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BUCH

LGBT und die Phantastik: 25 Fantasy-Bücher mit queeren Helden


Machen wir uns nichts vor. Fantasy- und Science-Fiction-Romane, in denen queere Figuren vorkommen, sind selten. Ganz zu schweigen von Romanen, in denen sie die Hauptrolle spielen. Hier ein paar Buchtipps, in denen auch Queers die Heldinnen und Helden sind.

Regenbogenfahnen, laute Musik und jede Menge gute Laune. Im Sommer finden regelmäßig rund um die Welt Pride- und Christopher-Street-Day-Paraden statt, auf der LGBT-Menschen und ihre Freunde für Gleichberechtigung, Toleranz und Anerkennung eintreten. Queer – das ist heute die Sammelbezeichnung, die sich Schwule, Lesben, Transgender, Bi- und Asexuelle etc. selbst gegeben haben. Sie verstecken sich nicht länger. Wo aber stecken die queeren Figuren in der Fantasy? Man muss schon nach ihnen suchen.

Autorinnen und Autoren scheint es mitunter leichter zu fallen, sich in die Psyche von Aliens, Orks und sprechenden Tieren einzudenken, als in die von sexuell anders orientierten Menschen. Damit teilen queere Figuren das gleiche Schicksal wie Charaktere anderer ethnischer Herkunft oder mit Behinderungen, die im Genre ebenfalls stark unterrepräsentiert sind. Wenn, dann darf im günstigsten Fall mal der schwule beste Freund als Randfigur im Jugendroman auftauchen. So war das jedenfalls lange Zeit. Heute habe ich für euch einige Buchtipps im Gepäck, die in deutscher Sprache vorliegen und in denen auch queere Personen Heldinnen und Helden sein dürfen.

Moderne Klassiker

Regis Hastur ist eine Person, die in mehreren Darkover-Romanen von Marion Zimmer Bradley vorkommt. Im bereits 1975 erstveröffentlichten Hasturs Erbe ist er der Protagonist: der Erbe der Königskrone des Planeten Darkover. Obwohl er später heiratet, ist er verliebt in seinen Jugendfreund Danilo. Das Buch ist recht zahm, und der schwule Plot steht nicht im Mittelpunkt; es gilt aber wie auch Ursula K. LeGuins Die linke Hand der Dunkelheit als bahnbrechend für seine Zeit und war Wegbereiter für viele andere Romane, in denen queere Helden tragende Rollen spielen.

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Als Fanfavorite gilt die Schattengilde-Reihe von Lynn Flewelling. Die sich langsam entwickelnde Beziehung des Halbelfen Seregil und des Diebes Alec nimmt zwar eine zentrale Rolle im Verlauf der Serie ein, die mit Das Licht in den Schatten beginnt. Das Schöne ist an den Büchern allerdings, dass sie darüber hinaus überaus spannende Mantel & Degen-Abenteuer erzählen. Denn Alec und Seregil sind magisch begabte Spione der Königin von Skala, deren Regentschaft von dunklen Mächten bedroht wird.

Wer bin ich?

Noch ambitionierter und vielleicht sogar packender ist die Tamír-Trilogie der Autorin, die in der gleichen Welt spielt, nur einige hundert Jahre früher. Sie erzählt das Coming of Age einer jungen Königin, die im falschen Körper aufwächst. Um sie vor den Nachstellungen ihres wahnsinnigen Onkels zu schützen, kleidet eine Hexe eine junge Prinzessin kurz nach ihrer Geburt in die Gestalt ihres ermordeten Zwillingsbruders. Arglos wächst Tamír als Junge von einem Zauberer geschützt, aber ohne Freunde auf dem Land auf. Ihre Mutter ist über den Tod ihres anderen Kindes wahnsinnig geworden – und der Geist ihres Bruders sucht das einsam gelegene Schloss heim. Erst mit Einsetzen der Pubertät begreift Tamír, was ihre Eltern ihr angetan haben, um sie zu retten. Der verwunschene Zwilling, Die verborgene Kriegerin und Die prophezeite Königin können als Transgender-Geschichte gelesen werden – oder einfach nur als herzzereißende, düstere High-Fantasy-Trilogie mit großartigen Charakteren und überraschenden Wendungen. Die Saga wird zu Recht von Autoren wie George R. R. Martin und Anne Bishop hochgelobt.

Ebenfalls mit Geschlechteridentitäten und sexueller Ausrichtung spielt Ellen Kushners Die Dienerin des Schwertes. Neil Gaiman sagte einmal über die Autorin, ihre Geschichten wirkten auf ihn so, als würde Jane Austen Fantasy schreiben. Wo die Tamír-Trilogie düster und dramatisch ist, ist dieses Buch amüsant und augenzwinkernd. Die verarmte Adelstochter Katherine erhofft sich durch die Einladung ihres Onkels in dessen herrschaftliches Stadtanwesen sozialen Aufstieg und eine wohlhabenden Ehemann. Stattdessen lässt sie der exzentrische, offen schwule Herzog in der Fechtkunst unterrichten. Bald kämpfen die beiden sich durch die zahlreichen Intrigen, die um sie herum gesponnen werden. Die Dienerin des Schwertes wurde sowohl für den World Fantasy Award als auch für den Nebula Award nominiert und ist herrliche Feelgood-Lektüre voller bissiger Dialoge.

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Urban Fantasy

In der Urban Fantasy trifft man queere Helden etwas häufiger an als in der High Fantasy – in Patricia Briggs Mercy Thompson-Serie ist die Titelheldin mit einem schwulen Werwolf befreundet, in Cassandra Clares Die Chroniken der Unterwelt finden ein Dämonenjäger und ein unsterblicher Magier zusammen und in Seanan McGuires October Daye-Reihe sind sämtliche Fae ohnehin bisexuell. Tanya Huff macht in ihrer Spin Off-Serie zu Blood Ties endlich einen schwulen Magier zum Protagonisten einer Urban-Fantasy-Reihe. Um seinem Liebeskummer zu entkommen, zieht Tony, der Exgeliebte des vampirischen Bastardsohns von Heinrich VIII., nach Vancouver. Dort nimmt er einen Job als Produktionsassistent bei der Vampirserie Darkest Night an. Es dauert nicht lange, bis er erneut in übernatürliche Fälle verwickelt wird: Geister, Dämonen und Hexer machen ihm das Leben schwer. Band 1 heißt Rauch und Schatten.

Es wird langsam bunter

In den letzten Jahren begegnet man queeren Figuren häufiger. Mit Ash (978-3426283448) hat Malinda Lo einen Cinderella-Roman geschrieben, in dem sich ihr Aschenputtel nicht in den Prinzen verliebt, sondern in die königliche Jägerin. In V. E. Schwabs Weltenwanderer-Trilogie, die mit Vier Farben der Magie (978-3596296323) beginnt, ist der Bruder des Protagonisten queer und Die Prinzen (978-3453318205), eine Trilogie aus der Feder der australischen Autorin C. S. Pacat, folgt einem klassischen, leicht phantastischen Romance-Plot – stellt aber zwei Männer in den Mittelpunkt und kein heteronormatives Paar. Eine interessante Idee ist hier, dass in Pacats Welt homosexuelle Affären nicht geächtet sind. Adelige gehen solche außerehelich überraschend freizügig ein, weil durch diese Verbindungen keine unliebsamen Bastarde entstehen. In Leigh Bardugos Das Lied der Krähen gibt es gleich mehrere schwule und bisexuelle Figuren. Zudem thematisiert die Autorin hervorragend Behinderungen und unterschiedliche ethnische Herkünfte, ohne dass dies zu Lasten der Geschichte geht. Im Gegenteil, es bereichert die packende Handlung. Und in der Nevernight-Trilogie von Jay Kristoff wechselt die Protagonistin Mia gerne mal zwischen männlichen und weiblichen Lovern. 

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Queere Jugendfantasy

Am experimentierfreudigsten scheint – nicht nur was queere Themen angeht – die Jugendfantasy zu sein. Von vielen älteren Fantasylesern belächelt, empfinde ich gerade dies als eine Sparte, in der sich Autoren ausprobieren und abseits althergebrachter Pfade bewegen. In Holly Blacks Urban Fantasy Der Prinz der Elfen verlieben sich sowohl die Protagonistin Hazel als auch ihr Bruder Ben in den Sohn des Königs der Feen. Der Autorin gelingt es, sowohl die verzauberte Anderswelt als auch die Tatsache, dass Ben schwul ist, mit wohltuender Leichtigkeit zu beschreiben.

Im August erscheint endlich Audrey Coulthursts zuvor verschobene Eine Krone aus Feuer und Sternen. Darin wird Prinzessin Denna in ein anderes Königreich geschickt, um des lieben Friedens willen den fremden Prinzen zu heiraten. Doch dort verliebt sich Denna in dessen Schwester Mara.

Rainbow Rowells Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow liest sich gleichzeitig wie eine Hommage und ein Seitenhieb auf Harry Potter. Während J. K. Rowling es nicht geschafft hat, innerhalb von sieben Büchern in Hogwarts auch nur einen einzigen offen homosexuellen Schüler unterzubringen und ihr nachträgliches Dumbledore-Outing auch einen schalen Beigeschmack hat, erzählt Rowell fetzig und frech die funkensprühende Liebesgeschichte des Auserwählten Simon Snow und seines Frenemies, Vampir und Zimmerkamerad Baz. Ähnlichkeiten zu Harry und Draco sind natürlich rein zufällig. Nicht. Die romantische Komödie war so beliebt, dass nächstes Jahr eine Fortsetzung kommt. 

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Ebenfalls Anfang nächsten Jahres erscheint eine Fantasy-Novellenserie von Seanan McGuire im Sammelband unter dem Titel Der Atem einer anderen Welt. Im Mittelpunkt stehen jene Jugendliche, die als Kinder Anderswelten besucht haben – seien sie nun in Kaninchenlöcher gefallen, durch Schränke geklettert oder hinter einen Spiegel gereist. Jetzt aber sind sie in der Realität gestrandet. Wer mit dieser nicht mehr zurecht kommt, findet Zuflucht in Eleanor Wests Haus für Kinder auf Abwegen – und einige von ihnen sind homo-, bi-, asexuell oder transgender. In diesem Internat ist jeder willkommen!

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Queere Phantastik in Deutschland

Auch deutschsprachige Autorinnen und Autoren trauen sich ab und an – aber leider noch viel zu selten – über lesbischschwule Charaktere zu schreiben und ihnen in ihren Geschichten prominente Rollen einzuräumen. In Kerstin Ruhrkiecks Dystopie Forbidden Touch gibt es neben einem heteronormativem Protagonistenpärchen auch ein schwules Liebespaar. Regina Mars schickt in Plötzlich Prinzgemahl einen Dieb in Frauenkleidern in den kaiserlichen Palast. Eine Blitzhochzeit später ist er überraschend mit dem Thronerben verheiratet und stolpert so in eine unerwartete Liebesgeschichte. Mit BRÏN hat Sameena Jehanzeb ein Debüt vorgelegt, in dem sie mehrere Genrekonventionen gegen den Strich bürstet. Jeanne d’Arc und Jack the Ripper, ein fremder Planet, Fantasyportale, eine Mörderjagd und eine lesbische Liebesgeschichte – das ist ein wilder Mix, der sich etwas traut und trotzdem (oder deshalb) gut funktioniert. Unbedingt erwähnen möchte ich noch Andreas Suchanek, der vor einigen Jahren den Kleinverlag Greenlight Press gründete. Dort verlegt er inzwischen mehrere Serien. Bemerkenswert daran ist, dass nicht nur einige davon bereits wiederholt für den Deutschen Phantastik Preis nominiert waren bzw. ihn gewonnen haben, sondern vor allem, dass in allen von ihnen gleich mehrere LGBT*-Figuren tragende Rollen spielen: sowohl in Nicole Böhms Die Chroniken der Seelenwächer und Nadine Erdmanns CyberWorld als auch in Suchaneks SciFi-Saga Heliosphere 2265 und seiner Urban Fantasy Das Erbe der Macht.

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