Die Gewinner des Hugo Awards 1966.

KOLUMNE

Die Hugo Awards 1966: Das waren die Gewinner


Der Hugo wurde bereits zum zweiten Mal in Cleveland verliehen (Tricon). Das erste Mal war elf Jahre zuvor während der Clevention.

Toastmaster: Isaac Asimov 

Novel


Frank Herbert: Dune

(Buchausgabe bei Chilton; dt. Der Wüstenplanet, H 3108/09 sowie diverse weitere Ausgaben bei Bertelsmann und Heyne)

Hugo Award 1966
Hugo Award 1966
Hugo Award 1966

Dune hat nicht nur ganz zurecht den Hugo erhalten, sondern gehört heute – nicht zuletzt durch zahlreiche Fortsetzungen und leider weniger gelungene Verfilmungen – zu den bekanntesten und meistverkauften Science-Fiction-Romanen aller Zeiten. Eine Inhaltsangabe kann die Charakteristik dieses Werkes jedoch nur ungenügend wiedergeben.

Shaddam, Padischah-Imperator des galaktischen Reiches im 11. Jahrtausend, entzieht dem Adelshaus Harkonnen wegen Misswirtschaft die Herrschaft über Arrakis, den Wüstenplaneten, und überträgt sie Leto Atreides, dem bisherigen Herrscher der Wasserwelt Caladan. Doch die Harkonnens setzen alles in Bewegung, die Macht über Dune zurückzuerlangen, denn obwohl der Planet fast ohne Wasser und sehr lebensfeindlich ist, wird auf ihm das »Gewürz« gewonnen, eine Droge, die nicht nur lebensverlängernd wirkt, sondern auch für die präkognitiven Fähigkeiten der Navigatoren sorgt, ohne die die Raumfahrt nicht möglich wäre. Wer die Macht über das Gewürz hat, nimmt eine Schlüsselposition im Imperium ein.

Durch Intrigen wird Herzog Leto Atreides getötet, und sein Sohn Paul muss mit seiner Mutter Jessica in die Wüste fliehen. Dort leben nicht nur riesige, hunderte Meter lange Sandwürmer, sondern auch die Fremen, eingeborene Nomaden. Die Fremen halten Paul Atreides für den Messias, und nach einiger Zeit entwickelt er sich tatsächlich, nicht zuletzt durch den Einfluss des Gewürzes, zu ihrem Propheten Muad’dib. Er organisiert die Fremen und führt sie in einen siegreichen Kampf gegen die Harkonnens. Dabei muss auch der Imperator abdanken. Paul heiratet Irulan, die Tochter von Shaddam, und wird selbst der neue Imperator.

Allein durch die Handlung ist der Erfolg des Romans nicht zu erklären. Die Schauplätze sind akribisch ausgearbeitet, die barocke Handlung gleicht einem Labyrinth und ist enorm spannend. Die politischen Verhältnisse des Imperiums sind alles andere als simpel. Der Imperator ist abhängig von den einzelnen Adelshäusern, doch es gibt noch weitere einflussreiche Kräfte: Die Navigatoren bilden eine eigene Kaste, die die Raumfahrt unter ihrer Kontrolle haben. Die Bene Gesserit sind eine quasi-religiöse Vereinigung »heiliger Mütter«, die den Kwisatz Haderach, den ultimativen Übermenschen, züchten wollen. Weiterhin gibt es die technisch orientierten Bene Tleilax, die ein Gegengewicht zu den Bene Gesserit bilden, aber ähnliche Ziele verfolgen.

Frank Herbert (1920–1986) hat mit diesem Roman klassische Science Fiction geschrieben, aber auch gleichzeitig eine Familiensaga. Er traf Mitte der 60er Jahre genau den Nerv der Zeit, indem er eine Messiasgestalt und den Gebrauch von Drogen in den Mittelpunkt der Handlung stellte. Doch das Buch ist heute noch ebenso lesenswert wie damals.

Im Laufe der Jahre schrieb der Autor noch fünf Fortsetzungen, die die Handlung über Jahrtausende weiterführen. Auch wenn er seine zentralen Themen weiter vertiefte, konnte er die Faszination des ersten Buches nicht mehr erreichen.

35 Jahre später begann Frank Herberts Sohn Brian gemeinsam mit Kevin J. Anderson eine ganze Serie von Romanen zu verfassen, die das Dune-Universum erweitern, dabei jedoch leider weit unter dem Niveau des ersten Romans bleiben.


punktgleich:

Hugo Award 1966
Hugo Award 1966
Hugo Award 1966

Roger Zelazny: … And Call me Conrad

(2 Teile, Oktober und November 1965 in F&SF, später zur Buchausgabe bei Ace erweitert als: This Immortal; dt. Fluch der Unsterblichkeit, MvS und TTB 227)

This Immortal war Roger Zelaznys (1937–1995) erster Roman und erschien unter einem anderen Titel vorab in zwei Teilen in F&SF.

Hauptfigur der Geschichte ist Conrad Nomikos, eine Art Superheld, der nicht nur unsterblich ist, sondern auch über allerlei unglaubliche Fähigkeiten verfügt. Die Erde wurde von einem Atomkrieg verwüstet und spielt in der besiedelten Galaxis nur eine untergeordnete Rolle. Conrad wird beauftragt, den weganischen Gesandten Cort Myshtigo auf seiner Reise zu den antiken Stätten der Erde zu begleiten und zu beschützen. Und Schutz benötigt der Gesandte tatsächlich, denn die Reisenden werden unterwegs von diversen Fabelwesen und Ungeheuern angegriffen, die der Autor – wie auch zahlreiche anderer Handlungselemente – der griechischen Mythologie entlehnt hat. Zur Gruppe der Reisenden gehört der verräterische Hasan, der Myshtigo ebenfalls töten will, in einem Zweikampf aber von Conrad überwältigt wird. Am Ende hat sich der Gesandte von den Fähigkeiten des Supermenschen überzeugt und überträgt Conrad die alleinige Verantwortung für die Erde.

Die Handlung des Romans ist geradlinig und einfach, er lebt eher vom farbigen Panorama. Obwohl es sich eher um eine simple Abenteuergeschichte handelt, hat Zelazny in der für ihn typischen Weise die Handlung mit »Bedeutung« aufgeladen, und die Bezüge zur griechischen Mythologie sind typisch für die Literatur der 60er Jahre. Leider ist der Protagonist so unverwundbar, dass darunter die Spannung leidet.

Reclams Science Fiction Führer urteilt: »Er [Conrad] ist der Prototyp einer langen Reihe von Helden, die Zelaznys Romanen oft ihren Stempel aufdrücken und Tiefgang vorgaukeln, wo ein Bekenntnis zu ehrlicher Unterhaltungsliteratur besser angebracht wäre.«

Weitere Nominierungen:


John Brunner: Squares of the City

(Buchausgabe bei Ballantine; dt. Die Plätze der Stadt, H 3688)

Edward E. Smith: Skylark DuQuesne

(5 Teile, Juni bis Oktober 1965 in IF; dt. Die Skylark und der Kampf um die Galaxis, H 3515)

Short Fiction


Harlan Ellison: »Repent, Harlequin! Said the Ticktockman«

(Dezember 1965 in GALAXY; dt. »Bereue, Harlekin! sagte der Tick-Tack-Mann« in Spiegl [Hrsg.]: Science Fiction Stories 61, UTB 3260 und in Ellison: Ich muss schreien und habe keinen Mund, H 53315)

Harlan Ellison (*1934), der sich damals als enfant terrible der Science Fiction einen Namen machte, schrieb mit »Repent, Harlequin! Said the Ticktockman« eine mehr als merkwürdige Geschichte. Stilistisch gehört sie zur New Wave, die kurze Zeit später in England ihre Blütezeit erreichte. Ellison durchbricht den linearen Erzählfluss, springt unvermittelt in der Handlung umher und fügt Passagen ein, die nur durch freie Assoziation einen Zusammenhang zum Text erkennen lassen.

Dabei malt er eine dystopische Zukunft, in der jeder Handgriff der Menschen bis ins Kleinste geplant und vorausberechnet wurde. Der Tick-Tack-Mann ist die Personifizierung der Staatsgewalt, die keine Planabweichung zulässt bzw. diese drakonisch bestraft, während der Harlekin als anarchistisches Element die Ordnung stören will.

Dem Autor ist häufig Effekthascherei vorgeworfen worden. Doch muss man Ellison zugute halten, dass er sehr genau wusste, wann er welche Effekte einsetzen konnte.

Weitere Nominierungen:


Poul Anderson: »Marque and Reprisal«

(Februar 1965 in F&SF; nicht auf Deutsch)

Philip José Farmer: »Day of the Great Shout«

(Januar 1965 in WORLDS OF TOMORROW; Novelle, auf der der erste Riverworld-Roman basiert, dt. in Die Flußwelt der Zeit, H 3639, Piper 6657)

Fritz Leiber: »Stardock«

(September 1965 in FANTASTIC; dt. »Sternhöh« in Leiber: Schwerter von Lankhmar, H 4288; in Ringer/Urbanek [Hrsg.]: Die Götter von Pegana, H 4076; »Sternenrampe« in Leiber: Die Herren von Quarmall, EP 2004)

Roger Zelazny: »The Doors of His Face, the Lamps of His Mouth«

(März 1965 in F&SF; dt. »Die Türen seines Gesichts« in Zelazny: Die Türen seines Gesichts, M 3505; »Das Biest« in Zelazny: Die Insel der Toten u. a., H 4335)

Professional Magazine

Hugo Award 1966
Hugo Award 1966
Hugo Award 1966

IF (Frederik Pohl)

Das Magazin IF trug bei seiner Gründung im Jahr 1952 noch den Untertitel WORLDS OF SCIENCE FICTION. Später dann wechselte der Titel mehrfach zwischen IF und WORLDS OF IF. Von 1962 bis 1969 war Frederik Pohl Herausgeber des Magazins. Im Zeitraum 1965/66 erschienen zum Beispiel E. E. Smiths Skylark DuQuesne (5 Teile; Juni bis Oktober 1965; dt. Die Skylark und der Kampf und die Galaxis), Keith Laumers Retief’s War (3 Teile; Oktober bis Dezember 1965; dt. Diplomat und Rebell von Terra). Auslöser für die Wahl zum besten Magazin des Jahres war aber mit Sicherheit Robert Heinleins The Moon is a Harsh Mistress (5 Teile; Dezember 1965 bis April 1966; dt. Revolte auf Luna bzw. Der Mond ist eine herbe Geliebte bzw. Mondspuren). Typische IF-Autoren waren Keith Laumer (zahlreiche Retief-Storys), Fritz Leiber, Gordon R. Dickson, Fred Saberhagen (Berserker-Storys), Larry Niven (Known Space-Storys), R. A. Lafferty, James Blish und A. Bertram Chandler (John Grimes-Storys).

Weitere Nominierungen:


ANALOG (John W. Campbell, Jr.)
GALAXY (Frederik Pohl)
AMAZING (Cele Goldsmith)
F&SF (Joseph W. Ferman)

Professional Artist


Frank Frazetta

Der 1928 geborene New Yorker Grafiker und Illustrator Frank Frazetta hat von 1944 bis 1963 fast ausschließlich Comics gezeichnet und arbeitete an Serien wie BUCK ROGERS IN THE 25TH CENTURY und FLASH GORDON, später auch an CREEPY und VAMPIRELLA mit.

Im Jahr 1964 begann er Taschenbuchcover zu malen, zunächst für Ace Books und später auch für Lancer Books. Seine Stärke liegt auf dem Gebiet der Fantasy-Illustration, und den Hugo erhielt er für die Bilder der Conan-Neuausgabe bei Lancer. Typisch für die Cover waren muskelstrotzende Barbaren und leicht bekleidete Damen.

In den 70er und 80er Jahren erschienen zahlreiche Bildbände, Portfolios und Postkartensammlungen mit den Bildern Frazettas.

Weitere Nominierungen:


Frank Kelly Freas
Jack Gaughan
Gray Morrow
John Schoenherr

Amateur Magazine


ERB-DOM (Camille Cazedessus)

ERB ist die fandomübliche Abkürzung des Namens Edgar Rice Burroughs, und ERB-DOM ist demzufolge das Blatt für das Burroughs-Fandom. Obwohl die aktive Zeit des Autors bereits Jahrzehnte zurücklag, erlebten seine Werke in den 60er Jahren zahlreiche Nachauflagen (u. a. im Taschenbuch bei Ace, Lancer und Ballantine). Camille Cazedessus beschäftigte sich über viele Jahre mit Burroughs und informierte in seinem Heft über Wissenswertes zum Autor, aber auch über Neuauflagen und Sammlerausgaben.

Weitere Nominierungen:


YANDRO (Robert & Juanita Coulson)
DOUBLE: BILL (Bill Mallardi)
NIEKAS (Edmund R. Meskys und Felice Rolfe)
ZENITH Speculation (Peter R. Weston)

Best All-Time Series

Hugo Awards 1966
Hugo Awards 1966
Hugo Awards 1966

THE FOUNDATION SERIES von Isaac Asimov

Die acht ursprünglichen FOUNDATION-Erzählungen und -Novellen erschienen vom Mai 1942 bis Januar 1950 in ASTOUNDING und begründeten zusammen mit den Robotergeschichten Isaac Asimovs (1920–1992) Ruhm als SF-Autor. Insbesondere die Buchausgaben machten Asimov weit über die Grenzen des Fandoms hinaus bekannt. Die drei Bände erschienen zunächst bei Gnome Press, später bei diversen anderen Verlagen: Foundation (1951; dt. Terminus, der letzte Planet bzw. Der Tausendjahresplan bzw. Die Stiftung bzw. Die Foundation), Foundation and Empire (1952; Der Mutant bzw. Der galaktische General bzw. Stiftung und Imperium bzw. Foundation und Imperium) und Second Foundation (1953; dt. Alle Wege führen nach Trantor bzw. Die zweite Stiftung bzw. Zweite Foundation).

Das Konzept vom Untergang eines gigantischen galaktischen Reiches hat auch Jahrzehnte nach seinem ersten Erscheinen in Buchform nichts von seiner Faszination verloren. Asimov wurde als junger Mann von der Lektüre von Edward Gibbons Decline and Fall of the Roman Empire inspiriert, was man dem Zyklus auch anmerkt. Um die Zeit zwischen dem Untergang des galaktischen Reiches und dem Aufbau eines neuen möglichst kurz zu halten, lässt Asimov seinen genialen Wissenschaftler Hari Seldon die Psychohistorik erfinden, eine Wissenschaft zur Voraussage und Beeinflussung der Geschicke der ganzen Menschheit.

Am Anfang der Trilogie glaubt der Leser, und auch die Protagonisten, dass der Seldon-Plan die Zukunft schicksalhaft vorbestimmt und berechnet hat. Im zweiten Band zeigt Asimov jedoch, dass auch eine so exakte Wissenschaft wie die von ihm erfundene Psychohistorik Fehler aufweisen kann, und gibt der Jahrhunderte überspannenden Handlung durch das Auftauchen des Muli eine überraschende Wendung. Die Foundation-Trilogie wird ganz zurecht immer wieder zu den wichtigsten SF-Serien der fünfziger Jahre gezählt und seither weltweit immer wieder aufgelegt.

Asimov hat ab 1984 noch sechs weitere, umfangreiche Foundation-Bände geschrieben und damit seine Foundation- und Roboter-Geschichten in einen übergeordneten Handlungsrahmen zusammengeführt.

Weitere Nominierungen:


BARSOOM von Edgar Rice Burroughs
FUTURE HISTORY von Robert A. Heinlein
LENSMEN von Edward E. Smith
LORD OF THE RINGS von J. R. R. Tolkien

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 1953-1984” (erschienen 2015 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

 

© 2015 by Hardy Kettlitz

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