Kai Meyer: Seide und Schwert

KOLUMNE

Fünf Fantasy-Romane mit asiatischem Setting


Die meisten Fantasy-Romane in meinem Regal spielen in einem ans europäische Mittelalter angelehnten Setting. Was mir gut gefällt, auf Dauer aber auch etwas eintönig werden kann. Da ist es erfreulich, wenn sich ein Autor von anderen Kulturkreisen inspirieren lässt und so für Abwechslung sorgt. Wie Guy Gavriel Kay, der sich für seinen Roman Im Schatten des Himmels vom China der Tang-Dynastie hat inspirieren lassen:

 

Im Buch belohnt die Jadeprinzessin den Gelehrten Shen Tai mit 250 Pferden dafür, dass er die in einer Schlacht gefallenen Krieger zur letzten Ruhe bettet. Dadurch steht er von einem Augenblick auf den anderen im Zentrum des öffentlichen Interesses. Sehr zum Missfallen einiger Adeliger, die auch vor Mord nicht zurückschrecken, um den unliebsamen Emporkömmling zu beseitigen. Doch die Geister der gefallenen Krieger helfen dem Gelehrten, dem gedungenen Meuchler zu entkommen. Gemeinsam mit der Kriegerin Wen Song und einem jungen Poeten macht Shen Tai auf den Weg zum Hof des Kaisers, der bald selbst schon bedroht wird von einer verheerenden Rebellion.

 

Guy Gavriel Kay, zu Recht einer der geschätztesten Autoren der historischen Fantasy, ist nicht der einzige mit einer Vorliebe für bzw. dem Mut zu asiatischen Settings:

Der Clan der Otori von Lian Hearn

Intrigen, Clankriege und die große Liebe im feudalen Fantasy-Japan: Lian Hearns Romanreihe Der Clan der Otori wird hauptsächlich aus der Sicht des jungen Takeo erzählt. Nach der Ermordung seiner Familie wird er von einem Lord des Otori-Clans wie ein Sohn aufgezogen – und erhält damit eine umfassende Ausbildung, auch im Schwertkampf und dem Bogenschießen. Allerdings wird er dadurch in die Rivalitäten der verschiedenen Clans und Stämme hineingezogen. Im Verlauf der Reihe stellt Takeo nicht nur fest, dass übernatürliche Begabungen in ihm schlummern (er kann sich z. B. für kurze Zeit unsichtbar machen), sondern er lernt auch die schöne Kaede kennen, der man nachsagt, dass sie allen Männern, die für sie entflammen, den Tod bringe …

Lian Hearn ist zwar das Pseudonym der englischen Autorin Gilian Rubinstein, doch die Otori-Reihe zeichnet sich nicht nur durch den schönen britischen Touch in der Sprache aus, sondern wird auch dafür gelobt, dass sie das historische Japan authentisch beschreibt.

Der letzte Steinmagier von James A. Sullivan
Das Geheimnis der Fuchsfrau von Kij Johnson
Die Schwerter von Dara von Ken Liu

Der letzte Steinmagier von James A. Sullivan

Eine verfluchte Kaiserin, ein ruchloser Usurpator und das Geheimnis der ewigen Jugend: James A. Sullivan erzählt die Geschichte des jungen Steinmagiers Yu, dessen Zunftgefährten in einer schrecklichen Schlacht von einem Verräter niedergemetzelt wurden. Gemeinsam mit einer kaiserlichen Leibwächterin, einem Dieb und zwei Unsterblichen versucht Yu, den Verräter aufzuhalten, der sich selbst zum Herrscher aufschwingen will, um seine zur Statue erstarrte rechtmäßige Kaiserin zu retten …

Sullivan, der sich als Bernhard Hennens Co-Autor für Die Elfen einem großen Publikum vorstellte, strickte den Plot für seinen ersten Solo-Roman zwar aus bekannten Mustern, verlieh ihm aber durch das chinesische Setting eine besondere Note.

Das Geheimnis der Fuchsfrau von Kij Johnson

Die Fuchsgeister Kitsune zählen zu den bekanntesten Figuren der japanischen Mythologie. Die amerikanische Autorin Kij Johnson nahm sich in ihrem Buch Das Geheimnis der Fuchsfrau dieser Sage an. Im mittelalterlichen Japan verliebt sich die Füchsin Kitsune in den Adeligen Kaya. So stark sind ihre Gefühle, dass sie für ihn zum Menschen wird … Der poetische, aber auch tragische Roman ist im Tagebuchstil verfasst und wird aus der Sicht von Kaya und der Kitsune erzählt – und aus der Sicht von Kayas Frau: märchenhaft, detailverliebt, aber auch manchmal behäbig: nichts für Adrenalinjunkies, sondern eher für Romantiker.

Die Schwerter von Dara von Ken Liu

Ebenfalls ans asiatische Mittelalter angelehnt ist Ken Lius Romanreihe Die Schwerter von Dara: Hauptfiguren des Epos sind der Bauernsohn Kuni und Mata Zyndu, Sproß eines Fürsten. So unterschiedlich sie auch sein mögen, sie eint sie doch der Hass auf den Kaiser von Dara, der sein Volk durch seine extravaganten Bauprojekte ausbluten lässt. Mata Zyndu und Kuni werden zu wichtigen Funktionären einer Rebellion, der es schließlich gelingt, den Tyrannen zu stürzen. Und auf einmal werden die beiden zu Feinden – denn es kann nur einen neuen Herrscher geben.

Besondere Würze verleiht Liu seinem Werk dadurch, dass es in seiner mittelalterlichen Welt auch Luftschiffe gibt und die unsterblichen Götter von Dara aktiv in die Geschicke der Menschen eingreifen.

Die Wolkenvolk-Trilogie von Kai Meyer

Die Wolkenvolk-Trilogie spielt im China des Jahres 1760 und dreht sich um die Suche nach den asiatischen Drachen, die über Nacht vom Antlitz der Erde verschwunden sind. Gemeinsam mit dem gleichaltrigen Niccolo macht sich Nugua, die unter Fabeltieren aufgewachsen ist, auf die Suche nach ihrer Drachenfamilie. Dabei begegnen die beiden einer fliegenden Schwertmeisterin, Halbgöttern und einer wunderschönen Zauberkriegerin; sie besuchen Lavatürme, reisen auf Flugschiffen zu dem von Legenden umrankten Drachenfriedhof. In gewohnt bildgewaltiger Weise beschwört Meyer die exotisch-phantastische Welt der chinesischen Mythologie: Da wehen die Seidenschleier, Schwerter regnen aus der Luft herab und Unsterbliche fliegen auf riesigen Kranichen.

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