5 Fantasy-Bücher über Thronerben

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Fünf Bücher über unerfahrene Thronerben


Plötzlich Thronerbe. Was wie ein Märchenende klingt, stellt sich für so manche Heldin als Albtraum heraus. Denn der königliche Hof ist eine Schlangengrube voller ruchloser Ratgeber und einer Menge Leute, die nur darauf warten, dass ihr Herrscher strauchelt.

Maia, der Protagonist des High Fantasy-Romans Der Winterkaiser (FISCHER Tor) erlebt das tagtäglich. Als Mischlingskind – halb Kobold, halb Elf –, hat er sein Leben lang weit entfernt vom Hof des Elfenkaisers in der Verbannung verbracht. Der unerwartete Tod seines Vaters und seiner drei Halbbrüder bei einem Luftschiffabsturz katapultieren ihn jedoch in ein Leben voller Palastintrigen.

Anlässlich des Erscheinens von Katherine Addisons preisgekröntem Roman – Der Winterkaiser wurde 2015 mit dem Locus Award als Bester Fantasy-Roman des Jahres ausgezeichnet – habe ich mein Bücherregal durchforstet nach Titeln, deren Hauptfiguren vor ähnlichen Problemen stehen wie Maia. Aber mitunter gehen sie ganz anders damit um …

Das Imperium der Prinzen von Garth Nix

Khemri ist nicht nur Erbe eines kleinen Königreichs, sondern der Kronprinz eines gewaltigen galaktischen Imperiums. Ein Kronprinz, um genau zu sein, denn um den Fortbestand seiner gewaltigen Dynastie zu sichern, hat der Galaktische Imperator gleich mehrere Millionen potenzielle Erben.

Zeit für ein luxuriöses Leben bleibt Khemri ab Eintritt in sein 16. Lebensjahr kaum noch. Nicht nur, dass er fortan als Kadett vom Militär harsch gedrillt wird. Weil der amtierende Herrscher seine Krone in zwei Jahren an seinen Nachfolger abgeben will, erweisen sich die unzähligen anderen Thronerbinnen und –erben weniger als nette Ziehgeschwister, sondern vielmehr als tödliche Konkurrenten.

Mit Das Imperium der Prinzen hat der australische Autor Garth Nix (Die Schlüssel zum Königreich, Sabriel) eine extrem coole Space Opera geschrieben, voll von Weltraumschlachten, Alienparasiten, Raumschiffen, Psi-Kräften und jeder Menge Intrigen. Khemri ist ein spannender junger Protagonist, der nicht zu glattgebügelt daherkommt trotz (oder wegen?) seines Hungers nach Macht, Sex und Lebenserfahrung. Und für alle Leser unter euch, die von den Endlosserien des Genres genervt sind, eine gute Nachricht: Das Imperium der Prinzen ist ein Einzelband. Leider.

Die Königliche von Kristin Cashore

Als Bitterblue den Thron des kleinen Königreichs Monsea bestieg, war sie ein Kind: die einzige Tochter eines Tyrannen. Ihre Ratgeber herrschten in ihrem Namen. Mittlerweile ist sie zu einer jungen Frau herangewachsen und möchte sich der Aufgabe stellen, das Vertrauen eines Volkes zu gewinnen, das Jahrzehntelang unter den sadistischen Gräueln ihres psychisch kranken Vaters gelitten hat. Sie weiß, dass ihre Ratgeber sich ihr gegenüber immer loyal verhalten haben. Deshalb ist sie umso schockierter, als sie feststellt, dass diese sie seit Jahren mit falschen Informationen versorgen.

 

Weil sie nicht mehr sicher ist, wem sie wirklich vertrauen kann, beschließt Bitterblue, sich auf eigene Faust ein Bild vom aktuellen Zustand ihres Königreichs zu machen. Verkleidet als Dienerin schleicht sie sich Nacht für Nacht aus dem Schloss. Sie will in Erfahrung bringen, wie es ihrem Volk wirklich geht und was es denkt. Dabei steigen auch lang verdrängte Erinnerungen an ihre eigene Kindheit an die Oberfläche.

 

Die Königliche mag vom Verlag als Teil einer Trilogie bezeichnet werden, doch der Roman lässt sich mühelos ohne die Kenntnisse der anderen Bände lesen. Für ein Jugendbuch ist sowohl Bitterblues Charakter als auch das Dilemma, in dem sie steckt, erstaunlich komplex und psychologisch interessant. Die Königin muss sich mit zahlreichen Intrigen herumschlagen. Aber deren Strippenzieher sind nicht daran interessiert, ihr die Krone zu stehlen, sondern haben andere Beweggründe. Es ist spannend und berührend, Bitterblue auf ihrer Suche nach der Wahrheit zu folgen.

 

 

Die Erbin der Welt von N. K. Jemisin

Yeine Darr, 19 Jahre jung und Stammesfürstin einer abgelegenen Provinz, hat die Familie ihrer in Ungnade gefallenen Mutter nie kennengelernt. Bis sie von ihrem Großvater, dem König, unerwartet in die Hauptstadt des Reiches gerufen und zu seiner Erbin erklärt wird. Genauer gesagt: zu einer seiner drei potenziellen Erben. Die Konkurrenten um die Krone sollen in den folgenden Monaten ihrem Großvater beweisen, wer von ihnen am ehesten geeignet ist, seinen Platz einzunehmen.

 

Damit wird Yeine zur Schachfigur in einem intriganten Spiel, das ihr überhaupt nicht behagt. Zumal die beiden anderen Erben offenbar keine Skrupel kennen, die unliebsamen Nebenbuhler mit Gewalt aus dem Weg zu räumen. Trotzdem bleibt sie bei Hofe. Zum einen, weil sie den Mord an ihrer Mutter aufklären will; zum anderen, weil ihr unverhofft ein mächtiger, wenn auch gefährlicher Gefährte zur Seite steht: ein lebender Gott, von den Vorfahren ihrer Familie in Ketten gezwängt.

 

N. K. Jemisins Roman besticht nicht nur durch ein interessantes Worldbuilding – der Königspalast beispielsweise ist ein riesengroßer wolkenverhangener Komplex, der von einer schlanken Säule getragen wird, die bis in den Himmel ragt –, sondern auch durch einen ungewöhnlichen Schreibstil. Jemisin lässt Yeine die Geschichte in der Ich-Form erzählen, mit zahlreichen Einschüben und Rückblenden und Passagen, in denen sich Yeine direkt an den Leser wendet. Das ist nicht jedermans Sache, aber wem es gefällt, den begeistert dieser Kunstgriff um so mehr.

Die Tochter der Königin von Dawn Cook

Anders als Yeine wurde Prinzessin Tess von Costenpolis ihr Leben lang auf ihre Rolle als Thronerbin vorbereitet. Nur dass sich herausstellt, dass all die drögen Unterrichtsstunden in Politik und Diplomatie völlig für die Katz waren. Denn als der Verlobte der Prinzessin im Palast auftaucht, müssen ihre Eltern damit herausrücken, dass Tess gar nicht ihr leibliches Kind ist. Die wahre Prinzessin wuchs gut verborgen in einem geschützten Konvent auf. Tess hingegen ist in Wahrheit das Kind einer Bettlerin und wurde ihr ganzes bisheriges Leben lang nur dazu benutzt, Attentäter zu täuschen und so die eigentliche Thronerbin zu schützen.

 

Da für Tess diese Information ebenfalls neu ist, stürzt für sie eine Welt zusammen. Bevor sie mit ihren vermeintlichen Eltern jedoch ein Hühnchen rupfen kann, werden diese vor ihren Augen ermordet. Tess steht vor einer schwierigen Entscheidung: Soll sie ihr Heil in der Flucht suchen oder ausgerechnet jene junge Frau retten, die ihr die Zukunft zu stehlen droht, auf die sie sich ihr ganzes Leben lang vorbereitet hat?

 

Durch seine interessante und gelungen umgesetzte Prämisse ist Die Tochter der Königin ein romantischer Fantasy-Roman, dem zwar eine Fortsetzung folgte (Die Gesandte der Königin), der aber auch für sich allein stehend gelesen werden kann. Dawn Cook – die inzwischen unter dem Namen Kim Harrison auch Urban Fantasy verfasst – hat eine wirklich sympathische Heldin geschaffen. Tess entwickelt sich im Verlauf ihres für sie nervenaufreibenden Roadtrips von einer etwas hochnäsigen, aber keineswegs hilflosen Prinzessin zu einer sympathischen jungen Frau.

König der Dunkelheit von Mark Lawrence

»Ich saß auf den rauchumwogten Ruinen meines Schlosses, ohne auf die Haufen aus stinkenden Toten zu achten.«

Ihr mögt es weniger romantisch und dafür härter und brutaler? Jorg von Ankrath, Hauptfigur einer Romantrilogie des britischen Autors Mark Lawrence, ist kompromisslos, grausam, ehrgeizig und blutrünstig. Als Kind musste er mit ansehen, wie seine Mutter und sein Bruder ermordet wurden. Vier Jahre später führt er bereits selbst eine Truppe amoralischer Schlächter an, um die Krone zurückzuerobern, die man ihm gestohlen hat.

 

In König der Dunkelheit, dem zweiten von drei Bänden, hat er sein Ziel erreicht. Er sitzt auf dem Thron und will bald heiraten. Wesentlich sanfter ist er seither allerdings nicht geworden. Das beweist er, als eine gigantische Übermacht von zwanzigtausend Soldaten ihn in seiner Burg einkesselt. Er überlebt, weil er ein rücksichtsloser Bastard ist, der keine Skrupel kennt.

 

Jorg von Ankrath ist ein Antiheld – und seine Geschichte ist nichts für zartbesaitete Gemüter. Da wird hingerichtet, massakriert und vergewaltigt. Und dennoch ist Jorg ein Charakter, der gleichzeitig abstößt und fasziniert. Er und Ramsay Bolton aus Game of Thrones würden sich bestimmt gut verstehen.

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