FILM

Der Terminator ist zurück: Ein Überblick über die verschiedenen Zeitlinien


Ist der neue, sechste TERMINATOR-Kinofilm eigentlich der dritte Teil des TERMINATOR-Film-Franchises? Wir begeben uns auf Zeitreise und entwirren die verschiedenen Zeitdimensionen von Terminator 1 bis 6.

Mit TERMINATOR: DARK FATE kommt der mittlerweile sechste Film der Reihe in die Kinos. Er versteht sich als direkte Fortsetzung von James Camerons TERMINATOR 2 aus dem Jahr 1991 und ignoriert alle weiteren Sequels und die Fernsehserie. Damit wird im Grunde eine weitere Zeitlinie eröffnet – und das bei einem Franchise, das gerade daran nicht arm ist.

Terminator: Die Primär-Zeitlinie

Alles begann mit TERMINATOR, der nicht nur im Jahr 1984 debütierte, sondern auch in diesem spielte. In diese Zeit kommt ein Terminator aus dem Jahr 2029, der geschickt wurde, um Sarah Connor zu töten, um so ihren noch nicht einmal gezeugten Sohn John zu vernichten, der in der Zukunft den Widerstand anführt und die Maschinen besiegt. Aus dem Jahr 2029 wird der Soldat Kyle Reese geschickt, der Sarah beschützen soll, sich in sie verliebt und zu John Connors Vater wird. Damit wird im Grunde eine Zeitschleife erschaffen, denn John Connor existiert, bevor er Kyle Reese in die Vergangenheit schickt. (Man könnte allerdings argumentieren, dass der John Connor des Jahres 2029 ein anderer ist, als der, der 1984 gezeugt wird.)

In diesem ersten Film wird erklärt, dass der Tag der Abrechnung im Jahr 1997 stattfand. Skynet ist eine künstliche Intelligenz, die den Menschen als ihren Feind auserkoren hat und einen thermonuklearen Krieg auslöst, welcher zur Vernichtung von drei Milliarden Menschen führt.

TERMINATOR 2: TAG DER ABRECHNUNG

Sieben Jahre später setzte James Cameron seinen Film mit TERMINATOR 2 fort. Er spielt jedoch im Jahr 1995, da John Connor hier zehn Jahre alt ist. Erneut wird ein Terminator in die Vergangenheit geschickt, diesmal ein T-1000, der aus flüssigem Metall besteht, während der zukünftige John Connor einen neu programmierten T-800 losschickt, um sein jüngeres Ich zu beschützen.

Soweit läuft alles, wie gehabt. Der 29. August 1997 ist weiterhin der Tag der Abrechnung, aber durch den T-800 erfährt Sarah Connor ausführlich, wie es zum Aufstieg der Firma Cyberdine und der Entwicklung von Skynet kam. Erstmals hat sie die Chance, ihr Motto, dass das Schicksal nicht vorbestimmt ist, wirklich auch umzusetzen. Denn sie sieht die Chance, Skynet zu vernichten, bevor es entsteht – so wie Skynet seinen Gegner John töten wollte, bevor es diesen gab. 

Der Wissenschaftler Miles Dyson ist federführend für die Entwicklung verantwortlich. Erst will Sarah ihn töten, dann hilft er, all seine Forschungsergebnisse zu vernichten. Am Ende werden auch der T-800 und der T-1000 vernichtet, so dass es keinerlei Technik aus der Zukunft mehr gibt, anhand derer man die Entwicklung hin zu Skynet forcieren könnte. Die Zukunft ist gerettet, der Tag der Abrechnung kommt und geht – aber ohne nuklearen Krieg. Dennoch stirbt jemand.

TERMINATOR 4: DIE ERLÖSUNG

Im Jahr 2009 kam TERMINATOR: DIE ERLÖSUNG in die Kinos. Dies ist der einzige Film der Reihe, der nur in der Zukunft spielt. Es ist das Jahr 2018, der Großteil der Menschheit ist vernichtet, Skynet hat Terminators des Modells T-800 entwickelt und Marcus Wright ist ein Mensch-Roboter-Hybride. Er wurde im Jahr 2003 exekutiert, hat seinen Körper aber der Forschung vermacht und ist nun dieses Mischwesen, das letzten Endes John Connors Leben retten wird. Denn Connor wird am Ende so schwer verwundet, dass er Marcus‘ künstliches Herz benötigt. Der größte Gegner Skynets wird damit auch zu so etwas wie einem Cyborg.

In diesem Film ist auch Kyle Reese als Jugendlicher zu sehen. Reese wurde im Jahr 2002 geboren und ist entsprechend erst 16 Jahre alt, befindet sich aber auf einer Tötungsliste von Skynet. Die künstliche Intelligenz hat zu dem Zeitpunkt bereits Informationen darüber, welche Bedeutung Kyle Reese hat. Denn ohne Reese kann es auch keinen John Connor geben. Oder vielleicht doch, dann wäre es aber ein anderer Connor, der geboren wurde, bevor Zeitreisen zu Veränderungen geführt haben.

TERMINATOR 5: GENISYS

TERMINATOR: GENISYS folgte im Jahr 2015. Mit diesem Film wird es wirklich kompliziert, da man auf mehreren Zeitebenen erzählt und alternative Zeitlinien erschafft. Im Jahr 2029 wird Kyle Reese ins Jahr 1984 zurückgeschickt. Zuvor sieht er noch, wie Connor von einem Terminator angegriffen und mit einer Art Nanotechnologie infiziert wird. Im Jahr 1984 läuft erst alles so, wie man es aus TERMINATOR kennt, aber Kyle Reese rettet nicht Sarah Connor, sondern sie rettet ihn.

Das macht einen weiteren Zeitsprung erforderlich. Ein T-800, den Sarah später nur Pops nennt, wurde noch weiter in die Vergangenheit zurückgeschickt, als Sarah noch ein Kind war. Ein Terminator tötet ihre Eltern, aber Pops kann sie retten. Der T-800 weiß, was in der eigentlichen Zeitlinie von 1984 passiert wäre, nun hatte man Jahre Zeit, sich darauf vorzubereiten, so dass Sarah Connor bereits eine formidable Kriegerin ist, die Reese retten kann. Diese Veränderungen sorgen auch dafür, dass TERMINATOR 2 und TERMINATOR: REBELLION DER MASCHINEN (2003] nicht stattfinden bzw. Teil einer völlig anderen Zeitlinie sind. Gleiches gilt auch für TERMINATOR: DIE ERLÖSUNG.

Zurück und alles anders machen

Pops hat an einer Zeitmaschine gebaut, mit der man ins Jahr 1997 springen und den Tag der Abrechnung stoppen will, Reese hat jedoch Visionen, die ihn glauben lassen, sie müssten ins Jahr 2017 gehen, um die Entstehung von Skynet zu verhindern. Skynet hat sich als Computerprogramm Genisys getarnt, das im Jahr 2017 online gehen. Erst dann folgt der Tag der Abrechnung, der nun von Sarah, Kyle und Pops gestoppt wird, ohne dass sie merken, dass Genisys nicht komplett vernichtet ist, sondern der Genisys-Kern noch immer intakt ist. Das Ende legt nahe, dass Genisys doch noch zu Skynet werden und der Tag der Abrechnung kommen wird – nur sehr viel weiter in der Zukunft, als ursprünglich gedacht.

Damit hätten sich Fortsetzungen dieses Films auseinandergesetzt, denn TERMINATOR: GENISYS war eigentlich als Auftakt einer neuen Trilogie gedacht, das Einspielergebnis verhinderte jedoch, dass man den Film fortsetzte. Stattdessen entschied man, für den nächsten Film eine ganz eigene Richtung einzuschlagen.

Für TERMINATOR: DARK FATE konnte man James Cameron wieder an Bord holen. Er hat die Geschichte mitentwickelt und als Produzent fungiert. Der Film ignoriert alle Sequels nach dem zweiten Teil. Sie sind Teil einer alternativen Zeitlinie. Es sind mit TERMINATOR: REBELLION DER MASCHINEN und TERMINATOR: DIE ERLÖSUNG auf der einen und TERMINATOR: GENISYS auf der anderen Seite also mindestens zwei verschiedene alternative Zeitlinien, die nach TERMINATOR 2 stattfinden. Eine dritte gab es im Jahr 2008 bereits mit der zwei Staffeln umfassenden Serie TERMINATOR: THE SARAH CONNOR CHRONICLES.

TERMINATOR - DIE SERIE: THE SARAH CONNOR CHRONICLES

Diese Serie ignorierte schon alles, was nach dem zweiten Teil kam und setzte diesen direkt fort. Allerdings spielt die Serie dann doch in einer alternativen Zeitlinie, da die Ereignisse von TERMINATOR auf das Jahr 1983 und die von TERMINATOR 2 auf das Jahr 1997 gelegt werden. Die Serie spielt im Jahr 1999. Der weibliche Terminator Cameron, der John beschützen soll, wird aus dem Jahr 2027 in die Vergangenheit geschickt. Im Jahr 1999 benutzen John, Sarah und Cameron einen Zeitreisemechanismus, der sie ins Jahr 2007 bringt. In diesem Jahr tauchen drei weitere Widerstandskämpfer aus dem Jahr 2027 auf, darunter Derek Reese, der Bruder von Kyle. Sie alle versuchen, die Entwicklung von Skynet zu verhindern.

Die Serie endet offen – und so auch die Zeitlinie, denn John Connor reist aus dem Jahr 2008 ins Jahr 2027, was zum Ergebnis hat, dass er in jenem Jahr nicht der Anführer des Widerstands ist und niemals je von ihm gehört hat. Wie die Geschichte aufgelöst werden sollte, wurde aufgrund der Einstellung der Serie nie aufgelöst.

Terminator: Der dritte Teil – schon wieder

TERMINATOR: DARK FATE schließt direkt an TERMINATOR 2 an. In der ersten Szene befindet man sich im Jahr 1998. Der Tag der Abrechnung ist nicht gekommen, Skynet hat vor der Vernichtung dieser Zukunft aber mindestens einen weiteren Terminator, ein T-800-Modell, in die Vergangenheit geschickt, das nun John Connor tötet. Danach verschwindet der Terminator und hat ohne die Skynet-Zukunft und ohne weitere Befehle keine Lebensaufgabe, weswegen er sich der Hilfe einer von ihrem Mann verprügelten Frau und ihres Kindes widmet. In den folgenden zwei Jahrzehnten entwickelt er eine Art von Gewissen und erkennt, was er Sarah genommen hat, weswegen er ihr anonym immer wieder hilft, Terminators aufzuspüren, da ihr einziger Lebenszweck deren Vernichtung ist. Carl, wie der Terminator sich nennt, kann „spüren“, wann und wo Zeitportale sich öffnen und Terminators durchkommen. Das gilt für die Skynet-Terminators, aber auch für andere. Welchen Modellen Sarah in den Jahren zwischen 1999 und 2020 begegnet, ist unklar.

Im Jahr 2020 kommt auf jeden Fall ein neuer Terminator in die Vergangenheit. Das Modell Rev-9 hat ein Endoskelett, besteht darüber jedoch aus flüssigem Metall. Dieser Terminator kann im Endeffekt zu zwei Wesen werden und konzertiert zuschlagen. Er wurde aus dem Jahr 2042 in die Vergangenheit geschickt, um die junge Mexikanerin Dani zu töten.

Ebenfalls aus der Zukunft stammt die mit technischen Modifizierungen zur Supersoldatin gemachte Grace, die Dani beschützen soll. Sie treffen auf Sarah, als diese von Carl die Koordinaten erhält, wo ein Terminator sein wird. Hier treffen sich Vergangenheit und Zukunft. Oder besser: deren Alternativen.

Denn dieser Terminator ist nicht von Skynet. Der Tag der Abrechnung wurde in TERMINATOR 2 verhindert und die Entwicklung von Skynet effektiv gestoppt. Die Zukunft ist aber nicht besser geworden. Denn es wurde vom Militär eine künstliche Intelligenz namens Legion entwickelt, die für den Cyberkrieg gedacht war, aber den Menschen als Gefahr für ihre eigene Existenz einstufte und einen Krieg begann. Wann dieser Tag der Abrechnung stattfand, ist nicht gänzlich klar, er muss jedoch kurz nach den Ereignissen von TERMINATOR: DARK FATE stattgefunden haben – vielleicht im Jahr 2021 oder 2022. Denn man sieht Grace am Ende als Kind – und sie sieht nur unwesentlich jünger aus als in den Rückblicken, die zeigen, wie sie als Kind in einer Welt nach dem totalen Krieg überlebt hat.

Das Interessante oder Kuriose: In den TERMINATOR-Filmen wird ein „Kein Schicksal“-Dogma immer wieder postuliert. Aber im Grunde liegt man damit falsch. Das Schicksal ist immer dasselbe, die Umstände ändern sich nur. Ob Skynet oder Legion, eine künstliche Intelligenz, die den Menschen den Krieg erklärt, ist unausweichlich. Ebenso wie die Waffen, die diese Intelligenz einsetzt. Einzig wirklich merkwürdig ist, dass die Begrifflichkeiten sich nicht ändern. Ob Skynet oder Legion, die Terminators haben ihren Namen und die fliegenden Angriffsdrohnen heißen auch in beiden Fällen Hunterkiller.

TERMINATOR: DARK FATE schließt die Zeitlinie um Skynet ab, die aber direkt in die von Legion mündet. Die ersten beiden Filme und dieser sechste Teil der Reihe ergeben so eine Einheit und stellen nun die Primär-Zeitlinie dar, während die Ereignisse der anderen Filme und der Serie nur noch Alternativen sind. Bei jeder anderen Filmreihe wären dies unangenehme Inkonsistenzen, bei dieser hier aber erscheint es nur folgerichtig, würde jeder Eingriff in die Vergangenheit doch zwangsläufig eine parallele Entwicklungsebene nach sich ziehen, so dass die TERMINATOR-Reihe seit 1984 in Myriaden von verschiedenen parallelen Zeitlinien aufgesplittert ist – nur dass wir in den Filmen davon eben nur eine knappe Handvoll gesehen haben.

Share:   Facebook