Science-Fiction-Tipps der Berliner Buchhandlung Otherland

BUCH

Neue Science-Fiction-Bücher im Januar: Dunkle Materie, Die Mentaten des Wüstenplaneten & Alien Wars 4


Jeden Monat geben euch hier die Jungs der Berliner Fantasy und Science Fiction Buchhandlung Otherland Tipps über die besten Neuerscheinungen aller Verlage. Los geht's also mit den Buchtipps aus dem Bereich Science Fiction.

 

Und das sind die Science-Fiction-Buchtipps für Januar

Carolyn Ives Gilman, Dunkle Materie
Dieser Erstkontakt-Roman wird viel gelobt und dabei immer wieder auch mit Ursula K. Le Guin in Verbindung gebracht (die ihn ihrerseits sehr empfiehlt). Bin immer noch nicht dazu gekommen, ihn zu lesen, aber jetzt wird’s Zeit!

Brian Herbert & Kevin J. Anderson, Die Mentaten des Wüstenplaneten
Mit der aktuellen Dune-Prequel-Trilogie (hier liegt Band 2 vor) haben sich Herbert Junior und Anderson wieder auf ihre alten Tugenden besonnen: Geschichten voller Intrigen, Fanatismen und Grausamkeiten aus der Frühzeit des Wüstenplaneten-Universums erzählen, ohne den Originalromanen von Vater Herbert dabei allzu dicht auf die Pelle zu rücken.

Marko Kloos, Alien Wars 4: Operation Mars
Intelligente Military SF in der vierten Runde! 

Cixin Liu, Die drei Sonnen
Wir haben dieses Buch auf Englisch und auf deutsch gelobt und werden es auch nicht müde; und was ist die Folge? Die erste Auflage war nach nicht mal  zwei Wochen beim Verlag ausverkauft. Ab Anfang Januar soll es wieder zu haben sein, sollte nun also jeden Moment bei uns eintreffen. 

Connie Willis, Dunkelheit
Der erste Band eines großen Zeitreise-Zweiteilers einer großen SF-Autorin, ausgezeichnet mit dem Hugo, dem Nebula und dem Locus Award. Historiker aus dem Jahre 2060 brechen zum Recherchieren in die Vergangenheit auf und stecken plötzlich selbst mittendrin im Zweiten Weltkrieg … 

Empfehlungen vom Otherlander Jakob Schmidt

Science Fiction - die Auslese

Ian McDonald, Luna

Die Erde ist weitgehend ausgelutscht, aber der Mond, der Mond, den kann man noch ausschlachten, durchwühlen, auspressen, ohne dass Umweltaktivisten, Gesetze oder Grundeigentümer einem Steine in den Weg werfen. Das Geschäft haben sich zunächst vier Familien/Konzerne aufgeteilt, und seit einer Generation spielen auch die Cortas als fünfter “Drache” mit - so nennt man die unvorstellbar reichen, abgebrühten Familien, die auf dem Mond agieren, als lebten sie im Rom der Borgia-Zeit. 

Die Mitglieder der Corta-Familie stehen im Mittelpunkt von Ian McDonalds Intrigenachterbahnfahrt, die womöglich zugänglicher, vom äußeren Handlungsgerüst her eindimensionaler sein mag als das, was McDonald in Cyberabad, Brasyl oder Dervish House gezaubert hat. Aber das -- durchaus spannende -- Hauen und Stechen, das man aus gediegenen Fantasyromanen kennt und das hier in ein faszinierendes SF-Szenario übertragen wird, macht nur einen geringen Teil des Reizes von Luna aus. Denn in den Details und vor allem im Rhythmus, mit dem McDonalds Sprache über die öde Mondlandschaft wummert, steckt die eigentliche Wucht dieses Buches. Wenn die greise Corta-Oma ihren Kaffee aufbrüht -- das einzige Getränk, das man teuer von der Erde importieren muss, weil der Geschmack nicht im Replikator reproduziert werden kann --, wenn ihr Enkel sich vor dem Spiegel für die nächste Party zurechtmacht und dabei wieder neue Modetrends setzt, mit denen in den kommenden Stunden die 3D-Drucker der lunaren High Society gefüttert werden und wenn Bossa-Nova-Klänge die traurige Liebe eines ihrer Söhne begleiten -- in einer Welt, in der jede neue Generation aufgrund der Anpassung an die geringe Schwerkraft die vorige überragt -- McDonald haut einem auf jeder Seite neue, schillernde und überraschende Details um die Ohren wie ein Percussionist, manchmal droht man beinahe den Faden zu verlieren, aber der Groove trägt einen weiter, bis man wieder mit dem Geschehen und den Bildern mitswingt und mitwippt. Gegen Ende nimmt der Roman katastrophales Tempo auf, ein erbarmungslos atemloses Finale, das nach der Fortsetzung schreit, die zum Glück nur noch bis Mai auf sich warten lassen wird. 

Eine Rezension vom Otherlander Simon Weinert

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