Die Hugo Awards 1963 fanden in diesem Jahr erstmals in Washington, der Hauptstadt der USA, statt, und zwar auf dem Discon I.

KOLUMNE

Die Hugo Awards 1963: Das waren die Gewinner



Die Hugo-Verleihung fand in diesem Jahr erstmals in Washington, der Hauptstadt der USA, statt, und zwar auf dem Discon I.

Toastmaster: Isaac Asimov 

Novel


Philip K. Dick: The Man in the High Castle

(Buchausgabe bei Putnam; dt. Das Orakel vom Berge, König-TB 34, B 22021, B 24117, H 8203, H 52272 und Fischer Klassik 90562)

Hugo Award 1963 - Novel
Hugo Award 1963 - Novel
Hugo Award 1963 - Novel

Philip K. Dick (1928–1982) beschreibt eine Parallelwelt, in der Deutschland gemeinsam mit Japan den Zweiten Weltkrieg gewonnen und die USA unter sich aufgeteilt haben. Dick konzentriert sich jedoch weniger auf die weltpolitische Lage, sondern vielmehr auf das Schicksal eines halben Dutzends Menschen in San Francisco, wie zum Beispiel auf den Antiquitätenhändler Mr. Childan, der an wohlhabende Japaner amerikanische Memorabilien aus der Vorkriegszeit verkauft, den einflussreichen japanischen Beamten Tagomi, den deutschen Geheimagenten Wegener alias Baynes oder den Schriftsteller Hawthorne Abendsen. Letzterer hat den Roman The Grashopper Lies Heavy geschrieben, in dem er eine Welt schildert, in der Deutschland den Zweiten Weltkrieg verloren hat. Das Buch gilt als subversiv und wird unterdrückt, gibt seinen Lesern jedoch Hoffnung und fordert zum Widerstand auf. Die Einzelschicksale der Figuren führen am Ende des Romans zusammen, und jeder Protagonist treibt seiner persönlichen Tragödie entgegen.

Brian W. Aldiss urteilte darüber in seinem Sachbuch Der Milliarden Jahre Traum:

The Man in the High Castle unterscheidet sich im Ton von den meisten Werken Dicks, er hat einen düsteren, eher nüchternen Klang. Er ist offensichtlich nicht, wie viele seiner Romane, in Eile geschrieben. Aber was ihm an Spritzigkeit fehlt, gleicht er durch den Nachgeschmack aus. Es ist schwierig, The Man in the High Castle zu vergessen, einen würdigen Hugo-Gewinner, überraschenderweise das einzige von Dicks Werken, das diese Auszeichnung erhalten hat.

Auch wenn dieses komplex konstruierte Buch einer der wichtigsten Beiträge zum Thema Alternativwelten ist, so ist es vielleicht doch nicht Dicks bester Roman. Schade, dass es sein einziger mit einem Hugo preisgekrönter Roman geblieben ist.

Weitere Nominierungen:


Marion Zimmer Bradley: Sword of Aldones

(Buchausgabe bei Ace; dt. Das Schwert des Aldones, M 3670 und andere)

Arthur C. Clarke: A Fall of Moondust

(Buchausgabe bei Harcourt, Brace & World; dt. Im Mondstaub versunken, GZ 29)

H. Beam Piper: Little Fuzzy

(Buchausgabe bei Avon; dt. Der kleine Fuzzy, TTB 319)

Vercors: Sylva

(Buchausgabe bei Putnam; nicht auf Deutsch)

Short Fiction


Jack Vance: »The Dragon Masters«

(August 1962 in GALAXY; dt. als Die Drachenreiter, TA 259 und als »Die Drachenreiter« in Vance: Drachenbrut, B 24087)

Am Anfang macht es Jack Vance (1916–2013) dem Leser nicht einfach. Zu viele Protagonisten werden eingeführt, und er stellt keine Identifikationsfigur zu Verfügung.

Die Menschen auf einem Planeten irgendwo in der Milchstraße haben sich in ihr Schicksal gefügt. Sie scheinen die letzten ihrer Spezies zu sein, aber dennoch herrscht kein Frieden. Joaz Banbeck und Ervis Carcolo, die Anführer zweier Clans, die sich alle möglichen Arten von Ungeheuern und Drachen untertan gemacht haben, führen einen erbitterten Krieg gegeneinander. Außerdem gibt es eine weitere Gruppe von Menschen, die die »Geweihten« genannt werden und die mit den gemeinen Menschen nichts zu schaffen haben wollen. Während sich die beiden Menschenstämme bekriegen, wird die Befürchtung laut, dass ein Angriff durch die Standards bevorsteht. Nicht allzu lange danach geschieht diese Invasion tatsächlich. Standards sind intelligente Drachen, die sich Menschen als Sklaven und Kämpfer halten, also genau den Erwartungen zuwiderlaufen, die der Leser aufgrund des Titels der Erzählung hat. Ein langer und erbitterter Kampf entbrennt, in dessen Folge die Standards vernichtet werden. Am Ende lässt Banbeck seinen Widersacher hinrichten, um in den Besitz des Raumschiffs der Invasoren zu gelangen.

Es ist nicht ganz nachzuvollziehen, warum gerade diese Novelle mit dem Hugo ausgezeichnet wurde, denn sie ist voller verschenkter Möglichkeiten. Die tragenden Figuren sind grausam und gefühllos, teilweise durch die oberflächliche Zeichnung sogar uninteressant. Die intelligenten Drachen werden nicht näher vorgestellt, spielen nur als zu vernichtende Feinde eine Rolle. Das Unverständnis zwischen den einzelnen Völkern kann man sicher als Fremdenhass oder zumindest Fremdenangst deuten, und gerade der unversöhnliche Schluss lässt den Leser unbefriedigt zurück. Die Kämpfe jedoch sind recht ausführlich und detailliert geschildert. Besonders gelungen sind einige Szenen, die in den Höhlen der »Geweihten« spielen.

Weitere Nominierungen:


Gary Jennings: »Myrrha«

(September 1962 in F&SF; nicht auf Deutsch)

Fritz Leiber: »The Unholy Grail«

(Oktober 1962 in FANTASTIC; dt. »Der unheilige Gral« in Leiber: Schwerter und Teufelei, H 3307, Leiber: Schwerter im Nebel, H 4287, Leiber: Der unheilige Gral, EP 2001)

Theodore Sturgeon: »When You Care, When You Love«

(September 1962 in F&SF; dt. »Wenn man fühlt, wenn man liebt« in Sturgeon: Nach dem Exodus, G 233)

Thomas Burnett Swann: »Where is the Bird of Fire?«

(April 1962 in SCIENCE FANTASY #52; nicht auf Deutsch)

Dramatic Presentation


No Award

Im betreffenden Zeitraum hat kein SF-Film und auch keine Fernsehserie die Fans hinreichend beeindruckt, um den Hugo in dieser Rubrik zu vergeben.

Weitere Nominierungen:


Burn, Witch, Burn

(Anglo-Amalgamated/Independent Artists; Drehbuch Charles Beaumont, Richard Matheson & George Baxt; Regie Sidney Hayers; basiert auf dem Roman Conjure Wife von Fritz Leiber; dt. Hypno)

The Day the Earth Cought Fire

(British Lion/Pax; Drehbuch Wolf Mankowitz & Val Guest; Regie Val Guest; dt. Der Tag, an dem die Erde Feuer fing)

Last Year at Marienbad

(Originaltitel: L’Année dernière à Marienbad; Drehbuch Alain Resnais & Alain Robbe-Grillet; Regie Alain Resnais; basiert auf dem Roman La invención de Morel von Adolfo Bioy Casares; dt. Letztes Jahr in Marienbad)

THE TWILIGHT ZONE

(CBS; TV-Serie von Rod Serling; dt. Unglaubliche Geschichten, Unwahrscheinliche Geschichten bzw. Geschichten, die nicht zu erklären sind)

Professional Magazine

Hugo Award 1963 - Professional Magazine
Hugo Award 1963 - Professional Magazine
Hugo Award 1963 - Professional Magazine


THE MAGAZINE OF FANTASY AND SCIENCE FICTION (Robert P. Mills und Avram Davidson)

Das Magazin präsentierte 1962/63 u. a. Theodore Sturgeons »When You Care, When You Love« (September 1962; dt. »Wenn man fühlt, wenn man liebt«), Robert Sheckleys »The Journey of Joenes« (2 Teile, Oktober und November 1962; dt. Mr. Joenes wundersame Reise) sowie Erzählungen von James Blish, James H. Schmitz, Brian W. Aldiss, Terry Carr, John Brunner, Gordon R. Dickson, L. Sprague de Camp, Fritz Leiber, Henry Slesar, Frederik Pohl, Robert Silverberg, Richard Matheson, Harry Harrison, Ray Bradbury, Jack Vance und anderen.

Weitere Nominierungen:


ANALOG (John W. Campbell, Jr.)
GALAXY (Frederik Pohl)
FANTASTIC (Cele Goldsmith)
SCIENCE FANTASY (John Carnell)

Professional Artist


Roy G. Krenkel

Roy G. Krenkel (1918–1983) illustrierte die bei Airmont Classics erschienene Ausgabe von The Wizard of Oz von L. Frank Baum und schuf die Titelbilder für die DAW-Ausgaben der OPAR-Romane von Philip José Farmer, die PERIL-Romane von Otis Adelbert Kline und vor allem für die Ace-Taschenbuchausgaben der Mars- und Venus-Romane von Edgar Rice Bourroughs. Krenkels Stärke lag vor allem im Fantasy-Bereich.

Weitere Nominierungen:


Ed Emshwiller
Virgil Finlay
Jack Gaughan
John Schoenherr

Amateur Magazine


XERO (Richard & Pat Lupoff)

Dieses Fanzine erschien erstmals 1960, und Richard Lupoff beschäftigte sich darin nicht nur mit SF-Literatur, sondern auch mit phantastischen Themen in anderen Medien wie zum Beispiel Comics.

Weitere Nominierungen:


WARHOON (Richard Bergeron)
MIRAGE (Jack L. Chalker)
YANDRO (Robert & Juanita Coulson)
SHANGRI L’AFFAIRES (Fred Patten, Albert Lewis, Bjo & John Trimble)

Special Awards


P. Schuyler Miller for book reviews in ANALOG

Seit es die ersten SF-Magazine gab, erschienen darin außer Erzählungen auch feste Kolumnen, die sich mit dem Umfeld der SF beschäftigten. Der 1912 geborene P. Schuyler Miller betreute und schrieb für ASTOUNDING/ANALOG vom Oktober 1951 bis zu seinem Tod im Jahr 1974 – lediglich mit einer Pause Anfang der siebziger Jahre – »The Reference Library«, in der die Neuerscheinungen auf dem SF-Buchmarkt vorgestellt wurden.

Isaac Asimov for science articles in F&SF

Isaac Asimov (1920–1992) gehörte zu den beliebtesten SF-Autoren seiner Zeit, begann jedoch Ende der fünfziger Jahre, sich auch als Wissenschaftspublizist einen Namen zu machen. Ab November 1958 schrieb er monatlich für F&SF die Kolumne »Science«, in der er auf unterhaltsame Weise die unterschiedlichsten wissenschaftlichen Themen aufgriff und aktuelles Wissen vermittelte. Diese Artikelserie erschien bis zu Asimovs Tod 34 Jahre lang in jeder Ausgabe des Magazins.

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 1953-1984” (erschienen 2015 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

 

© 2015 by Hardy Kettlitz

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