Becky Chambers - Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten

Becky Chambers - Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten

INTERVIEW

"Ich kann mir nicht vorstellen, keine Science Fiction zu schreiben"


Becky Chambers ("Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten") über öde Nebenjobs, die Bastelei beim Erfinden neuer Spezies und ihr Aufwachsen in einer Raumfahrttechniker-Familie.

 

 

TOR ONLINE: Du hast deinen Roman „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ zunächst selbst veröffentlicht, bevor Hodder & Stoughton dann der Meinung war, dass er es verdient hat, als gedrucktes Buch im Verlag zu erscheinen. Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, diese Geschichte zu schreiben?

Becky Chambers: Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich mit einem großen Plan da rangegangen bin, aber eigentlich bin ich in meiner College-Zeit vor über zehn Jahren dazu gekommen, weil mein Job mich gelangweilt hat. Es war ein ziemlich öder Empfangsjob, also habe ich eines Tages angefangen, Aliens zu erfinden. Sissix (die Pilotin in „Der lange Weg“) war die Erste, und da ich sie so mochte, schenkte ich ihr ein paar Freunde. Dann dachte ich, sie brauchen einen Job, und ein Raumschiff und so ergab eins das andere.

Wenn es darum geht, warum ich dachte, dass die Geschichte aufgeschrieben werden sollte – ich wollte von einer hoffnungsvollen Zukunft schreiben, einen Gegenentwurf zu den eher finsteren, mahnenden Geschichten schaffen, von denen es momentan so viele gibt. Versteh mich nicht falsch, ich denke, Geschichten, die uns ins Gewissen reden, sind wichtig und notwendig, gerade heutzutage. Aber wir müssen uns die Zukunft auch so vorstellen können, dass wir das Gefühl haben, der Kampf ums Überleben lohnt sich. Das habe ich in meinem Roman versucht.

Wenn du „Ein langer Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ mit einem einzigen Satz anpreisen müsstest, welcher wäre das?

In meinem Roman geht es um die Crew eines Tunnlerschiffes, die auf ihrer Reise durch die Galaxie auf seltsame Kulturen und fremde Welten trifft.

In deinem Roman trifft der Leser auf die unterschiedlichsten Spezies. Hattest du diese „Aliens“ von Anfang an im Kopf oder war es schwer, herauszufinden, wie sie wirklich sein sollen?

Die Figuren sind ziemlich schnell entstanden, und ihre Beziehungen untereinander waren mehr oder weniger von Anfang an in Stein gemeißelt. Andere Spezies zu erfinden, war zeitaufwendig und viel Bastelei, aber es hat sich nicht wie Arbeit angefühlt. Im Gegenteil – es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht.

Du kommst eigentlich vom Theater. Wo kommt deine Liebe zur Science Fiction her? Warum hast du dich entschieden, deinen Roman im Weltraum spielen zu lassen?

Ich kann mir nicht vorstellen, keine Science Fiction zu schreiben. Das war meine erste große Liebe. Ich komme aus einer Familie von Raumfahrttechnikern, und wir haben die ganze Zeit Star Trek und Star Wars gesehen. Sci-fi hat mich immer begleitet, und man kann sagen, dass sie sie mich gewissermaßen vom Theater weggebracht hat. Ich finde es toll, ein Stück auf die Bühne zu bringen, aber nachdem ich angefangen habe, professionell am Theater zu arbeiten, habe ich bald gemerkt, dass die zeitgenössischen Geschichten, die auf der Bühne erzählt werden, nicht die sind, die mich am meisten interessieren. In meiner Freizeit sah ich mir nicht, wie meine Kollegen, anderen Stücke an. Ich ging nach Hause, um Bücher zu lesen und fernzusehen und Videospiele zu spielen, und in den meisten davon kamen Raumschiffe vor. Ich habe nur ein paar Jahre am Theater gearbeitet, bevor ich mich dazu entschieden habe, in eine andere Richtung zu gehen. Es hat sich einfach richtig angefühlt. Das tut es immer noch.

Was ist dir beim Schreiben von „Ein langer Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ am schwersten gefallen?

Fertig zu werden! Ich glaube, das ist bei jedem ersten Buch das schwierigste. Man steigert sich so schnell in diese Gedanken hinein, wie schlecht das Buch ist, dass niemand es lesen wird, dass es reine Zeitverschwendung wäre. Jeder Autor hat diese Gedanken, aber wenn man noch nie zuvor ein Buch geschrieben hat, ist es noch schwieriger, nicht darauf zu hören. Dazu kommt, dass es wahnsinnig harte Arbeit ist, ein Buch zu schreiben. Es kostet viel Zeit, ist mühsam und macht nicht immer Spaß. Es war schwer, das Selbstvertrauen zu finden, an diese Geschichte zu glauben und sie zu Ende zu bringen, aber ich bin froh, dass ich es geschafft habe.

Welches Kapitel, welche Szene oder welche Figur hat dir am besten gefallen? Und warum?

Meine Lieblingsszene ist die allerletzte, über die ich natürlich nicht allzu viel erzählen kann! Aber ich kann sagen, dass ich viele Jahre nicht geglaubt habe, dass „Der lange Weg“ ein richtiges Buch ist, weil es aus so vielen Einzelteilen bestand und ich nicht wusste, wie ich sie zusammenhalten konnte. Die letzte Szene ist für mich der Knoten, der alle Fäden miteinander verbindet. Ich hoffe, dass die Leser diese Szene mit demselben Gefühl lesen, das mich dazu gebracht hat, dieses Buch zu schreiben.

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