FILM

Die 15 besten phantastischen Zeichentrickfilme aller Zeiten


Hier präsentieren wir euch die 15 besten phantastischen Zeichentrickfilme aller Zeiten, von Kinderfilmen über Science Fiction bis hin zu poetischen Meisterwerken fast ganz ohne Dialoge.

Eine Liste der besten Zeichentrickfilme aus dem Bereich der Phantastik (Science Fiction, Fantasy und Mystery) wird zwangsläufig viele Werke von Disney beinhalten, aber ich habe versucht, sie auf ein ausgewogenes Maß zu beschränken. Animes habe ich weggelassen, dafür gibt es eine eigene Liste, da dies hier sonst auch eine Anime-Liste geworden wäre. Zur Phantastik zähle ich auch alles, was sprechende Tiere beinhaltet, selbst wenn die eigentliche Geschichte keine phantastischen Elemente enthält, wie z. B. Robin Hood. Zeichentrickfilme ohne phantastische Elemente wie z. B. Persepolis stehen nicht auf dieser Liste, da es die Kunstform des Zeichentricks nicht ausreichend respektieren würde, sähe man sie komplett als Phantastik. Aus dieser Liste sollte auch klar hervorgehen, dass Zeichentrickfilme nicht zwangsläufig Kinderfilme sind, sondern auch anspruchsvolle und komplexe Geschichten für Erwachsene erzählen können, während in vielen Kinderfilmen trotzdem mehr steckt, als man auf den ersten Blick glauben mag.

Fantasia (1940, James Algar, Samuel Armstrong)

Fantasia erzählt keine klassische Geschichte. Disneys dritter abendfüllender Film soll vielmehr ein Konzert darstellen, dessen verschiedenen Musikstücke in bildlicher Form präsentiert werden. Am berühmtesten ist natürlich die Umsetzung von Paul Dukas Der Zauberlehrling, nach Goethes Gedicht über die französische Revolution ("Die ich rief, die Geister,/Werd ich nun nicht los"), nur hier mit Mickey Maus. Der Film floppte übrigens zunächst an den Kinokassen und trieb Walt Disney beinahe in den Ruin, entwickelte sich aber mit der Zeit zum Klassiker. Ein bildgewaltiges Erlebnis, das seiner Zeit vermutlich voraus war.

Aufstand der Tiere (Animal Farm, 1954, John Halas, Joy Batchelor)

Verfilmung von George Orwells berühmter Faschismus-Allegorie über Farmtiere, die gegen die menschlichen Bauern rebellieren und versuchen eine Gesellschaft zu erschaffen, in der alle gleich sind. In der dann aber, wie sich zeigt, manche sich für etwas gleicher halten und sich das Schwein Napoleon mit Methoden zum Diktator aufschwingt, die uns auch heute noch allzu bekannt sein dürften. Wobei das Buch von Orwell, das er noch während des 2. Weltkriegs schrieb, vor allem als Kritik des Stalinismus gedacht war. Das Leben ist kein Ponyhof, und dieser Film kein typischer Cartoon für Kinder, aber einer, der ihnen auch heute noch näher bringen kann, wie Diktaturen und Autokratien entstehen. Ich habe ihn als Kind in der Schule gesehen.

Die Hexe und der Zauberer (The Sword in the Stone, 1963, Wolfgang Reitherman)

Die Hexe ist Mim, der Zauberer Merlin, die Eule Archimedes und der junge Held natürlich Floh ... also Arthur, der das im englischen Titel erwähnte Schwert Excalibur aus dem Stein ziehen wird. Floh ist zwölf, lebt beim Ritter Hector und wird von Merlin ausgebildet. Doch bevor Arthur König werden kann, muss er so einige Abenteuer bestehen, wird von Mim gefangen genommen und wohnt einem Zauberturnier zwischen ihr und Merlin bei. Wie man sieht, weicht die Handlung doch deutlich von den üblichen Arthus-Geschichten ab und kommt sehr disneyfiziert daher. Als Vorlage diente der erste Teil von T. S. Whites Der König zu Camelot, der Das Schwert im Stein heißt. Im Vergleich zum Dschungelbuch fehlt es dem Film aber noch an Dynamik und einprägsamen Bildern, und auch Merlin ist als Figur etwas arg langweilig geraten.

Das Dchungelbuch (The Jungle Book, 1967, Wolfgang Reitherman)

"Probier’s mal mit Gemütlichkeit ...", die deutsche Variante dieses Songs, gesungen von Balu, dem Bären - in der deutschen Fassung von Edgar Ott synchronisiert -, dürfte nicht nur meine Generation geprägt haben. Die Geschichte um den Menschenjungen Mogli, der im indischen Dschungel bei Tieren aufwächst, kommt mit einer Leichtigkeit und Lebensfreude daher, die man in der Romanvorlage Rudyard Kiplings so nicht findet. Die hypnotischen Augen der Schlange Kaa, mit ihrer zischelnden Stimme; der jazztanzende King Loui; die trompetenden Elefanten - der Film enthält so einige Szenen, die in Filmgeschichte eingegangen sind, und ist einfach ein großer Spaß, an dessen Charm die neuen computeranimierten Realverfilmungen nicht einmal ansatzweise herankommen.

Der phantastische Planet (La Planète sauvage, 1973, René Laloux)

Der phantastische Planet ist eine französisch-tschechoslowakische Koproduktion, die laut Wikipedia ausschließlich in der Tschechoslowakei gezeichnet worden sein soll. Weshalb der Film wohl auch so gar nicht den französischen Science-Fiction-Comics dieser Zeit von Moebius und Co. ähnelt, sondern eher an Terry Gilliams Tricktechniksequenzen bei Monty Python erinnert. Erzählt wird aber trotz der surrealistischen Optik eine richtige Geschichte von den menschenähnlichen Om, die auf dem Planeten Ygam von den riesenhaften Draag als Kinderspielzeug missbraucht werden, sich aber gegen dieses Joch auflehnen. Ein ganz eigenes Seherlebnis, das zeigt, dass Zeichentrick auch anders aussehen kann als bei den oben aufgelisteten Disney-Filmen.

Asterix erobert Rom (Les Douze Travaux d'Astérix, 1976, Albert Uderzo, René Goscinny, Pierre Watrin)

Asterix kann man durchaus als historische Fantasy bezeichnen, immerhin geht es um einen Druiden, der einen unbesiegbar machenden Zaubertrank braut, damit sich sein Dorf gegen die Übermacht der römischen Legionen behaupten kann. In Asterix erobert Rom werden die phantastischen Elemente auf die Spitze getrieben, wenn Asterix und Obelix zwölf Prüfungen absolvieren müssen, und unter anderem die Bestie in ihrer Höhle in den Wahnsinn treiben, bevor sie selbst das Haus, das verrückt macht, betreten, um den inzwischen legendär gewordenen Passierschein A38 abzuholen. Ob Werbung oder Bürokratie, mit viel feiner Ironie nehmen Goscinny und Uderzo hier die moderne Welt der 70er-Jahre aufs Korn, weshalb der Film mit seinem Witz auch besonders aus den Asterix-Filmen hervorsticht.

Unten am Fluss (Watership Down, 1978, Mark Rosen)

Erzählt von einer Gruppe Kaninchen, die ein gemütliches Leben in ihrem Bau führen, bis Fiver plötzlich Untergangsvision hat. Zusammen mit seinem Bruder Hazel und einigen weiteren Kaninchen brechen sie auf, um der Zerstörung zu entgehen, die dann durch Menschenhand tatsächlich eintrifft. Und so entwickelt sich eine abenteuerliche, aber auch harte Fluchtgeschichte, die nicht wenige Kinder, die dachten, sie würden hier einen lustigen Zeichentrickfilm über knuffige Häschen sehen, traumatisiert zurückgelassen hat. Basiert auf dem gleichnamigen Roman von Richard Adams und hat mit seiner vielschichtigen und komplexen Geschichte maßgeblich dazu beigetragen, den Zeichentrickfilm auch als ernstzunehmendes Medium für Erwachsene zu etablieren.

Das letzte Einhorn (The Last Unicorn), 1982, Jules Bass, Arthur Rankin Jr.)

Anrührende Verfilmung des gleichnamigen Fantasybuchklassikers von Peter S. Beagle, unter anderem mit Christopher Lee als Sprecher (auch in der deutschen Synchronisation). Poetisch, schön und dramatisch, so ganz anders als alles, was man bis dato von Disney kannte. Von Hexen, Zauberern, bösen Königen, jungen Helden und eben dem letzten Einhorn als Sinnbild für die Vergänglichkeit der Welt und dem Hang des Menschen, alles zu zerstören, was die Welt so schön und lebenswert macht.

Herrscher der Zeit (Les Maîtres du Temps, 1982, René Laloux)

Nach Der phantastische Planet ein weiterer Film von René Laloux, der aber dieses Mal von den Zeichnungen her eher dem Comicstandard der 1980er entspricht. Wobei die Geschichte deutlich kindgerechter daherkommt als jene in Métal hurlant. Es geht um einen Jungen, der nach einem Angriff von Rieseninsekten als Weise auf einem Kolonialplaneten zurückbleibt und sich per Funk mit einer Raumschiffbesatzung anfreundet, die sich auf den Weg macht, um ihn zu retten, woraufhin sie allerlei Abenteuer erleben. Am Ende gibt es noch eine interessante und sehr SF-mäßige Pointe. Ein fantasievoller Film mit viel Sense of Wonder.

Taran und der Zauberkessel (The Black Cauldron, 1984, Ted Berman, Richard Rich)

Disney-Verfilmung des Romans Taran und der Zauberkessel von Lloyd Alexander. Einer der Jugendbuchklassiker der Fantasy, über den leicht tollpatschigen Hilfsschweinehirten Taran, dessen weissagendes Schwein Hen Wen vom Gehörnten König entführt wird. Was Taran in einen Strudel gefährlicher und skurriler Abenteuer stürzt. An den Kinokassen floppte der Film, bot aber Fantasyfans eine der wenigen cineastischen Alternativen zu Conan und seinen zahlreichen B-Movie-Nachahmern.

Wenn der Wind weht (When the Wind Blows, 1986, Jimmy T. Murakami)

Einer dieser Zeichentrickfilme, die man als Kind sieht - weil eben Zeichentrick -, und die einen leicht traumatisiert zurücklassen, weil sie eben keine lustige oder abenteuerliche Geschichte für Kinder erzählen, sondern ein tieftrauriges Drama über ein schrulliges Ehepaar, das 40 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs einen Atomkrieg erlebt und langsam den Strahlentod stirbt. Dabei nimmt es direkt Bezug auf die Protect-and-Survive-Broschüren des britischen Zivilschutzes, die Jim strikt befolgt und so glaubt, dem Schlimmsten entgehen zu können. Die besondere Dramatik des Films liegt darin, dass uns der Atomkrieg nicht als explosives Spektakel präsentiert wird (auch wenn er drastische Bilder enthält), sondern konsequent aus der Perspektive des rührigen Ehepaars Jim und Hilda, die etwas abseits der Welt leben und nicht so recht wissen, welch Grauen sich um sie herum abspielt. Die Musik stammt übrigens von Roger Waters, den Titelsong singt David Bowie.

Basil, der große Mäusedetektiv (The Great Mouse Detective, 1986, Ron Clements und weitere)

Neben Robin Hood und Dracula gehört wohl Sherlock Holmes zu den meistverfilmten fiktionalen Figuren der Filmgeschichte, doch in einer für Kinder tauglichen Version kommt er eher selten daher. Aber Moment mal, der Mäusedetektiv heißt doch Basil und nicht Sherlock? Genau, aber er wohnt in der Baker Street 221b, genau wie sein menschliches Vorbild, bei dem er sich eingenistet, benannt nach dem großen Holmes-Darsteller Basil Rathbone. Basils Assistent heißt Wasdenn, statt Watson (im Original allerdings Dr. David Q. Dawson). Professor Rattenzahn, das tierische Gegenstück zu Prof. Moriaty, wird übrigens von der Horrorlegende Vincent Price gesprochen. Für eine Disneyproduktion ist der Film überraschend düster und unheimlich geraten, hat aber trotzdem einige Gesangseinlagen und den typischen Humor. Eine tolle Hommage an den großen Detektiv, wobei man sich beim Finale im Uhrwerk wohl etwas zu stark von Hayao Miyazakis Das Schloss des Cagliostro hat inspirieren lassen.

Feivel der Mauswanderer (An American Tail, 1987, Don Bluth)

Erzählt von der jüdische Mäusefamilie Mousekewitz, die vor der bitteren Armut und Progromen in Weißrussland in die USA flüchtet, direkt hinein nach New York. Mit dabei der kleine Mäusejunge Feivel, der unterwegs allerdings verloren geht und sich allein durchschlagen muss, bis seine Familie ihn wiederfindet. Im Original heißt der Film An American Tail (man beachte das Wortspiel mit dem englischen Wort für Schwanz), und genau das ist es: Die Geschichte eine Einwandererfamilie, also jenen Leuten, die das Land erst aufgebaut haben (nachdem sie es den Ureinwohnern raubten). Die kindgerechte Aufbereitung einer Fluchtgeschichte, produziert übrigens nicht von Disney, sondern Universal Pictures und Steven Spielberg.

April und die außergewöhnliche Welt (Avril et le Monde truqué, 2015, Christian Desmares, Franck Ekinci)

Ein französischer Steampunkfilm, der in einem alternativen Frankreich des Jahres 1941 spielt (wobei die Geschichte schon 1870 beginnt). Nachdem einige berühmte Wissenschaftler wie Albert Einstein oder Enrico Fermi verschwunden sind und auch Aprils Vater, schlägt sie sich im Kopf einer Statue lebend durch den Alltag. Dabei kommt sie einer weltweiten Verschwörung auf die Spur, die sie auch auf die Spur ihrer verschwundenen Eltern bringt. Ein wundervoller Steampunkfilm, der vor fantasievollen Ideen nur so sprüht und mit einem Hauch Ghibli daherkommt, dabei aber seinen französischen Comic-Charakter beibehält.

Die rote Schildkröte (La tortue rouge, 2016, Michael Dudok de Wit)

Die rote Schildkröte erzählt von einem Schiffbrüchigen, der auf einer einsamen Insel gestrandet Robinson Crusoe gleich ums Überleben kämpfen muss. Dabei erhält er eine wundersam verwandelte rote Schildkröte als Gefährtin. Der belgische Film, der von Ghibli koproduziert wurde, kommt fast ohne Worte aus und setzt ganz auf die Wirkung seiner poetischen Bilder. Ein bewegendes, episches Meisterwerk der Entschleunigung, dem es trotzdem nicht an Dramatik und Tragik fehlt.

Ein paar Abschlussbemerkungen

Der König der Löwen habe ich - trotz seiner atemberaubenden Bilder - aufgrund seiner fragwürdigen Ideologie nicht mit auf die Liste genommen. Dieser Aspekt wird mir bei Zeichentrick- und Animationsfilmen viel zu sehr vernachlässigt, und vieles, was Disney produziert, viel zu unkritisch aufgenommen. Was ich damit meine, führt Wolfgang Schmitt in der Filmanalyse genauer aus. Dumbo fällt aufgrund seiner rassistischen Darstellungen ebenfalls raus.

Erwähnenswert wäre wohl noch Aladin von 1992, der neben tollen Bildern aus einem fantasievollen Orient voller Mythen und Magie in der Originalfassung vor allem einen herausragenden Robin Williams als Dschinn zu bieten hat, der wohl eine der besten Sprecherleistungen der Filmgeschichte ablieferte.Ungefähr zu gleichen Zeit hat er auch in FernGully – Christa und Zaks Abenteuer im Regenwald gesprochen.

Ebenfalls nicht mit aufgenommen habe ich den deutschen Katzenkrimi Felidae, der es eigentlich verdient hätte, dessem rechtskonservativen und misogynen Autor der Romanvorlage ich hier aber keine Plattform bieten möchte, auch wenn das dem Filmteam gegenüber nicht ganz fair ist.

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