Tipps für Selfpublisher: 10 Dos and Don’ts

ESSAY

Tipps für Selfpublisher: 10 Dos and Don’ts


Phillip P. Peterson
27.08.2019

Um ein erfolgreicher Buchautor zu werden, braucht man Talent, Einfallsreichtum, Disziplin – und die richtige Strategie bei Amazon & Co. 10 Tipps für Selfpublisher von Bestsellerautor Phillip P. Peterson.

Sie haben eine tolle Idee und möchten sich selbst einmal als Schriftsteller ausprobieren? Dann könnten Sie in Versuchung geraten, eine Karriere als Selfpublisher zu starten. Wahrscheinlich haben Sie schon davon gehört: Man lässt von einer Freundin und Hobbygrafikerin ein nettes Cover entwerfen, während die als Sekretärin arbeitende Mama die letzten Rechtschreibfehler rausfischt, lädt sein Manuskript bei Amazon oder einem anderen Anbieter hoch und schon ist man der neue Star in den Bestsellerlisten. Immerhin hat es bei Andy Weir („Der Marsianer“) und E.L. James („50 Shades of Gray“) geklappt. Es spricht nichts gegen einen Versuch. Um Sie dabei zu unterstützen habe ich Ihnen zehn Dos and Don’ts aus meiner eigenen Erfahrung als Selfpublisher zusammengestellt.

1. Do: Einen guten Roman schreiben

Damit Leser ihren Roman toll finden, sollte er genau das sein: toll! Es gibt tatsächlich gewisse Regeln, die man beherzigen sollte, wenn man einen interessanten Roman schreiben will. Das fängt bei Techniken zur Erstellung interessanter Charaktere an, setzt sich über Modelle des Plotaufbaus fort und führt schließlich zu Stilmitteln für unterschiedliche Situationen. Denn schließlich liest sich eine atemlose Actionszene ganz anders als eine einfühlsame Liebesszene, wobei durchaus beides innerhalb ein und desselben Romans vorkommen kann. Zu diesem Thema gibt es unzählige Bücher, Kurse im Internet und Schreibschulen, die Ihnen Drei-Akt-Modell, Heldenreise und Dramaturgie nahebringen. Mit etwas Glück hat auch die VHS in Ihrem Heimatort einen Kurs in Kreativem Schreiben. Einen guten Roman aufs Papier zu bringen ist letztlich ein Handwerk. Und das kann man lernen.

2. Don’t: Auf eine Nachbearbeitung verzichten

Man sieht es immer wieder. Hoffnungsvolle Nachwuchsautoren haben in monatelanger Arbeit ihr Werk fertiggestellt und brennen nun voller Ungeduld darauf, es unter die Leser zu bringen. Gerade die neuen Möglichkeiten des Selfpublishing laden regelrecht dazu ein: Schnell hochladen und schon können es die Leute im Online-Shop kaufen. Soll ich Ihnen etwas sagen? Tun Sie es nicht. Mein Ratschlag: Halten Sie es wie erfahrene Berufsautoren und nehmen Sie sich Zeit für eine ausführliche Bearbeitung des Manuskripts. Manche Schriftsteller, wie Bestseller-Autor Andreas Eschbach, legen ihre ersten Entwürfe erst einmal für Monate in die Schublade, denn genau das ist Ihr Manuskript jetzt: ein Entwurf. Wissen Sie, was Hemingway gesagt hat? „Der erste Entwurf ist immer Scheiße!“ Wenn Sie mir nicht vertrauen, dann vertrauen Sie Hemingway.

Nach einer Atempause, wenn ihr Schriftstellergehirn nach dem Schreibprozess mal ordentlich durchgelüftet wurde, holen Sie den Blätterstapel wieder hervor und können nun mit einem frischem Blick die Schwachstellen beseitigen. Vielleicht fällt Ihnen auf, dass ein Charakter zu schlampig eingeführt oder eine Actionszene zu schwammig geschildert wurde oder es gibt zu viele Adverbien oder Wiederholungen einzelner Wörter, aber ich garantiere Ihnen: Sie werden Schwächen finden! Und Sie wollen doch einen tollen Roman veröffentlichen, der die Leser begeistert, nicht wahr? Also nehmen Sie sich die Zeit für eine gründliche Nachbearbeitung – auch dafür gibt es Techniken und gute Bücher, die diese erklären.

3. Do: Ein Lektorat beauftragen

Sie haben jetzt wochen-, monate- oder gar jahrelang an ihrem Manuskript gearbeitet und nach dem letzten Durchgang entschieden: Es ist perfekt! Besser kann ich es nicht machen!

Sie werden garantiert wieder ein Kribbeln spüren. Dieses Kribbeln ist der Drang, das Manuskript heute noch bei Amazon auf die Menschheit loszulassen, schnellstmöglich die Top 10 zu erklimmen und mit den Tantiemen des Meisterwerks endlich die Villa auf Barbados zu kaufen. Doch dann kommen Sie ins Grübeln, denn da gibt es so eine komische Sache, von der Sie mal gehört haben, die alle Verlagsautoren und auch die erfolgreichen Selfpublisher machen lassen. Genau, ein Lektorat. Doch die letzten Rechtschreibfehler kann sicher auch die als Sekretärin erprobte Mama umsonst übers Wochenende rausfischen, oder etwa nicht?

Nein, kann sie nicht. Es gibt den weitverbreiteten Trugschluss, dass im Lektorat lediglich Grammatik und Rechtschreibung kontrolliert und verbessert werden. Doch ein professioneller Lektor leistet so viel mehr. Er (oder sie) liest das Werk mit den Augen eines Lesers, bewertet die Struktur, sucht nach langweiligen oder überflüssigen Stellen, findet Schwächen in der Charakterentwicklung oder Logikfehler. Findet Figuren, die eigentlich vor dreihundert Seiten schon gestorben sind und macht Vorschläge, Sätze, Absätze und Kapitel prägnanter, präziser und spannender zu gestalten. Kurz: Es geht nicht um die Rechtschreibung, sondern um alles, was mit dem Inhalt des Romans zu tun hat. Mein letzter Roman mit 300 Taschenbuchseiten Umfang ist mit über 3000 Korrekturen und Änderungsvorschlägen aus dem Lektorat gekommen. Oft macht ein Lektorat den Unterschied zwischen einem professionellen Text und einem, der sich wie Amateurgeschreibsel liest. Auch heute, nach zehn veröffentlichten Büchern, bin ich immer noch jedes Mal über den Qualitätssprung überrascht, den ein Manuskript während des Lektorats gemacht hat. Und Sie sollten keinesfalls darauf verzichten, wenn Sie wirklich den Umzug nach Barbados planen. Suchen Sie sich einen Lektor, dem Sie vertrauen und mit dem Sie gut zusammenarbeiten. Viele Lektoren bieten ein Probelektorat und ich kann Ihnen nur empfehlen, dieses zu nutzen.

Und was ist mit den Rechtschreibfehlern? Die werden von der Lektorin im letzten Schritt aus dem Text gefischt. Diesen Vorgang nennt man dann übrigens Korrektorat.

4. Don‘t: Cover selber machen

Nun ist ihr Manuskript aus dem Korrektorat zu Ihnen zurückgekehrt und es liegt auf der Festplatte bereit, in die Welt hinausgelassen zu werden. Doch da fällt Ihnen diese blöde Sache ein, die nicht nur Taschenbücher, sondern auch E-Books haben: Ein Titelbild. Oder besser gesagt: ein Cover. Nun überlegen Sie, schnell selber etwas zu malen oder einen dieser Titelbildgeneratoren bei ihrer E-Book-Plattform zu nutzen, denn es kommt ja sowieso auf den Inhalt des Buches an. Mein Rat: Tun Sie es nicht!

Das Cover ist das erste, was dem potentiellen Käufer ins Auge springt. Noch vor Titel und Klappentext. Und wenn beim Leser nur der geringste Zweifel aufkommt, dass es sich um ein professionelles Produkt handelt, dann wird er zu einem anderen Buch greifen. Auch wenn Malerei oder Fotografie und Photoshop zu Ihren Hobbys gehören, würde ich einen professionellen, erfahrenen Grafiker empfehlen.

Ein Flop wird ihr Buch ebenfalls, wenn das Titelbild von den üblichen Genre-Konventionen abweicht. Leser, die ein Buch suchen, haben Erwartungen. Und sie suchen nach Büchern, die diese erfüllen. Und das fängt schon beim Cover an. Gehen Sie einmal in die Buchhandlung und schauen Sie sich an, wie ähnlich manche Titelgestaltungen innerhalb des selben Genres sind. Wenn Sie sich davon zu weit entfernen, dann wird ihr Buch garantiert zum Ladenhüter. Suchen Sie einen Grafiker, der Erfahrung mit dem Genre Ihres Buches hat.

Natürlich kosten Lektorat und Coverdesign Geld, das man mit dem Verkauf des Buches erst mal wieder verdienen muss. Aber vergessen Sie nicht, dass Sie als Selfpublisher auch Unternehmer sind. Und wenn ein Unternehmer nicht bereit ist, in die Qualität seines Produktes zu investieren, dann wird er keinen Erfolg haben. Wenn Sie dieses Risiko nicht tragen wollen, sollten Sie ihr Manuskript vielleicht doch besser an einen Verlag schicken.

5. Do: Marketing betreiben und Leser gewinnen

Nun haben Sie einen tollen Roman und ein Cover, das potentiellen Lesern den Atem raubt. Voller Vorfreude laden Sie das Buch bei den gängigen Plattformen hoch und warten auf die ersten Käufe. Doch nach einigen Tagen stellen Sie ernüchtert fest: Nur drei Leser haben das Buch gekauft. Und diese drei kennen Sie leider auch persönlich: Sie selbst, Ihre Frau und Ihre Mama. Woran liegt das?

Leider konkurrieren Sie mit einer Vielzahl anderer Autoren, viele davon schon mit einer festen Leserschaft, die deren Bücher nach dem Erscheinen automatisch in die Charts katapultieren oder einem Verlag im Rücken, der eine Medienkampagne organisiert hat. Ihr Werk hingegen hat keinerlei Bewertungen und taucht in den Shops erst auf der siebenhundertachtundneunzigsten Stelle auf. Obwohl das Buch fantastisch ist, wird es nicht gekauft. Und Amazon und Co. sind Ihnen keine Hilfe, denn diese zeigen Kunden Ihr Buch in den Listen nur an, wenn es sich bereits hinreichend verkauft hat.

Es gibt da diese eine Sache, die Ihnen helfen kann und die nennt sich Marketing. Das muss nicht unbedingt bezahlte Werbung sein, sondern jede Methode, die Ihnen dabei hilft, das Buch bekannter zu machen und einen ersten Stamm an Lesern aufzubauen. Zunächst sollten Sie Ihrem Autorenleben eine Internetseite spendieren, auf der Sie ihre Bücher vorstellen, über Neuigkeiten informieren und idealerweise zu relevanten Themen bloggen. Dann legen Sie Social-Media-Profile an, die auf Ihre Homepage verweisen. Aber auch hier muss man erst mal Nutzer finden. Melden Sie sich auf Leserseiten wie lovelybooks.de an, wo Sie Exemplare ihres Buches verlosen und Leserunden starten können. Suchen Sie Buchblogger im Netz und bieten Sie höflich an, ihnen ein Probeexemplar Ihres Buches zu schicken. Schreiben Sie für relevante Blogs Gastartikel, die auf ihr Werk und Ihre Homepage verweisen. Seien Sie kreativ. Gerade im Internet sind die Möglichkeiten endlos. Außerdem gibt es im Indie-Bereich vermehrt Literaturpreise für die Sie sich mit Ihrem Werk bewerben können. Manchmal hilft auch ein Anruf in der Lokalredaktion Ihrer Zeitschrift, die immer gerne über Autoren vor Ort und ihre Geschichte einen Artikel veröffentlichen. Idealerweise beginnen Sie mit den Marketingaktionen schon lange, bevor Sie das Buch veröffentlichen.

Video: Tipps für Selfpublisher: 10 Do's & Dont's

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6. Don’t: Nur als E-Book bei Amazon veröffentlichen

Es ist vollbracht. Ihr Werk wurde als E-Book bei Amazon veröffentlicht. Weil Sie Arbeit und Geduld in Ihre Marketingkampagne gesteckt haben, wurde es bereits oft gekauft und weil es so gut ist, sind die Bewertungen von Bloggern und Lesern fantastisch. Doch wie geht es weiter? Zum einen sollten Sie wissen, dass Amazon zwar einen ordentlichen, aber doch nur begrenzten Teil des deutschen Buchmarktes ausmacht. Sie können Ihr E-Book auch bei anderen Shops anmelden, zum Beispiel bei der Tolino-Allianz, Google Books oder dem Apple Store. Damit Sie nicht jeden Laden einzeln beliefern müssen, gibt es Dienstleister wie Neobooks, bei denen Sie ihr Buch hochladen können und die es dann für einen Anteil an den Tantiemen an die einzelnen Shops weiterverteilen.

Dann gibt es natürlich noch das gedruckte Buch. Viele Leser genießen es, weiterhin Romane auf Papier zu lesen, also sollten Sie ein Taschenbuch erstellen. Wenn Sie das tun, sollten Sie beachten, dass das Erstellen eines guten Buchlayouts seine eigenen Herausforderungen mit sich bringt und dass mit Microsoft Word angelegte Bücher meistens nicht sehr ansehnlich sind und sich nicht mit Verlagsprodukten messen lassen können. Hier gibt es entweder teure Softwarelösungen wie Vellum oder Sie geben das Erstellen des Layouts an einen externen Dienstleister ab.

Vorher müssen Sie sich natürlich auch darüber Gedanken machen, wo Sie ihr gedrucktes Buch veröffentlichen wollen. Sie können das bei Amazon machen, aber dann kann ihr Taschenbuch auch ausschließlich bei Amazon bestellt werden. Gehen Sie zu einem anderen Dienstleister wie BoD, so kann der gedruckte Roman in jeder Buchhandlung gekauft werden. Sind die Verkaufszahlen hier gut genug, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass große Buchhandlungen Ihren Roman in ihre Regale stellen.

Dann gibt es noch die Möglichkeit, Hörbücher erstellen zu lassen, denn diese Form des Buchkonsums erfreut sich inzwischen großer Beliebtheit. Eine Internetsuche zeigt Ihnen mehrere Dienstleister, die die Vertonungen in die Downloadshops bei audible und den anderen gängigen Anbietern bringen. Bitte produzieren Sie in diesem Falle Ihr Hörbuch nicht selber, sondern delegieren Sie diese Aufgabe an ein professionelles Studio und engagieren Sie einen professionellen Sprecher. Wegen der damit verbundenen Kosten würde ich aber damit warten, bis sich bei Ihren Büchern schon ein gewisser Erfolg eingestellt hat.

7. Do: Den Autor als Marke aufbauen

Sie haben es geschafft! Ihr Science-Fiction-Roman ist die Charts hinaufgeklettert und war sogar einmal kurz in den Top 10 bei Amazon. Doch wie soll es weitergehen? Natürlich haben Sie schon Ideen für das nächste Buch. Da Sie von Action und Hightech nun erst einmal die Nase voll haben, wollen Sie nun erst mal die Vampirromanze schreiben, die Ihnen schon lange im Kopf herumgeistert. Soll ich Ihnen etwas sagen? Tun Sie das nicht! Die Leute, die Ihren atemlosen SF-Reißer toll fanden, wollen genau so etwas wieder lesen und erwarten natürlich auch wieder ein ähnliches Buch. Wenn Sie nun radikal das Genre wechseln, dann werden sich viele Leser von Ihnen abwenden und nach einem neuen Lieblingsautoren Ausschau halten. Viele erfolgreiche Autoren sind mit einem ganz bestimmten Genre verbunden. Denken Sie an die Gerichtsthriller von John Grisham, die Thriller von Sebastian Fitzek, die Schnulzen von Rosamunde Pilcher. Diese Autoren verkaufen Unmengen an Büchern, weil der Leser genau weiß, was ihn erwartet, und er nicht enttäuscht wird. Also nehmen Sie für Ihren neuen Roman einen Stoff aus demselben Genre. So schärfen Sie Ihr Profil als Autor und bauen Sich selbst als Marke auf.

Natürlich arbeiten Sie weiterhin an Ihren Social-Media- und Internetauftritten, damit Ihre Leser Sie bis zum nächsten Roman nicht vergessen haben. Als SF-Autor schreiben Sie zum Beispiel über den neuesten Star-Wars-Film oder neue technische Entwicklungen. Bieten Sie vielleicht auch mal einer Zeitung oder einem bekannten Blog einen Gastartikel an. Und, ganz wichtig, geben Sie ihren Fans die Möglichkeit, sich in einen E-Mail-Newsletter einzutragen, damit Sie diese informieren können, wenn Ihr neues Buch erscheint. Gerade die gehäuften Käufe der Fanleser lassen ein Buch nach dem Erscheinen sehr hoch in die Charts steigen und sorgen für Sichtbarkeit auf den Plattformen. Tun Sie alles, um sich und ihre Bücher ins Gespräch zu bringen. Schärfen Sie ihr Profil mit einem ungewöhnlichen – aber passenden – Outfit, mit dem Sie auf Lesungen und Messen auftreten.

Und was ist jetzt mit der Vampirromanze, die Sie unbedingt schreiben wollen? Das können Sie gerne tun, aber vielleicht besser unter einem anderen Pseudonym.

8. Don’t: Sich über schlechte Rezensionen ärgern

Natürlich haben Sie nach der Veröffentlichung Ihres ersten Romans immer die Rezensionen bei Amazon und den anderen Plattformen in Blick behalten. Die ersten Bewertungen Ihres Romans waren toll und Sie haben sich gefreut, dass die Leser von Ihrem Buch so begeistert waren. Und dann kamen immer mehr Fünf-Sterne-Bewertungen dazu, was natürlich wieder zu Ihrer Selbsteinschätzung beigetragen hat, der geborene Starautor zu sein. Doch dann passiert es: Plötzlich steht da eine Ein-Sterne-Bewertung, die Ihr Buch regelrecht in den Schmutz zieht. Und Sie als Autor mit dazu! Ihr Puls steigt auf hundertachtzig und Ihr Blutdruck ist ebenfalls in schwindelerregende Höhen geklettert. Schon sitzen Sie an Ihrem Schreibtisch, um unter diese Rezension einen gepfefferten Kommentar zu schreiben. Tun Sie es nicht!

Jeder erfahrene Autor weiß, dass Rezensionen, sowohl von Lesern als auch von professionellen Rezensenten, mit Vorsicht zu genießen sind. Die guten lassen einen auf Wolke Sieben schweben, während die schlechten den Autor in den Keller der Depressionen ziehen. Dazu muss man sagen, dass beides, nämlich Lob und Kritik, zum Leben eines Schriftstellers einfach dazugehören. Und jeder Autor wird in seinem Berufsleben beides bekommen. Dazu gilt es einen vernünftigen Umgang zu lernen.

Zum einen muss man sagen, dass Rezensionen niemals objektiv sein können, es sei denn, sie beziehen sich auf solide handwerkliche Fehler des Romans wie die Rechtschreibung. Ansonsten hat jeder Leser seine eigenen Vorlieben und Abneigungen. Wenn Sie schon länger im Geschäft sind, werden Sie merken, dass Leser Sie für Dinge an Ihrem Roman loben, die der nächste Rezensent aufs schärfste kritisiert. Sehen Sie ein, dass Sie es nicht jedem Recht machen können. Versuchen Sie es gar nicht! Konzentrieren Sie sich auf Ihre Fans und die Menschen, die Ihre Bücher und Ihren Stil mögen.

Zum anderen muss man feststellen, dass Kritiken und Sternebewertungen oft keinen nennenswerten Einfluss auf den Erfolg eines Buches haben. Es gibt Bücher, die ausschließlich Fünf-Sterne-Bewertungen haben und sich trotzdem nicht verkaufen. Ebenso finden Sie Platz-Eins-Bestseller, die absolut unterdurchschnittliche Kritiken haben, sich aber trotzdem super verkaufen, einfach weil das Thema sehr polarisierend ist.

Gerade wenn man neue Leser gewinnen will, muss man schlechte Bewertungen in Kauf nehmen, weil Ihr Buch nun mal nicht jedem gefallen kann. Sollten Sie also bei ihren neuen Büchern ausschließlich Top-Bewertungen haben, würde ich mir eher Sorgen machen, dass Sie möglicherweise keine neuen Leser mehr erreichen.

Schreiben Sie keinesfalls emotionale Kommentare zu den Rezensionen bei Amazon. Das wirkt unprofessionell und pedantisch. Gönnen Sie den Menschen das Recht auf Ihre eigene Meinung, auch wenn diese Ihnen nicht gefällt. Die Produktseiten bei Amazon & Co. sind sowieso nicht das geeignete Medium zum Austausch mit Ihren Lesern. Dafür haben Sie ihre eigenen Social-Media-Kanäle und Ihre Homepage. Am besten ignorieren Sie die Rezensionen und konzentrieren sich auf Ihr nächstes Buchprojekt.

9. Do: Ihren Roman selber ins Englische übersetzen lassen

Nehmen wir einfach mal an, Sie haben gerade ihren fünften Roman herausgebracht und können inzwischen gut vom Schreiben und Veröffentlichen Ihrer Werke leben. Mit anderen Worten: Sie sind nun ein erfolgreicher Autor und Selfpublisher. Dann fällt ihr Blick wehmütig auf die andere Seite des Atlantiks mit 250 Millionen potentiellen Lesern, wo Pulitzer-Preise vergeben werden und Hollywood-Filmoptionen auf erfolgreiche Autoren warten. Doch bisher hat leider noch kein amerikanischer Verlag bei Ihnen angeklopft. Und was jetzt? Warum nicht einfach das eigene Buch übersetzen lassen und auf den englischsprachigen Markt werfen? Was in Deutschland geklappt hat, wird doch sicher auch in Übersee klappen.

Die Antwort lautet: vielleicht. Es kommt drauf an. Zum einen auf den Stoff. Amerikaner lesen andere Bücher als die Deutschen. Gerade Krimi-Autoren werden es drüben sehr schwer haben, da Amerikaner lieber Thriller lesen, die dann aber auch in Amerika spielen. Ein Ostsee-Krimi wird in den USA keine Chance haben. Eher interessant dürfte Science-Fiction oder Fantasy sein, da diese Romane ohnehin in einer Fantasiewelt spielen und in Amerika genauso beliebt sind wie hierzulande.

Aber seien Sie gewarnt: Die Konkurrenz ist brutal! Bücher selber zu schreiben ist in Amerika, wo es an jeder High School einen Kurs im Kreativen Schreiben gibt, deutlich verbreiteter als hierzulande und die Autoren arbeiten häufig professioneller. An Selfpublisher wird in Amerika auch ein höherer Anspruch gestellt als in Deutschland. Es kann durchaus sein, dass Ihr Fünf-Sterne-Buch, selbst wenn die Übersetzung gut ist, gnadenlos beim amerikanischen Publikum durchfällt. Was Sie ebenfalls vergessen können: Mal mit einem Buch einen Test auf dem Amazon-Markt starten. Sichtbarkeit in Amerika erlangen Sie erst, wenn Sie regelmäßig Bücher veröffentlichen und Ihre Fanbasis wächst. Ein Einzelroman wird mit Sicherheit in der Masse untergehen. Eine bessere Chance hat eine Reihe, deren Teile nach und nach erscheinen und wiederum neue Leser auf den ersten Teil neugierig machen.

Kommen wir zu den Kosten: Übersetzungen sind teuer. Für 300 Seiten können Sie schon mal zehntausend Euro rechnen, dazu kommt noch das Lektorat, das Sie ja ebenfalls für die englische Version brauchen und vielleicht auch ein neues Cover, da wir es auch hier mit unterschiedlichen Erwartungen zu tun haben. Sparen Sie hier niemals an Geld, versuchen Sie sich mit Ihrem Schulenglisch nicht selber an einer Übersetzung und engagieren Sie nur englische Muttersprachler mit entsprechenden Referenzen in der Übersetzung von Literatur. Abstriche in der Qualität werden die Leser Ihnen sofort mit vernichtenden Rezensionen vergelten. Also haben Sie für eine fünfteilige Buchreihe schnell fünfzigtausend Euro und mehr ausgegeben. Dazu kommt noch, dass in Amerika ohne Marketing so gut wie gar nichts läuft. Zumindest für die erste Sichtbarkeit brauchen Sie garantiert eine bezahlte Social-Media-Kampagne.

Übersetzungen können Sie sehr reich machen und in Amerika das Interesse größerer Verlage auf sich ziehen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist deutlich größer, dass Sie einen Haufen Geld zum Fenster rauswerfen und die Kosten aus diesem Abenteuer niemals wieder herausbekommen. Bitte gehen Sie dieses Risiko nur ein, wenn Sie das Geld auf dem Konto haben und definitiv nicht für etwas anderes brauchen.

10. Don‘t: Verlagsangebote pauschal ablehnen

Nun, da Sie ein erfolgreicher Selfpublisher sind, wird womöglich der Tag kommen, an dem das Telefon bei Ihnen klingelt. Ob Sie nicht Lust haben, mal ein Buch über einen Verlag zu veröffentlichen. Viele Indie-Autoren, die bis dahin im Alleingang ihre Autorenkarriere aufgebaut haben, werden die Nase rümpfen und das Angebot schleunigst zurückweisen. Warum den Gewinn mit jemandem teilen, wenn man bei der Veröffentlichung über Amazon und Co. alles behalten kann?

Ich würde mir das gut überlegen, denn eine Verlagsveröffentlichung hat einige Vorteile. Zum einen ist es so, dass große Verlage eine Marketingabteilung haben, die Ihr Buch und Ihren Namen bei einer Vielzahl neuer Leser bekannt macht, die Sie bisher noch gar nicht erreichen konnten. Generell gibt es immer noch Unterschiede in der Leserschaft zwischen Selfpublisher und Verlagsautoren, die ihre Kunden oftmals noch eher in der Buchhandlung ansprechen als im Internet. Selbst wenn Sie mit diesem Werk weniger verdienen als mit einem selbst veröffentlichten, kann das Gewinnen neuer Leser dennoch im Hinblick auf Ihre Backlist und Ihre zukünftigen Werke äußerst lukrativ sein.

Interessant ist eine Verlagsveröffentlichung auch für Werke, die anspruchsvoller sind als die Standard-Action-Kost, da diese auch für Buchpreise in Frage kommen, was bei Indie-Produktionen eher nicht der Fall ist. Ein Verlag wird auch immer versuchen, die Nebenrechte zu verkaufen, so dass hier wahrscheinlich auch ein Audiobuch produziert wird und die (zugegebenermaßen unwahrscheinliche) Chance einer Übersetzung winkt.

Darum würde ich an Ihrer Stelle einen Verlag nicht direkt abweisen, da eine Zusammenarbeit auch für Sie äußerst lohnenswert sein kann, wenn die Konditionen stimmen. Viele erfolgreiche Selfpublisher sind Hybridautoren, die zumindest hin und wieder auch eine Veröffentlichung in einem großen Publikumsverlag einplanen.

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