Bildquelle: Hexenflug der "Vaudoises"; Miniatur in einer Handschrift von Martin Le France, Le champion des dames, 1451

BUCH

Fünf Fantasy-Bücher über Hexen


Von Hermine Granger bis Sabrina Spellman: Hexen kommen in der Fantasyliteratur nicht aus der Mode. Christian Handel stellt euch Bücher vor, die auf unterschiedliche, aber immer unterhaltsame Weise den Archetypus Hexe neu interpretieren.

Der Hexenladen von Tanya Huff

Ihr mochtet die Owens-Familie in Practical Magic – Zauberhafte Schwestern? Die Gales von Tanya Huff sind mindestens ebenso schräg, liebenswert und durch und durch magisch. Die Sonnenwendfeiern der Großfamilie sind legendär. Im Mittelpunkt des (in sich abgeschlossenen) ersten Bandes Der Hexenladen steht Alysha, die von ihrer Großmutter eine Ladenwohnung in Calgary erbt. Der Laden ist über und über mit Trödelkram vollgestopft – und der Großteil der Kunden besteht aus den übernatürlichen Bewohnern der Gegend. Im zweiten Band rückt Alyshas Cousine Charlotte in den Mittelpunkt, die aufgrund ihrer Begabung zur Wilden Magie eine Sonderstellung in der Familie einnimmt. Charlotte legt sich in Wilde Wege mit der berühmt-berüchtigten Tante Catherine an, um sowohl eine Selkie-Familie zu beschützen als auch Ölbohrungen vor der kanadischen Küste zu verhindern. Beide Romane sind durch und durch zauberhaft. Die Gales verfluchen und hexen, was das Zeug hält, ihre Handys und Musikinstrumente sind magisch – und den unschuldig und liebenswürdig wirkenden Tanten kommt man besser nicht in die Quere.

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Der magische Schlüssel von Kate Forsyth

In Eileannan leben neben Menschen zahlreiche magische Völker wie z. B. Satyricorns, Seeschlangen, Drachen und Baumwandler. Die Macht über das Land lag lange in den Händen der Hexen, die in ihren zwölf Türmen lehrten, schützten und heilten. Seit der Righ unter dem Bann einer dunklen Zauberin steht, sind sie jedoch geächtet und werden verfolgt. Gut verborgen in einem abgelegenen Tal bildet die alte Waldhexe Meghan das Findelkind Isabeau heimlich aus. Sie unterrichtet sie in der Kunst des Kristallsehens, in der Sprache der Tiere, in der Kräuterkunde und der Beschwörung der Elemente. Denn eines Tages, da ist sie sich sicher, werden sich die verfolgten Hexen von Eileannan erheben … Über zahlreiche Bände hinweg und aus der Sicht mehrerer Figuren erzählt die australische Autorin Kate Forsyth von einer High-Fantasy-Welt, die von schottischen Mythen und Sagen inspiriert wurde. Dadurch hebt sich Der magische Schlüssel deutlich von den zahlreichen anderen Zyklen des Genres ab.

Alle Vögel unter dem Himmel von Charlie Jane Anders

In Charlie Jane Anders’ Urban-Fantasy-Roman treffen die Hexe Patricia und der Nerd Laurence immer wieder aufeinander. In der Schule waren sie befreundet, dann haben sie sich aus den Augen verloren. Obwohl sie ihre Traumberufe ergattern konnten, sind sie beide nicht glücklich. Patricia ist zwar offiziell Hexe, muss im Auftrag ihres Ordens allerdings vor allem Flüche aussprechen. Laurence wurde nach der Erfindung der Zwei-Sekunden-Zeitmaschine Mitglied eines supergeheimen Wissenschaftsprojekts, tritt aber seither auf der Stelle.

Als um sie herum die Welt buchstäblich auseinanderfällt, finden sie sich zu allem Überfluss noch auf zwei unterschiedlichen Seiten eines uralten Konflikts wieder: Magie gegen Technik. Denn darüber, wie die Apokalypse vielleicht noch aufgehalten werden könnte, haben Patricias und Laurence’ Vorgesetzte völlig unterschiedliche Vorstellungen. All die Vögel unter dem Himmel ist ziemlich abgefahren, traurig und witzig. Ein Buch, an dem sich die Geschmäcker scheiden, das aber gerade deshalb so besonders ist.

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Die Schwarzen Juwelen von Anne Bishop

Frauen an die Macht. In Anne Bishops dunklem Universum herrschen Hexenköniginnen und Schwarze Witwen von ihren Burgen aus über ihr Volk. Wer das Sagen hat, bestimmt das Ausmaß der Macht, das sich in den magischen Juwelen widerspiegelt, die jede Hexe besitzt. Je dunkler ihre Steine, desto mächtiger ist sie. Wer jetzt glaubt, in einem Matriarchat ginge es automatisch sanfter oder gerechter zur Sache, erlebt hier eine Überraschung. Die Hexen in Die Schwarzen Juwelen sind zum großen Teil Sadistinnen, die mit eiserner Hand regieren. Ihr Hofstaat ist bis zur Perversion verkommen und besteht aus weniger mächtigen, aber ihnen treu ergebenen Hexen sowie männlichen Magiekundigen, die ihren Herrinnen als Sklaven dienen. Die Hoffnung der Unterdrückten ruht auf einer alten Prophezeiung. Eines Tages soll HEXE kommen, Trägerin der Schwarzen Juwelen, die mit der Schreckensherrschaft aufräumt. Jaenelle könnte dieses Mädchen sein. Mehrere Kriegerprinzen und der Lord der Hölle selbst machen es sich zur Aufgabe, sie zu schützen, damit sie nicht einem Attentat zum Opfer fällt, ehe sie das Schicksal des Universums ändern kann. Anne Bishops Saga hat sicher die romantischste Handlung unter den hier vorgestellten Büchern, aber auch die düsterste. So leidenschaftlich die Heldinnen und Helden in Dunkelheit und den Nachfolgebänden auch lieben, so grausam und brutal spielt ihnen auch das Schicksal mit. Die Hexenköniginnen und ihre Kreaturen quälen, bestrafen und missbrauchen ihre Opfer mit einer Lust, die selbst die von Ramsay Bolton in den Schatten stellt.

Der Clan der Wölfin von Maite Carranza

In Maite Carranzas Hexen-Trilogie, die mit Der Clan der Wölfin beginnt, geht es um einen Krieg der Hexen. Die unsterblichen, grausamen Odish-Hexen bekämpfen die sterblichen Omar. Es geht aber auch um die Beziehung von Frauen aus drei verschiedenen Generationen: einem jungen Mädchen (der Hauptfigur Anaid), ihrer Mutter und ihrer Großmutter. Wie alle Familien verbirgt auch diese ein schreckliches Geheimnis. Darauf stößt Anaid jedoch erst, als ihre Mutter über Nacht spurlos verschwindet. Denn weder die Freundinnen ihrer Mutter noch Anaids Großtante wollen die Polizei verständigen. Stattdessen offenbaren sie dem Mädchen ihr magisches Erbe. Als Anaids Kräfte erwachen, wird sie plötzlich in die Welt des Übernatürlichen und die teils jahrhundertealten Intrigen, die diese beherrschen, hineingezogen. Sie begegnet sogar der „Blutgräfin“ Erzebet Bathory. Viele Phantastik-Geschichten machen diese Ungarin zu einem Vampir. Die spanische Autorin macht sie zur Hexe. Der Clan der Wölfin punktet durch sein frisches Magie-Konzept und das interessante Setting. Die Handlung beginnt in Spanien, im Verlauf der Trilogie reisen die Figuren nach Ungarn, Südamerika, Italien und sogar Island. Die Kultur und die Vorstellung der Inuit von Hexen floss ebenso in die Geschichte mit ein wie die Vorstellung der Südeuropäer.

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