Shojo Fantasy - Fünf Mangas

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Shōjo-Fantasy: Fünf zauberhafte Manga


Als in den 1990ern die japanischen Comics Deutschland eroberten, begeisterten phantastische Shōjo-Manga wie Sailor Moon oder Kamikaze Kaito Jeanne die Leserschaft und prägten die Vorstellung der Manga-Mädchen mit riesigen Kulleraugen. Aber Mangas können mehr. Ein paar Lese-Tipps von Judith Madera.

Tatsächlich entsprechen die meisten Shōjo-Heldinnen diesem Bild des hübschen Mädchens mit wallenden, langen Haaren und großen Augen, in denen die Emotionen funkeln. Optisch aufgewertet werden ihre Geschichten durch romantische Hintergründe mit Ornamenten und floralen Motiven sowie detailverliebte Kleider und Kostüme. Auch thematisch richten sich Shōjo-Manga nach ihrer Zielgruppe, Mädchen im Teenageralter, und stellen zwischenmenschliche Beziehungen in den Vordergrund.

Bei Manga gibt es verschiedenste Genres, ähnlich wie bei Romanen, zusätzlich werden sie nach Zielgruppen in Shōjo und Shōnen (Mädchen- und Jungenmanga) beziehungsweise Josei und Seinen (Manga für erwachsene Frauen und Männer) unterteilt. Während sich realistische Shōjo-Manga stark auf romantische Verwicklungen und Freundschaftsdramen fokussieren, ist die Shōjo-Fantasy thematisch breiter aufgestellt und spricht mit den phantastischen Elementen auch ältere Leser*innen an.

Shōjo-Heldinnen wie Sailor Moon sind mutig und stark, aber auch zart und zerbrechlich. Sie stehen treu zu ihren Freunden, kämpfen gegen Ungerechtigkeit, setzen sich für Marginalisierte ein und geben niemals die Hoffnung auf, weshalb sie auch mit dem Hopepunk assoziiert werden. Seit einigen Jahren erscheinen vermehrt Reihen, die mit japanischer Mythologie oder auch ganz eigenen Fantasywelten aufwarten und zeigen, dass Shōjo-Fantasy mehr ist als schöne Mädchen mit Zauberkräften. Fünf davon will ich euch in diesem Artikel vorstellen:

Beasts of Abigaile von Spica Aoki

Der wunderbar zarte Zeichenstil von Spica Aoki erinnert an Klassiker des Genres wie Sailor Moon oder Die Rosen von Versailles (besser bekannt als Lady Oscar) und bietet mit nur vier Bänden einen guten Einstieg in die Welt der Shōjo-Fantasy. Protagonistin Nina wird von einem Loup-Ga gebissen und verwandelt sich kurz darauf: Ihr wachsen Wolfsohren und ein buschiger Schweif. Sie wird auf die Gefängnisinsel Abigaile gebracht, wo sie hautnah miterlebt, wie unmenschlich die Wärter mit den Loup-Ga umgehen und wie zerstritten die einzelnen Homes (Rudel) sind.

Nina muss sich ihren Platz erkämpfen und verfügt dabei über keinerlei magische Kräfte. Stattdessen setzt sie sich mit ihrer ehrlichen und hilfsbereiten Art durch. Sie begehrt offen gegen Ungerechtigkeiten auf, versammelt Außenseiter um sich und überzeugt sogar den düsteren Anführer des stärksten Homes von ihrem Mut. Beasts of Abigaile begeistert mit traumhaften Zeichnungen, queeren Nebencharakteren und einer Liebesgeschichte, in der erst Misstrauen und Vorurteile überwunden werden müssen.

Geten no hana – Die Blume, die im Schatten blüht von Yuka Kumada und Ruby Party

Hotaru ist eine stolze Ninja-Kriegerin, die ihre Gestalt nach Belieben wandeln kann. Daher erhält sie den geheimen Auftrag, sich getarnt als Prinzessin unter das Gefolge des Kriegsfürsten Nobunaga zu mischen und nach Verrätern Ausschau zu halten. Hotaru fällt es jedoch alles andere als leicht, die vornehme, zurückhaltende Prinzessin zu mimen, ist ihr Charakter doch eher wild und kämpferisch. Noch dazu erschwert ihr der lebensfrohe Nobunaga mit seinen Annäherungsversuchen die Suche nach dem Verräter.

Mangafans dürften den Kriegsfürsten Oda Nobunaga bereits aus anderen Serien kennen, ist er doch eine der bekanntesten historischen Persönlichkeiten Japans. Während er in manchen Reihen als Widersacher auftritt, zeichnet Geten no hana ein sehr positives Bild von Nobunaga, der von einem vereinten Japan träumt und bereit ist, dafür alles zu opfern, sogar sein Leben. Zwischen ihm und Hotaru entspinnt sich eine sanfte Liebesgeschichte, die Humor und Tragik auf berührende Weise vereint. Der Zeichenstil passt wunderbar zum historischen Setting und macht Geten no hana auch optisch zu einem der schönsten Shōjo-Manga. 

Yona – Prinzessin der Morgendämmerung von Mizuho Kusanagi

Yona ist ein wundervoller Fantasymanga mit einer fernöstlich-mittelalterlichen Welt und einer Protagonistin, die sich von einem unsicheren, traumatisierten Mädchen zu einer mutigen jungen Frau entwickelt. Wildfang Yona hadert mit den Erwartungen, die in sie als Prinzessin gesetzt werden, doch eigentlich genießt sie ein unbeschwertes Leben – bis ihr Vater vor ihren Augen ermordet wird. Ausgerechnet ihre erste große Liebe Suwon ist der Mörder. Leibwächter Hak gelingt es, gemeinsam mit ihr aus dem Palast zu fliehen. Die Prinzessin ist zutiefst verstört, fasst jedoch den Entschluss, ihr Königreich zurückzuerobern. Dazu begibt sie sich auf die Suche nach den vier Drachenkriegern. Sie sollen Yona zur Seite stehen, da sie die Nachfahrin des ersten Königs ist. Während der erste der Drachenkrieger schon lange auf Yona gewartet hat und ihr sofort treu zur Seite steht, muss sie sich das Vertrauen der anderen erst verdienen.

Yona – Prinzessin der Morgendämmerung ist ein zauberhaftes Abenteuer mit einer starken Heldin, die selbst über keine Magie verfügt, aber mit ihrem Mut alle beeindruckt. Wer Yona lieber in Farbe erleben möchte, sollte zur äußerst gelungen Animeadaption greifen (erschienen bei KSM Anime / verfügbar auf Netflix).

Beasts of Abigaile
Yona - Prinzessin der Morgendämmerung
The Demon Prince

Karneval von Touya Mikanagi

Touya Mikanagi hat mit Karneval einen außergewöhnlich schönen, sehr atmosphärischen Fantasy-Manga geschaffen, der ohne Liebesgeschichte auskommt und mit seinen detailverliebten, dynamischen Zeichnungen und der spannenden Story punktet. Karneval ist bunt, verspielt und süß, aber auch düster und actionreich. Daher eignet sich die Reihe für Leser aller Altersgruppen und Geschlechter.

Die Protagonisten sind der naive Junge Nai, der isoliert aufgewachsen und daher wahnsinnig neugierig ist, und der mürrische Dieb Gareki, der Nai anfangs übers Ohr hauen will, dann jedoch Freundschaft mit ihm schließt. Die beiden stoßen zu Circus, einer Organisation, die Verbrecher und Mutanten jagt und die Bevölkerung mit Zirkusdarbietungen für das Chaos entschädigt. Die Mitglieder von Circus verfügen über besondere Fähigkeiten, mit denen sie den von der Organisation Kafka geschaffenen Mutanten Einhalt gebieten. Dabei stehen die Freundschaften und Feindschaften zwischen den facettenreichen Charakteren im Vordergrund und die actionreiche Mutantenjagd wird mit humorvollen Episoden und berührenden Momenten aufgelockert.

The Demon Prince von Aya Shouoto

Aya Shouoto ist eine der in Deutschland bekanntesten Shōjo-Zeichnerinnen, deren Reverse-Harem-Geschichten (also Manga, in denen mehrere junge Männer um die Gunst eines Mädchens buhlen) inhaltlich meist weniger überzeugen. Anders sieht es bei ihren düster angehauchten Fantasy-Manga aus. Wer ihren verspielten Zeichenstil grundsätzlich mag, sollte unbedingt einen Blick auf The Demon Prince riskieren: Ein eher ruhiger, mystischer Manga, in dem die Protagonistin Bekanntschaft mit der fernöstlichen Geisterwelt macht.

Die Waise Himari erbt ein Haus und will am liebsten sofort einziehen, auch wenn alle sie warnen, dass es sich um ein Spukhaus handelt. Als sie dort ankommt, muss sie feststellen, dass bereits drei junge Männer dort leben: Zwei Shikigamis und Aoi, der den Dämon Nue in sich aufgenommen hat und so zum Beschützer des Hauses und zum Wächter der Geisterwelt wurde. Neben He’s my Vampire ist The Demon Prince die bislang beste Serie von Aya Shouoto und fasziniert insbesondere mit der Doppelpersönlichkeit Aoi/Nue. Während Aoi ein sehr sanfter, freundlicher junger Mann ist, ist Nue eine düstere, mystische Gestalt, die mit ihrer melancholischen Ausstrahlung fasziniert. Zudem gewährt The Demon Prince spannende Einblicke in die japanische Mythologie, die auf westliche Leser exotisch und magisch wirkt.

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