Wie finde ich eine Agentur für meinen Science-Fiction- / Fantasy-Roman?

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KOLUMNE

Wie finde ich eine Agentur für meinen Science-Fiction- / Fantasy-Roman?


Kristina Langenbuch Gerez
28.09.2019

Du hast einen Fantasyroman geschrieben und willst ihn einem Verlag anbieten? Das geht am besten über eine (Literatur)-Agentur. Aber wie findet man die richtige? Hier ein paar Tipps von Kristina Langenbuch-Gerez, selbst Agentin bei der Langenbuch & Weiß Literaturagentur.

Was muss man tun, um als deutscher Autor oder deutsche Autorin bei einem tollen SF/Fantasy-Verlag zu landen?

Natürlich kann man besagtes Manuskript direkt an die Verlage schicken, aber bei Hunderten bis Tausenden von sogenannten „unverlangt eingesandten Manuskripten“, mit denen die Verlage im Jahr eingedeckt werden, stehen die Chancen leider meist sehr schlecht, dass man aus all diesen Einsendungen hervorgekramt wird. Lektorinnen und Lektoren in Verlagen haben heute so viel anderes zu tun, dass das Stöbern in diesen Manuskripten zu einer Randbeschäftigung gehört. Wie also finden diese Lektor:innen die tollen neuen Romane? – Sie vertrauen (neben den Verkaufszahlen von Büchern, die in den USA oder in Großbritannien schon sehr gut gelaufen sind) den Einschätzungen von Literaturagentinnen und -agenten. Was im Prinzip nur logisch ist: An einem Manuskript, das bereits eine andere Person, die sich in der Branche und mit dem jeweiligen Verlagsprofil gut auskennt, überzeugen konnte, wird vermutlich wirklich etwas dran sein. Also prüfen Lektor:innen diese Texte bevorzugt, in der Hoffnung, dass sie dort fündig werden.

Wie finde ich als Sci-Fi/Fantasyautor oder -autorin eine Agentur, und worauf muss ich bei meiner Suche achten?

Zunächst einmal solltet ihr ein fertiges Manuskript auf dem Rechner haben, das drei entscheidende Kriterien erfüllt:

Zum einen sollte es sprachlich sauber geschrieben sein, also sowohl grammatikalisch korrekt als auch nach der neuen deutschen Rechtschreibung verfasst. (Tipp: Wenn Rechtschreibung nicht eure Stärke ist, holt euch Hilfe und lasst euren Text unbedingt gegen- und notfalls von jemandem Korrektur lesen, der den Duden zu seinen Lieblingsbüchern zählt.)

Zum zweiten sollte euer Roman originell sein. Und damit ist nicht gemeint, dass er eine möglichst abstruse Mischung von Subgenres bietet, sondern dass er nicht die x-te Nacherzählung des Herrn der Ringe darstellt. Elfen und Orks könnt ihr natürlich darin auftreten lassen, aber hinterfragt ruhig einmal, ob ihr in eurem Text den bekannten Fantasyvölkern wirklich noch etwas Neues abgewinnen konntet oder ob man beim Lesen womöglich das Gefühl hat, man hätte diese Geschichte schon ein Dutzend Mal in anderen Variationen gelesen.

Zum dritten sollte euer Roman unbedingt einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende haben, und ihr solltet, auch wenn es sich bei eurem Werk um die fantasyübliche Trilogie handelt, bereits wissen, wie dieses Ende aussieht. In vielen DSA- und D&D-Runden wird fleißig mitgeschrieben und nicht selten entstehen daraus Heldensagen in Romanlänge. Aber nicht jedes Pen-&-Paper-Abenteuer taugt auch als Roman, denn ein solcher benötigt eine Spannungskurve und einen zusammenhängenden Plot vor einem gut durchdachten Weltenbau. (Und bedenkt bitte immer, dass die Welten von Star Wars oder Shadowrun durch das Urheberrecht geschützt sind und ihr euren Roman nicht einfach auf Alderaan oder in der Sechsten Welt spielen lassen könnt.)

Welche Unterlagen reiche ich bei Agenturen ein? Wie sollte meine Bewerbung aussehen?

Agenturen wünschen sich üblicherweise eine Leseprobe; die meisten möchten gerne den Anfang lesen, üblich sind dabei 20-50 Seiten. Dazu kommt ein Exposé, dessen Erstellung den meisten Autor:innen mehr graue Haare beschert als das Schreiben eines ganzen Romans (ihr findet am Ende dieses Artikels mehr dazu, was so ein Exposé beinhalten sollte*), sowie eine Autorenvita, die knapp etwas über euch als Autor oder Autorin erzählt, eventuelle bisherige Veröffentlichungen (und Preise, falls ihr schon welche gewonnen habt) auflistet und, falls ihr mögt, auch ein Foto von euch enthalten kann. Wichtig: Achtet unbedingt darauf, dass eure Unterlagen, also die Dateien, die ihr verschickt, klar benannt sind! „Exposé“ heißen noch Tausend andere Dateien – schreibt wenigstens euren Namen, am besten auch noch den Titel eures Werks dazu.

Was genau jede Agentur an Unterlagen bekommen möchte, steht in der Regel auf der jeweiligen Webseite. Und es gibt auch noch zwei andere Gründe, warum man sich die Webseiten der Agenturen auf jeden Fall ansehen sollte, bevor man seine Unterlagen zusammenstellt und verschickt: Zum einen gilt es herauszufinden, ob die Agentur überhaupt noch neue Einsendungen akzeptiert. Denn es bringt ja niemandem etwas, wenn man seine Unterlagen an eine Agentur verschickt, die gar nicht mehr auf der Suche nach neuen Autoren ist. Zum anderen ist es wichtig, sich das Profil und die eventuellen Schwerpunkte der Agentur anzusehen. Vertritt die Agentur überhaupt Autorinnen oder Autoren im eigenen Genre? Wenn eine Agentur explizit keine Fantasy- oder Science-Fiction-Literatur vertritt, findet man meistens einen Hinweis darauf auf der Webseite. Manche Agenturen vertreten nur Sachbuchprojekte, andere haben sich auf Kinder- und Jugendbuch spezialisiert … aber viele Agenturen machen fast alles, solange sie von den jeweiligen Projekten überzeugt sind.

Im Anschluss an diese Recherche stellt man seine Unterlagen zusammen – und zwar am besten passend auf jede Agentur zugeschnitten. Natürlich ist es einfacher, einen Satz Standardunterlagen zusammenzustellen und diesen dann breit gestreut an zahlreiche Agenturen zu versenden. Aber mal ehrlich – der beste Einstieg in eine gute Zusammenarbeit ist das nicht gerade, schließlich signalisiert das so viel wie „Ich hab mir nicht die Mühe gemacht“ oder „Es war mir nicht wichtig genug“. Der erste Eindruck zählt durchaus! – Tipp: Es ist übrigens durchaus erlaubt, mehrere Agenturen zur gleichen Zeit anzuschreiben. Meldet sich dann eine Agentur rascher als andere mit Interesse bei euch zurück, könnt ihr dies den anderen Agenturen, bei denen euer Text noch liegt, ruhig mitteilen – sehr wahrscheinlich prüfen sie den Text dann bevorzugt und geben euch zeitnah eine Rückmeldung. Und sollte ihr schon die passende Agentur gefunden haben, während der Text bei anderen noch zur Prüfung liegt, ist es nur fair, dort Bescheid zu geben, damit sie sich nicht umsonst Arbeit damit machen. Falls ihr euren Text auch bereits an Verlage geschickt habt, schreibt dies auch unbedingt in eure Bewerbung. Das ist kein Ausschlusskriterium, und einfach wichtig zu wissen für die Agentur.

Die Agenturen prüfen Exposé und Leseprobe, und sollte beides überzeugen und neugierig machen, fordern sie das Gesamtmanuskript an. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, sich mit einem bereits fertigen Manuskript bei Agenturen zu bewerben – denn so richtig freut sich kein Agent, wenn er ein interessantes Projekt gefunden hat und dann erfahren muss, dass es leider erst in einem Jahr fertig sein wird (Ausnahmen bestätigen hier die Regel, aber erkundigt euch im Zweifelsfall vorher, ob eine Agentur auch unfertige Manuskripte akzeptiert).

Im schönsten Fall habt ihr dann, sobald auch das Gesamtmanuskript überzeugt hat, ein oder mehrere Angebote für eine Vertretung auf dem Tisch. Die Konditionen der Agenturen ähneln sich meist sehr, aber es gibt ja auch noch andere Faktoren, die bei der Entscheidung eine Rolle spielen können: Manchen Autorinnen ist es wichtig, dass ihre Agentur geografisch nahe liegt, andere Autoren fühlen sich bei einer kleineren Agentur wohler als bei einer großen. Was auf jeden Fall wichtig ist, ist, dass man mit seinem Agenten oder seiner Agentin auf einer Wellenlänge liegt – sowohl was die gemeinsame Vision für die schriftstellerische Zukunft und die professionelle Zusammenarbeit angeht, als auch auf einer persönlich-menschlichen Ebene. Schließlich will man mit dieser Person in den nächsten Jahren eng zusammenarbeiten, ihr Verträge und Abrechnungen anvertrauen, gemeinsam über Ideen und Texte diskutieren und natürlich Erfolge feiern. Ein Telefonat oder persönliches Kennenlernen empfiehlt sich daher auf jeden Fall, bevor man bei einer Agentur andockt.

Was tut eine Literaturagentur für ihre Autor:innen?

Wie bereits angedeutet, übernimmt eine Agentur für ihre Autorinnen und Autoren die Vermittlung ihrer Werke sowie im Anschluss daran die Vertragsverhandlungen und die Abrechnung. Manche Agenturen arbeiten auch noch mit euch an euren Texten, bevor sie an die Verlage geschickt werden (wir nennen das ein „Vorlektorat“). Daneben ist sie eure Ansprechpartnerin bei neuen Projektideen oder Schreibblockaden, und sollte es einmal Probleme mit dem Verlag geben, an den euer Roman vermittelt wurde, dann schaltet sich die Agentur ein, klärt und vermittelt. Ihr bekommt also eine Partnerin an die Seite gestellt, die mit euch durch Dick und Dünn geht. Dafür erhält eure Agentur einen Anteil an dem, was ihr durch ihre Vermittlung verdient – das sind momentan üblicherweise zwischen 15 und 20 Prozent. Ganz wichtig: Eine seriöse Agentur arbeitet immer auf Erfolgsbasis – sie verdient also erst dann Geld, wenn auch ihr etwas verdient (zum Beispiel wenn ihr euren Verlagsvertrag unterschreibt oder euer Roman erscheint).

Es lohnt sich in jedem Fall, sich als Autor oder Autorin eine Agentur zu suchen. Und selbst wenn es bei den ersten Bewerbungen nicht sofort klappt, bekommt man mit etwas Glück eine Rückmeldung zum eigenen Text und kann weiter daran arbeiten – und es später mit einer neuen Version oder einem ganz anderen Projekt noch einmal probieren.

Ich wünsche allen von euch, die es mit einer Bewerbung bei einer Agentur versuchen, ganz viel Erfolg!

*Das Exposé

Ein Exposé dient der Agentur oder dem Lektorat dazu, euren Text rasch einschätzen zu können. Es gibt einen Überblick über die Handlung und die wichtigsten Figuren und ordnet euren Roman in der weiten Buchlandschaft ein. Es gibt keine einheitliche Form für ein Exposé, und gerade bezüglich der gewünschten Länge unterscheiden sich Agenturen zum Teil sehr, ihr solltet euch also unbedingt auf den jeweiligen Webseiten informieren. Die folgenden Dinge sollten aber auf jeden Fall darin stehen:

- Euer Name und Kontaktmöglichkeiten

- Der Titel eures Werks, ggfs. auch der Reihentitel, falls ihr einen Mehrteiler plant. Beachtet bitte, dass so ein Titel immer nur ein Arbeitstitel ist, der sich später ändern kann (weil der Verlag, vielleicht auch schon die Agentur noch eine knackigere Idee hat oder euer Wunschtitel bereits vergeben ist).

- Weitere Infos wie Genre (und Subgenre), Umfang, Setting und Perspektive. Da man bei Fantasy- und SF-Romanen zum Setting normalerweise einige Extraerklärungen liefern muss, bietet es sich an, einen eigenen Punkt zum Thema „Weltenbau/Setting“ zu machen.

- Die angedachte Zielgruppe – hier könnte ihr direkt beweisen, dass ihr euch schon auf dem Buchmarkt umgeschaut habt und euch Gedanken darüber gemacht habt, wer euer Buch kaufen könnte. „Leser von 9-99 Jahre“ ist erwartungsgemäß keine besonders hilfreiche Einordnung, aber zum Beispiel könntet ihr hier Vergleichstitel (Bücher, Filme, Serien …) nennen, die dem Leser eures Exposés eine erste Idee vermitteln, in welche Richtung ihr mit eurem Text gehen wollt.

- Ein erster Kurzinhalt in 3-5 Sätzen, der zusammenfasst, worum es in eurem Roman geht – dabei darf man wie bei einem Klappentext ruhig ein bisschen neugierig werden.

- Eine Übersicht zu den wichtigsten Figuren mit Kurzzusammenfassungen – wobei hier nicht deren Lebenslauf gefragt ist, sondern ihre Entwicklung, die sie im Laufe des Romans durchmachen (Lebenslauf/Vorgeschichte und Aussehen sollten nur erwähnt werden, falls sie für die Handlung wichtig sind).

- Eine Inhaltsangabe, die die vollständige Handlung eures Romans auf einer bis zwei Seiten zusammenfasst. Konzentriert euch hier auf den Hauptkonflikt und lasst Nebenhandlungen weg. Falls ihr eine Reihe schreibt, fügt noch jeweils kurze Ausblicke auf die Folgebände an, sodass die Leser eures Exposés sehen können, wie es ganz am Ende ausgeht.

Es kommt euch vermutlich zunächst unmöglich vor, den Inhalt eures 600-seitigen Romans auf zwei Seiten zusammenzufassen. Tipp: Schreibt verschiedene Versionen der Inhaltsangabe, probiert unterschiedliche Ansätze aus. Am Ende findet ihr eine Fassung, in der die wichtigsten Eckpunkte der Handlung drinstehen.

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