Hard SF – Alles, was du über das Genre wissen musst

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Hard Science Fiction: Alles, was du über das Genre wissen musst


Hier wird die Science in der Fiction ganz groß geschrieben: Die Hard Science Fiction betont naturwissenschaftliche Grundsätze, wenn es um Geschichten in Zukunft oder All geht. Erfahre mehr über das phantastische Subgenre Hard SF.

Wo harte Science Fiction ist, da muss auch weiche sein: Lange verstand sich die Science Fiction in einer primär naturwissenschaftlich-positivistischen Tradition. Das heißt, für alles, was im All oder in der erdweltlichen Zukunft geschah, musste eine pseudowissenschaftliche Erklärung gefunden werden, und auch soziale Entwicklungen wurden unter diesen Gesichtspunkten betrachtet. Als Klassiker typischer Hard SF gilt daher bis heute etwa Hal Clements „Schwerkraft“, erstmals erschienen 1933.

Ab den 1950er Jahren wurden aber zunehmend Geschichten veröffentlicht, die einen eher geistes- oder wirtschaftswissenschaftlichen Blick auf Themen der SF warfen. Um die so entstandenen Subgenres voneinander abzugrenzen, wurden die Begriffe Hard und Soft Science Fiction eingeführt – in Anlehnung an die im englischsprachigen Raum gebräuchliche Unterscheidung in hard sciences (= Naturwissenschaften) und soft sciences (= Geistes- oder Kulturwissenschaften). Erstmals benannte so P. Schuyler Miller, Autor u. a. von „Die neuen Herrscher“, die beiden Subgenres. Doch erst in den 1970er Jahren konnte sich diese Abgrenzung durchsetzen – damals auch als Reaktion auf die progressive britische „New Wave“ unter Leitung von Michael Moorcock und J. G. Ballard.

Viele Autor*innen der Hard Science Fiction kommen dabei selbst aus der Wissenschaft. Alastair Reynolds etwa arbeitete bis 2004 als Astrophysiker für die ESA, Issac Asimov besaß einen Doktor der Biochemie. Gerade in jüngeren Romanen der Science Fiction sind „hard“ und „soft“ allerdings nur noch bedingt voneinander zu trennen, und technologische Neuerungen werden ebenso naturwissenschaftlich wie auch von einem sozialwissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet.

Zwei Formen der Hard Science Fiction

In der Hard Science Fiction lassen sich traditionell zwei Formen unterscheiden: Die eine wirft den Blick auf technologische Neuerungen einer nicht allzu weit entfernten Zukunft; diese Geschichten spielen oft auf der Erde oder zumindest innerhalb unseres Sonnensystems. Ein typischer Vertreter dessen ist etwa Arthur C. Clarke („Fahrstuhl zu den Sternen“, „Im Mondstaub versunken“).

Die zweite Form dagegen betrachtet das Leben auf neuen Welten und in fernen Sternensystemen und versucht dabei doch, stets wissenschaftliche Erklärungen für die Funktionsweise dieser Welten zu finden. Beispiele hierfür sind Larry Nivens „Ringwelt“ oder Greg Bears „Äon“.

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Mit Biotechnologie zum Wissenschaftsthriller

Bis in die 1980er Jahre hinein handelte die Hard Science Fiction vor allem von Raumfahrt und Astrophysik, von Neubesiedlungen und Kontakt mit außerirdischen Lebensformen.

Seither haben sich aber immer wieder neue Themen und technische Innovationen in den Wissenschaftsdiskurs und damit auch in dieser Literaturform geschlichen. Jens Lubaddeh widmete sich etwa in „Unsterblich“ Virtual Reality wie auch Klontechnik, in Peter Clines „Der Spalt“ läuft ein Teleportations-Experiment nicht ganz wie geplant. Als sehr populär haben sich etwa Romane wie Greg Bears „Das Darwin-Virus“, Kathleen Ann Goonans „Nanotech“-Zyklus oder Linda Nagatas „Götterfunke“ erwiesen, die sich mit Bio- oder Nanotechnologie auseinandersetzen.

Gerade die Biotechnologie steht dabei nicht nur für Fortschrittsbegeisterung, sondern auch für die Angst vor Entwicklungen, die sich der menschlichen Kontrolle entziehen. Wohl aus diesem Grund haben Ansätze gerade dieser Form von Hard SF auch ihren Weg ins Thriller-Genre gefunden – das Ergebnis sind sogenannte „Wissenschaftsthriller“. Populäre Vertreter dieser Richtung sind Michael Crichton („Vergessene Welt“, „Next“) oder Frank Schätzing („Der Schwarm“).

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Geht die Welt unter oder ist sie noch zu retten? Von CliFi bis Solarpunk

Eine eigene Unterform bildet inzwischen die sogenannte Climate Fiction (kurz CliFi), welche sich Fragen des Klimawandels und der globalen Erwärmung widmet. Ein frühes Beispiel dafür wäre Susan M. Gaines „Carbon Dreams“, inzwischen wird aber vor allem Kim Stanley Robinson dank Romanen wie „Forty Signs of Rain“ oder „New York 2140“ mit dem Thema verbunden. Als optimistische Variante der Climate Fiction hat sich wiederum der Solarpunk herausgebildet, der sich den erneuerbaren Energien annimmt.

Und immer wieder wird der Mars besiedelt

Aber auch „klassische“ Themen der Hard Science Fiction bleiben en vogue. Cixin Liu etwa verpasst in seiner „Trisolaris“-Trilogie dem Kontakt zu Außerirdischen ebenso neue Impulse wie Andreas Eschbach in seinem experimentellen „Exponentialdrift“. Insbesondere das Thema der Mars-Besiedlung wird immer wieder bearbeitet, sei es von Kim Stanley Robinson („Mars“-Trilogie), Stephen Baxter („Mission Ares“), Andy Weir („Der Marsianer“) oder anderen. Quasi einen Mars-Roman auf der Erde erzählt T. C. Boyle, wenn er in „Die Terranauten“ vom Alltag einer Handvoll Menschen erzählt, die innerhalb einer Glaskuppel leben, um das Leben auf dem Mars zu simulieren.

Zusammenfassend lässt sich damit sagen: Was auch immer die (Natur-)Wissenschaft beschäftigt, beschäftigt auch die Hard SF. Insofern verschafft sich das Genre immer wieder eine Verjüngungskur, die es weiterhin am Leben erhalten wird – zumal es medial wohlwollender betrachtet wird als viele andere Spielarten der Phantastik. 

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