Interview mit Neal Stephenson

© Kelly O.

INTERVIEW

Snow Crash: Neal Stephenson im Interview


Neal Stephenson hat mit Snow Crash eines der maßgeblichen Werke des Cyberpunks geschrieben. Ob das Subgenre ein Revival erlebt und was er von Zuckerbergs Übernahme des Begriffs „Metaverse“ hält, erzählt er im Interview.

Hi Neal, danke, dass du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen zu beantworten. Ich habe gerade Snow Crash nach einigen Jahren noch mal in der Neuübersetzung von Fischer Tor gelesen. Würdest du den Roman für die nächste Leser*innen-Generationen kurz zusammenfassen?

NTS: Ein Schwert schwingender Hightechpizzalieferant und eine Skateboard-Kurierin im besten Teenageralter schließen sich zusammen, um gegen eine globale Verschwörung um eine virale Droge, die die Konsumenten zu willenlosen Zombies macht, zu kämpfen.

Snow Crash ist ein Meilenstein des Cyberpunks. Glaubst du, das Genre lebt wieder auf?

NTS: Als ich Snow Crash schrieb, habe ich ihn als Cyberpunk-Roman gedacht, aber gleichzeitig die Tropen des Genres durch den Kakao gezogen. Zu dieser Zeit (also um 1990) war das Subgenre Cyberpunk also schon vertraut genug, um es zu persiflieren. Ich glaube nicht, dass der Cyberpunk ein Revival als solches erleben wird. Viel interessanter und lohnenswerter wäre doch eine Spielart der Science Fiction, die für aktuelle Technologien und soziale Entwicklungen das ist, was der Cyberpunk in den Achtzigerjahren für die digitale Revolution war.

Viren sind – nicht nur im medizinischen Sinne, sondern sich in einem technologischen – eine wachsende Bedrohung: Immer mehr Cyberattacken richten sich gegen Verwaltungen und Unternehmen, während die Corona-Pandemie noch immer wütet. Müssen wir uns daran gewöhnen?

NTS: Auf gewisse Weise sind wir solchen Krankheiten ja seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte konfrontiert, und trotzdem überraschen sie uns jedes Mal wieder, wenn sie in einer frisch mutierten Variante auftreten. COVID wird ganz eindeutig zu unserem ewigen Begleiter in irgendeiner Form.

Du hast in „Snow Crash” die Idee eines Metaversums eingeführt. Nun hat Mark Zuckerberg gerade sein Unternehmen in Meta umbenannt und möchte eine Art Virtual oder Mixed Reality aufbauen. Was war deine erste Reaktion, als du davon gehört hast?

NTS: Dieses Unternehmen hat den Begriff „metaverse“ in den Monaten vor der großen Bekanntmachung immer häufiger verwendet, so dass mich das nicht wirklich überrascht hat. Unsere Aufmerksamkeit sollte aber auf das Geschäftsmodell gerichtet bleiben, das sich nicht verändert hat: Die Daten von Milliarden Nutzern, die sie freiwillig teilen, werden geerntet, um Reichtum und Macht zu steigern.

Was sind deiner Meinung nach die größten Gefahren und Vorteile eines Metaversums, das für alle zugänglich ist?

Wie schon gesagt hängt das ganz maßgeblich von dem Geschäftsmodell, das dahinter steht, ab. „Für alle zugänglich“ klingt gut und fair, aber wenn der Service kostenlos ist, muss man sich fragen, wie die Leute, die das System am Leben halten, Kohle verdienen. Sowie die Dinge derzeit stehen, machen sie Asche, indem sie deine Daten an die Werbebranche verkaufen.

Was mich noch interessiert: Ist es schwieriger geworden, sich Zukunftsszenarien auszudenken, dadurch dass der technologische Fortschritt immer schneller wird?

Auf jeden Fall. Die schnellen Entwicklungen sind für Science-Fiction-Schreibende, auch für mich, zu einer echten Herausforderung geworden. Es ist zunehmend nötig, einen Roman bis zur finalen Deadline zu überarbeiten, um ihn bei Erscheinen auf dem neuesten Stand zu haben.

In deinem nächsten Buch "Termination Shock" geht es um den Klimawandel. Worum geht‘s?

Ein einsamer Millionär aus Texas baut eine Maschine, die die Effekte der globalen Erwärmung durch Geoengineering eindämmen soll. Er versucht, eine weltweite politische Koalition zusammenzubringen, die sein Vorhaben unterstützt, allerdings entstehen schwerwiegende geopolitische Konsequenzen als einige Staaten abwägen, ob sich dieses Projekt positiv oder negativ auf die Klimasicherheit ihres Landes auswirkt.

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