American Gods © STARZ

Ich bin ein Serienjunkie. Seit Buffy die Vampirjägerin bin ich verrückt nach komplexen TV-Serien mit staffelübergreifenden Handlungssträngen. Von A wie Alias bis X wie Xena: Eine liebevoll produzierte Serie ist mir in der Regel lieber als ein mittelmäßiger Kinofilm. Davon abgesehen liebe ich auch Romanverfilmungen – wenn sie gut gemacht sind. Und gerade bei den vielbändigen SciFi- und Fantasy-Sagas eignet sich storytechnisch eine Umsetzung als folgenreiche Serie oft besser als eine Adaption als opulenter Kinofilm. Auf die hier vorgestellten Produktionen, die alle Anfang 2017 anlaufen sollen, freue ich mich deshalb bereits jetzt:

EMERALD CITY

Vorlage:

DER ZAUBERER VON OZ von L. Frank Baum

Deutsch von Wolfgang Müller • NordSüd Verlag • ISBN: 978-3-31410-318-6

Handlung:

Die 20jährige Dorothy Gale wird (samt Schäferhund und Auto) von einem Tornado erfasst und vom modernen Kansas ins mystische Land Oz versetzt. Bei ihrer Bruchlandung tötet sie die böse Hexe des Ostens und wird dadurch stolze Besitzerin mächtiger rubinroter Handschuhe. Wie in der Vorlage – Frank L. Baums Oz-Romanen – muss Dorothy der gelben Ziegelstraße folgen, um in der Smaragdstadt den Zauberer zu finden, der sie hoffentlich wieder nach Hause schicken wird. Doch abgesehen davon ist Emerald City deutlich düsterer und erwachsener als Baums verspielte Kinderbücher. Denn im Land Oz tobt ein Krieg zwischen den Anhängern der Wissenschaft und Technik und denen der Magie.

Hinter den Kulissen: 

Die Hauptrolle spielt Adria Arjona, die dem einen oder anderen ggf. bereits bekannt ist aus Person of Interest oder True Detective. Auf dem Regiestuhl Platz genommen hat für alle zehn Folgen der ersten Staffel Tarsem Singh (The Cell, Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen, Krieg der Götter).

Warum ich gespannt bin: 

Ich mag Märchenadaptionen, und Der Zauberer von Oz ist in gewisser Weise ein amerikanisches Kunstmärchen. Das wurde zwar bereits des Öfteren (mal mehr, mal weniger gelungen) adaptiert, aber das, was bisher über Emerald City bekannt ist, klingt ziemlich vielversprechend. Ich meine, schaut euch nur den Trailer an. Die Bilder sind – wie von Singh nicht anders zu erwarten – großartig, die Story scheint episch und düster. Die bösen Hexen sind gleichzeitig unheimlich und erotisch, nie zuvor habe ich eine so sexy Vogelscheuche gesehen, und dass die im Musical-Film mit Judy Garland eher nervig fröhlichen Munchkins hier wie eine Mischung aus Tolkien-Zwergen und schottischen Clankriegern aussehen, schadet meiner Meinung nach auch nicht. Am 6. Januar 2017 läuft die Pilotfolge beim US-Sender NBC.

THE HANDMAID'S TALE

Vorlage:

DER REPORT DER MAGD von Margaret Atwood

Deutsch von Helga Pfetsch • Piper Verlag, 400 Seiten • ISBN: 978-3-49231-116-8 • 11,00 Euro

Handlung:

Nach einem Putsch durch christliche Fundamentalisten gründet sich in Amerika die dystopische Republik Gilead, die wie der feuchte Traum rechtsextremistischer Parteien klingt: Die Pressefreiheit gibt es praktisch nicht mehr, der Mann gilt als Krone der Schöpfung, und die einzige Aufgabe einer Frau ist es, sich ihrem Herrn und Meister unterzuordnen und Kinder zu gebären. Wer unerlaubt Sex hat, wird allerdings hingerichtet. Desfred (bzw. im englischen Offred) wird als Magd im Haushalt eines Kommandanten angestellt, doch ihre eigentliche Aufgabe ist es, für ihn und seine Frau Kinder auszutragen. Der Report der Magd ist die ernüchternde und auf schreckliche Weise packende Geschichte ihres unglücklichen Schicksals.

Hinter den Kulissen: 

Elisabeth Moss (Mad Men), die für ihre Darstellung in Top of the Lake u.a. mit dem Golden Globe geehrt wurde, spielt Desfred; Samira Wiley (Orange Is the New Black) deren beste Freundin Moira. Die Rolle des Kommandanten verkörpert Joseph Fiennes (Shakespeare in Love).

Warum ich gespannt bin:

Die Romanvorlage ist eine der berühmtesten Dystopien überhaupt und machte die kanadische Autorin Margaret Atwood zum Star. Viel hat man von der Serienumsetzung noch nicht gesehen, aber die Story selbst und auch der versammelte Cast machen zumindest ziemlich neugierig. Die Serie soll im April 2017 auf der Streamingplattform HULU anlaufen.

STILL STAR-CROSSED

Vorlage: 

ROMEOS SCHATTEN von Melinda Taub

Bastei Lübbe Verlag, 336 Seiten • ISBN: 978-3-40417-095-1 • 9,99 Euro

und natürlich

ROMEO UND JULIA von William Shakespeare

Deutsch von August Wilhelm Schlegel • Reclam Verlag, 144 Seiten • ISBN: 978-1-85518-016-1 • 3,60 Euro

Handlung: 

Der tragische Tod von Romeo und Julia konnte den alten Zwist zwischen den Montagues und den Capulets nur kurzfristig ausräumen. Als zwischen den beiden rivalisierenden Adelshäusern erneut offen Kämpfe ausgetragen werden, versucht der Fürst von Verona, die alte Fehde durch eine Zwangsvermählung zu beenden. Julias Cousine Rosalinde muss den ihr verhassten Benvolio Montague heiraten. Kann die unfreiwillige Eheschließung der beiden weitere Blutbäder verhindern?

Hinter den Kulissen:

Still Star-Crossed stammt aus der TV-Hitschmiede Shondaland (Grey’s Anatomy, Scandal, How to Get Away with Murder). Lashana Lynch und Wade Briggs, die die Hauptrollen spielen, sind noch recht unbeschriebene Blätter. Dafür gibt es ein Wiedersehen mit Anthony Head (Buffy) und Zuleikha Robinson (Homeland) als Lord und Lady Capulet sowie Torrance Coombs (Reign, The Tudors) als Graf Paris.

Warum ich gespannt bin:

Zugegeben, der Plot klingt recht soapig, und ich erwarte auch keine historische Korrektheit. Aber ich finde es großartig, das Shonda Rhimes ihre Serien nicht ausschließlich mit weißen, heteronormativen Darstellern besetzt, und – ähnlich wie Reign – könnte Still Star-Crossed eine unterhaltsame Guilty Pleasure werden, die richtig Spaß macht: der Denver Clan im 16. Jahrhundert eben. Drama, Baby!

AMERICAN GODS

Vorlage:

AMERICAN GODS von Neil Gaiman

Deutsch von Hannes Riffel • Eichborn Verlag, 672 Seiten • ISBN: 978- 3847905875 • 14,00 Euro

Handlung: 

Das moderne Amerika wird Austragungsort eines neuen Kriegs der Götter. In American Gods hängt die Macht mythologischer Gestalten davon ab, wie sehr die Menschen noch an sie glauben. Und da ein Großteil der Bevölkerung den schnöden Mammon, Stars und Drogen regelrecht anbetet, sind neue Gottheiten entstanden, während die alten nicht mehr so stark sind wie einst.

Hineingezogen in einen Zwist des Spinnengotts, von Anubis, Odin & Co. wird Shadow, ein ehemaliger Gefängnisinsasse, der von einem mysteriösen, mächtigen Fremden einen Job angeboten bekommt …

Hinter den Kulissen: 

American Gods soll im April 2017 in den USA starten und ist mit u. a. Ian McShane (Fluch der Karibik), Gillian Anderson (Akte X), Pablo Schreiber (Orange Is the New Black) und Kristin Chenoweth (Pushing Daisies) mit Fan-Lieblingen besetzt. Die Hauptrolle spielt Ricky Whittle (Austenland, The 100). Als ausführender Produzent fungiert Bryan Fuller (Dead Like Me, Hannibal).

Warum ich gespannt bin: 

Neil Gaiman ist ein Ausnahmeschriftsteller, American Gods wird von seinen Fans gehyped, und Bryan Fuller macht in der Regel geile TV-Serien. Außerdem bin ich ein großer Urban-Fantasy-Fan und habe für mythologische Figuren viel übrig. Wenn man dazu noch in Betracht zieht, dass STARZ offensichtlich ordentlich Geld in die Hand genommen hat, um diese Serie zu produzieren, bin ich guter Dinge, auch wenn der Trailer selbst noch etwas lasch daherkommt.

MIDNIGHT, TEXAS

Vorlage: 

MIDNIGHT, TEXAS von Charlaine Harris

ACE Verlag, 320 Seiten • ISBN: 978-0-42526-316-7 • 7,99 Euro (noch nicht übersetzt)

Handlung:

Manfred Bernardo ist ein Medium, der in das Südstaaten-Städtchen Midnight zieht, um einen Neuanfang zu wagen. Und dort feststellt, dass es noch viel seltsamere Dinge gibt als Geister. Bald schon bekommt er heraus, dass beinahe jeder seiner Nachbarn mindestens ein dunkles Geheimnis hat. Und als die nach und nach ans Licht kommen, wird’s in Midnight, Texas ziemlich ungemütlich – und hoffentlich spannend.

Hinter den Kulissen:

Nachdem True Blood sich als Straßenfeger erwiesen hat, ist es kein Wunder, dass sich die US-Sender für eine weitere Urban Fantasy/Horror-Serie von Charlaine Harris interessierten. Den Hauptcast stellen u. a. François Arnaud (Borgias; Blindspot), Dylan Bruce (Orphan Black), Parisa Fitz-Henley (Jessica Jones) und Arielle Kebbel (Vampire Diaries).

Warum ich gespannt bin:

Wer mag nicht Geschichten über Außenseiter, die ihren Platz in der Welt noch suchen? Und ihn dann in einer amerikanischen Kleinstadt findet, in der es vor Hexen, Geistern und anderen übernatürlichen Kreaturen nur so wimmelt. Die Winchester-Brüder aus Supernatural sind zudem bereits so lange auf der Jagd, dass es Zeit wird für frisches Blut. Die Serie soll im ersten Halbjahr 2017 anlaufen.

Share:   Facebook