Hugo Award: Der wichtigste Preis im Genre Science Fiction.

KOLUMNE

Der Hugo Award


Der Hugo

Der Hugo Award ist, auch wenn es in den letzten Jahren zahlreiche Querelen gab, nach wie vor der wichtigste Preis für das Gebiet der Science Fiction. Er wurde im Jahr 1953 erstmals verliehen, und nach einem Jahr Pause gibt es ihn seit 1955 jedes Jahr erneut im Spätsommer auf der World Science Fiction Convention. Zunächst hieß der Preis ›Science Fiction Achievement Award‹, seit 1958 ist der Name ›Hugo‹ – als Parallele zum ›Oscar‹ – üblich.

Die World Science Fiction Convention ist eine Versammlung von mehreren Tausend Fans, die oft in den USA stattfindet, zuweilen aber auch in Europa, Asien oder Australien. Und so handelt es sich beim Hugo also um einen Preis, der von Fans gewählt und vergeben wird, genauer gesagt sind seit 1960 die Mitglieder und Teilnehmer des bevorstehenden WorldCons automatisch stimmberechtigt.

Die einzelnen Kategorien, in denen der Hugo verliehen wird, wurden seit 1953 oft geändert und erweitert. Während anfangs vor allem gedruckte Werke und deren Schöpfer ausgezeichnet wurden, kamen später auch andere Medien wie Film und Fernsehen oder Podcasts hinzu. Da es sich um einen Fanpreis handelt, werden natürlich auch Leistungen von Fans ausgezeichnet.

Regeln und Sprachen

Die offizielle Definition der Regeln für den Hugo Award kann in Artikel 3 der Constitution of the World Science Fiction Society nachgelesen werden.

Unter anderem ist dort auch festgelegt, dass ein zu nominierendes Werk in jeder Sprache und in jedem Land der Welt erschienen sein kann. Dass dennoch fast ausschließlich englischsprachige Werke berücksichtigt werden, liegt einfach daran, dass der Worldcon bisher mit nur ganz wenigen Ausnahmen in englischsprachigen Ländern stattgefunden hat und der größte Teil der Conbesucher ebenfalls englischsprachig ist.

Websites und E-Books

Bis vor wenigen Jahren durften nur Texte nominiert werden, die in Papierform vorlagen. Bei einem Treffen der World Science Fiction Society im Jahr 2009 wurde entschieden, dass auch ein »Äquivalent in anderen Medien« nominiert werden darf. Das bedeutet also, dass Publikationen im Internet, E-Books, Podcasts oder andere elektronische Medien zugelassen sind. Das gilt auch für Selbstverleger, egal ob es sich bei deren Erzeugnissen um Printprodukte oder elektronische Veröffentlichungen handelt.

Fans, Amateure und Profis

Einige Kategorien werden danach eingeteilt, ob die Werke professionell, semi-professionell oder als Fanpublikation veröffentlicht wurden, zum Beispiel »Best Professional Artist«, »Best Fan Artist«, »Best Semiprozine« oder »Best Fanzine«. Welche Publikation als professionell gilt, ist genau definiert. Bei Personen (»Best Professional Artist«) muss die künstlerische Tätigkeit mindestens ein Viertel des Einkommens der Person ausmachen. Bei Verlagen oder Organisationen muss die betreffende Tätigkeit mindestens ein Viertel des Einkommens der Angestellten und der Eigentümer ausmachen. Dies gilt nur für Preise, die an Personen, Magazine oder Verlage vergeben werden. Texte können für Kategorien wie »Best Novel« oder »Best Short Story« auch dann nominiert werden, wenn sie in nichtprofessionellen Publikationen erschienen sind.

Genrezugehörigkeit

Bei vielen Texten ist es schwer, das zugehörige Genre zu definieren. Auch wenn der Hugo von der World Science Fiction Society gesponsort wird, sind auch Werke aus den Gebieten Fantasy und Horror zugelassen.

Die Kategorien

Folgende Kategorien gibt es derzeit beim Hugo Award:

Best Novel: Als Novel (Roman) gelten Texte mit mehr als 40.000 Wörtern.

Best Novella: Zugelassen sind Texte zwischen 17.500 und 40.000 Wörtern.

Best Novelette: Zugelassen sind Texte zwischen 7.500 und 17.500 Wörtern.

Best Short Story: Diese Texte müssen kürzer als 7.500 Wörter sein.

Best Related Work: Zugelassen sind nichtbelletristische Werke, die mit der Science Fiction, der Fantasy oder dem Fandom im Zusammenhang stehen und im vorangegangenen Jahr erstmals oder in einer maßgeblich veränderten oder erweiterten Form erschienen sind, zum Beispiel Bildbände, Sammlungen von Buchkritiken, Sachbücher über Filme oder Fernsehserien, Biografien, Lexika und Enzyklopädien bzw. Werke, die nicht in anderen Kategorien nominiert werden können.

Best Graphic Story: Hier sind SF- oder Fantasy-Geschichten gemeint, die in grafischer Form erzählt werden, wie Comichefte, Graphic Novels oder Internet-Comics.

Best Dramatic Presentation (Long Form): In dieser Kategorie können Filme, Fernsehproduktionen, Radiosendungen, Theateraufführungen oder Musikstücke nominiert werden, die eine Spielzeit von mindestens 90 Minuten haben.

Best Dramatic Presentation (Short Form): Diese Kategorie ist für Filme, Fernsehproduktionen, Radiosendungen, Theateraufführungen oder Musikstücke vorgesehen, die kürzer als 90 Minuten sind.

Best Editor (Long Form): Hier werden Herausgeber nominiert, die im betreffenden Jahr mindestens vier Werke von Romanlänge betreut haben, ausgenommen Anthologien und Erzählungssammlungen.

Best Editor (Short Form): In dieser Kategorie werden Herausgeber ausgezeichnet, die insgesamt mindestens vier Anthologien, Erzählungssammlungen oder Magazinausgaben betreut haben, davon mindestens eines im betreffenden Jahr.

Best Professional Artist: Diese Kategorie ist für professionelle Künstler, Titelbildmaler oder Illustratoren vorgesehen.

Best Semiprozine: Gemeint ist ein Magazin, von dem insgesamt mindestens vier Ausgaben erschienen sind, eine davon im betreffenden Jahr. Die Definition von »semiprofessionell« ist etwas kompliziert. Gemeint sind Magazine, die zwar Honorare zahlen, jedoch nicht so viel, dass die Autoren oder Herausgeber davon leben könnten. Während Fanzines generell keine Honorare zahlen und reine Hobbyprodukte sind, so zahlen semiprofessionelle Magazine in anderer Form als ausschließlich mit Freiexemplaren und werden für einen Geldbetrag verkauft.

Best Fanzine: Hier werden Amateurmagazine nominiert, die als Hobby angefertigt werden und die ihren Autoren keine Honorare zahlen. Es müssen mindestens vier Ausgaben erschienen sein, davon mindestens eine im betreffenden Jahr.

Best Fancast: In dieser Rubrik werden nichtprofessionelle Audio- oder Video-Podcasts nominiert, von denen mindestens vier Episoden erschienen sein müssen, mindestens eine davon im betreffenden Jahr.

Best Fan Writer: Hier werden Autoren nominiert, die in allen Arten von nichtprofessionellen Publikationen veröffentlicht haben können, also nicht nur in Fanzines, sondern zum Beispiel auch in Semiprozines, Blogs oder Internetforen.

Best Fan Artist: Nominiert werden Künstler, deren Werke in nichtprofessionellen Publikationen erschienen sind. Zugelassen sind auch Künstler, die Ausstellungen auf Conventions veranstaltet haben.

Zusätzliche Kategorien: Das Worldcon-Komitee hat das Recht, in einzelnen Jahren und in Ausnahmefällen zusätzliche Kategorien auszuloben, die nicht automatische in die Folgejahre übernommen werden. 

John W. Campbell Award

Der Campbell Award, vergeben für den besten neuen Autor, ist kein Hugo und wird nicht von der World Science Fiction Society überwacht. Allerdings wird er zusammen mit den Hugos gewählt und vergeben. Ein nominierter Autor, der den Preis nicht gewonnen hat, kann noch ein zweites Mal im darauf folgenden Jahr nominiert werden.

Sonderpreise

Auf einigen Worldcons werden Sonderpreise für besondere Leistungen, Lebenswerke oder außergewöhnliche Ereignisse verliehen. Diese werden von Komitees vergeben und für gewöhnlich nicht von den Mitgliedern gewählt. Es handelt sich dabei nicht um Hugo Awards, und es wird auch keine Hugo-Trophäe überreicht. Allerdings werden die Sonderpreise während der Hugo-Zeremonie vergeben. Die Sonderpreise werden in diesem Buch nach den regulären Hugos aufgeführt.

Weitere, ausführliche Informationen zu den Kategorien, zur Geschichte des Hugo Award, zur World Science Fiction Society (WSFS) sowie zu Teilnahmemöglichkeiten finden Sie auf der offiziellen Homepage des Hugo Award: www.thehugoawards.org

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 1953-1984” (erschienen 2015 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2015 Hardy Kettlitz

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