Fantasy Buchtipps von der Berliner Fantasy und Science Fiction Buchhandlung Otherland

OTHERLAND

Fantasy-Bücher im Juli: Harry Potter Malbuch, Age of Iron und weitere



Jeden Monat geben euch hier die Jungs der Berliner Fantasy und Science Fiction Buchhandlung Otherland Tipps über die besten Neuerscheinungen aller Verlage. Los geht's also mit den Buchtipps aus dem Bereich Fantasy.


In der Fantasy haben wir erst einmal die Rückkehr eines Klassikers zu vermelden. Raymond Feist war in den 80er-Jahren zusammen mit Stephen R. Donaldson und Terry Brooks ein maßgeblicher Faktor des großen Fantasy-Booms. Ein Waisenjunge, der zu einem Magier in die Ausbildung geschickt wird und viele Gefahren und Abenteuer erlebt, um schließlich zu einem mächtigen Helden zu werden. Und das alles in einer Welt, in der ein Riss einen Übergang in eine andere Welt ermöglicht und in der es zum Krieg zwischen diesen beiden Welten kommt. Der Hintergrund von Feists Romanen geht aus einer Kampagnenwelt für die D&D-Rollenspielrunde des Autors hervor und ist teilweise von M. A. R. Barker inspiriert, einem Weltenbauer, der als “vergessener Tolkien” gefeiert wurde. Heute ist das alles vielleicht nicht mehr so sensationell, aber in den drei neu aufgelegten ersten Midkemia-Romanen kann man nachlesen, wie die Fantasy groß wurde.

Harry Harrison, den man als Autor von Soylent Green eher der SF zuordnet, steht bei uns neuerdings in der Fantasy, und zwar mit Hammer of the North - Die Söhne des Wanderers, das er zusammen mit dem Tolkien-Spezialisten Tom Shippey -- der wiederum hier unter dem Pseudonym John Holm firmiert -- geschrieben hat. Eigentlich passt der Titel aber nicht ganz so recht in die Fantasy, denn die Geschichte spielt im Englang des neunten nachchristlichen Jahrhunderts und kommt ohne Fantasy-Elemente wie Magie und feuerspuckende Rostmonsterzombies aus. Vielmehr erinnert das Setting an die historischen Uthred-Romane von Bernard Cornwell. Allerdings ist Harrisons und Shippeys Setting historisch nicht ganz korrekt, denn der Clash zwischen heidnischen Wikingern und dem christlichen Britannien hat so wie hier beschrieben nie stattgefunden. Genau genommen haben wir es also mit einem alternativen Geschichtsverlauf zu tun, und das ist eine Spielart der Science Fiction. Aber wir lassen das Buch trotzdem bei der Fantasy stehen, weil: Wikinger!

Zur Einstimmung auf den nächsten Harry Potter empfiehlt sich -- nicht zuletzt zur Beruhigung der von Ungeduld angegriffenen Nerven -- das Harry-Potter-Malbuch. Oder, wer sich bildend darauf vorbereiten möchte, kann im Harry-Potter-Pop-up-Buch blättern, das ist wie ein Museumsbesuch in Buchform.

Wie jedes Jahr gibt es auch heuer wieder den praktischen und für wahre Fans unentbehrlichen Scheibenwelt-Kalender für 2017. Eignet sich auch gut als Geschenk.

Dann haben wir noch Serienfortsetzungen, als da wären der dritte Band der Schattentänzer-Reihe von David Daglish, Der Tänzer der Scherben. In dem lockerflockigen Assassinen-/Leibwächter-Abenteuer reist des Königs Wächter Hearn nach Süden, um einen Mörder zu stellen, der sich als Hearn ausgibt.

Eisern wird auch Age of Iron fortgesetzt: Im zweiten Band, Feldzug, stellt sich heraus, dass die Siege, die im ersten Band von dem unwahrscheinlichen Helden-Trio, bestehend aus einem verkrachten Söldner, einem magiebegabten Mädchen und einer etwas zu hitzköpfigen Bogenschützin, erstritten wurden, keine Ruhe bringen. Vielmehr brodelt es an allen Ecken und Enden, und der Leser darf weiterhin auf gute Unterhaltung hoffen. Der Abschlussband der Trilogie ist bereits für November angekündigt.

Desweiteren geht Sandersons Mammut-Projekt, die Sturmlicht-Chroniken, in die zweite Runde, allerdings ist das Buch nicht eigentlich neu, denn die gebundene Ausgabe ist schon seit einer guten Weile erhältlich. Heyne hat nun lediglich mit dem handlicheren und geldbeutelfreundlicheren Taschenbuch nachgelegt.

Auch Richard Schwartz, der Garant für spannende Fantasy nach dem “Gefährten”-Prinzip -- ein Cast von sympathischen Figuren agiert gemeinsam, um Gefahren zu bestehen --, hat den zweiten Band seiner Lytar-Chroniken abgeliefert. Noch ist die Lytar-Reihe allerdings nicht abgeschlossen -- der Abschluss ist für September angekündigt --, sodass man sich getrost erst einmal die Askir-Saga von Richard Schwartz zu Gemüte führen kann, die inzwischen in drei fetten Sammelbänden vorliegt.

Und schließlich noch zwei Serienstarts. Zum einen Tanz der Klingen von Jeff Salyards, über das der großartige, aber leider verstorbene Jay Lake seinerzeit zu loben wusste: “Tanz der Klingen bietet einen faszinierenden Seitenblick auf Questenfantasy. Die Wege des eigentümlich mit Schwächen behafteten Captain Killcoin und des merkwürdig naiven Chronisten Arki, die sich beide mit Politik, Kampf und einer befremdlichen Art der Magie herumschlagen, kreuzen sich immer wieder auf ungewöhnliche und interessante Weise. Ein packendes Buch.”

Zum anderen ein weiterer Klassiker in Neuauflage und mein diesmonatiger Favorit: Der allererste Wild-Cards-Roman. In den 80ern haben George R. R. Martin und einige seiner Kollegen gemeinsam ein etwas anderes Superhelden-Universum ersonnen, und in Vier Asse kann man nachlesen, wie alles begann. Grandios! Wer im Besitz der alten Heyne-Ausgabe ist, mag sich überlegen, ob er diese Neuauflage vielleicht trotzdem braucht, denn sie ist um drei Geschichten gegenüber der alten Ausgabe erweitert. Es lohnt sich!

Und für alle, die auch gerne mal zum englischsprachigen Original greifen: Jakob hab sich auf unserer Website noch mal ausgiebiger den beiden tollen Romanen von Sofia Samatar gewidmet. 

Geschrieben von Otherlander Simon Weinert.

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