Fünf Bücher, in denen Einhörner eine Schlüsselrolle spielen

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Fünf Bücher, in denen Einhörner eine Schlüsselrolle spielen



Es sieht aus wie eine Mischung aus Pferd und Ziege und aus seiner Stirnmitte wächst ein langes Horn: das Einhorn gehört zu den magischsten und faszinierendsten aller Fabelwesen und inspiriert seit Jahrtausenden die Menschheit. Sein Horn soll alle Krankheiten heilen, und berühren kann es nur, wer guten Herzens ist. Oder? So mancher Fantasy-Autor hat sich von der Reinheit des geheimnisvollen Fabelwesens bezaubern lassen. Und so manch anderer Autor sieht das Einhorn ganz anders. So oder so: heute stellen wir euch fünf Romane vor, in denen Einhörner eine Schlüsselrolle spielen:

Das letzte Einhorn von Peter S. Beagle

Das Einhorn lebte in einem Fliederwald, und es lebte ganz allein.

Die Verfilmung von Peter S. Beagles zeitlosem Fantasy-Klassiker ist vermutlich der bekannteste Zeichentrickfilm, der nicht aus den Disney Studios stammt. Etwas in dessen Schatten steht leider die Vorlage, die in einem lyrischen Stil die märchenhafte Geschichte des mutigen Einhorns erzählt, das sich auf die Suche nach seinen verschwundenen Geschwistern macht und dabei seine menschliche Seite entdeckt. 

Das letzte Einhorn ist traumhaft und auch, wenn ihr denkt, ihr kennt ja bereits den Film, lohnt sich der Griff zum Buch unbedingt. Nicht nur, weil der Roman auch einige Details verrät, die der Film verschweigt, sondern auch, weil die aktuelle deutsche Ausgabe auch Beagles Novelle Zwei Herzen enthält, in der sich Schmendrick, Molly Grue, Lír und das Einhorn nach vielen Jahren erneut begegnen.

 

Das Regenbogenschwert von Simon R. Green

Ein Einhorn von einem ganz anderen Kaliber als Lady Amalthea ist Prinz Ruperts treuer Gefährte in Simon R. Greens augenzwinkerndem Fantasy-Roman Das Regenbogenschwert.

Mit seiner sarkastischen Ader und einer Spinnenphobie ist es auf den ersten Blick nicht der ideale Kampfgefährte für eine Drachenjagd. Doch Rupert, ungeliebter jüngster Sohn eines verarmten Königs, wurde ohnehin nur deshalb auf eine Quest geschickt, weil sein Vater hofft, ihn dabei loszuwerden. Und ein Einhorn muss er nur deshalb reiten, um aller Welt zu beweisen, dass er auch wirklich noch jungfräulich ist.

Simon Green bürstet im Regenbogenschwert diverse Fantasy-Klischees gegen den Strich. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich Rupert mit dem Drachen verbündet, statt ihn zu töten, dass sich die vermeintliche Jungfer in Nöten, der sie begegnen, als äußerst schlagfertig erweist, und dass sich das Einhorn schnell als mehr herausstellt als nur ein edles, nörgelndes Reittier. Simon R. Green ist nicht Terry Pratchett, aber wenn ihr Geschichten im Stil von Shrek mögt, lest unbedingt mal rein.

 

Die Macht des Einhorns von Tanith Lee

Isoliert von der Außenwelt wächst Tanaquil in der Festung ihrer Mutter Jaive mitten in der Wüste auf. Da sie nicht Jaives magisches Talent geerbt hat, langweilt sich Tanaquil ziemlich und verbringt ihre Tage damit, sprechenden Bildern aus dem Weg zu gehen und Dinge zu reparieren. Denn darin ist sie richtig gut. Ihr Leben nimmt endlich die lang herbeigesehnte abenteuerliche Wendung, als sie inmitten des Wüstensandes die Knochen eines Einhorns entdeckt. Tanaquil setzt sie zusammen und ihre Mutter erweckt das Skelett versehentlich zum Leben. Ohne zu Zögern folgt das junge Mädchen der magischen Kreatur durch die Wüste in ferne Länder, und entdeckt dabei die Wurzeln der eigenen Herkunft.

Tanith Lee (1947 – 2015), vor allem bekannt für ihre sinnlich-düsteren Phantastik-Werke, schrieb mit Black Unicorn, Golden Unicorn und Red Unicorn eine Trilogie, die weniger düster ist als ihre bekannteren Bücher. Dadurch kann man die magische Coming-of-Age-Geschichte einer Hexentochter aber auch bedenkenlos einem jungen Publikum ab 12 Jahren in die Hand drücken. Der Dreiteiler, der in Die Macht des Einhorns vollständig vorliegt, ist immer noch ungewöhnlich und eigenwillig genug, um sich von der gängigen High Fantasy abzuheben. Der Sammelband von 2004 ist derzeit leider nur antiquarisch erhältlich. Der Apex-Verlag arbeitet allerdings gerade an einer Werksausgabe zu Tanith Lee. Ich hoffe sehr, die Einhorn-Trilogie erfährt dann auch eine neue deutsche Veröffentlichung. Verdient hätte sie es. 

 

Die Quellen der Malicorn von Ju Honisch

Mit den edlen Fabeltieren, die wir heute mit dem Begriff Einhorn assoziieren, haben Ju Honischs Einhörner ebenfalls herzlich wenig zu tun. In ihrem Weltenwechsel-Fantasy-Roman Die Quellen der Malicorn sind Einhörner eine Rasse von Gestaltwandlern, deren magische Anderswelt Talunys vom Krieg bedroht ist. Als Karuna in seiner Menschenform der jungen Una in unserer Welt begegnet, offenbart er sich ihr und nimmt sie mit in sein Reich. Wie der Leser muss Una lernen, dass die Einhörner von Talunys keineswegs perfekt sind, sondern Wesen mit guten und schlechten Charakterzügen, mit Stärken und Schwächen. Sie treten in den unterschiedlichsten Rassen, Größen und Farben auf. „Wenn sie gut sind“, so die Autorin über ihre Einhörner, „sind sie ziemlich gut. Aber wenn sie böse sind, sind sie abgrundtief böse.“

Ein Buch also für die Leserinnen und Leser, die es nicht nur märchenhaft und unschuldig-rein mögen, sondern auch mal etwas wilder. Denn über ihren Helden Karuna sagt Ju Honisch außerdem, seine Interessen seien „die Freiheit des Seins. Die Weite der Welt. Die Geschwindigkeit, wenn man mit dem Wind um die Wette rennt. Spaß mit Freunden. Oh, und Sex.“

 

Das silberne Einhorn von Max Kruse

Ganz zauberhaft hingegen ist wieder mein fünfter Buch-Tipp. Das silberne Einhorn – Eine Geschichte vom Wünschen stammt aus der Feder von Urmel aus dem Eis-Erfinder Max Kruse. Es ist ein philosophisches Märchen auch für Erwachsene. Seit der König eine mächtige Fee brüskiert hat, hängt durch ihren Fluch Traurigkeit über dem ganzen Land. Den Zauber will die Fee nur aufheben, wenn man ihr ein Einhorn bringt. Die kleine Prinzessin leidet sehr unter der Traurigkeit ihres Vaters. Als eines Tages ein winziges Einhorn im Schlossgarten auftaucht, begibt sie sich deshalb mit dem Fabelwesen und ihrem besten Freund, dem Müllersburschen, auf die Suche nach der Fee.

Worauf kommt es im Leben wirklich an? Ist es besser, groß oder klein zu sein? Auf ihrer Quest stellen sich die drei nicht nur zahlreichen Herausforderungen, sondern beschäftigen sich auch mit den großen Fragen des Lebens. Das titelgebende Einhorn mag nur ein Zwergeinhorn sein, aber die Geschichte, in deren Mittelpunkt es steht, ist eine ganz bedeutungsvolle.

 

 

Wer von Einhörner jetzt immer noch nicht genug hat oder für den einfach noch nicht das richtige dabei war, dem sei die Anthologie Die Einhörner, herausgegeben von Fabienne Siegmund, ans Herz gelegt, die 16 Einhorn-Geschichten versammelt, u. a. von Christoph Marzi, Ralf Isau und ein Gedicht von Peter S. Beagle. 

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