Interview mit Sarah Monette (Katherine Addison - Der Winterkaiser)

Katherine Addison - Der Winterkaiser

INTERVIEW

Interview mit Sarah Monette (Katherine Addison - Der Winterkaiser)


TOR Team
13.10.2016

Wer genau steckt eigentlich hinter dem Pseudonym Katherine Addison? Verraten Sie uns doch ein bisschen über sich.

Sarah Monette: Ich bediene einfach mal ein totales Klischee, aber wie die meisten Autoren lese ich sehr gerne. Was Literatur und Geschichte angeht, bin ich ein Geek durch und durch. Vor allem interessieren mich das viktorianische England, das Dritte Reich und der Wilde Westen. Besonders gern verschlinge ich True Crime Romane, ganz egal aus welcher Epoche. Außerdem bin ich eine kleine Gamerin und – ja, jetzt wird es etwas peinlich – mag Computerspiele wie ›Civilization‹ oder ›Diablo‹. Ansonsten liebe ich das Dressurreiten – die weltbeste Sportart, abgesehen von dem Teil, der für Außenstehende wirklich sehr, sehr langweilig wird, außer man ist selbst Dressurreiter und versteht, was dahinter steckt.

›Der Winterkaiser‹ erschien 2014 bei Tor Books [2016 bei FISCHER Tor]. Wie ist die Grundidee hierzu entstanden?

Ich wollte eine Geschichte über Elfen und Luftschiffe schreiben.

Der Fantasy-Roman wurde sehr positiv von Ihren Lesern aufgenommen. Haben Sie damit gerechnet, dass das Buch so ein durchschlagender Erfolg wird?

Natürlich bin ich sehr dankbar für die vielen positiven Reaktionen auf das Buch. Und, nein, ich habe überhaupt nicht erwartet, dass die LeserInnen so stark auf den Roman reagieren werden. Das war eine große Überraschung.

Sie waren auch schon unter Ihrem echten Namen Sarah Monette im Fantasy-Genre unterwegs und haben vor allem Kurzgeschichten geschrieben. Konnten Sie die Erfahrungen des Kurzgeschichtenschreibens nutzen, als Sie am ›Winterkaiser‹ gearbeitet haben?

Eigentlich nicht. Es schwirrt diese verrückte Idee herum, dass das Verfassen von Kurzgeschichten als Schreibübung dient, die man absolviert, bevor man sich an einen »richtigen« Roman wagt. Das stimmt so nicht. Es handelt sich einfach um eine ganze andere Gattung, und folglich braucht man auch etwas anderes Handwerkszeug. Aber ich habe nicht nur Kurzgeschichten, sondern auch Romane unter meinem richtigen Namen veröffentlicht; allerdings hatte keiner von ihnen auch nur im Geringsten etwas mit ›Dem Winterkaiser‹ gemein. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man als Autor aus jedem einzelnen Text, den man schreibt, etwas lernen kann. Das Verfassen von Kurzgeschichten im Speziellen hat den Schreibprozess also nicht mehr und nicht weniger beeinflusst als jeder andere Text, den ich jemals geschrieben habe.

Wenn Sie nur einen Satz benutzen dürften, um den ›Winterkaiser‹ zusammenzufassen – wie würde er lauten?

Der jüngste und verschmähte Sohn des Elfenkaisers, der zudem noch ein Halbkobold ist, erklimmt den Thron, nachdem sein Vater und seine Halbgeschwister bei einem Luftschiffunglück ums Leben kommen.

Es hat sich herausgestellt, dass dieser Satz den Roman ganz gut auf den Punkt bringt.

Einen kompletten Roman zu schreiben, ist eine ganz schöne Mammutaufgabe. Was war für Sie der schwierigste Teil, während Sie am ›Winterkaiser‹ gearbeitet haben?

Ich habe – und das ist keine Übertreibung – monatelang an Kapitel 26 festgehangen. Erst, weil ich nicht wusste, was drin stehen sollte, denn mir war nicht bewusst, dass der Roman eine Nebenhandlung hat, in der eine Brücke über den größten Fluss der Elfenlande gebaut werden soll. Als mir das dann klar wurde, wusste ich nicht, wie ich es in Worte fassen sollte. Schließlich bin ich keine Ingenieurin. Als ich den Dreh dann endlich hatte, war es eigentlich eine leichte Übung.

Jetzt mal weg von den Schwierigkeiten beim Schreiben – welches Kapitel, welche Szene oder Figur hat Ihnen denn am meisten Spaß gemacht?

Ich glaube, meine Lieblingsfigur ist Maias Kobold-Großvater, der Große Avar aus Barizhan.

Und was hat Sie am meisten Nerven während des Schreibprozesses gekostet?

Ich musste mich immer wieder daran erinnern, die strickten gesellschaftlichen Regeln zu befolgen, die ich selbst aufgestellt hatte. Das war viel schwieriger als gedacht. Die extrem formale Sprache am Hof der Elfen hat mich zeitweise wirklich in den Wahnsinn getrieben, und ich musste wirklich aufpassen wie ein Schießhund, um nicht doch hier und da in einen anderen Stil zu verfallen.

Wenn Sie die Chance hätten, noch einmal in der Zeit zurückzureisen und noch eine letzte Änderung am Manuskript machen dürften, bevor der Roman in den Buchhandlungen landet, würden Sie es tun?

Tatsächlich gibt es einen Teil des Worldbuildings, bei dem sich ein Fehler eingeschlichen hat und der mir einfach nicht rechtzeitig aufgefallen ist. Aber nein, ich werde Ihnen jetzt nicht den Gefallen tun und verraten, wo der Fehler liegt.

Maia ist eine faszinierende Figur. Es ist geradezu unmöglich, keine Beziehung zu ihm aufzubauen, während man all die guten und – leider ja viel häufigeren – schlechten Zeiten, mit ihm durchlebt. Wie ist diese Figur entstanden?

Das kann ich gar nicht so genau sagen. Irgendwie war Maia von Anfang an einfach so, wie er ist. Es gab nicht einmal den Punkt, an dem er einen anderen Charakter hätte entwickeln können. Ich habe Maia einfach immer wieder in völlig neue Situationen hineingeworfen und geschaut, wie er reagiert – so wie ich es üblicherweise auch mit meinen anderen Figuren handhabe. Und dabei ist der Winterkaiser so herausgekommen, wie wir ihn nun alle kennen.

Jeder Leser nimmt Fantasy und Science Fiction anders wahr. Was mögen Sie am meisten an diesen beiden Genres?

Am meisten schätze ich an Fantasy und Science Fiction, dass sie es sowohl dem Leser als auch dem Autor erlauben, ihre Vorstellungskraft bis zum Maximum auszuschöpfen und einfach neue Türen öffnen.

Und eine letzte Frage noch: Was sind Ihre 5 absoluten Lieblingsbücher?

›Unten am Fluss‹ von Richard Adams, ›Das letzte Einhorn‹ von Peter Beagle, ›Swordspoint‹ von Ellen Kushner, ›Venetia und der Wüstling‹ von Georgette Heyer und ›The Dead Zone‹ von Stephen King.




Mit freundlicher Genehmigung von Jasper de Joode, Quelle: www.thebookplank.blogspot.de

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