Guy Gaviel Kay - Im Schatten des Himmels

Guy Gaviel Kay - Im Schatten des Himmels

INTERVIEW

Kriegermönche, 250 Pferde und "Game of Thrones" in China: Interview mit Guy Gavriel Kay


TOR Team
24.10.2016

Guy Gavriel Kay ist der erfolgreichste Fantasy-Autor Kanadas. Sein Roman "Im Schatten des Himmels" (FISCHER Tor) wurde als bester Roman des Jahres mit dem Sunburst Award ausgezeichnet. Im Roman wird Kriegermönch Shen Tai dank des Geschenks von 250 sardianischen Pferden zu einem der mächtigsten Männer im Kaiserreich. Die Herrschenden von Kitai wollen jedoch keinen neuen Konkurrenten dulden und planen ein Attentat auf Shen Tai. Wir haben mit Guy Gavriel Kay über diese sagenhafte Fantasywelt gesprochen.

 

TOR ONLINE: Warum 250 sardianische Pferde?

Guy Gavriel Kay: Ich brauchte eine Zahl, die verrückt ist, geradezu absurd, wenn man bedenkt, wie wertvoll sie sein sollen. Eine Zahl, die nur einer Person einfallen könnte (einer Prinzessin), die vollkommen wirklichkeitsfremd ist und kein Gespür für den Wert von Dingen hat. Diese Prinzessin will meinem Helden ein großzügiges Geschenk machen oder ihn reich belohnen, aber ihre Maßlosigkeit bringt ihn in Gefahr und hat schwerwiegende Folgen für das Reich.

Die Welt in „Im Schatten des Himmels“ basiert auf dem historischen China der Tang-Dynastie. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, diese Geschichte zu schreiben?

Ich glaube, zuerst habe ich mich mit der Poesie dieser Dynastie beschäftigt, und habe dann angefangen, sehr viel über ihre Geschichte zu lesen. Einige Dichter der Tang-Zeit gehören zu den größten, die jemals gelebt haben. Es gibt ein Gedicht, „Die Weise von den Kriegswagen“ von Du Fu, das die Geister eines Schlachtfeldes an einem entlegenen See beschreibt, und dieses Bild gab mir die Idee, mit der ich den Roman begann.

Wenn Sie „Im Schatten des Himmels“ mit nur einem Satz anpreisen müssten, welcher wäre das?

„Das Leben konnte mit Gift in einem juwelenbesetzten Kelch aufwarten oder mit überraschenden Geschenken. Manchmal ließ sich unmöglich sagen, um welches von beiden es sich handelte.“ Das ist ein Zitat über die 250 Pferde, das ziemlich früh im Buch auftaucht, und damit beginnt das Drama und die Geschichte wird spannend.

Viele Ihrer früheren Romane hatten ebenfalls einen historischen Hintergrund. Was fasziniert Sie daran, Geschichte mit Fiktion zu verbinden?

Geschichte hat mich schon immer fasziniert. Ich bin überzeugt, dass wir, wenn wir die Vergangenheit nicht kennen, dazu verdammt sind, sie zu wiederholen. Für meine „Vierteldrehung zum Phantastischen“ habe ich viele Gründe, zu viele, um diese Frage kurz zu beantworten. Ein Grund aber ist, dass dadurch einige Themen und Elemente Universalität erlangen und sich nicht nur auf eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort beziehen.

Was ist Ihnen beim Schreiben von „Im Schatten des Himmels“ am schwersten gefallen?

Mir fällt beim Schreiben jedes Buches alles schwer! Ich schreibe sehr langsam, schreibe oft etwas um, denke viel und lange darüber nach, was ich mit einer Szene, einer Figur, einem Motiv erreichen will. Bei diesem Roman war eine Sache, dass ich irgendwie zeigen musste, wie schlau einige Menschen am Hof waren, ich konnte nicht einfach sagen, dass sie es sind. Ich musste außerdem viel an der Balance zwischen den parallelen Geschichten von Shen Tai und seiner Schwester arbeiten, die an sehr unterschiedlichen Orten spielen.

Und welches Kapitel, welche Szene oder welche Figur hat Ihnen am besten gefallen?

Ich habe nie wirklich „Spaß“, wenn ich schreibe, aber ich mochte die Herausforderung, vor die ich mich selbst mit dem sehr ungewöhnlichen Duell zwischen den zwei Brüdern gestellt habe, die sich am Hof treffen. Die Hinführung zu dieser Szene, die Begegnung selbst und das, was daraus folgt …

Wir danken Ihnen für das Gespräch!

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