Auf Teufel komm raus: Fünf Bücher mit satanischen Gastauftritten

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Auf Teufel komm raus: Fünf Fantasy-Bücher, die den Teufel in sich haben


Noch im Mittelalter zeigte sich der Teufel als bestialisches Monster, erst mit der Renaissance ändert sich seine Erscheinung. Fünf Fantasy-Bücher, in denen der Teufel eine wichtige Rolle spielt.

Keine Dämonen, keine Diener der Hölle – hier soll es ausschließlich um den Teufel selbst, den Verwirrer, das Böse schlechthin gehen. Denn kaum eine andere Gestalt dürfte wie er sowohl Märchen wie belletristische Literatur besiedeln. Er vereint alle menschlichen Ängste auf sich, flüstert und verführt. Wo der Teufel ist, gibt es keinen richtigen Weg mehr. Noch im Mittelalter zeigte er sich als bestialisches Monster, die Hölle selbst öffnete sich als gieriger Schlund. Erst mit der Renaissance und der Aufklärung ändert sich seine Erscheinung, der Teufel legt das Bestialische ab und wird ein Trickser, ein Rebell vor dem Herrn. Vor allem Goethes Mephistopheles aus dem Faust prägt sein Auftreten. Bis heute. Hier folgt ein kleiner Einblick mit herausragenden Gastauftritten des Satans in fünf Romanen der Phantastik.

Jeremias Gotthelf – Die schwarze Spinne

Mit dem Teufel lässt sich die Moral an die Wand malen – und das besonders anschaulich. So muss es sich zumindest Jeremias Gotthelf Mitte des 19. Jahrhunderts gedacht haben, als er seine Novelle »Die schwarze Spinne« schrieb. Darin zwingt der Ritter Hans von Stoffeln die Bauern eines Dorfes zur Umpflanzung von Bäumen. Und natürlich setzt er ihnen dafür eine unmögliche Frist.

Wer muss aushelfen? Der Teufel. Er erscheint als Jägersmann mit roter Feder am Hut und bietet seine Dienste an. Günstig wie immer verlangt er nur ein ungetauftes Kind. Den Pakt besiegelt er mit dem Kuss auf die Wange einer Frau. Dann geht es schnell: Er pflanzt die Bäume um, die Bauern sind glücklich. Wäre da nicht der Priester des Dorfes, der mit seinem Gewissen ringt. Und alle Neugeborenen sicher vor dem Antichrist rettet. Aber Geschäft ist Geschäft. Weswegen der Teufel die ganzen Aktionen nicht gutheißen kann und fortan eine schwarze Spinne das Dorf terrorisieren lässt.

Gotthelfs Novelle lässt sich auf der einen Seite wie ein Märchen lesen, eine Geschichte mit einer eindeutigen Botschaft. Wie so viele Texte aus dieser Zeit hat Gotthelf ihr eine Rahmenerzählung verpasst, sodass die Moral von der Geschicht ziemlich schnell klar wird. Denn der Autor schrieb nicht nur, sondern verdingte sich ebenfalls als Pfarrer. Und zur Not braucht es eben den Teufel, um seine Lehren unter das Volk zu bringen. Auf der anderen Seite lässt sich »Die schwarze Spinne« als kleines, wuchtiges Buch über die Pest lesen. Oder über das Böse schlechthin, über Verrat, Intrigen und Hässlichkeit.

Michail Bulgakow – Der Meister und Margarita

Was passiert, wenn der Teufel im Moskau Anfang des 20. Jahrhunderts Einzug hält? Der alte Trickser lockt allerlei Menschen in ihr Verderben, während er mit abschätzigem Gestus danebensteht. Michail Bulgakow schrieb mit Der Meister und Margarita einen Klassiker der surrealen Phantastik. Die Erzählkunst schlägt dem Leser hier von jeder Seite entgegen.

Alles fängt mit Berlioz, dem Vorsitzenden einer Literaturgesellschaft, und dem Lyriker Besdomny an. Während sie in einem Park über die Nichtexistenz von Christus debattieren, erscheint ihnen ein Professor der Schwarzen Magie: »Was seine Zähne betrifft, so trug er links Platinkronen und rechts Goldkronen. Bekleidet war er mit einem teuren grauen Anzug und dazu passenden ausländischen Schuhen.« Doch der Fremde entpuppt sich bald als weit wenig naiv. Denn er offenbart Besdomny und Berlioz, dass Jesus existiert habe.

Michail Bulgakow verknüpfte seinen Roman und dessen Handlung eng mit der Bibel und auch Goethes Faust. Bis die Hauptfigur in diesem Buch überhaupt auftaucht, darf der Teufel hier fast 200 Seiten wüten und Chaos hinterlassen. Berlioz prophezeit er einen dramatischen Tod. Am Ende landet der abgetrennte Kopf des Vorsitzenden einer Literaturgesellschaft neben den Gleisen einer Bahn. Ein Auftritt im Varieté lässt der Teufel ebenfalls zu einem Spiel mit dem Wahnsinn werden. Und zeigt, dass Menschen alles tun. Es braucht nur das passende Lockmittel.

Doch neben dem Teufel tauchen allerlei Gesellen aus seinem Gefolge in Der Meister und Margarita auf. Etwa Behemoth, ein menschengroßer und sprechender Kater, dessen Erscheinung zu den unheimlichsten Kreaturen der modernen Literatur gehört.

Bulgakow hat mit diesem Buch einen märchenhaften Albtraum geschaffen. Satire findet sich hier ebenso, erst 26 Jahre nach dem Tod des Autors erschien der Roman in gekürzter Version. Doch der dunkle Sog dieses Buchs überwiegt durch seine Darsteller aus der Finsternis der tiefsten Höllenkreise.

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Stephen King – In einer kleinen Stadt

»Das Buch parodiert in der Tat den amerikanischen Glauben, dass es gut ist, alles zu haben, was man will. Ich bin da anderer Meinung«, sagte Stephen King über seinen 1991 veröffentlichte Roman In einer kleinen Stadt. Wie so oft trifft es die deutschsprachige Übersetzung des Titels nicht wirklich, im Original heißt das Buch eben Needful Things. Und darüber lässt sich vortrefflich streiten, was nun notwendige Dinge sind.

Eines Tages eröffnet Leland Gaunt einen Laden in Castle Rock. Das Sortiment besteht aus so ziemlich allen erdenklichen Sachen. Vasen, Kleidung, Baseballkarten. Was diese Dinge kosten? Preise verraten es nicht. Stattdessen verlangt Gaunt kleine Gefallen oder Streiche von seinen Kunden für die von ihnen begehrten Gegenstände.

Das Chaos bricht in der Kleinstadt aus. Denn hinter Gaunt verbirgt sich der Leibhaftige, der hier auf Seelenfang geht. Am Ende zeigt er sein wahres Gesicht: Erst als Dämon, dann als flammendes Pferd setzt Gaunt zum großen und finalen Akt in dieser Geschichte an. Der Teufel zeigt sich in diesem Roman des US-Schriftstellers als Trickser, der jedoch gar nicht besonders viele übernatürliche Kräfte braucht, um die Menschen in den Wahnsinn zu treiben. Angst und Gier dienen im Kapitalismus als Antrieb. Gaunt muss sie sich nur zunutze machen. Seine Angebote wirken verlockend und hinterlassen doch so viel Leid, Schmerz und Zerstörung.

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die der Teufel nutzt, um die Menschen zu verführen. Dass Kings Roman nicht als Parodie ankam, dürfte an seinem ernsten und moralischen Ton liegen. Allerdings überwiegt der Höllenritt, der sich auf knapp 900 Seiten anhand von ein paar Kleinigkeiten entzündet. Menschen können manchmal furchtbar gierig, gedankenlos und blöd sein. Es ist eben wirklich nicht gut, alles zu haben, was man will.

Gebrüder Grimm – Der Teufel und seine Großmutter

Wenn ein Buch unser modernes Bild vom Teufel geprägt hat, dann die Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm. Zwischen Zwergen, Geißlein und Schweinchen hat der Antichrist den einen oder anderen Auftritt – und in keiner Geschichte lässt er es so krachen wie in »Der Teufel und seine Großmutter«.

Ein großer Krieg verwüstet das Land, drei Soldaten wollen sich vor dem Wehrdienst drücken und verstecken sich in einem Feld. Allerdings macht das Heer genau dort einen mehrtägigen Zwischenstopp. Die drei Männer würden bald verhungern. Wenn ihnen da nicht der Teufel begegnet wäre. In Form eines Drachen.

Wieder einmal kommt es zum Handel: Flugdienstleistung in sichere Gebiete sowie sieben Jahre Glückseligkeit für die drei Soldaten, danach dann drei Seelen für den Teufel. Und weil es so schön ist, legt Satan noch eine Peitsche drauf, mit der sich Geld aus dem Nichts schlagen lässt. »Doch will ich euch«, sprach er, »erst noch ein Rätsel aufgeben, könnt ihr das raten, sollt ihr frei sein und aus meiner Gewalt entlassen.« Die drei Soldaten nehmen das Angebot dankend an und verleben sieben gute Jahre. Allerdings kommen ihnen dann Zweifel. Erst über Umwege und zufällig gelangt einer der drei Männer in das Haus der Großmutter des Teufels. Wenn jemand eine Lösung weiß, dann ja wohl sie, oder?

Zahlreiche Bearbeitungen erhielt diese Geschichte über die Zeit, doch der trickreiche Teufel, den noch trickreichere Menschen reinlegen, gehört mittlerweile zu den Archetypen der modernen Literatur – und lässt sich längst nicht mehr nur im Märchen finden. War der Satan im Mittelalter eine unberechenbare Bestie, zeigt sich hier bereits ein anderes Bild: Der Teufel kann gegen Menschen verlieren. Selbst wenn er sich in einen Drachen verwandelt.

Leo Perutz – Die dritte Kugel 

Betrug schmerzt: »Da fuhr sich der Teufel mit beiden Händen wild in die Haare und stieß kreischend in großer Verzweiflung den Kopf ein ums andre Mal gegen die Wände.« Denn in dem Roman Die dritte Kugel von Leo Perutz spielt der Teufel in dem Reigen um Krieg, Magie und Verrat munter mit. Nur handelt es sich bei Cortez, Grumbach und der Herzog von Mendoza um verschlagene Gestalten, die selbst den Antichristen in den Wahnsinn treiben.

Der phantastische Roman von Perutz erschien bereits 1915 und führt seine Leser in die Welt der Azteken. Dort fallen die Europäer ein und ringen um geheimes Gold und Macht. Drei Kugeln sollen nach einer Prophezeiung bestimmte Personen treffen. Und obwohl diese Voraussage die Runde macht, lässt sie sich auf magische Weise nicht verhindern.

Wie so oft bei Perutz liegt diesem Roman ein verschachtelter Bauplan zugrunde, verschiedene Handlungsstränge lassen Leerstellen in der Geschichte entstehen. Der Leser muss sie selbstständig füllen. Und so eine eigene Version des Buchs für sich selbst in der eigenen Phantasie entstehen lassen.

In der Mitte des Romans mischt dann der Teufel endlich mit. Grumbach ruft ihn, verlangt eine Arkebuse. Dafür bietet er ihm sein linkes Auge. Was der Teufel nur nicht weiß: Grumbach verlor sein Auge einst in einer Schlacht, trägt seitdem einen Verband über dem Loch in seinem Gesicht. Der Teufel bemerkt den Betrug jedoch erst, als er die Waffe besorgt hatte. Heulend flieht er aus der Hütte, haut jedoch vorher erneut seinen Kopf mehrmals gegen die Wand.

Wer in diesem alternativen Historienroman genau liest, sieht Perutz‘ diverse Fallen. Denn in den Beschreibungen seiner Figuren lässt er mehrmals durchblitzen, dass sie selbst teuflische Äußerlichkeiten haben.  Die dritte Kugel ist ein beeindruckender Abenteuerroman. Mit einem ziemlich kleinlauten Teufel. Und einer diabolischen Konstruktion.

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