet wurde.

Weitere Nominierungen:

Gene Wolfe: The Claw of the Conciliator

(Buchausgabe bei Timescape; dt. Die Klaue des Schlichters, H 4064)

Julian May: The Many-Colored Land

(Buchausgabe bei Houghton Mifflin; dt. Das vielfarbene Land, H 4300)

Clifford D. Simak: Project Pope

(Buchausgabe bei Del Rey; dt. Unternehmen Papst, Hohenheim)

John Crowley: Little, Big

(Buchausgabe bei Bantam; dt. Little, Big oder Das Parlament der Feen, Fischer und Piper)

Novella

Poul Anderson: »The Saturn Game«

(Februar 1981 in ANALOG; dt. »Das Saturnspiel«, in Alpers [Hrsg.]: Analog 1, M 3547)

Das Raumschiff Chronos ist auf dem Weg zum Saturnmond Iapetus. An Bord befindet sich eine große Besatzung, die aus Wissenschaftlern besteht und deren Aufgabe es ist, den Mond und seine Beschaffenheit zu erforschen. Zuvor wurde bereits eine unbemannte Sonde zum Iapetus geschickt, die jedoch nach der Landung keine Signale mehr gesendet hat – daher wissen die Wissenschaftler nicht, was sie erwartet. Die Chronos ist mehr als fünf Jahre unterwegs gewesen, weshalb sich die Besatzung zahlreiche Spiele erdacht hat, um sich die Zeit zu verkürzen. Eine Gruppe spielt ein selbsterdachtes Psychodrama, eine Art Rollenspiel, um sich die Kreativität zu erhalten. Doch als sie schließlich auf Iapetus landen und die Beschaffenheit des Mondes untersuchen, füllt das Spiel einen so großen Teil ihrer Gedanken aus, dass sie sich nicht richtig auf die Forschungsarbeit konzentrieren und leichtsinnig werden. Ein Eisvorsprung bricht ab, ein Mann und eine Frau stürzen in die Tiefe und können von den anderen nicht erreicht werden. Bei einem Rettungsversuch stürzt ein Schwebefahrzeug ab und der Pilot stirbt. Die beiden sind allein und können sich nur mit Hilfe des Spiels den Lebenswillen erhalten – bis sie am Ende auf eine Idee kommen, wie die Rettungsmannschaft sie finden kann. In gewisser Weise hat das Spiel sie in Gefahr gebracht, letztlich aber auch gerettet.

Zwischen den Kapiteln gibt es Einschübe mit Sachtexten eines fiktiven Psychologen, der erläutert, welche Bedeutung das Spiel für die Astronauten ursprünglich haben sollte.

Weitere Nominierungen:

Phyllis Eisenstein: »In the Western Tradition«

(März 1981 in F&SF; nicht auf Deutsch)

John Varley: »Blue Champagne«

(Februar 1981 in ANALOG; nicht auf Deutsch)

Kate Wilhelm: »With Thimbles, With Forks and Hope«

(November 1981 in ASIMOV’S SF; dt. »Ein Untier an der Angel«, in Jeschke [Hrsg.]: Science Fiction Story Reader 20, H 3995)

Vernor Vinge: »True Names«

(1981 in Binary Star #5; dt. »Wahre Namen«, in Vinge: Die Tiefen der Zeit, H 52132)

David R. Palmer: »Emergence«

(Januar 1981 in ANALOG; dt. »Nachfolger«, in Alpers [Hrsg.]: Analog 7, M 3626)

Novelette

Roger Zelazny: »Unicorn Variations«

(April 1981 in ASIMOV’S SF; dt. »Die Einhorn-Variante«, in Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 15. Folge, H 3913)

Martin findet sich an einem ihm unbekannten Ort wieder, einer verlassenen Kleinstadt. Dort begegnet er einem zunächst unsichtbaren, später doch deutlich sichtbaren schwarzen Einhorn namens Tlingel. Von diesem Einhorn erfährt Martin, dass immer mehr Fabelwesen auf der Erde auftauchen, und zwar immer dann, wenn durch das verheerend rücksichtslose Verhalten der Menschheit eine Tiergattung ausgerottet wird.

Martin ist, ebenso wie Tlingel, ein begeisterter Schachspieler. Darum beschließen die beiden, eine Schachpartie zu spielen, die über den Fortbestand der Menschheit entscheiden soll. Martin bittet sich jedoch zwischen den Zügen eine lange Bedenkzeit aus, nämlich jeweils einen ganzen Monat. Nach den Eröffnungszügen verlässt Martin die leere Stadt. Durch einen Zufall trifft er, als er Tage später über die Schachpartie nachgrübelt, ein anderes Fabelwesen, mit dem er die Partie nachspielt, nur dass Martin diesmal die schwarzen statt der weißen Figuren spielt. Als der Monat vergangen ist, bereitet Martin alles vor, macht das Haus in der verlassenen Stadt gemütlicher, besorgt eine Menge Bier und spielt schließlich mit Tlingel weiter. Monat für Monat spielt er so die Züge der beiden Fabelwesen gegeneinander aus. Die Partie endet schließlich mit einem Patt, und die Menschheit ist gerettet. Und obendrein hatte Martin genug Zeit, um mit einem Bekannten in Washington Kontakt aufzunehmen, den er vom Ernst der Lage überzeugen konnte und der nun einen Dialog aller Spezies anstrebt, um die Erde zu retten und für alle lebenswert zu machen.

Der geübte Science-Fiction-Leser wird sich während der Lektüre einige Fragen stellen. Zum Beispiel, wieso ein Einhorn die Macht hat, die Menschheit aufgrund einer Schachpartie zu vernichten. Oder warum in der Geschichte Unmengen von Bier getrunken werden, obwohl die Fabelwesen davon nicht betrunken werden. Oder wieso wieder einmal nur Washington die ganze Menschheit retten sollte. Und so weiter. All diese Fragen werden nicht beantwortet, aber da es sich bei der Erzählung um eine Allegorie in Form einer lustigen Fantasygeschichte handelt, spielt das offenbar nur eine untergeordnete Rolle. Zumindest kann man aber die Schachpartie nachspielen, da jeder Zug genau benannt wird.

Weitere Nominierungen:

George R. R. Martin: »Guardians«

(Oktober 1981 in ANALOG; dt. »Wächter«, in Alpers [Hrsg.]: Kopernikus 10, M 3632)

Edward Bryant: »The Thermals of August«

(Mai 1981 in F&SF; dt. »Himmelskämpfer«, in Hahn [Hrsg.]: The Magazine of Fantasy and Science Fiction, 64. Folge: Das fröhliche Volk von Methan, H 3946)

Parke Godwin: »The Fire When It Comes«

(Mai 1981 in F&SF; dt. »Das Feuer, wenn es kommt«, in Hahn [Hrsg.]: The Magazine of Fantasy and Science Fiction, 64. Folge: Das fröhliche Volk von Methan, H 3946)

Michael Bishop: »The Quickening«

(1981 in Universe 11; nicht auf Deutsch)

Short Story

John Varley: »The Pusher«

(Oktober 1981 in F&SF; dt. »Der Pusher«, in Wollheim/Saha [Hrsg.]: World’s Best SF 1982, B 24036)

Ian Haise beobachtet auf einem Spielplatz die Kinder und nimmt Blickkontakt mit einem ungefähr elfjährigen Mädchen auf. Er spricht sie an, schenkt ihr Süßigkeiten und erzählt ihr schließlich viele Geschichten. Und das so lange, bis sie schläfrig wird. Er erzählt ihr von einer Sternenprinzessin und einem Prinzen, die sich verloren haben und nun Hilfe benötigen, um sich wiederzufinden. Er schenkt ihr einen angeblich kosmischen Kristall, der zu leuchten beginnt, als das Mädchen ihn berührt. Und schließlich schläft sie ein.

Der Leser erfährt zunächst nicht, welches Interesse Haise an dem Mädchen hat, doch es wird bald klar, dass es nicht sexueller Art ist.

Haise ist Raumfahrer, und bei den Sternenflügen vergeht die Zeit langsamer als auf der Erde. Als er fünfundzwanzig Jahre später zurückkehrt, ist er selbst nur um ein halbes Jahr gealtert. Er sucht über Auskunftssysteme das Mädchen von damals und findet sie sehr schnell. Sie ist inzwischen eine erwachsene Frau, die bereits weiß, dass er zurückkehren wird. Als sich die beiden treffen, erzählt sie, dass sie inzwischen verheiratet ist, und zwar mit einem Mann und einer Frau, und dass sie drei Kinder hat. Außerdem sei die Polizei bereits vor Ort, und nun wolle sie wissen, was das Zusammentreffen damals auf dem Spielplatz zu bedeuten hatte. Haise rückt mit der Sprache raus: Weil nach jeder seiner Reisen auf der Erde zu viel Zeit vergangen ist, kennt er dort niemanden und ist sehr einsam. Dies ist seine einzige Möglichkeit, jemanden zu treffen, der ihn bereits kennt und mit dem er reden kann.

Eine sehr gelungene Erzählung zum Thema Einsamkeit.

Weitere Nominierungen:

Gene Wolfe: »The Woman the Unicorn Loved«

(Juni 1981 in ASIMOV’S SF; dt. »Die Frau, die das Einhorn liebte«, in Wahren [Hrsg.]: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin, 19. Folge, H 4011)

Somtow Sucharitkul: »Absent Thee from Felicity Awhile«

(September 1981 in ANALOG; dt. »Bleib’ eine Zeit noch fern der Seeligkeit«, in Wollheim/Saha [Hrsg.]: World’s Best SF 1982, B 24036; auch: »Verbanne noch dich von der Seligkeit«, in Alpers [Hrsg.]: Analog 4, M 3583)

George Florance-Guthridge: »The Quiet«

(Juli 1981 in F&SF; dt. »Das Stille«, in Alpers [Hrsg.]: Kopernikus 6, M 3575; »Die Ruhe«, in Carr [Hrsg.]: Die schönsten SF-Stories des Jahres 2, H 4047)

Non-Fiction Book

Stephen King: Danse Macabre

(Buchausgabe bei Everest House; dt. Danse Macabre, Heyne Sachbuch 19/2 und weitere)

Stephen King (*1947) war bereits durch eine gute Handvoll Romane zum Bestsellerautor geworden, als sein Sachbuch Danse Macabre erschien, das auf Deutsch den Untertitel Die Welt des Horrors in Literatur und Film trägt. Im Vorwort erzählt King, dass ein Freund ihm abgeraten habe, dieses Buch zu schreiben, weil die Fans ihn wegen allzu subjektiver Meinungen in Stücke reißen würden. Doch King macht seine Sache recht gut. Gespickt mit jeder Menge persönlicher Lese- und Filmerinnerungen liefert er auf über 500 Seiten eine unterhaltsame Plauderei über bedeutende, unbekanntere und manchmal auch lächerliche Horrorfilme und -romane, die Lust auf eine nähere Beschäftigung mit dem Genre macht. Dabei konzentriert er sich vor allem auf die Werke aus den fünfziger bis siebziger Jahren. Auch wenn inzwischen einige Jahrzehnte vergangen sind, so ist dieses Buch auch heute noch sehr lesenswert und Horrorfans jederzeit zu empfehlen.

Weitere Nominierungen:

Byron Preiss, ed.: The Art of Leo & Diane Dillon

(Bildband bei Ballantine; nicht auf Deutsch)

Ron Miller & William Hartman: The Grand Tour

(Buchausgabe bei Workman; nicht auf Deutsch)

Dougal Dixon: After Man

(Buchausgabe bei Macmillian; nicht auf Deutsch)

Neil Barron, ed.: Anatomy of Wonder

(Buchausgabe bei Bowker; nicht auf Deutsch)

Dramatic Presentation

Raiders of the Lost Ark

(Lucasfilm; Drehbuch Lawrence Kasdan; Story George Lucas & Philip Kaufman; Regie Steven Spielberg; dt. Jäger des verlorenen Schatzes)

Der mit fünf Oscars ausgezeichnete Abenteuerfilm ist der Auftakt der Indiana Jones-Filmreihe von Steven Spielberg. Der Archäologieprofessor und Abenteurer Henry Jones jr., genannt Indiana Jones, ist der verloren geglaubten Bundeslade, einem magischen Artefakt, auf der Spur und wird dabei in ein haarsträubendes Abenteuer nach dem anderen verwickelt.

Der Film wurde für neun Oscars nominiert und gewann in den Kategorien Bestes Szenenbild, Bester Ton, Bester Schnitt, Beste Visuelle Effekte und Beste Toneffekte. Das American Film Institute wählte die Figur des Indiana Jones auf Platz zwei der größten Filmhelden und den Film auf Platz 60 der 100 besten amerikanischen Filme aller Zeiten. Der Erfolg der Filmserie führte zu 18 Computerspielen, mehr als zwei Dutzend Romanen, diversen Comics und anderem Merchandising. Und Harrison Ford, der die Hauptrolle spielte und den die Kinobesucher bereits aus Star Wars kannten, wurde zum Superstar.

Weitere Nominierungen:

Time Bandits

(Handmade Films; Drehbuch Michael Palin & Terry Gilliam; Regie Terry Gilliam; dt. Time Bandits)

Excalibur

(Warner Brothers; Drehbuch Rospo Pallenberg & John Boorman; Adaptation Rospo Pallenberg; Regie John Boorman; basiert auf dem Buch Le Morte d’Arthur von Thomas Malory; dt. Excalibur – Das Schwert des Königs)

Dragonslayer

([Paramount/Disney; Drehbuch Hal Barwood & Matthew Robbins; Regie Matthew Robbins; dt. Der Drachentöter)

Outland

(Outland/The Ladd Company; Drehbuch und Regie Peter Hyams; dt. Outland – Planet der Verdammten)

Professional Editor

Die Verleihung des Hugo Awards 1982.
Die Verleihung des Hugo Awards 1982.
Die Verleihung des Hugo Awards 1982.

Edward L. Ferman

Wie im Vorjahr wurde Edward L. Ferman gewählt, der nun seit sechzehn Jahren das MAGAZINE OF FANTASY AND SCIENCE FICTION herausgab. 1981 brachte er unter anderem die Majipoor-Geschichten »The Desert of Stolen Dreams« und »In the Fifth Year of the Voyage« von Robert Silverberg, die Short Story »The Pusher« von John Varley, Kurzgeschichten von Ron Goulard, Jane Yolen, Stephen King, Charles Sheffield, Pat Cadigan, Bob Shaw, Lewis Shiner, Ian Watson, Barry N. Malzberg, Greg Bear, Pamela Sargent, Philip K. Dick, George R. R. Martin, Gene Wolfe und John Brunner. Darüber hinaus gab es in jeder Ausgabe eine Wissenschaftskolumne von Isaac Asimov sowie Buchrezensionen und Essays von Algis Budrys, Thomas M. Disch, George Zebrowski, Christopher Priest und Barry N. Malzberg.

Weitere Nominierungen:

Terry Carr
Stanley Schmidt
George H. Scithers
David Hartwell

Professional Artist

Michael Whelan

Seinen dritten Hugo bekam Whelan wiederum für seine sehr stimmungsvollen Titelbilder, insbesondere für die Darstellung des Elric von Melniboné auf The Vanishing Tower von Michael Moorcock. Insgesamt erschienen 1981 neunzehn Coverillustrationen von Whelan, darunter Dream Park von Larry Niven und Steven Barnes, The Pastel City von M. John Harrison, Sunfall von C. J. Cherryh, Horn Crown von Andre Norton, Planet of No Return von Harry Harrison, Distant Stars von Samuel R. Delany, gleich drei Büchern von H. Beam Piper, The Deceivers von Alfred Bester und zwei Neuausgaben von Lovecraft-Erzählungen.

Weitere Nominierungen:

Vincent Di Fate
Rowena Morrill
Don Maitz
Carl Lundgren

Fanzine

LOCUS (Charles N. Brown)

1981 erschienen elf Ausgaben von LOCUS, jeweils mit 24 bis 32 Seiten. Wie gewohnt enthielt sie jede Menge kompetenter Rezensionen (zu einem großen Teil von Jeff Frane), Artikel von Robert Silverberg, Christopher Priest, Fritz Leiber, Norman Spinrad und Clifford D. Simak sowie Briefe von Avram Davidson, Martin H. Greenberg, Arthur C. Clarke, Jack Williamson, Marion Zimmer Bradley und vielen anderen.

Weitere Nominierungen:

SCIENCE FICTION REVIEW (Richard E. Geis)
FILE 770 (Mike Glyer)
SCIENCE FICTION CHRONICLE (Andrew Porter)

Fan Writer

Richard E. Geis

Auch in diesem Jahr war Geis wieder unter den Preisträgern. 1981 erschienen vier Ausgaben seines Fanzines SCIENCE FICTION REVIEW mit all den festen Kolumnen, die Geis selbst füllte. Hinzu kamen über 40 einzelne Rezensionen zu SF-Neuerscheinungen.

Weitere Nominierungen:

Mike Glyer
Dave Langford
No Award
Arthur D. Hlavaty

Fan Artist

Victoria Poyser

Poyser erhielt ihren zweiten Hugo in Folge, unter anderem für ihre regelmäßigen Illustrationen im FANTASY NEWSLETTER. Der Hugo war offenbar ihr Sprungbrett ins Profilager, denn von 1982 bis 1990 erschienen ihre Farbarbeiten regelmäßig auf Buchcovern. Überwiegend waren das Fantasymotive, die junge Frauen zeigten.

Weitere Nominierungen:

Joan Hanke-Woods
Alexis Gilliland
William Rotsler
Stu Shiffman

Campbell Award

Alexis Gilliland

Alexis Gilliland (*1931) war zuvor hauptsächlich als Fan und Cartoonist in Erscheinung getreten. Er hat aber auch eine Handvoll Erzählungen und sieben Romane geschrieben. 1981 erschienen die ersten beiden Bände der Rosinante-Trilogie The Revolution from Rosinante (1981 bei Del Rey/Ballantine; dt. Neuanfang auf Rosinante) und Long Shot for Rosinante (1981 bei Del Rey/Ballantine; dt. Unabhängigkeit für Rosinante), die bei den Fans sehr gut ankamen. Ein Jahr später folgte The Pirates of Rosinante (1982 bei Del Rey/Ballantine; dt. Machtkampf auf Rosinante). Bis 1992 folgte noch ein einzelner Roman und eine Fantasy-Trilogie, die nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Bemerkenswert ist, dass sich Gilliland beim Campbell Award gegen später so erfolgreiche Autoren wie David Brin und Michael Swanwick durchsetzen konnte.

Weitere Nominierungen:

Robert Stallman
David Brin
Paul O. Williams
Michael Swanwick

Special Award

Mike Glyer for »keeping the ›fan‹ in ›fan‹zine publishing«

Mike Glyers (*1953) hatte 1979 das Fanzine FILE 770 gegründet und war seither in jedem Jahr für den Hugo nominiert. Der Name FILE 770 stammt von einer in US-amerikanischen Fankreisen legendären Party im Raum 770 während des Nolacon, der 9. World Science Fiction Convention in New Orleans im Jahr 1951. Diese Party ging ununterbrochen fast zwei Tage und gilt als das erinnerungswürdigste Ereignis des Nolacon. Glyler berichtete in FILE 770 ausschließlich über Aktivitäten aus dem Fandom, also über Fanclubs, Conventions, fannische Projekte, einzelne Fan-Persönlichkeiten, andere Fanzine und Preisverleihungen. Andere Fanzines wie zum Beispiel LOCUS oder SCIENCE FICTION REVIEW hatten sich eher darauf konzentriert, über den Buchmarkt und Neuerscheinungen zu berichten sowie Rezensionen zu bringen. Dabei kam das Fandom oft zu kurz. Glyers Engagement wurde also gesondert von den Fans gewürdigt. FILE 770 gibt es bis heute, auch im Internet zu finden unter www.file770.com.

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 1953-1984” (erschienen 2015 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2015 by Hardy Kettlitz

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